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BeitragVerfasst: 20.01.2007, 22:06 
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Hallo,

die Frage ist vielleicht etwas provozierend - denn eigentlich würde man ja sagen, dass die Grundlagen für jede klassische Stimme, egal welchen Faches, gleich sind (Stimmsitz, Vokalausgleich, Registerausgleich, um nur mal ein paar Stichwörter zu nennen). Dennoch: ist es nicht so, dass eine Altistin mit einem anderen Ansatz singt, als ein Mezzo und als ein Sopran - analog bei den Männerstimmen genauso?

Zur Erläuterung, warum ich die Frage stelle, möchte ich kurz meine eigene Entwicklung schildern (viele erkennen sich darin sicher wieder). Als ich noch keinen GU hatte, habe ich mich im Chor spontan in den 2. Sopran gesetzt. Dort fühlte ich mich (bei schwerpunktmäßig Renaissancemusik) immer gut aufgehoben. Meine erste Lehrerin (bei der ich aus guten Gründen nicht so lange war), stufte mich als Sopran ein ("in der Tiefe kommt ja bei dir nur heiße Luft"), meine jetzige, langjährige Lehrerin hat mich nie in eine Schublade gesteckt, aber sie hat auch schon mal fallen lassen, dass sie mich lange als "werdenden Sopran" mit der Zwischenbezeichnung "Mezzo" gesehen hat. Als ihr ihr sagte, dass ich im Chor in den Alt wechseln wollte (vor 3 Jahren), hat sie mich erstaunt angesehen, aber gemeint, das sei wohl ok, es sei ja erst mal entspannender, solange ich in der Höhe noch nicht so sicher sei. Sie hat zwischendurch auch immer schon mal bei meiner Tiefe aufgehorcht, aber von Alt war nie die Rede. Ich wollte dann irgendwann mal eine Altarie singen, habe mich dabei aber gnadenlos festgesungen. Also dachten wir beide, ich sei eben definitiv kein Alt. Die Höhe machte aber auch nicht wirklich Fortschritte. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich letzten Sommer mal berichtet habe, ich wolle jetzt eine höhere Mezzoarie probieren, die über meiner eigentlichen Wohlfühllage liegt, nur mal so zum Testen, weil ich wissen wollte, ob ich vielleicht mit etwas Höhentraining weiterkäme. Das Resultat war: ich konnte die Arie zwar singen, war danach aber immer fix und fertig, es hat mich total angestrengt. Und ein Trainingseffekt stellte sich auch nicht ein. Als nächstes habe ich dann das Gegenteil versucht: eine Altarie etwas unterhalb der (bisherigen!) Wohlfühllage (Messias, O thou that tellest). Und das war dann eine wirkliche Offenbarung! Nicht, dass dies auf Dauer meine Wohlfühllage würde, das glaube ich nicht, aber der Stimmklang hat sich derartig zum Positiven entwickelt (voller, runder, die mittlere Höhe brillanter), dass ich glaube, dass dies mit einer "altistischen" Einstellung zu tun hat. Ich habe das Gefühl, dass ich nach langer Suche endlich zu einem eigenen Stimmklang gefunden habe (und das wird mir von meiner Lehrerin bestätigt), der mir allerdings noch nicht immer auf Anhieb zur Verfügung steht. Beispiel: ein Stück setzt auf h1 ein, ich singe erst mal ein h und anschließend mit der gleichen Einstellung das h1, dann ergibt sich dieser "Glanz" in der Stimme, ein schönes Vibrato stellt sich ein. Setze ich unbedarft gleich auf dem Ton ein, schiebt sich die "alte" Technik dazwischen, der Ton klingt viel flacher mit wenig Vibrato.

