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 Betreff des Beitrags: Singen und Weinen
BeitragVerfasst: 11.11.2006, 12:04 
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Das Thema gehôrt zwar eigentlich auch unter die Sängerseele, aber ich wollte mich nicht in Octavianes laufenden Thread einmischen und finde, das passt auch hierher.
Kann man Singen, wenn man gleichzeitig weint?
Ist vielleicht eine ganz dumme Frage, aber ich stelle sie trotzdem, weil mir das schon häufig passiert ist und ich einfach keine Lust mehr habe, deshalb auf gerade die Literatur zu verzichten, die mir am allernächsten ist und geht.
Natürlcih meine ich jetzt nciht haltloses Schluchzen und echte Verzweiflung sondern einfach eine so tiefe innere Rührung, dass die Tränen nicht zurückgehalten werden und beim Singen die Wangen herablaufen.
Hat das jemand hier schon erlebt und hat es euch stimmlich beeinträchtigt oder eher beflügelt?
Haben die Leute im Publikum was gemerkt und gesagt?
Mir passiert das eigentlich vor allem beim Lied, weniger bei Oper(ausser Bellini und Puccini) und Oratorium.
Aber manche Lieder haben derart emotionale Kraft, da Text und Musik auf engste verknüpft sind, dass ich da einfach keine Macht habe, auch wenn ich etwas 50 mal gesungen habe, nicht. Allerseelen von Strauss habe ich eben wieder mal gesungen und "same procedure as everytime"
Bitte sagt, mir jetzt nciht, man muss Distanz zu seinen Gefühlen haben, auch wenn das richtig sein mag. Das hilft MIR überhaupt nciht weiter, denn es ist völlig sinnlos und nicht durchführbar für mich.
Ich will eher wissen, wie das gesangstechnisch klappt bei euch und ob die Stimme nachweislich beeinträchtigt wird.
Es geht ja auch nur um wenige Stücke, nicht dass ihr denkt, ich stünde da stundenlang heulend auf der Bühne, mit verlaufendem Augen-Makeup und Tempotaschentuch-Reservoir! SO ist es wahrlich nicht. :d_neinnein:
Normalerweise merken auch nur die was, die mcih sehr sehr gut kennen.
Zumindest hat mir bei Belcanto-Konzerten noch nie einer was dazu gesagt....... ;-)
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 11.11.2006, 12:13 
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Liebe Cantilene,

in den Augen des Publikums entsteht leicht der Eindruck, dass die/der Vortragende sich von seinen Gefühlen mitreissen/forttragen läßt, also selbst Mitleid verdient, weil er/sie sich selbst nicht unter Kontrolle hat und den Hörgenuß des Stückes (bis zum Schluß) selbst behindert.

Es ist allemal besser, so zu singen, daß das Publikum zu den Taschentüchern greifen muß.

Ciao :bravo: Principe


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2006, 13:36 
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Liebe cantilene,

meine Meinung dazu kennst Du, und ich habe es bislang immer so gehalten:

Ich singe nur Stuecke oeffentlich, die ich emotional verarbeitet habe. Was nun wiederum gar nicht heisst, dass es bei mir keine Stuecke gaebe, die mich zum Heulen bringen - ganz im Gegenteil, derer gibt es etliche. Mit ein Grund, warum ich z.B. bis heute das Bach'sche "Erbarme Dich" nicht oeffentlich gesungen habe.

Wie Principe sehe ich aber auch die Gefahr des stimmlichen Kontrollverlustes. Natuerlich MUSS das nicht passieren, es kann aber, und ich habe es nicht so gerne, wenn ich das nicht mehr steuern kann.

Nun hat man ja immer Ausnahmeerscheinungen wie Maria Callas vor dem inneren Auge, die ueberrwiegend wenig bis keine innere Distanz zu dem hatte, was sie sang. Wohin das gefuehrt hat (neben vielen anderen Faktoren natuerlich), wissen wir alle. Trotzdem hat gerade das sie natuerlich zu dieser umwerfenden Saengerpersoenlichkeit gemacht.

