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BeitragVerfasst: 01.07.2009, 11:23 
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Hallo allerseits,

unter einem anderen, momentan sehr rege diskutierten Thema ist u. a. folgende Aussage zu lesen:

"Andererseits gibt es auch Leute, da weiß man schon, bevor sie etwas singen, dass sie es nicht können. Die haben schon eine so absolut unmusikalische Sprechstimme ..."

Da werde ich wieder brennend neugierig: Was ist denn eine "unmusikalische" Sprechstimme?

Beim Sprechen steuern wir doch keine bestimmten Tonlagen an sondern produzieren im Grunde nur indifferente Geräusche die kaum einem bestimmten Ton zugeordnet werden können. Ich kenne viele Chorsänger mit derartigen Sprechstimmen die aber doch eine für Laienverhältnisse recht schöne Stimme haben. Ebenso habe ich auch schon "richtige" Sänger gehört, bei deren Sprechstimme nie und nimmer zu vermuten gewesen wäre dass sie überhaupt singen können.

Was mir auch aufgefallen ist: Bei denjenigen Leuten deren Sprechstimme eindeutige Tonlagen erkennen lässt wundere ich mich immer wieder darüber wie tief sie insbesondere am Satzende sprechen, obwohl sie in diesem Tonbereich überhaupt nicht zu Singen im Stande sind. Also "arbeitet" ihre Kehlkopf- und wer weiß welche sonstige Muskulatur beim Singen vollkommen anders als beim Sprechen?

Wenn es doch sonst immer heißt dass man jede Stimme klanglich irgendwie verbessern kann, müsste dies dann nicht auch auf die Sprechstimme zutreffen? Verbessert sich mit zunehmender Klangverbesserung der Singstimme "normalerweise" nicht auch der Klang der Sprechstimme, oder sind das wirklich zwei vollkommen verschiedene Paar Stiefel?

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

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Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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BeitragVerfasst: 01.07.2009, 12:11 
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Zitat:
Wenn es doch sonst immer heißt dass man jede Stimme klanglich irgendwie verbessern kann, müsste dies dann nicht auch auf die Sprechstimme zutreffen? Verbessert sich mit zunehmender Klangverbesserung der Singstimme "normalerweise" nicht auch der Klang der Sprechstimme [...]


Hallo AK-Kontraalt,

eine generelle Aussage möchte ich hier nicht treffen, aber aus eigener Erfahrung kann ich diese Frage mit "Ja" beantworten. Neulich traf ich aus Zufall eine frühere Gesangslehrerin wieder, wir kamen ein wenig ins Gespräch, sie fragte, was ich mittlerweile so sänge, ich sagte, dass ich nun Sopranrepertoire singe und sie nickte zustimmend und meinte: "Ja, das hört man auch an Deiner Sprechstimme, die klingt weiter vorne und nicht mehr so "verschluckt"." Also hat der Gesangsunterricht (und die Wahl der richtigen Stimmlage) sich bei mir wohl durchaus positiv auf die Sprechstimme ausgewirkt, auch wenn ich beim Sprechen immer noch von Zeit zu Zeit in "schlechte Angewohnheiten" zurückfalle und oft etwas zu tief spreche.

Die Frage ist also auch, ob die "Hochtöner", die so tief sprechen, nicht beim Sprechen einfach was Falsch machen, was sie beim Singen automatisch richtig machen. Ich kann ja auch weitaus länger singen ohne zu ermüden als sprechen. Was für mich ein Indiz ist, dass ich meine Sprechstimme nicht optimal benutze.

LG

Octaviane

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„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


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BeitragVerfasst: 01.07.2009, 16:15 
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Beiträge: 611
Zitat:
Ja, das hört man auch an Deiner Sprechstimme, die klingt weiter vorne und nicht mehr so "verschluckt"."


Ohne die Einzelheiten zu kennen (s. dazu unten): Es besteht einen gewisse Wahrscheinlichkeit, daß das die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern ist: Etwas tatsächlich zu sehen (bzw. zu hören), wo man nur etwas vermutet...