Glaubt ihr, dass man tatsächlich von einer "Altistinnentechnik" sprechen kann, oder meint ihr, dass das, was ich beschreibe, einfach eine ganz normale Entwicklung ist, die Sopranistinnen genauso durchlaufen, wenn sie ihre Tiefe entdecken? Singt man als Alt, Mezzo, Sopran mit einem jeweils unterschiedlichen Ansatz, einer unterschiedlichen Einstellung des Instruments, oder ist das Quatsch? Was meint ihr? Irgendwo muss es aber ja auch herkommen, dass man von "Fachwechsel", "Umstellung von Mezzo auf Sopran" (oder umgekehrt) spricht. Bin gespannt auf eure Meinungen.

Liebe Grüße,

Orphenica

:hearts:


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BeitragVerfasst: 20.01.2007, 22:19 
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Hallo Orphenica,

das, was du da beschreibst, das Denken du seist eine Altistin, praktiziere ich schon von je her bei meinen Schülern. Es ist immer erstaunlich, was dabei für Töne kommen. Ich kam darauf, weil ein Chorleiter eines Frauenchores, in dem ich früher war, die Frauenstimmen weg vom Kinderchorklang bringen wollte. Er sagte dann immer "dunkel meine Damen, dunkel". Der Klang wurde runder, voller und klang auf einmal schön. Es hielt zwar nie lange an, weil die Damen es wieder vergaßen.

Dieses Beispiel versuchte ich bei meinen Schülern, ich sagte z.B. einem Sopran, stell dir vor du seist ein Alt. Schon wurde die Stimme voller, runder und gewann an Klang. Warum? Jeder sollte mal das Experiment machen und er wird sehen, was sich in dem Moment im Hals tut, er wird weit und ist zu vergleichen mit einer "Gähnstellung". Es funktioniert und das Gefühl der offenen Kehle stellt sich ein.

Versucht es mal......

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 20.01.2007, 23:16 
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@ Musika: Ähnlich macht mein GL das auch, wenn ein Stück tiefer liegt oder in eine tiefe Lage geht, meint er manchmal: "Da kannst du ruhig wie ein Alt klingen" oder "erinnere Dich da einfach mal an Deine Mezzo-Vergangenheit" Und schon wird die Tiefe voller und runder. Wissentlich verändere ich da aber nichts an der Technik, das ist eher eine Gefühlssache. Aber dann habe ich mir über Technik nmie wirklich explizit Gedanken gemacht :oops:

@Orphenica: Ob die verschiedenen Stimmfächer wirklich unterschiedliche Techniken anwenden, vermag ich nicht zu sagen, aber ich singe Stücke, die in Mezzolage liegen meiner Meinung nach schon mit etwas anderem Stimmklang als ausgesprochene Sopranarien. Aber vielleicht liegt das wirklich auch nur an der Lage.


Das Phänomen, seinen "eigenen" Stimmklang gefunden zu haben, habe ich eigentlich auch erst vor Kurzem erlebt. Nämlich mit dem Wechsel zu meinem neuen GL - zwar waren die Mezzostücke, die ich gesungen habe, durchaus okay zu singen und solange die Höhe noch nicht so trainiert war, war es wohl auch gut, erstmal in "gemäßigteren" Gefilden zu singen. Aber so hundertprozentig zufrieden gestellt hat mich das nicht. Das Gefühl kann ich nur schwer beschreiben, aber ich hatte nie so das Gefühl ganz aus mir heraus zu können. Und dann habe ich die Stimme auch gerne künstlich abgedunkelt, was ja dann auch nicht meine "eigene" Stimme war.

Mit dem Wechsel ins Sopranfach habe ich nun endlich das Gefühl, "angekommen" zu sein. Und das ist irgendwie ein großartiges Gefühl. :hearts:

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 21.01.2007, 14:16 
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Hm, sagen wir mal so: Wirklich unterschiedliche Technik wuerde ich das nicht nennen, denn die ist normalerweise und im Optimalfall unabhaengig vom Stimmfach die Gleiche.