Das sind aber in meinen Augen absolute Ausnahmeerscheinungen, mit denen sich sowieso niemand messen kann. Ich als gaaaaaanz kleines saengerisches Licht halte es daher fuer angebrachter, ein Stueck soweit emotional verarbeitet zu haben, dass ich steuern kann, was auf der Buehne passiert. Das ist aufgrund immer noch vorhandener saengerischer Defizite eh schon schwer genug *lach*

Was zu Hause beim Proben passiert und wie ich dorthin gelange, steht auf einem ganz anderen Blatt ;-)

Und ja, Heulen beeintraechtigt mich stimmlich, denn mir geht die Kehle eher zu. Es gibt aber auch Leute, die weinen "stimmphysiologisch richtig" ;-) , heisst, das Gaumensegel hebt sich und es entsteht Weite. Trotzdem habe ich fuer mich persoenlich das Gefuehl, dass ich mangelnde Kontrolle ueber meine Stimme habe, daher kommt es fuer mich also wie gesagt nicht in Frage, wenn ich es im Vorhinein weiss.

Mir ist es aber schon mal bei einem Mendelssohn-Duett passiert, dass ich weinen musste in der Auftrittssituation, weil sich mit meiner damaligen Mitsaengerin so eine Dynamik entwickelt hat, die wir wirklich nur in dieser ganz speziellen Auftrittssituation hatten - in den Proben hatte mich das eigentlich immer relativ kalt gelassen. Sowas kann natuerlich auch passieren, da muss man dann irgendwie durch. Aber ich finde es nicht angenehmen, daher: Wenn ich VORHER weiss, dass ein Stueck mir zu nahe geht und ich es noch nicht verarbeitet habe, singe ich es erst mal nicht ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Singen und Weinen
BeitragVerfasst: 11.11.2006, 20:23 
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cantilene hat geschrieben:
Mir passiert das eigentlich vor allem beim Lied, weniger bei Oper(ausser Bellini und Puccini) und Oratorium.
Canti :hearts:


Es gibt eine Reihe von Liedern bei denen ich mich emotional stark zusammennehmen muss und wer mich kenne weiß, wie schwer mir das fällt. Im Oratorium, anders wie bei Canti, ist es genau so. Ob beim Selbersingen oder Zuhören, die Elias Sänger im Ensemble wissen das von mir, ist es kaum zu unterdrücken. Warum auch, wenn die Seele singt ist das doch wunderbar. Wenn man nicht oberflächlich singt sondern mit dem Herzen, ist das ein Zeichen von Wärme und inneren Gefühlen, ein Mensch ohne Gefühl singt dementsprechend.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2006, 22:57 
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Hmm, schwierig!!!


Mir kann das z. B. passieren, wenn ich mich mit Haut und Haar in der Musik und in der Stimme verloren habe. Allerdings wäre es dann mit diesem wahnsinnig schönen Zustand vorbei. Wenn ich so einen Zustand mal erreicht habe, kann mir das wochenlang nachhängen, mich sehr glücklich machen und auch gleichzeitig traurig darüber, dass es so selten passiert.

Ich sehe es aber auch so, dass ein völliger Kontrollverlust auf der Bühne vermieden werden muss, zumal Weinen, jedenfalls mir geht es so, die Gesangsfähigkeit weitgehend außer Kraft setzt. (Dürfte mit den physischen Vorgängen zusammenhängen).

Liebe Grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 11.11.2006, 23:06 
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Es kommt auch immer darauf an was ich singe. In Oper und Operette habe ich eine Rolle zu verkörpern, im Lied und im Oratorium ist das anders, da habe ich keine Rolle sondern kehre mein inneres Gefühl von Text und Inhalt nach außen.

Weinen beim Singen öffnet die Kehle, sagte meine erste Lehrerin und sie verstand es, mich zum Weinen zu bringen, grrrr

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2006, 23:55 
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musika hat geschrieben:
Es kommt auch immer darauf an was ich singe. In Oper und Operette habe ich eine Rolle zu verkörpern, im Lied und im Oratorium ist das anders, da habe ich keine Rolle sondern kehre mein inneres Gefühl von Text und Inhalt nach außen.



Das verstehe ich nicht ganz - auch in Lied und Oratorium habe ich doch oft eine Rolle zu verkörpern? :roll: Im Lied sowieso, da sind es manchmal auch mehrere, aber auch im Oratorium.


