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 Betreff des Beitrags: Ausländer mehr Chancen?
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 19:10 
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Hallo,

warum haben wir hier in Deutschland so viele Ausländer an den Opernhäusern und in den Wettbewerben, haben die deutschen SängerInnen nicht so eine gute Ausbildung als die Ausländer? Oder woran kann das liegen?

Liebe Grüsse

_________________
musica
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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 23:47 
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Liebe Musika

gerade war ich in Bloomington, Indiana an der IU. Dort ist die groesste Musikhochschule, die vorallem alles an Moeglichkeiten bietet, wovon man nur traeumen kann. Eine komplett ausgestattete Opernbuehne mit taeglichen !!! Opernauffuehrungen (gerade lief Carmen) Die Studenten, mindestens die hohen Semester haben hier die Moeglichkeit auf den normalen Opernalltag vorbereitet zu werden.
Es gibt aber natuerlich auch viele Conservatories, die an Qualitaet sehr zu wuenschen lassen. Egal wo man hier allerdings studiert, die Musiker lernen von klein auf ein ganz anderes Selbstverstaendnis oder besser gesagt Selbstbewusstsein, unabhaengig vom Koennen. Die Musical und Jazzgesangausbildung ist unvergleichlich zu Good Old Germany.
Vielleicht liegt aber das Unverhaeltnis auch an uns, ich meine uns Deutschen selbst. Es muss immer etwas besonderes sein: von weit weit weg. In den eigenen Reihen suchen? So ein Lebenslauf mit vielen unbekannten Groessen klingt doch einfach besser, als wenn da steht: Lieschen Mueller, begann im Kirchenchor Unteroberhausen und nahm Gesangsunterricht bei Frau Meier in Kleinbiberberg.
Zudem sitzen in den Opernhauesern oft zB. amerikanische Dirigenten oder Regisseure, die ihre "eigenen" Leute holen. Herr Levine hat in seiner Muenchener Zeit extrem viel, sehr interessante Landsleute gebracht.
Nur ein Beispiel...

Gruss Robin


Zuletzt geändert von Robin am 20.04.2006, 02:07, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 23:52 
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Hallo,

also ich selbst konnte mir da nie so einen Reim drauf machen warum das so ist. Dann sind wir mal im G.unterricht auf das Gespräch gekommen. Kann es daran evtl. liegen, daß bspw. im Ausland die Eltern viel mehr hinter ihren singenden Kinder her sind, weil sie darin eine sichere Einnahmequelle und Zukunft für die Kinder sehen, gerade in Bezug auf das Ausland. Sie stecken auch viel in ihre Kinder dann rein und halten ihnen den Rücken total frei von anderen Dingen, wie Haushalt , Nebenjob o.ä. Dafür wir aber von Ihnen alles abverlangt was für den Gesang in Frage kommt, die Kindheit oder das hier bekannte Jugendalter kommt dann recht kurz. Die Kinder dort fangen auch früher mit ihrer Ausbildung an und haben somit viiiiiiel mehr Ausbildungsjahre wie hier in Deutschland und eine intensivere, strengere Ausbildung. Ach so unsere Unterhaltung ging über Sängerinnen aus Russland, die auch bspw. hier im Engagement sind.

Die von Musika gestellte Frage hatte mich auch brennend interessiert, weil im Staatstheater mir immer und immer ausländische Sängerinnen begegnen.

Liebe Grüße
chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 20.04.2006, 00:12 
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Hallo,

von meiner Lehrerin - sie ist Russin - (und Arbeitskollegen) weiß ich, daß das Ausbildungssystem ein ganz anderes ist. Es stimmt schon was Chero sagt. Die Ausbildung in Russland und in den asiatischen Ländern beginnt definitiv sehr früh und wird bis zum Schul / bzw. Ausbildungsende gesteuert. Ein: " Ich kann heut nicht" oder " Ich habe Schnupfen und kann deshalb nicht singen" oder was weiß ich noch alles, daß gibt bzw. gilt dort nicht. Den Klienten wird von Anfang an klar gemacht wo es lang geht.
Durch diese Vorgaben sind die Weichen schon ganz anders gestellt.