Wo ich aber uneingeschraenkt beipflichten will: Man naehert sich dieser "Optimaltechnik" abhaengig vom Stimmfach unterscheidlich. Der Zugang zur Hoehe ist fuer einen Mezzo ein anderer als fuer einen Sopran usw. Die Lage, von der man sich dem Optimum und dem Aufschluss der kompletten Stimme naehert, u.U. eine andere.

Sage das Wort "dunkel", und es KANN helfen. Es kann aber auch dazu fuehren, das kuenstlich abgedunkelt wird, und das ist in den seltensten Faellen gut, macht schwerfaellig und bringt im schlimmsten Fall sogar einen dunklen Knoedel, weil manche Leute abdunkeln, indem sie den Kehlkopf mit dem Zungengrund runterdruecken. Das klingt zwar dunkel, die Technik stimmt aber trotzdem nicht. Ist gerade in Laienchoeren ein weitverbreitetes Problem.
Es haengt sehr vom Individuum ab, was geht und was nicht, man muss da immer vorsichtig sein.

Orphenica, Du scheinst ja nach allem, was ich von Dir bislang so weiss, eine aehnliche Stimmfachproblematik zu haben wie ich. Es gibt halt Stimmen, die passen nicht in die gaengigen Schubladen, und die haben es etwas schwerer als die "eindeutigen Kandidaten" - auch im Gesangsunterricht.

Heute wuerde ich sagen: Alles, was sich unangenehm anfuehlt, ist falsch, man darf da ruhig seinem Koerper vertrauen. Und mit "unangenehm" meine ich jetzt nicht die leichte Anstrengung, die sich beim Singen in zunaechst ungewohnter Lage einstellt. Das hat viel mit Training zu tun, und wenn man gut in sich reinhoert, merkt man auch den Unterschied zwischen "ungewohnt" und "unangenehm". Ich wuerde alles kritisch betrachten, was wehtut - damit meine ich jetzt nicht hoellische Schmerzen, sondern uebermaesige Ermuedungserscheinungen an der Stimme und auch am sonstigen Koerper. Kopfschmerzen nach dem Singen z.B. sind ein ganz wesentliches Zeichen fuer Arbeit mit zuviel Druck. Leichter Schwindel hingegen kann was Gutes sein, wenn sich die richtigen Resonanzraeume zum ersten Mal oeffnen ..


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BeitragVerfasst: 21.01.2007, 23:39 
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Vielen Dank schon mal für eure Antworten.

Ich möchte meine Frage noch mal etwas anders formulieren. Was bedeutet es, wenn jemand sagt, dass er von einem Stimmfach auf ein anderes "umschult"? Z.B. Musika, du warst doch zunächst Sopran, hast jahrelang auf der Bühne gestanden, bevor du auf Mezzo umgeschult hast. Was hat sich damals an deinem Unterricht geändert? War es nur das neue Repertoire oder hat sich auch die Technik geändert? Sind es unterschiedliche Resonanzräume, die ein Mezzo im Gegensatz zum Sopran nutzt? Setzt man den Körper anders ein? Oder stellt sich der ganze Stimmklang automatisch um, wenn man nur in der entsprechenden Tessitur singt - also: singe ich eine Altarie, klinge ich nach Alt, eben weil die Tessitur entsprechend tief ist, singe ich ein Lied in Mezzolage, klingt es automatisch "sopraniger", weil es eben höher liegt?

Was muss eine Altistin lernen, was ein hoher Sopran nicht braucht, und umgekehrt? Dass alle sowohl Randstimme als auch Bruststimme trainieren müssen, haben wir in dem anderen Thread (französischer Mezzo) festgestellt. Was aber macht die "spezifische Stimmfachausbildung" aus - oder gibt es sie gar nicht?

Fragen über Fragen...

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


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BeitragVerfasst: 22.01.2007, 00:07 
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Hallo, Orphenica,

vielleicht noch zur Ergänzung:

Das Stimmfach ist sicherlich nicht explizit einer bestimmten Technik zuzuordnen, aber die Gewichtung ist unterschiedlich.