Gruss
lucicare ;-)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.11.2006, 00:17 
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Danke für all die bisherigen Antworten!
Mir hilft es ehrlich gesagt überhaupt nicht, wenn ich gesagt bekomme, ich solle mich von meinen Gefühlen distanzieren. Wenn ich das könnte, würde ich es sicher schon tun, aber das Problem ist ja eben gerade, dass ich es nciht kann. Vernünftig und richtig mag es scheinen, zugegeben. Und sicherer, was die Beherrschung der Stimme in jedem Moment auf der Bühne angeht, ist es auch, bsonders bei Schülern, die noch mit der Technik kâmpfen , so wie ich eben.

Aber: auch wenn man nciht die Callas ist, kann man nicht aus seiner Haut raus und ich bin sehr froh, Musika, dass Du ähnlcih empfindest.
Vor nicht langer Zeit habe ich in einem sehr interessanten Buch von Ileana Cortrubas etwas gelesen, das mich sehr berührt und im Hinblick auf dieses Thema beruhigt hat. Leider kann ich es nciht mehr zitieren, weil ich das Buch inzwischen an Goachino zurückgegeben habe, aber vielleciht findet er die Stelle.
Es ging eben gerade darum, wie man starke Emotionen beim Singen verarbeitet und sie sagte auch, dass fast jeder Lehrer/Kollege einem sagt: du musst Distanz haben, sonst gehst du in den Emotionen unter.
Aber sie selbst hat genau das Gegenteil gelebt, hat echte Tränen auf der Bühne vergossen, hat sich wirklcih bewegen lassen und in allen DVD und Cd, die ich von ihr habe finde ich sie absolut wunderbar, wie ich auch Callas deshalb absolut wunderbar finde.
Von Kathleen Ferrier, die ich ebenfalls zutiefst verehre, gibt es auch eine solche Geschichte. Sie hat in einer grossen Aufführung unter Bruno Walter Mahler gesungen(ich weiss nciht mehr genau was) und dabei auf offener Szene geweint. Nach dem Konzert entschuldigte sie sich bei Bruno Walter für diese angeblcihe Distanzlosigkeit und er hat gesagt, dass gerade diese authentische Berührbarkeit sie ihm so wertvoll mache(den Wortlaut weiss ich leider nciht mehr).
Auch wenn ich Kontinente von all diesen Sängerinenn entfernt bin, sind sie mir doch ein Trost, denn sie konnten eben TROTZDEM singen.
Mir haben Tränen bisher auch nie die Kehle eng gemacht, eher, wenn ich sie unterdrücken will, macht es mich eng.
Und manchmal merken nichtmal meine engsten Partner etwas und schon gar nicht das Publikum.
Ich weiss ich nicht, ob jemand gesehen hat, wie mir in dem Rigoletto-Duett die Tränen liefen, "Piangi piangi", wie soll ich denn da nciht weinen? Niemand hat das mokiert, ncihtmal auf der Aufnahme fällt es wirklich auf.

So paradox es klingt, aber dieser Thread bestärkt mcih nun, das erst Recht zuzulassen und mich nicht bewusst zusammenreissen zu wollen.
Es geht ja nciht darum, dass ich die Stücke, die ich singe, nciht emotional verarbeitet habe, denn ich weiss ganz genau, warum sie mich so bewegen und auch nach tausend Therapiestunden würden sie das immer noch tun. Die Wirkung die ein Lied auf mcih hat, kann ich nicht wegarbeiten oder gar therapieren. Wenn ich singe "Nur wer die Sehnsucht kennt" bleibt das auch dann total bewegend, wenn ich die glücklichste Frau der Welt bin und alles habe was ich mir wünschen kann. Allein die Schönheit der Musik in Verbindung mit dem Gedicht-das haut einfach um, immer wieder.
Stimmlich ist die Wirkung von Tränen wohl bei jedem verschieden und problematisch würde es wirklich , wenn Schluchzen oder ähnlcihes dazukommt, aber das ist mir nur einmal nach dem Tod meiner Oma passiert.
Aber es gibt ja wohl tatsächlich auch Lehrer, die meinen, das Weinen die Kehle öffnet und das zu lesen, hat mich richtgi glûcklich gemacht!!! :bravo:
Canti :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.11.2006, 02:20 
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hallo,

also dieses problem hatte ich noch nie. bei meinem allerersten (aus versch. gründen leider nur extrem kurzen) versuch zu singen (mit 11, danach hab ich, trotz des sehr positiven feedbacks viele jahre garnicht mehr gesungen) hab ich gleich vor "publikum" gesungen und wollte nur die gefühle der zuhörer aufwühlen und meine eigene (erhebliche) gefühlsbeteiligung diente nur diesem zweck (war halt immer schon ne rampensau *ggg*).