Im positiven Fall ist das nur eine Einzelbeobachtung, wobei Einzelbeobachtungen das manko haben, daß man nicht sagen kann, ob es nur ein Zufallstreffer war. Genau zu diesem Thema gibt es nämlich eine wissenschaftliche Untersuchung:

Brown W.S.Jr., Rothman H.B., Sapienza C.M., Perceptual and Acoustic Study of Professionally Trained Versus Untrained Voices, J. Voice 2000 Sep;14(3):301-9.

Zitat aus DISCUSSION AND CONCLUSIONS:

Zitat:
To conclude, when large groups of singers are sampled, both in the physiological and acoustical domain, little consistent evidence exists that professionally trained singers, as a group, produce a noticeable difference in their speaking discourse that differentiates them from nonsingers. Although some singers may produce perceptual distinctions in the speaking voice, such a change, when group data are gathered, gets lost in group analyses.


Mit anderen Worten: Es gibt vereinzelt (sic!) Individuen mit professioneller Gesangsausbildung, die an ihrer Sprechstimme mit einer mehr als zufälligen Evidenz als "Sänger" identifiziert wurden. Das heißt allerdings nicht, daß sie immer als solche erkannt wurden, nur, daß sie signifikant häufiger als die rein zufällig richtigen Zuschreibungen als Sänger identifiziert wurden. Bei der großen Masse der Sänger gibt es dagegen keinerlei Auswirkungen der Gesangsausbildung auf die Sprechstimme, und im Mittel nicht einmal dann, wenn man die eben genannten Individuen in die Auswertung mit einbezieht.

Nochmal anders: Die Sprechstimme folgt anderen Gesetzmäßigkeiten, als die Singstimme. Insofern kann man auch nicht aus der Sprechstimme auf die Fähigkeit zum Singen schließen...

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Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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BeitragVerfasst: 01.07.2009, 17:41 
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Das heißt also, man hat sozusagen zwei verschiedene Stimmen? Wer nicht nur besser singen lernen sondern auch seine Sprechstimme verbessern möchte, der müsste demnach gesonderten "Sprechunterricht" nehmen? Wo bekommt man den?

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BeitragVerfasst: 01.07.2009, 23:31 
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in den meisten fällen trifft es zwar zu, daß man nicht von der sprech- auf die singstimme bzw. das singen schließen kann, aber es gibt auch ausnahmen.

nicht umsonst heißt es beim sprechen auch satzmelodie. normalerweise geht am satzende der ton etwas runter und bei fragen rauf. und auch während des satzes spricht man normalerweise nicht permanent auf einer tonhöhe, sondern geht rauf und runter.

und eine normale sprechstimme klingt eigentlich immer angenehm.
wenn nicht, stimmt auch beim sprechen die stimmtechnik nicht und kann korrigiert werden (wenn man weiß, wie es geht, weil das anders ist als beim singen. deshalb hat der gu meist nur wenig oder keinen einfluß auf die sprechstimme).

aber es gibt eben auch leute, die beim sprechen ganz hart-blechern-gequetscht permanent auf einer tonhöhe rumquaken. wenn man dann die fähigkeit, irgendwas zu singen oder tonhöhen zu hören oder einen ganz einfachen rhythmus zu klatschen o.ä. überprüft, ist da nichts.
und auch nicht das geringste verständnis dafür, daß ein lied aus einer durchgehenden melodie besteht und nicht aus einzelnen tönen, die man irgendwie hervorstößt oder rausquetscht o.ä. (und das eben auch nur irgendwie, weil sie auch nicht in der lage sind, sich auf die jeweilige tonhöhenschwingung "einzuschwingen", während das bei scheinbar unmusikalischen, die erst auch keinen einzigen ton treffen, nach entsprechenden anweisungen bei einzelnen tönen schon in der ersten stunde klappt, bei einfachen melodien dann nach einigem üben mit individuell angepaßten übungen).
also mit erfahrung und etwas gespür, was da nur scheinbar nicht stimmt und was tatsächlich, kann man in manchen fällen schon beim sprechen hören, ob jemand singen (bzw. es rel. schnell lernen) kann. aber natürlich nur in manchen fällen. meist muß man die leute auch singen hören.

lg
kaja


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