Gut ausgebildete Stimmen sollten dunkle und helle Anteile haben.

Ich kann es gut nachvollziehen, dass hohe Stimmen oft lernen müssen, mehr Körperklang zu trainieren, damit etwas Rundes, Volles in die Stimme kommt. Das ist die Vorstellung, man singe Alt, wahrscheinlich durchaus nützlich.

Ungekehrt, und das kenne ich selbst naturgemäß besser, muss bei tiefen Stimmen meist die Helligkeit geweckt werden. Die Schwerpunkte sind andere, aber nicht das, was herauskommt, nämlich die Registermischung. Das war mir psychisch gesehen, lange suspekt, weil ich befürchtete, mein Fach zu verlieren (was beim Versuch, mir die Brustresonanz auszureden, gar nicht so abwegig war)

Dazu kommt noch, dass wir Tiefen häufig um den gravierensten Bruch zwischen Kopf und Brust herumsingen müssen, einfach weil die Partien so liegen. Das kann manchmal trotz der Bequemlichkeit der Lage ziemlich schwierig sein. Das muss vielleicht intensiver bearbeitet werden als bei Sopranen. Die Tenöre müssen sich auch sehr stark mit dieser Lage auseinandersetzen, sollen aber ganz anders klingen wir wir (ohne sog. Falsett)

Die Technik ist nicht anders, aber der Lehrer setzt an einer anderen Stelle jeweils an. Ausserdem wird es auch dabei bleiben, dass die Stimmfächer bestimmte Bereiche der Gesamttechnik unterschiedlich häufig nutzen.

grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 29.08.2012, 13:00 
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Jazz, Pop und Rock werden definitiv NICHT mit der Belcanto Technik gesungen. Das ist völlig abwegig ! Es sei denn, man bezeichnet als " Belcanto Technik" die einfache Tatsache, dass durch den Luftstrom die Stimmlippen in Schwingung gebracht werden, die verschiedenen Resonanzraueme des Koerpers den Klang transportieren und das Zwerchfell fuer den Atemstrom und die sogenannte Stütze verantwortlich ist.

Lg Silje

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BeitragVerfasst: 30.08.2012, 23:22 
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Den Unterschied, liebe Silje,
hat Karin Wettig zumindest angedeutet und die italienische Schule als Grundlage für den k l a s s i s c h e n Gesang benannt, womit sie zweifellos Recht hat.

Ciao. Ospite big_kiss


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BeitragVerfasst: 31.08.2012, 00:22 
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Du magst mich gerne eines besseren belehren, lieber Ospite, aber den Unterschied zwischen Belcanto-Gesangstechnik und Jazzgesang macht sicherlich nicht nur ein " Behauchen" oder " Aneinander reiben" der Stimmbaender aus. Dies wird dem sehr komplexen Jazz und dessen eigener Gesangstechnik in keinster Weise gerecht.

Lg Silje. big_kiss

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BeitragVerfasst: 31.08.2012, 00:30 
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...deshalb schrieb ich ja " angedeutet ", Cara!
Buona notte !
Ospite big_hand


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BeitragVerfasst: 31.08.2012, 17:26 
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Hallo,

mir ist überhaupt nicht klar, was mit "Reiben der Stimmbänder" gemeint sein soll. Wenn selbige sich schließen, was für beide Techniken wunschgemäß sein dürfte, dann legen sie sich naturgemäß aneinander. Das geschieht aber keinesfalls dadurch, dass man sie bewust bewegt.

Aber, um es vielleicht etwas provokant auszudrücken, Reiben, damit es kratzt :-): das kann eigentlich nicht sein, auch nicht beim Belten.

????????