da ich, egal was ich singe, immer voll zu der person werde, die das erlebt (oder erzählt), dienen die oft recht heftigen gefühle jeder art nur dazu, ausdrucksvoller zu singen. es sind zwar meine eigenen echten gefühle, aber sie haben in diesem moment nichts mit dem zu tun, was ich erlebt habe, sondern nur mit der person, die ich verkörpere.
in der orpheus-arie z.b. bin ich nicht verzweifelt, weil ich meine engsten bezugspersonen extrem früh und tragisch verloren habe (und später auch noch einige), sondern bin orpheus, der seine geliebte frau verloren hat und das durch seine eigene schuld und etwas schlimmeres gibt es ja kaum noch. in dem moment bin ich sehr verzweifelt, aber nicht als ich, sondern als orpheus, d.h. sobald das klaviernachspiel vorbei ist, ist auch das vorbei, dann bin ich wieder ich und werde dann zur nächsten person (bei einigen stücken bin ich manchmal froh, daß das klaviernachspiel rel. lang ist, weil ich da so aufgewühlt bin, daß ich ne weile brauche, um "runterzukommen" und mich auf das nächste stück einzustellen. aber nicht nur bei tragischen, sondern auch bei "glücklichen"). und aus mitleid mit der im lied betroffenen person muß ich auch nicht weinen, weil ich ja in dem moment diese person bin.

wenn ich ein lied oder eine arie höre, bin ich oft sehr berührt (wenn es gut gesungen ist), teilweise schon beim klaviervorspiel, vor allem, wenn ich es das erste mal höre, bleibt mein herz stehen oder wird rausgerissen o.ä.
aber sobald ich es selbst singe, ist es anders.

meinen schülern gebe ich immer den rat, daß sie vor dem singen ihre ureigensten gefühle und negativen erlebnissse und probleme etc. quasi in einen sicheren safe packen und zu der person werden sollen, die sie darstellen (bzw. zum erzähler) und deren gefühle "hochkochen" lassen.

dadurch schaffen sie es oft schon bei den klassensingen, die zuhörer so zu fesseln, daß die auch bei stücken, die eigentlich nicht ihrem musikgeschmack entsprechen, gebannt zuhören und begeistert sind, auch wenn die stimmlichen leistungen bei erwachsenen totalanfängern anfangs meist noch nicht so absolut toll sind.

daß ein schüler beim singen wegen des inhalt des liedes bzw. der arie geweint oder tränen in den augen gehabt hätte, habe ich nie erlebt, obwohl sie teils so gefühlvoll und ausdrucksstark singen (und es nicht nur zu hören, sondern auch in ihrem gesicht zu sehen ist), daß ich die absolute gänsehaut habe, aber bei den zuhörern gab es schon einige male mehrere, die das taschentuch rausholten, weil ihnen im staubfreien raum ein staubkorn ins auge gekommen war.

"rote" augen bei schülern hab ich nur manchmal im unterricht erlebt, wenn ihnen irgendwas nicht so gelungen ist, wie sie wollten. da mußte ich sie dann daran erinnern, daß es normal ist, daß bei anfängern nicht immer alles gleich gut funktioniert und selbst profis auch schon mal einen schlechten tag haben.

im übrigen könnte ich auch nicht singen, wenn ich weine. da würde wohl mein zwerchfell wackeln und evtl. auch die kehle eng werden o.ä.
daß nur still ein paar tränen gelaufen sind, ohne daß ich es wollte und es auch nicht verhindern konnte, hab ich nur mal erlebt als bei einer kiefer-op die betäubung nicht gewirkt und der chirurg eine volle halbe stunde ohne betäubung in meinem entzündeten kiefer rumgebohrt hat. 20 min hab ich ohne einen mucks durchgehalten, dann haben meine tränendrüsen leider schlappgemacht. leider, weil der chirurg ein idiot war und wegen meiner "schwäche" eine absolut unverschämte und blöde bemerkung gemacht hat.