Würden unsere Landsleute ihren Job wirklich von Anfang bis Ende konsequent durchziehen und auch in der anschließenden Berufsausübung flexibler sein, statt zu sagen: Och, dann bin ich ja weg von Mami. bzw. Meine Verlobte ist aber in Kleinkuckucksheim, dann hätte auch unser Nachwuchs weniger Probleme. Niemand hat gesagt, daß es etwas geschenkt gibt, aber ein wenig Bewegung braucht es von den einzelnen auch.

LG
Rolando

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Und plötzlich weißt du:
Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.(Meister Eckhart)


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 Betreff des Beitrags: Re: Ausländer mehr Chancen?
BeitragVerfasst: 24.04.2006, 11:34 
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musikavokale hat geschrieben:
warum haben wir hier in Deutschland so viele Ausländer an den Opernhäusern und in den Wettbewerben, haben die deutschen SängerInnen nicht so eine gute Ausbildung als die Ausländer?


Hallo,

aus den vorhergehenden Posts geht ja schon hervor, daß sie besser ausgebildet sind.

Ein anderer Aspekt könnte zusätzlich eine Rolle spielen: sie - ich denke an Russen und Asiaten - sind nicht so "motzig", akzeptieren Autoritäten, stellen nicht alles in Frage, tun, was sie sollen ohne stundenlange Diskussion. Ich könnte mir schon vorstellen, daß diese Eigenschaften an der Oper geschätzt sind.

Gruß v. Emmy


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 09:45 
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... Komisch.
Meinen gestrigen Beitrag habe ich schreiben können, ohne mich einzuloggen.
Mir ist das peinlich. Obgleich ich hier sowieso anonym bin, ist mir das jedoch zuuuuuu anonym.
Ich hab's eben stichprobenartig getestet, das ging nur bei "Studium, Ausbildung".

Absicht?

fragt sich grübelnd
Emmy


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 10:00 
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Hallo Emmy,

das muß dir nicht peinlich sein, wir alle konnten ja aufgrund deiner "Unterschrift" erkennen wer der Autor ist.

Musika wird das in den nächsten Tagen mal überprüfen und dann bereinigen. Dich trifft keine Schuld und für solche Hinweise sind wir dankbar. Ist auch schon ein paarmal bei anderen aufgetreten und ich denke mir, daß wir das mal kontrollieren sollten und hoffentlich ohne viel Nervenkrieg, typisch Technik halt :lol: , beheben können. Kann aber wie schon gesagt etwas dauern, denn im Moment ist viel angesagt und man findet nicht immer die nötige Zeit und Ruhe. Ich denke ihr alle werdet Verständnis haben. Ach so danke, daß ihr uns auf all das aufmerksam macht finde es toll, daß ihr so mitarbeitet

Liebe Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 11:50 
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hallo,

mich wundert es schon lange nicht mehr, daß ausländische sänger an deutschen bühnen so zahlreich vertreten sind (und nicht nur die, im ballett sind bzw. waren -ich bin da nicht mehr ganz so auf dem laufenden- die russen auch meist die, die die ( :mrgreen: ) berühmten solisten stellten).

ich kann an verschiedenen mhs (an denen meine reps arbeiten und wo ich an einer selbst oft bin und auch kurse etc. mitmache) miterleben, wie es in der ausbildung zugeht und wieviel, d.h. meistens wie WENIG die meisten studenten dafür tun.
ich bin z.b. mehrmals bei meisterkursen an einer mhs gewesen, die jeweils 3 tage dauerten (teils sehr berühmte lehrer wie z.b. rudolf piernay usw.) und obwohl ich wenig zeit hatte, bin ich alle 3 tage hingefahren und war von morgens bis abends dabei. ich war aber die einzige, die das gemacht hat.

die studenten glänzten durch abwesenheit, obwohl es für sie auch völlig kostenlos und direkt an ihrer mhs war.
die meisten waren nur 1 stunde pro tag, teils auch nur an 1 tag da und sobald sie dran gewesen waren, gingen sie wieder.
da blieb von den dabei erreichten verbesserungen (die teils beachtlich waren) nichts hängen.
schon beim nächsten klassenabend, zu dem ich dann auch hingefahren bin, war alles wieder wie vorher.

