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 Betreff des Beitrags: Umgang mit Neid
BeitragVerfasst: 22.04.2007, 21:32 
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Hallo,

ich habe das Thema in einem anderen Forum ziemlich aktuell gelesen und mich auch beteiligt. Es ist eine kurze, aber interessante Diskussion abgelaufen und vielleicht kann sich hier ein ansprechender Thread entwickeln. Ich werfe das Thema nicht auf, weil mich etwa eine besondere aktuelle Betroffenheit umtreibt, sondern weil es in unserem Metier immer wieder als Belastungsfaktor auftaucht.

Es wurde in der Diskussion herausgearbeitet, dass das Thema viele Facetten hat. Es ging darum, Zielscheibe von Neid zu sein, aber auch Bekenntnisse, selbst neidig gewesen oder aktuell zu sein. Es wurde unterschieden zwischen Neid und Missgunst und festgestellt, dass neidgespeiste Konflikte auf Nebenkriegsschauplätzen stattfinden und nie das eigentliche Grundthema auf den Tisch bringen.

Bietet Singen/Kunst einen speziellen Fokus für Neid? Warun laufen diese Konflikte verdeckt ab und sind so zerstörerisch für alle Seiten? Wie schafft man die Gratwanderung, eine ungerechtfertigte Behandlung so auf den Tisch legen zu können, dass man nicht am Schluss als Neidhammel dasteht?

Wie sind eure Meinungen/Erfahrungen zu diesem Thema?

LG,

dola


Zuletzt geändert von Dola1 am 22.04.2007, 21:58, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.04.2007, 21:53 
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Hallo dola,
ich will man ganz vorsichtig an dieses Thema rangehen.
Ich kann sicherlich nicht ausschließend hin und wieder neidisch auf etwas zu sein.
Grundsätzlich lasse ich jedem seines Freiheit, solange er nicht mich für seine Freiheiten mißbraucht.
Was ein anderer durch mehr Fleiß und Hingebung an der Sache erreicht, sollte keinen Neid hervorrufen.
Wenn einer des oder der anderen Günstling ist, so kann dies sehr wohl Neid hervorrufen, wird aber die Tatsache nicht aus der Welt schaffen.
Wichtig ist, daß man aufkommende Fragen klärt, denn sonst kann es zu Mußgunst kommen.

Dies nur mal als Einstieg, später vielleicht mehr.

LG rugero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 23.04.2007, 11:38 
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Liebe dola,

ich hatte "drueben" ja schon was dazu gesagt, aber auch hier noch mal ein paar Worte, da Du ja auch einige Facetten einbringst, auf die ich noch nicht oder nur eingeschraenkt eingegangen bin.

Ich denke, kuenstlerische Berufe (andere aber natuerlich auch!) sind generell "neidanfaellig", und das auch verschiedenen Gruenden:

1. Kunst ist generell schwer objektiv zu messen. Wenn man jetzt mal von ganz grundlegenden Kriterien ausgeht (im Gesang natuerlich, dass die Stimme gut ausgebildet und auf einem gewissen Stand ist etc.), bietet sie viel mehr Spielraeume fuer subjektive Einschaetzungen als andere Berufe. Was besser oder schlechter ist, kann, von den "Basiswerten" mal abgesehen, von unterschiedlichen Leuten auch ganz unterschiedlich bewertet werden.
2. Kuenstler selbst sind oft eine bestimmte Art Mensch. Da haben wir einmal die Selbstdarsteller, die neidisch sind, sobald jemand anders ihnen die Show stiehlt. Oder eben die Sensibelchen, die von staendigen Selbstzweifeln geplagt sin. Auch die sind in aller Regel neidisch, wenn auch vielleicht auf eine andere Art und Weise. Oder im schlimmsten Fall die Kombination von beidenm (gibt es oefter als man denkt).