beim singen muß ich nicht weinen, da kann ich doch alles raussingen. vielleicht sollte ich bei der nächsten kiefer-op auch singen ???
wenn manche leute sprechübungen mit korken im mund machen, könnte man doch vielleicht auch mit bohrer im mund singen??? :n30:

liebe grüße
kaja


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BeitragVerfasst: 12.11.2006, 11:59 
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Liebe Kaja, ich finde es sehr sehr schade, dass wir keine Möglichkeit haben, Dich und Deine Gesangsklassen einmal hören zu können. Nach allem, was ich von dir bisher gelesen habe und gerade auch wieder in diesem Bericht hier, musst du eine ganz aussergewöhnlich erfolgreiche Sängerin und Lehrerin sein.
Wen Du schon Deine Schüler dazu bringst, dass das Publikum weint-das schaffen bei mir nur wenige Sänger und ich habe, wie auch oben zu lesen, nun wahrlich keine steinerne Seele!
Auch als Kursleiterin würde ich Dich zu gerne mal erleben und vielleciht lässt du dich ja nun doch mal erweichen...... :hearts: :dafür:
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 12.11.2006, 16:59 
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hallo cantilene,

irgendwie hab ich das gefühl, daß du bei meinem beitrag einiges übersehen hast.

zum einen hatte ich ja geschrieben, daß die stimmlichen leistungen bei meinen anfängern oft noch nicht so toll sind. es klingt zwar bei den meisten ganz gut (bei manchen auch sehr gut), aber natürlich nicht vergleichbar mit opernsängern etc.

und es waren ja nur einige male mehrere zuhörer mit taschentuch zu sehen, nicht jedes mal alle.

es gibt auch manchmal jemand, der bemängelt, daß statt ner punktierten 1/4 plus 1/8 zwei viertel gesungen wurden oder das tempo (durch zuviel gefühl und ausdruck etc.) nicht genau gehalten wurde etc. (anfänger, die noch intonationsprobleme haben, singen allerdings beim klassensingen noch nicht mit, ich möchte nicht, daß es den zuhörern in den ohren weh tut, sie sollen ja gern wiederkommen :dafür: ).

im übrigen müssen meine schüler, um die für erwachsene anfänger mit teils erheblichen anfangsproblemen tatsächlich oft sehr guten leistungen zu erreichen, im unterricht auch sehr leiden :n55: (es sei denn, sie wollen garantiert nie solo vor publikum singen, dann geht es etwas gemütlicher zu :-)

ich bin da absolut unerbittlich. im stimmtechnischen bereich pingelig (musikalisch weniger, das macht mein rep *gg*) und falls sie vor publikum singen wollen (also klassensingen usw. und dann auch öffentlich) auch unerbittlich, was das "gefühlstechnische" betrifft.

sie müssen nicht nur ihr innerstes nach außen kehren, sondern auch im ausdruck beim üben im unterricht (wenn wir allein sind) dermaßen übertreiben, daß es ihnen anfangs oft extrem peinlich und unangenehm ist.

und zwar nicht dieses "gemachte" übertreiben, wie man es z.b. bei den nicht-schauspielern in den soaps erlebt (iiiiiiiihh :ruhe: ), sondern das echte hineinsteigern in die gefühle des protagonisten und das hemmungslose ausleben derselben in der nötigen größe, die auch auf entfernung noch ankommt.

viele leute agieren auf der bühne so klein als ständen sie direkt vor der kamera. aber auf der bühne muß alles sehr viel größer sein, auf fernwirkung eingestellt.

eine berühmte opernsängerin sagte mal: was ich rotglühend in den saal werfe, kommt rosa an.
und viele werfen noch nicht mal rotglühend, sondern max. hellrot.

ich weiß nicht, wie es bei andern ist, aber solang ich selbst noch von einem stück berührt bin, erreiche ich nicht die gewünschte wirkung auf das publikum.