LG
Dola (etwas ratlos)


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BeitragVerfasst: 31.08.2012, 17:29 
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Danke Dola !! big_herz

Lg Silje

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BeitragVerfasst: 01.09.2012, 18:52 
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Die Kollegin bezieht sich vielleicht auf die " Reibeisenstimmen " von z. B. Louis Armstrong oder Herbert Grönemeyer...... big_denken

Ciao. Ospite big_gruebel


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BeitragVerfasst: 04.10.2012, 10:28 
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Die Technik an sich unterscheidet sich nicht, das sehe ich auch so im Sinne der Funtionsweise des fertig ausgebildeten Instruments. Die Wege jedoch, dort hin zu kommen und die "Baustellen", also die zu bearbeitenden "Lernfelder" sind verschiedene und gute LehrerInnen erkennen diese Punkte individuell bei ihren SchülerInnen. Manche dieser Lernfelder hängen m. E. mit dem Ansatz zusammen, den unausgebildete Stimmen entsprechend der Lage und auch des Stimmtyps (schwer oder leicht) von sich aus oder auch intuitiv nehmen und überbetonen, während schwer zugängliche, aber zur richtigen Entfaltung nötige Aspekte der Stimmgebung mehr oder weniger automatisch umgangen werden. Meist aus Angst um die Strapazierfähigkeit des Organs oder weil es in den eigenen Ohren greißlig klingt.

Bespiel: Die Schülerin, die im jungen Alter eine leichte Koloraturanlage hatte, sehr hoch kam und nun mit zunehmendem Alter merkt, dass die Höhe schwieriger erreichbar wird, das Ganze nicht mehr so geläufig ist, dies aber gewöhnt war, merkt nun, mit Mitte vierzig, dass sich was verändert hat. Unterricht hat sie ab jetzt. Tiefe gab es nie und der Zugang hat sich erstmal nicht eingestellt. Hier ist der ganze "Unterbau" aufzubauen, die trotzdem vorhandene Tiefe zu wecken und das Ganze mit den bereits funtionierenden Ansätzen oben zu verbinden. Das sind ganz andere Baustellen als beispeilsweise meine, die eher darin liegen, die kopfigen Resonanzen aktiv zu bekommen und die Passagi glatt zu kriegen. Eher typisch Altistin bzw. schwere Stimme.

Vielleicht erklärt sich so der Eindruck, dass es verschiedene Techiken braucht, was in der Tat so nicht stimmt m. E., zumindest was die Klassik betrifft. Die Unterschiede liegen letztlich in der Individualität, die über das gerade zur reinen "Technik - Baustelle" Gesagte hinausgeht. Die Fundierung im Körper und die Steuerung der Stimme über die Stützfunktionen muss vom Schüler/ der Schülerin innerlich akzeptiert werden, weil damit auch oft eine Veränderung des persönlichen Körpergefühls und der Haltung verbunden ist, die auch verbalisierbar ist und einen (positiven) psychologischen Wandel herbeiführt (Bespiel: Ablegen einer verinnerlichten Kleinmädchen - Haltung in manchen Situationen). Die Technik bleibt gleich, aber der Mensch als Instrument bedarf unterschiedlicher Unterstützungsformen.

Nach meinem Dafürhalten war Maria Callas auch als junge Frau kein Mezzo, sondern ein Sopran mit einer schweren Anlage und dunkler Tönung, was m. E. auch zu ihrem Körper passte. Eine solche Stimme tut sich aber auch keinen Gefallen, wenn sie mit 20 eine Isolde singt. Diese extreme Abnehmerei tat ein Übriges. Man kann seine Stimmnatur nicht schadlos so malträtieren. Ich nehme an, dass sie beim Abnehmen keinerlei Regeln befolgt hat, die einen körperlichen und physiologischen Ausgleich verschaffen und somit Rücksicht auf den filigranen Stimmapparat nehmen. Das kann nicht gutgehen in Bezug auf Aufbau und Pflege des Instuments. Ein Holzblasinstrument lagert man schließlich auch nicht bei 30 Grad minus. So sehr ich ihren eisernen Willen bewundere: Ein Vorbild für SängerInnen mit gesunden Langzeit - Optionen der Karriere war sie definitiv nicht.