Wie ich im anderen Forum schon sagte, bin ich selbst neidisch. Ich gehoere allerdings zu der Kategorie, die sich eher selbst "abstraft", indem ich anfaenge, im Kreis zu rennen ("Was hat die, was ich nicht habe? Bin ich denn so unfaehig/untalentiert/haesslich/was auch immer?"). Das ist sehr ungesund gegen einen selbst.
Intrigenspinnerei ist allerdings ungesund fuer den Beneideten, insbesondere dann, wenn er/sie nichts mal dafuer kann (was ja sehr oft so ist). Da bekommt jemand etwas durch eine dritte Instanz - weder der Beneidete doch der Neider haben entschieden. Die Wut richtet sich aber eben oft gegen das Neidobjekt, NICHT gegen den, der die Entscheidung traf, was unfair ist.

Wie spricht man das aber an? Nicht gerade einfach. Zuerst sollte man mit sich selbst "ins Gericht gehen". Heisst, wenn die erste Emotionalitaet verflogen ist, kritisch hinterfragen: "Kann ich das wirklich genauso gut? War es wirklich unfair, die andere Person zu bevorzugen? Hat der/die vielleicht haerter gearbeitet?"
Oft stellt sich dann schon raus, dass die Entscheidung vielleicht doch berechtigt war.

Wenn nicht, muss es raus, damit es einen selbst und auch andere nicht vergiftet. Wichtig ist dabei Diplomatie und der richtige Zeitpunkt. Mehr kann man dazu eigentlich kaum sagen, da die Situationen so unterschiedlich sein koennen.

Wenn es allerdings um Neid auf bestimmte Eigenschaften geht, kann man nur seinen eigenen Umgang damit aendern. Wenn jemand z.B. besser aussieht (was sowieso immer relativ ist), kann ich das nicht aendern (es sei denn, ich renne rum wie eine graue Maus, dann kann ich etwas AN MIR SELBST aendern). Eine schoene Frau kann ja aber nun mal nichts dafuer, dass sie eine schoene Frau ist und wird mir zuliebe auch nicht mit einer Hornbrille und fettigen Haaren rumrennen, damit es mir besser geht.
Schlimm ist es, wenn dann, da man an diesem Umstand nichts aendern kann, Vorwaende gesucht werden, der anderen Person das Leben schwer zu machen um sich selbst aufzuwerten. Man ist neidisch darauf, dass diese Person gut ankommt (insbesondere beim anderen Geschlecht) und faengt dann an, nach etwas zu suchen, um sie in einem unguenstigen Licht darzustellen. Oft wird die Frau dann zum Flittchen degradiert, oder es werden ihr andere unschoene Eigenschaften angedichtet. Ist nur ein Beispiel von vielen, aber gerade das, was sehr haeufig vorkommt.

Da muss man sich einfach selbst kritisch hinterfragen ...


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BeitragVerfasst: 23.04.2007, 12:03 
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Neid und Mißgunst sind IMO subjektive Empfindungen. Die können sich an all und jedem festmachen.

Neid entsteht, wenn ein anderer etwas hat oder erreicht hat, was man auch selbst gern (gehabt) hätte, materielle Güter, Ruhm, Erfolg, Stimme, Figur, Aussehen, Stil, Lebensart, etc.. Neid führt zu Frust, spornt aber auch an.

Mißgunst ist in der Mehrzahl eigentlich eine Folge von Neid. Man gönnt dem oder der anderen nicht das Natur-Gegebene oder Erreichte.

Neid und Mißgunst als subjektiven Motivationsantrieb ist durchaus positiv und kreativ. Leider durchbrechen aber häufiger unsere animalischen Instinkte die charakterliche, verstandesmäßige (Selbst-)beherrschung. Wir reagieren dann gereizt, aggressiv bis hin zur Bösartigkeit. Es werden Intrigen gesponnen, Fallen gestellt, gelogen, betrogen und wozu Menschen sonst auch immer fähig sind. Davon ist der Normalmensch ebenso betroffen, wie die vermeintlich bessere Gesellschaft oder die Hochintelligenz.