ich muß erst von mir weggehen und zu der betreffenden person werden und deren gefühle "hochkochen" lassen (den ausdruck hatte ich im vorigen beitrag bewußt hewählt).
bei irgendjemand steht in der signatur: nur wer selbst brennt, kann andere entzünden.

meiner erfahrung nach muß man mindestens absolut lichterloh brennen (und bei vielen, die denken, es wäre bei ihnen schon ein großbrand, ist es nur ein streichholz o.ä.), dann springt der funke über. und dann bemerken auch viel zuhörer nicht, daß die schüler noch einige mehr oder weniger große mängel haben, die im unterricht wesentlich geringer sind, weil sie sich da mehr auf die technik konzentrieren können, aber vor publikum (teils auch noch durch auftrittsstreß) klappt es teilweise noch nicht so.
deshalb singen die meisten auch noch nicht öffentlich, sondern nur beim klassensingen, bei hochzeiten und geschlossenen veranstaltungen (da ist es meist besser als beim klassensingen, weil sie da nicht zeigen wollen, was sie schon können, sondern einfach nur gern singen).

kurse mach ich grundsätzlich nur mit meinen eigenen schülern, weil zum einen die stimmtechnischen voraussetzungen da sein müssen (selbst wenn jemand sehr gut singt, aber nach einer anderen methode gelernt hat, käme es sonst zu verständigungsproblemen) und außerdem geht es in dieser intensität und rigorosität nur bei den schülern, die mich schon ne weile kennen und an meine methode gewöhnt sind. und ohne das käme wahrscheinlich nicht viel dabei heraus.

ich habe etwas ähnliches beim letzten teil meiner schaupielausbildung erlebt. ein sehr guter schauspiellehrer bot da eine crashausbildung für leute mit vorkenntnissen und bühnenerfahrung.

gleich am ersten tag ging es da sehr hart zur sache und einige machten nur halbherzig mit, weil sie irgendwelche vorbehalte hatten oder es ihnen zu unangenehm war, vor diesen wildfremen leuten solche peinlichen dinge zu machen (neeeeeiiiiiiin, nichts unanständiges).
und denen hat es auch nichts oder nicht viel gebracht und sie haben nach kurzer zeit aufgehört.
da ich vorher schon ähnliche lehrer hatte (sowohl im schauspiel als auch früher beim ballett) und wußte, daß da (vorausgesetzt der lehrer kann was) ne menge dabei herauskommt, war ich gleich mit feuereifer bei der sache und hatte viel spaß und wieder was dazugelernt.
probleme mit anderer technik gab es da nicht, weil der lehrer aus einer sehr großen zahl von bewerbern die ausgesucht hat, die die entsprechenden vorausetzungen hatten. außerdem spielt das beim schauspiel ja auch nicht eine so große rolle wie beim singen.

wenn ich mit mir fremden leuten einen kurs machen würde, käme wahrscheinlich nicht mehr dabei heraus als bei anderen lehrern oder vielleicht auch weniger, weil die zeit zu kurz wäre, um die leute auch nur halbwegs an meine methode zu gewöhnen (und sie das ja wohl auch nicht wollen). und ne andere kann ich nicht, ich bin da sehr beschränkt :n118: (mein rep, der ja neben seiner konzerttätigkeit an einer mhs unterrichtet und da natürlich mitbekommt, was die lehrer normalerweise machen, war anfangs sehr skeptisch, aber dann haben ihn die ergebnisse überzeugt. aber das dauert ne weile, da ist ein wochenendseminar o.ä. zu kurz).

theoretisch würde es mich schon reizen, auch diese erfahrung mal praktisch zu machen, aber da ich sehr erfolgsorientiert bin, wär ich mit dem ergebnis, das ich in der kurzen zeit bei leuten, die nicht meine schüler sind, erreichen könnte, wahrscheinlich nicht zufrieden und da lass ich es lieber.