aber bei 3 tagen lang immer wieder sehen und hören, was die lehrer gemacht haben, blieb einiges hängen.
aber das hat kein einziger student gemacht. warum nur????
jeweils 3 tage lang piernay usw. völlig kostenlos und bequem zu erreichen und keiner nutzt es. es ist mir ein absolutes rätsel.

als wären es hobbysänger, die gerade mal kommen, wenn sie zufällig zeit und lust dazu haben. und selbst tatsächliche hobbysänger sind oft eifriger bei der sache.

einige wenige haben in den letzten 12 jahren (seitdem bekomme ich das genauer mit, weil ich da selbst oft an den mhs bin und meine reps da arbeiten) mehr getan als die andern und die hatten auch keine probleme engagements an der oper zu bekommen.
selbst in den zeiten, wo an den mhs nicht viel geboten wurde, haben sie viel gemacht und gelernt, indem sie halt außerhalb der mhs die angebote genutzt haben, bei denen sie besser singen lernen konnten und eben auch schauspieltraining usw. gemacht haben. und diese wenigen haben auch schon während des studiums alle gelegenheiten genutzt zu lernen, wie man an engagements kommt, sich am besten "vermarktet" usw. usw.
meine ehm. lehrerin, durch die ich (nachdem sie längere zeit mitbekommen hat, wieviel ich tue, um gut singen zu lernen) die möglichkeit bekam, an einer mhs etliches zu nutzen, hatte erst kurz bevor ich bei ihr anfing ihr studium abgeschlossen und durch ihre eigeninitiative während der jahre davor schon freie auswahl , was sie machen wollte und etliche gastverträge, einspringer etc.

die meisten haben aber nichts genutzt, allerdings schon ab dem 1. semester die nase ganz hoch getragen und auch gegenüber den gastlehrern so getan, als könnten sie schon alles und müßten sich nichts mehr sagen lassen.

der ausländeranteil an der oper scheint aber auch irgendwie gewissen moden zu unterliegen. eine ganze zeit waren es sehr viele amerikaner, dann viele japaner und koreaner, dann süd- und lateinamerikaner, jetzt osteuropäer.
ob mein eindruck da genau stimmt, weiß ich nicht, aber das war es, was ich so per tv und presse mitbekommen habe.

liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 12:47 
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Nur mal als Beispiel : La Traviata in Koblenz

laut Programmheft kommt
Violetta aus Südafrika
Alfredo aus Kasachstan
Germont aus Lettland
Dr. Grenvil aus Großbritannien
Flora aus Korea
Baron Duphol aus Dänemark
Gaston aus Korea
der Marquis aus Deutschland
Annina aus Deutschland
Guiseppe und der Dienstmann aus Deutschland

Kaja, wenn ich dich richtig verstanden habe, liegt die Ausländer-Lastigkeit auch an der mangelnden Disziplin der Studenten, kann das sein ?
Dann frag ich mich doch, wohr das kommt, sind die deutschen Studenten bequemer und denken, alles erreichen zu können auch ohne Fleiß und Ausdauer ?
Sagt ihnen das bei der Ausbildung niemand, dass man ohne das entsprechendes Engagement in der Ausbildung keinen Blumentopf gewinnen kann ?

Kopfschüttelnde Grüße
Uralt


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 Betreff des Beitrags: Rußland
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 14:18 
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Hallo ihr lieben

Ich denke auch daß es hauptsächlich an der besseren Ausbildung und der größeren Umzugswilligkeit aber auch - fähigkeit der meisten ausländischen Menschen liegt.

Aber eins kann ich nicht unkommentiert stehen lassen :

Zitat:
Die Ausbildung in Russland und in den asiatischen Ländern beginnt definitiv sehr früh und wird bis zum Schul / bzw. Ausbildungsende gesteuert. Ein: " Ich kann heut nicht" oder " Ich habe Schnupfen und kann deshalb nicht singen" oder was weiß ich noch alles, daß gibt bzw. gilt dort nicht. Den Klienten wird von Anfang an klar gemacht wo es lang geht.