Letztlich ist das zwar auch menschlich - aber die bessere Bewältigung ist eben die positve Verarbeitung und Nutzung von Neid und Mißgunst.

Gruß
MARIO


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 Betreff des Beitrags: Neid und Missgunst
BeitragVerfasst: 23.04.2007, 19:33 
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Außer dass der Neid zu den sieben Hauptsünden zählt, bin ich nicht der Meinung, Neid bewirke Positives, triebe an. Es gibt mehr oder weniger neidige Menschen, vielleicht ist das erziehungsbedingt. Wie schon erwähnt, löst Neid weitere Unarten und Bösartigkeiten aus, alle durchaus verachtenswert. Manchen sehr neidvollen Menschen ist diese Neidigkeit schon ins Gesicht gezeichnet. Den Neid als Allegorie zu zeichnen finde ich leicht.
Verfallt bitte nicht in den Fehler, euch dem Neid auszuliefern um mehr Antrieb zu erhalten, die Rechnung geht sicher nicht auf.
Ob es wohl mein (über) reifes Alter ist, mich über die guten Leistungen Anderer einfach zu freuen? Nein, freute mich schon immer.
Herzliche Grüße aus der Grünen Mark
alfredo :tanzen

_________________
...du holde Kunst, ich danke dir.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.04.2007, 08:45 
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So langsam arbeite ich mich durch die Threads und möchte zu diesem Thema auch ncoh etwas sagen.
Es wundert mcih etwas, dass das nicht weiterdiskutiert wurde, denn das ist nun wirklcih ein Thema mit dem man dauernd konfrontiert wird und das nicht nur im Gesang. :schlaumeier:
Ich könnte sowohl als Aktive als auch Passive ganze Romane darüber schreiben. Solange ich selbst mit meinem Leben haderte und viele Dinge im Argen lagen, war ich viel anfälliger für Eifersucht und Neid als heute. Heute geht es mir so gut wie nie zuvor und ich bin eher zum "Opfer" diverser Neider geworden... eigentlich total pervers!!!! Aber das zeigt doch , dass die, die mit Neid gegenüber Anderen zu kämpfen haben, vor allem mal ihr eigenes Leben unter die Lupe nehmen und bei Bedarf zu mehr Zufriedenheit ändern sollten. :n2:
Bereits eine der ersten Gechcihten in der Bibel, nämlcih die von Kain und Abel, kreist um nichts anderes als die verderbliche Macht des Neids. Weiter geht es bei Jakob und Esau etc etc. Folgen waren immer nur Vergiftung, Mord, Verderben.
In Dantes göttlciher Komödie sind die Neider in den tiefsten Tiefen der Hölle mit schwerster Pein beladen. Ich muss ncohmal nachsehen, welchen Martern sie konkret ausgesetzt sind. Bei Dante ist das immer alles sehr plastisch und für manche Sünder und deren Höllenstrafen hat er auch erstaunlich grosses Mitgefühl.(z.B. für die Ehebrecher Francesca und Paolo da Rimini) Für die Verräter und Lügner und Neider allerdings nciht.
Neid ist eine der sieben Todsünden. Und manch andere dieser Sieben wie etwa Wollust, Völlerei oder Trägheit macht sich dagegen wahrlich harmlos aus.
Ich habe Neid stets als absolut zerstörerisch empfunden und zwar vor allem für den Neider!
Die neidischen Menschen sind doppelt schlimm dran, denn sie leiden nciht nur am eigenen Unglûck sondern auch am Glûck der Anderen.
Solange man das noch mit sich selbst ausmachen kann, ist es nur Masochismus, aber sobald Mechanismen wie Herabsetzung Anderer und all diese Nettigkeiten, die Epo bereits bestens beschrieben hat, dazukommen, wird es gefährlich.
Wie gesagt, war und ist für mich die einzige Lösung, sein eigenes Leben so zu gestalten, dass man zufrieden genug ist, um nciht andere mit dem eigenen Neid zu vergiften zu mûssen. Oder wenn man das nciht schafft, es zumindest mit sich selbst auszumachen und sich dessen vor allem klar bewusst zu sein. Verdrängter Neid tarnt sich ja in den "schönsten" Formen, so etwa, dass man überkritisch einer Person gegenüber wird und ihre schiere Anwesenheit kaum mehr erträgt.
Habe ich leider alles aktiv und passiv erlebt und kann einige Liedchen davon singen. :pfeif:
Es ist wahrlcih eine Lebensaufgabe damit umzugehen und oft fängt es ja schon in einer Geschwisterfolge im Elternhaus an. Meine kleine, Schwester und ich haben da einen z.B. echten Weg von Eifersucht zur vertrauensvollen Liebe hinter uns.
Eltern, Lehrer,Chefs und Vorgesetzte jeder Art sind meiner Ansicht nach da in besonderer Verantwortung. Jede art von Günstlingswirtschaft und Ungerechtigkeit fördert Neid und trägt zur Eskaltion bei.
Canti :hearts:


Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie sich selbst fühlen; ihre ständige Aufmersamkeit auf fremdes Glück, wie sehr sie sich langweilen.
Arthur Schopenhauer


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BeitragVerfasst: 26.04.2007, 10:11 
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Liebe cantilene,

dass dazu nichts weiter gesagt wird, wundert mich nicht wirklich, denn Neid ist immer noch etwas Verpoentes, ueber das man eben nicht spricht - schon gar nicht, wenn es einen selbst betrifft, egal ob aktiv oder passiv.

Dabei ist gerade das der erste Schritt, mit der Sache umzugehen: Sich seiner Gefuehle bewusst werden. Und ich behaupte, wer von sich selbst sagt, wirklich noch nie den kleinsten Anflug von Neid gespuert zu haben, ist nicht ehrlich zu sich selbst. Man lernt im Laufe der Zeit vielleicht, besser damit umzugehen, es gibt sicherlich auch Menschen, die generell anfaelliger sind - aber das Grundgefuehl kennen tun wir alle, da soll mir keiner das Gegenteil erzaehlen.

Wie man allerdings damit umgeht, ist individuell sehr verschieden. Ich gebe Dir z.B. absolut Recht: Je zufriedener und gluecklicher man ist, desto seltener neidet man und desto eher wird man zum Neidobjekt. Viele Menschen koennen es eben nicht ertragen, vor der Nase jemanden zu haben, bei dem es offensichtlich besser "laeuft". Statt ihr eigenes Leben ins Reine zu bringen, fangen sie dann an, anderen das Leben schwer zu machen oder ihr eigenes noch miserabler werden zu lassen.

ABER: Neid zeigt immer an, wo noch "Baustellen" sind. Wo man noch negative Konkurrenzgefuehle hat. Wo das eigene Selbstwertgefuehl niedrig ist. Es ist eine natuerliche, menschliche Reaktion. Ich kann sie mittlerweile als Indikator nehmen, wo ich noch an mir arbeiten muss, und da muss ich alfredo (ausnahmsweise :kuss: ) widersprechen, denn ich finde das schon hilfreich. Allerdings nur dort, wo ich es letztendlich in ein positives Gefuehl umwandeln kann, das ist ganz wichtig.
Sprich: Da, wo Neidgefuehle (die IMMER negativ sind!) hochkommen, muss ich sie kritisch reflektieren und nicht anfangen, Fehler bei anderen zu suchen, damit es mir selbst besser geht.
Und je mehr man mit sich selbst ins Reine kommt, desto weniger zerstoererisch ist Neid, bzw. tritt in bestimmten Gebieten gar nicht mehr auf.