liebe grüße
kaja


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BeitragVerfasst: 12.11.2006, 17:43 
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Neulich wurde unser Enkelsohn getauft. Und da war es wieder: Kaum hatte die Organistin das bekannte Kirchenlied " Großer Gott, wir loben Dich " gemeinsam mit der kleinen Festgemeinde intoniert, als ich wieder den Kloß im Hals und die Tränen in den Augen spürte. Nichts zu machen. Nach den ersten zwei Takten versagte mir die Stimme, und ich konnte nichts anderes tun, als ergriffen dem Gesang der Übrigen zu lauschen.
Das passiert mir seit Jahrzehnten nur bei diesem Lied, welches ich - Gott sei Dank ! - nie allein singen musste. Warum es so ist, weiß ich nicht.
Allerdings sind Erinnerungen daran geknüpft, die eher vage und keineswegs wirklich aufschlussreich sind.
Mein zu früh verstorbener Vater sang diese Hymne immer mit einer Inbrunst, die mich betroffen machte - und glücklich. Es ist noch heute s e i n Lied!
Und das wird er wohl sein, der Grund für meine andauernde Rührung.
Ciao. Gioachino


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.11.2006, 13:02 
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Mir kommen die Tränen ausschließlich beim Zuhören (bei La Bohème flenne ich am Schluss regelmäßig wie ein Schlosshund :oops: ).
Beim Singen bin ich viel zu konzentriert für sowas. Allerdings stelle ich fest, dass gewisse Arien mich emotional mehr beanspruchen als andere und mich in eine etwas "entrückte" Stimmung bringen.
Da ich zu den Leuten gehöre, bei denen Aufregung sich früher in einer weinerlichen Stimme ausgedrückt haben, habe ich von Anfang an versucht, dies beim Singen nicht aufkommen zu lassen.

LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.11.2006, 13:42 
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mezzo hat geschrieben:
bei La Bohème flenne ich am Schluss regelmäßig wie ein Schlosshund :oops:.


Hallo Mezzo,

kann ich nuuuuuur gestätigen. Mir ging es letztens genau wie dir und die Mimi war noch meine Lieblingssängerin vom Staatstheater und sie beeindruckte mich schon als Lucia und als Mimi schaffte sie es dann restlos. Eine fantastische Sängerin.... ups das ist aber nun nicht gerade Threadbezogen aber egal.......

Viele Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags: Singt wie Maria Callas
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 15:20 
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Hallo ihr lieben

Ich muß meinen Senf mal zu einem Satz von Epo dazugeben...ich finde, ihr alle könnt und solltet euch sehr wohl mit Leuten wie Maria Callas messen...die hatte nur mehr Glück, Erfahrung und Kontakte - aber ihr Können ist genauso dem Geschmack der Menschen unterworfen wie eures und nicht jeder empfindet ihn als schön! ( ich zum Beipiel nicht... )
WEnn ihr also eure Technik so eingermaßen sicher habt seid ihr nicht besser und nicht schlechter als sie.

Phoebe


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 16:20 
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Also, die Behauptung finde ich schon etwas gewagt ;-) Zumal die meisten hier noch in der Ausbildung sind, dachte ich zumindest.
Zum Thema: Singen und Weinen gleichzeitig geht bei mir absolut nicht. Wenn mir die Tränen kommen, schnürts mir die Kehle zu. Das war letzte Woche beim Begräbnis meiner Oma ein ganz schöner Kampf. Wir haben dort nämlich mit unserem Ensemble zwei Lieder gesungen, weil sie sich das gewünscht hätte. Einen Monat vor ihrem Tod hat sie uns bei einem Konzert gehört und von da an nur noch davon geschwärmt. War sehr schwer, neben ihrem Sarg zu singen, aber es ging gut, und ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben. Ich beneide alle, die gleichzeitig Singen und Weinen können ;-)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 19:56 
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Liebe Phoebe, das ist sicher lieb gemeint, aber mit aussergewöhnlichen PERSÔNLICHKEITEN kann sich niemand vergleichen. Es geht da nicht um die Stimme oder die Technik, es geht um die Wirkung ihrer unglaublichen, totalen Hingabe mit Haut und Haaren an die Musik, den Gesang.
Entweder man ist so oder man ist nicht so. Das kann man weder nachahmen noch sich damit vergleichen.