Lieber Rolando, es ist wahr daß dort häufig mehr Disziplin herrscht, gleichwohl hat meine Korrepititorin ( kommt aus Rußland ) erzählt, daß Sängerinnen an den dortigen Opernhäusern drei Tage im Monat zusätzlich frei bekommen können, wenn sie ihre Menstruation haben, weil das ja die Stimme beeinflußt...zeig mir mal einen deutschen Opernintendanten, der das macht.
In diesem Punkt wird von den Sängern hier also mehr Disziplin verlangt.

Phoebe :schlaumeier:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 14:37 
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Dem Vorwurf der mangelnden Disziplin bei deutschen Musikstudenten muss ich echt ganz heftig widersprechen, denn ich kenne den Unibetrieb selbst noch von Innen, und das stimmt so einfach nicht. War aber immer schon so, dass auf den angeblich faulen und undisziplinierten Studenten gewettert wurde, warum da nicht auch ...

Das Problem liegt ganz woanders, nämlich an der absoluten Vernachlässigung der kulturellen und musikalischen Erziehung in Deutschland. Und das ist ein Systemfehler und kein Charakterfehler deutscher Musikstudenten.

In anderen Staaten wird ganz anders gefördert (und auch gefordert), da ist ein Musiker nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule schon manchmal so weit wie hier jemand, der gerade sein Vordiplom macht.

Das sind Rückstände, die holt man kaum mehr auf, daher hat man ja heutzutage schon bei der AP Probleme, sich gegen die ganzen bereits fertigen Ausländer durchzusetzen.

Musikerziehung an deutschen Schulen (und auch außerhalb der selbigen) sowie Förderungen von jungen Talenten ist ein absolutes Trauerspiel, da muss man sich nicht mehr wundern. Es geht auch anders, und nicht nur in Asien oder den ehemaligen Sowjetrepubliken ...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 15:55 
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Oberratgeber
Oberratgeber
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Registriert: 22.04.2006, 12:29
Beiträge: 689
Wohnort: Rheinland-Pfalz, 14.11.**
Eponine hat geschrieben:
Das Problem liegt ganz woanders, nämlich an der absoluten Vernachlässigung der kulturellen und musikalischen Erziehung in Deutschland. Und das ist ein Systemfehler und kein Charakterfehler deutscher Musikstudenten.

Musikerziehung an deutschen Schulen (und auch außerhalb der selbigen) sowie Förderungen von jungen Talenten ist ein absolutes Trauerspiel, da muss man sich nicht mehr wundern. Es geht auch anders, und nicht nur in Asien oder den ehemaligen Sowjetrepubliken ...


Das ist sicher so. Wenn ich das aus dem letzten Wahlkampf richtig in Erinnerung habe, ist das Recht auf den Zugang zu Kultur noch nicht mal im Grundgesetz verankert. Und in den Schule ist Kunstunterricht ( Musik und bildende Kunst) auch kein Pflichtfach.
Die Förderung von jungen Talenten ist ja somit eine Sache der Eltern ( die das nötige Kleingeld für die private Ausbildung haben müssen ) oder wenn die kids Glück haben, der Lehrer.

Was mich dann zu der Frage bringt : Was sollte unsere Forderung sein in Bezug auf Ausbildung und kulturelle und musikalische Erziehung bei uns ?
Ich mach dafür einen eigenen Thread auf, ok ?

Liebe Grüße
Uralt


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 15:57 
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Eponine hat geschrieben:
fertigen Ausländer durchzusetzen.

Musikerziehung an deutschen Schulen (und auch außerhalb der selbigen) sowie Förderungen von jungen Talenten ist ein absolutes Trauerspiel, da muss man sich nicht mehr wundern. ...


Da stimme ich voll zu - ich hatte in 9 Jahren Gymnasium gerade mal 6 Semester Musik - ein bischen in der 5. Klasse, ein bischen in der 9./10. und dann noch zwei Halbjahre in der Oberstufe (alternativ zu bildender Kunst). Da bleib nicht viel hängen.....Ich nehme an, da hat sich in der Zwischenzeit nicht viel geändert.
Privater Musikunterricht war und ist immer noch eine Kostenfrage für viele Eltern.