Ich war frueher z.B. prinzipiell auf gutaussehende Frauen neidisch, weil ich mich selbst haesslich gefuehlt habe. Heute bin ich da total entspannt, weil ich mich selbst koerperlich sehr wohl und auch attraktiv (mal mehr, mal weniger, typisch Frau eben :lol: ) finde. Das hat aber auch viel mit Lebensumstaenden, und in dem Fall bei mir sogar paradoxerweise mit dem Aelterwerden, zu tun.
Es gibt ein, zwei "Baustellen", wo ich immer noch mit negativen Grundgefuehlen zu kaempfen habe. Ich weiss aber auch, dass das MEIN Problem ist, ICH muss lernen, damit umzugehen. Wer immer da etwas besser kann oder vermeintlich bevorzugt wird, kann da ueberhaupt nichts fuer und hat auch nicht verdient, dass ihm da negative Schwingungen entgegenschlagen ...


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BeitragVerfasst: 26.04.2007, 14:38 
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Liebe Epo , mich wundert das trotzdem, denn ich finde das gar nciht verpönt. Man wird schliesslcih gerade als Sänger alltäglcih damit konfrontiert und ist GEZWUNGEN,irgendwie damit umzugehen.

Das mit den "Baustellen" finde ich sehr gut und einleuchtend.
Noch was zu dem Neid unter Frau auf "gutaussehende Exemplare",den Du ansprichst und der ja wirklcih universell ist:
mir geht es damit sehr seltsam und das war schon immer so, verstärkt sich aber mit den Jahren:
Frauenschönheit , die mir selbst gefällt und die mich anrührt, erweckt in mir überhaupt keinen Neid sondern im Gegenteil: ich "verliebe" mich in diese Schönheit und bin sehr empfänglcih dafür und empfinde grosse Zärtlcihkeit für die Betreffende. Hier Anwesende mögen sich gerne angesprochen fühlen :love:
Wenn es sich aber um "Schönheit" handelt, die ich nicht als solche empfinde sondern schematisch, leer und klischeehaft finde, die retortenhaft rüberkommt und trotzdem Riesenerfolg in den Medien hat, sind meine Gefühle viel mehr auf ANTI eingestellt. Sehr seltsam, denn ich selbst will ja keinesfalls so aussehen und dann kann es iegentlich kein Neid im direkten Sinne sein. Eher Ablehnung einer offenscihtlichen Ungerechtigkeit subkjektiver art oder so. Oder einfach fehlende Identifikation, die im anderen Fall voll durchschlägt.
Ansonsten sollte man sich freuen, wenn einen mindestens ein Mensch auf der Welt schôn findet und ienem glühende Liebesbriefe schreibt. Ich finde, eigentlich reciht das für ein Leben schon aus. :lol: :n2: :kuss:

Noch zwei Sprüche von Khalil Gibran:
Das Schweigen des Neidischen ist allzu geräuschvoll.

Der Neidische preist mich unwissend.


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BeitragVerfasst: 26.04.2007, 21:44 
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Wie schon zuvor hier und auf dem anderen Forum angeklungen, ist zu unterscheiden, ob das Neidgefühl im einem aufkommt, der Neid als Triebfeder an sich, oder ob dieselbe mehr oder weniger ungefiltert in Gang gesetzt wird. Der Neid ist ein uraltes Gefühl, das unangenehm ist, weil es einem ein Defizit anzeigt im Vergleich zu jemand anderem, der dieses nicht hat oder nicht zu haben scheint. Dazu kommt noch die aggressive Komponente, die einen zornig auf den anderen macht, und schon ist die Triebfeder startbereit.

Neid kommt unweigerlich zuweilen und ich glaube nicht so recht, dass jemand völiig frei davon ist. Sollte es doch so sein, ist ein solcher Mensch sehr glücklich einerseits, andererseits fehlt eine Herausforderung, an der man viel lernen kann zur eigenen Charakterbildung. Und da bin ich schon bei dem Punkt, auf den es ankommt, nämlich die Frage, wie mit dem Neidgefühl umgegangen wird.