LG

dola


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BeitragVerfasst: 04.10.2012, 14:55 
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KarinWettig hat geschrieben:
Maria Callas war zunächst ein Mezzosopran hat sich jedoch in das "scheue Reh" und die mädchenhafte zarte Prinzessin in Hollywoodfilmen Audrey Hepburn als Vorbild verliebt und diese vor dem Spiegel imitiert. Dann hat sie 30 kg abgenommen, um ebenso schlank auszusehen und hat ihre Stimme auf Koloratursopran umtrainiert, was ihr glaubhaft gelungen ist, denn der Erfolg gab ihr Recht.


Die Reihenfolge ist falsch...

Ja, sie hat sich Hepburn zum Vorbild genommen. Das hatte aber nichts mit ihrem Abnehmen zu tun, da sie damit begonnen hatte, bevor sie Hepburn überhaupt kennen konnte. Den Entschluß dazu fasste sie im Frühjahr 1953, als sie Cherubinis Medea (Scala, Leonard Bernstein) sang, da sie zu der Überzeugung gelangt war, daß ihr damaliges Aussehen nicht zu dieser Rolle passte, und sie sich auch sonst unwohl mit ihrem Gewicht fühlte, wie sie später in einem Interview (1968, Edward Downes) angab. Vorausgegangen war ebenfalls Anfang 1953 eine Episode, die Tito Gobbi (Mein Leben) überlieferte: Derzufolge soll Tullio Seraphin bei eine Probenpause zu Lucia di Lammermoore in Florenz die Callas darauf hingewiesen haben, daß sie zu viel aß. Als sie daraufhin widersprach, soll Gobbi vorgeschlagen haben, das doch auf der Waage vor dem Restaurant zu überprüfen. Danach soll Callas sehr nachdenklich gewesen sein. Wie auch immer: der erste Film mit Audrey Hepburn (Ein Herz und eine Krone) kam erst im September '53 in die Kinos, also ein halbes Jahr nach dem bekannten Beschluss... Übrigens: 1945 wurde ihr an der Met (oder war's Philadelphia?) die Rolle der Butterfly angeboten, was sie bereits damals mit dem Argument ablehnte, sie wäre zu fett dafür.

Und Mezzo... hmmm...
Bei ihrem Durchbruch 1949 in Venedig (also bereits 4 Jahre vor ihrem Abnehmen) sang sie gleichzeitig die Brünnhilde in der Walküre und die Elvira in den Puritani. Zuvor hatte sie Turandot (Chicago), Isolde, Giacconda (Verona), Tosca, Marta/ Tiefland, Fidelio und Santuzza (die letzteren noch in Griechenland) gesungen. Weitere Rollen vor 1953 waren Abigaille (Nabucco), Leonara (Trovatore), Aida, Norma, Lady Macbeth und Violetta (Traviata).

Alles keine Mezzo-Rollen... eher dramatischer Sopran. Daß ihre erste Rolle in Griechenland, die Beatrice in Suppés Boccacio, eine Mezzo-Rolle war, sagt nicht, daß sie auch ein Mezzo war... Den Bruch in ihrer Stimme haben eine Reihe von Leuten bereits 1954 bemerkt, unmittelbar nach ihrem Gewichtsverlust. Ein paar davon waren der Meinung, es hätte der Stimme gutgetan. Andere sahen das anders. Auch ihr erklärter Freund Tito Gobbi bemerkte eine Verschlechterung ihrer Stimme ab 1954, führte das aber nicht auf die Hungerkur zurück, sondern auf einen Verlust des Selbstvertrauens, d.h. dem ständigen Druck der von ihr erwarteten Höchstleistung nicht standhalten zu können.