Ich würde aber gerne zwei weitere Fragen aufwerfen:
1. Haben wir den genügend qualifizierten Nachwuchs oder versagen da die deutschen Musikhochschulen?
2. Ist ein Gesangsstudium in D eher unpopulär - weil die finanziellen Aussichten ja nicht gerade rosig sind - und daher wenig frequentiert, und fehlt daher ein die Leistung förderner interner Konkurrenzdruck?

Gruß
mezzo


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.04.2006, 22:22 
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Im Ernst, Musik ist in Deutschland gar kein Pflichtfach?
Bei uns in Österreich schon. Also, es mag sein, dass das in manchen Schulen nicht zutrifft, aber in Volksschulen (=Grundschule), Hauptschulen und Gymnasien auf jeden Fall. Ich hatte insgesamt 12 Jahre Musikunterricht, meine ganze Schulzeit lang. Allerdings konnte man in den letzten 4 Jahren Kunst statt Musik wählen.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.04.2006, 00:10 
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hallo uralt,

ja, du hast mich richtig verstanden. ich hab es wie oben beschrieben an einer mhs jahrelang selbst miterlebt (mein rep erlebt es seit jahren an einer anderen mhs) , daß nur ein kleiner teil der studenten das damals sehr gute angebot an der mhs (und einiges außerhalb der mhs) wirklich genutzt hat. und diese studenten, die mehr getan haben als unbedingt nötig, hatten alle kein problem egagements zu bekommen.

liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.04.2006, 02:48 
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Gruess Euch

da ich ja nun mal hier (in den USA) bin, habe ich hier auch ein wenig Einblick.
Die Erfahrung, dass einige Studenten in Deutschland den "kostenlosen" Unterricht sehr nachlaessig besuchen, habe ich waehrend meines Studiums auch gemacht durch alle Sparten.
Allein - das Studium hier in den USA ist so teuer, dass keiner es wagen wuerde, auch nur eine Stunde zu versaeumen. Die Studenten haben ein ganz anderes Verhaeltnis zum Unterricht: sie bezahlen fuer das was sie bekommen, wie gesagt zum Teil einen sehr hohen Preis. Da fehlt keiner! Allerdings bringt dieses Student = zahlender Kunde auch ein anderes Bewusstsein in den Forderungen, was man fuer sein Geld bekommt. Schlechte Lehrer (da gibt es natuerlich unterschiedlich Auffassung) oder Lehrer, die sich durch Fehlen auszeichnen gibt es halt auch nicht.
Die Studenten nehmen oft Kredite auf um ueberhaupt studieren zu koennen und zahlen diese ueber Jahre spaeter ab. Dadurch haben sie auch eine viel engere Bindung an ihr Institut und sind stolze Alumni. Wer spaeter gut verdient unterstuetzt seine Uni (nur mal neben bei).
Was ich auf Amerika bezogen nicht bestaetigen kann, ist die grundsaetzlich bessere kulturelle Bildung. Da braucht sich Deutschland noch nicht hinten anstellen. Aber auch nicht vorne. Man ruht sich schon sehr auf den Lorbeeren vergangener Zeiten aus und haelt Kunst und Kultur fuer eine nette Beigabe in der Leistungsgesellschaft. Aber wie schon in der Schule, wer malte oder musizierte galt beim Abi als zu bequem fuer "anstaendige" Faecher: die Kleckser und die Klimperer.....
Wenn vom Elternhaus aus nichts an kultureller Ausbildung wie Instrumentalunterricht kommt hat man halt Pech gehabt.
Worauf hier dagegen sehr stark wert gelegt wird ist das eigene Selbstverstaendnis: Die Kids werden nicht klein gemacht oder gehalten. Durch die Anerkennung ihrer Leistung bekommen sie ein recht gesundes Selbstbewusstsein, wenn es auch da Auswuechse gibt, die manchmal unangenehm sind.