Das ist einfach das Geheimnis und Mysterium in der Kunst. Diser Gesang ist nicht nur gemacht, er ist geschenkt, eine Gabe. Es ist genau der Teil, der einen guten Sänger von einem wirklichen Künstler unterscheidet. Und ein wirklicher Künstler kann sogar ein Mâssiger Sänger sein, was Callas allerdings MEISTENS nicht war.(abgesehen vom Ende ihrer Karriere)
Das aus der sehr subjektiven Sicht einer Callas-Anbeterin...... :bravo:
Liebe Fliu, als meine Oma letzten Sommer starb, wollte ich "Bist du bei mir " von Bach singen. Es ging nicht, denn da war kein stilles Weinen sondern richtiges heftiges Schluchzen in mir. Bei relaer Trauer kann ich nicht singen, bei AngerPuhrtsein von der Musik kann ich sehr wohl weinen und singen, denn es betrifft andere Zonen und ist nicht lähmend.
Toll, dass ihr das am Sarg geschafft habt. das ist doch ein grosser Trost an solch schlimmen Tagen. :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 20:44 
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cantilene hat geschrieben:
Liebe Phoebe, das ist sicher lieb gemeint, aber mit aussergewöhnlichen PERSÔNLICHKEITEN kann sich niemand vergleichen. Es geht da nicht um die Stimme oder die Technik, es geht um die Wirkung ihrer unglaublichen, totalen Hingabe mit Haut und Haaren an die Musik, den Gesang.
Entweder man ist so oder man ist nicht so. Das kann man weder nachahmen noch sich damit vergleichen.

Das ist einfach das Geheimnis und Mysterium in der Kunst. Diser Gesang ist nicht nur gemacht, er ist geschenkt, eine Gabe. Es ist genau der Teil, der einen guten Sänger von einem wirklichen Künstler unterscheidet. Und ein wirklicher Künstler kann sogar ein Mâssiger Sänger sein, was Callas allerdings MEISTENS nicht war.(abgesehen vom Ende ihrer Karriere)
Das aus der sehr subjektiven Sicht einer Callas-Anbeterin...... :bravo:


Seh ich genauso ! :dafür:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 21:00 
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cantilene hat geschrieben:
Liebe Fliu, als meine Oma letzten Sommer starb, wollte ich "Bist du bei mir " von Bach singen. Es ging nicht, denn da war kein stilles Weinen sondern richtiges heftiges Schluchzen in mir. Bei relaer Trauer kann ich nicht singen, bei AngerPuhrtsein von der Musik kann ich sehr wohl weinen und singen, denn es betrifft andere Zonen und ist nicht lähmend.
Toll, dass ihr das am Sarg geschafft habt. das ist doch ein grosser Trost an solch schlimmen Tagen. :hearts:

Ja, das ist wahr. Vor allem im Nachhinein bedeutet es mir unschätzbar viel, dort für sie gesungen zu haben. Solistisch hätte ich das aber auch niemals geschafft. Umso bewegender war es für mich, dass fast die gesamte Stimmbande sich so kurzfristig Zeit und die 1,5 Stunden Anfahrtsweg in Kauf nahm, um Kiwi und mich zu unterstützen :love:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2006, 21:02 
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@phoebe: Es gibt seriöse Stimmen die sagen, dass es für die Callas NICHTS in der damals gängigen Opernliteratur gab, was sie nicht sängerisch, vor allem technisch bewältigen konnte. Und das mal ganz abgesehen von ihrer Bühnenpräsenz, ihrem Feuer und ihrem Einsatz (sie hat angeblich nie markiert, sondern immer ausgesungen).
Ich stelle mein Licht üblicherweise nicht unter den Scheffel, aber vor solch einer Sängerpersönlichkeit muss man einfach erblassen. (Abgesehen davon, dass es immer noch viele Stücke gibt, die ich technisch tatsächlich nicht adäquat bewältigen kann).

@canti: Meine Mutter will mal bei ihrer Beerdigung das "Hör mein Bitten" von Mendelssohn. Das war das erste Stück, das ich jemals in einem Konzert gesungen habe. Zum Glück gibt es davon eine Aufnahme - meine Mutter ist mir sicher nicht böse, wenn sie es "im Ernstfall" nur aus der Konserve bekommt. Singen könnte ich es sicher in dem Moment nicht. Das ist auch ohne besonderen Anlass schon emotional genug.

LG
mezzo


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