Klar, es gibt Stimmen, die ihre Probleme auf die (zu) schweren Rollen am Anfang ihrer Karriere zurückführen. Mindestens ebenso viele führen das auf die (zu) leichten Rollen zurück. Und andere auf ihren Hormonhaushalt. Diese Frage läßt sich post mortem und auch ohne das im Abstand von fast 60 Jahren wohl kaum klären. Bleibt alles im Spekulativen.

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BeitragVerfasst: 06.10.2012, 00:18 
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Stimmbruch? merkt man bei Sopranistinnen auch eher nicht.....

KarinWettig hat geschrieben:
Ich finde es auch so interessant, wie solche Fehler der ganz großen Sänger immer wieder von Menschen herausgeholt und betont werden, die selber niemals berühmt wurden und nicht diese STimme besitzen. Es scheint so zu sein, dass Kritik die Kunst der Nicht- Erfolgreichen ist. Wenn man nicht selber musiziert und auf die weltbühne kommt, kann man immer noch Musikkritiker oder Journalist werden und über die anderen schreiben anstatt sich selber voranzubringen. Dies soll jedoch keine Kritik an den Beiträgen sein, ist nur eine Randbeobachtung, die ich oft mache.



Solche "Kritiker" gibt es sicher, aber es gibt auch solche, die mit geschultem Ohr und Fachkunde an die Sache herangehen. Wenn ich in der Zeitung nur lesen würde: Ach wie wunderbar, schmacht, wäre das sehr langweilig und wenig aussagekräftig. Jemanden durch den Dreck ziehen, der, die diesen schweren Job macht, ist keinesfalls angemessen, aber gut begründet darlegen, was Sache ist, ist keinesfalls mit respektlosem Gemäkel gleichzusetzen. Empathie als Voraussetzung für eine fundierte und konstruktive Kritik ist allemal vonnöten, Bühnenerfahrung sicher auch kein Fehler, aber eigener Bühnenerfolg (wie bemisst sich der denn?) kann m. E. nicht Voraussetzung für das Recht sein, seine Meinung zu haben.


LG

dola


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BeitragVerfasst: 06.10.2012, 10:13 
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Hallo!

"Nobody is perfect"...
Meckern kennen nur die,welche besser sind,oder waren als die Diva Callas selbst.
Gibt es solche,welche ohne neidische Gefühle unparteisch kritisieren?
Was ist für sie perfect?
Stimmbruch bei Sängerinnen,Sopranstimme?
Ich habe das nie gehört, aber Wechsel im Laufe der Jahre von Mezzo- zu Sopran,oder umgekehrt.
Callas ist für mich,eine unerreichbar schöne ,makellose Stimme.
Ich höre Sie gerne ; vor 2 Jahren habe ich zum Geburtstag 4 CD`s von Ihr
bekommen,das ist für mich eine Freude.
Objektivität ist rar geworden in unserer Zeit...gehört zu Relikten der Vergangenheit,das gebe ich
Recht Frau Dr Karin Wettig.
Liebe Grüsse
und bloss ...kein Neid
von Mariella :92


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BeitragVerfasst: 06.10.2012, 22:01 
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Registriert: 17.10.2008, 16:24
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Ich schrieb "Bruch in der Stimme" (womit ich meinte, die Stimme hat sich zwischen 1953 und 54 verändert), nicht "Stimmbruch". manno!

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BeitragVerfasst: 06.10.2012, 22:34 
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T M Pestoso hat geschrieben:
Ich schrieb "Bruch in der Stimme" (womit ich meinte, die Stimme hat sich zwischen 1953 und 54 verändert), nicht "Stimmbruch". manno!


So habe ich das auch verstanden, danke TM Pestoso.

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BeitragVerfasst: 06.10.2012, 22:58 
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Aber Frau Dr Wettig schrieb vom "Stimmbruch" .... big_denken

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