Aber die Bequemlichkeit, der Glaube auf ein "Ich habe ein Recht darauf" und das Verantwortungabgeben ist ein Grundsatzproblem in Deutschland. So schoen und sinnvoll das mit dem Sozialstaat ist, es hat auch seine sehr negativen Auswirkungen. Hier hoere ich nun lieber auf, sonst wird das noch eine politische Abhandlung

Sleep tide

Robin


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 Betreff des Beitrags: Warum? Darum!
BeitragVerfasst: 28.05.2007, 20:56 
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Liebe Fragende!
Ja, alles richtig, was bereits gesagt wurde. Aber der Musikunterricht wird in den Grundschulen meist ohne zu singen abgehalten! Auch in Österreich. Bei uns gibt es kaum mehr Schulchöre, keines der Kinder in meiner Umgebung (meine eigenen eingeschlossen) können noch ein Volkslied singen oder wollen in einen der vielen schönen deutschen Kanons miteinstimmen. Manchmal erfreue ich mich schon, wenn ich irgendwen aus meiner nächsten Umgebung einen englischen Text mit Schlagermelodie mitkrächzen höre. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass, wenn man die Bevölkerung von Amerika und Asien zusammenzählt, ca. fünfzigtausendmillionen Menschen ein derart großes Potential gegenüber Europa (deutschsprechend ca. mickrige 100 Millionen) bedeuten, bei welchem die Ausländerfrage keine mehr sein kann. Und die sind "hungrig", machen ohne zu murren was man von ihnen verlangt und das zu einem Preis ... Und der deutschsprachige Raum mit seinen vielen Opernhäusern ist das erklärte Ziel aller Sänger. Weder im Osten gibt es bedeutende Häuser, noch im Westen, wenn man von den wenigen amerikanischen absieht. Es kann uns Europäern also nur eine tiefgreifende Reform, im Bereich der Akteure, aber besonders auch bei den Zuhörern herbeizuführen, helfen, wieder einen entsprechenden Platz im Opernbetrieb einzunehmen.
Mein Monolog zu lang, deshalb Schluss. Und :pfeif: herzliche Grüße aus der grünen Mark!
alfredo

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 Betreff des Beitrags: Re: Warum? Darum!
BeitragVerfasst: 28.05.2007, 22:10 
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alfredo hat geschrieben:
Liebe Fragende!
Aber der Musikunterricht wird in den Grundschulen meist ohne zu singen abgehalten! Auch in Österreich.

Das glaube ich nicht... jedenfalls nicht so pauschal. Ich kenne mehrere Grundschullehrer, die ALLE mit den Kindern singen. Als ich noch in die Schule ging, haben wir auch in jeder Musikstunde gesungen. Grade in der Grundschule war das fast NUR singen! Im Gymnasium dann machten wir natürlich auch Theorie, aber gesungen haben wir trotzdem in so gut wie jeder Musikstunde. Und ich hatte mehrere verschiedene Musiklehrer - das war überall so. Schulchöre gibt es in meinem Bundesland auch mehr als genug, das habe ich gerade wieder beim Landesjugendsingen gesehen.
Also, so pauschal scheinen der Musikunterricht und das Singen in den Schulen doch nicht vernachlässigt zu werden :bravo:


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 Betreff des Beitrags: Singen ade
BeitragVerfasst: 28.05.2007, 22:55 
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Meine Liebe, wollte natürlich nicht ganz verallgemeinern, aber doch: das Singen in den Schulen wird nicht mehr wie zu meiner Zeit (und zu deiner?) geübt. Bei den Landesjugendsingen gibt es (bei uns) meist Absolventenchöre oder Chöre von höheren Schulen. Wieviele Chöre treten, im Vergleich zur Schulenanzahl bei euch auf? Ich glaube, dass vor allem dann gesungen wird, wenn ein Lehrer primär motiviert ist. Gibt es nur mehr wenige. Und wir würden aber eine kraftvolle, auch von der Politik unterstützte Singbewegung benötigen. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass irgendwann in hoffentlich nächster Zeit die Besinnung zu musikalischer und vor allem sängerischer Kultur aufkommen wird. Was könnten wir dazu beitragen?
Liebe Grüße
alfredo :n26:

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 28.05.2007, 23:01 
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Tja ich empfehle Waldorfschule. Dann bekommt ihr die Klanghölzchen shcon in der ersten Klasse in die Hand gedrückt.
Vielleicht singe ich deswegen so gerne, wir haben schon in der zweiten und dritten Klasse Kanons gesungen hat wirklich Spaß gemacht. Es hat auch jeder ein Instrument gespielt und es gab das KLassenorchester.
:dafür:


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