Der Schaden aus dieser destruktiven Triebfeder entsteht doch erst, wenn der Mensch ihr nachgibt und die bösartigen Dinge umsetzt, die der Neid in Gedanken gebiert. Damit haben sich dann Beneidete und auch der Neider selbst kraftraubend auseinandersetzen. Wenn es einem potentiellen Neider gelingt, das Neidgefühl in eine positive Handlung umzusetzen, weil er/sie erkennt, dass das wie auch immer erkannte Defizit nur durch konstruktives Handeln zu beseitigen ist, dann wurde der Neid besiegt.

Ich kann mit dem katholischen Todsündenbegriff nur wenig anfangen, denn es fehlt ihm u.a. an (Theo) - Logik. Sünde ist die schlechte Tat, die begangen wurde. Der Neid kann jedoch nicht begangen werden; er ist das Motiv. Genauso verhält es sich mit den anderen "Todsünden". Wenn damit allerdings ausgedrückt werden soll, dass diese Motvie sich eigenen, auch bis zu den übelsten Taten und Kapitalverbrechen zu gehen, dann ist das wieder nachvollziehbar. Nur, wenn ich schon den Neidgedankenanflug als quasi unverrückbare Sünde deklariere - Todsünde eben -, dann nehme ich jede Chance und auch Motivation, dass Menschen sich mit dem Neidgefühl aktiv und konstruktiv auseinandersetzen. Und genau das kreide ich der katholischen Theologie an.

Neidattacken gegen andere zeichnen sich meistens durch große Hinterhältigkeit aus, kommen oft sogar als sog. "Gutmeinung" daher, um die Ziescheibe des Neides selbst an ihrer Kompetenz zweifeln zu machen oder es werden Fehler gezielt hoch gewichtet, um das viele Gute verblassen zu lassen und lauter so Zeug. Wer das tut, hat bereits dem Neidtrieb vollen Raum gegeben, der ehrliche Kritiker hingegen handelt aus Aufrichtigkeit, um evtl. jemanden vor Schaden zu bewahren.

Zum Abschluss noch zum Neid auf angeblich "schönere" Menschen. Das ist genaugenommen schon eine völlig hilflose und daher auch besonders gefährliche Variante. Man ist, wie man ist und wer neidig ist aufgrund eines unerreichbaren Schönheitsideals, kommt da nur heraus, wenn dieses Ideal verändert und den eigenen Möglichkeiten anpasst.

LG,

dola


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BeitragVerfasst: 13.05.2007, 09:58 
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Hallo - das habe ich heute beim stöbern entdeckt:

NEID - ist die aufrichtigste Form der Anerkennung
(A. Schopenhauer)


LG Escamillo :bravo:


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 Betreff des Beitrags: Neid und Philosophie
BeitragVerfasst: 13.05.2007, 16:14 
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Liebe Sangesfreunde!
Schopenhauer hat natürlich Recht. Glaube aber, dass man zwischen Neid und Neid unterscheiden sollte: er meint wohl den Neid, den ein Philosoph dem anderen entgegenbringt. Der kann wohl ehrend sein wenn er nicht ausartet. Vielleicht auch in der Kunst. Wogegen ich bin, ist der Neid mit Folgen, wenn durch Worte oder andere Taten ein anderer Mensch beleidigt, gemoppt oder noch ärger geschädigt wird. Man kann meiner Meinung nach auch nicht präzise abgrenzen, ob oft großes Lob nicht auch Neidanteile enthält. Wie immer auch, versuche ich, großartige Leistungen neidlos anzuerkennen. Eher gerate ich in (untergeordnete) Verzagtheit über Unerreichbares.
Im übrigen gibt es in Google (Wikiquote) bei Neid nicht nur Schopenhauers These sondern viele Worte weiterer Größen mit, dem entgegengesetzten, Sinn.
Seid euch meines Interesses sicher. Liebe Grüße
alfredo
:n3:

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