Aktuelle Zeit: 21.10.2019, 07:50

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 75 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Countertenor
BeitragVerfasst: 03.05.2007, 13:30 
Benutzeravatar
Hallo!

Nachdem ja in Nachgang zu meinem Jeptha anscheinend Interesse an der Diskussion über Countertenöre bestand, wollte ich dazu eine neue Rubrik aufmachen.

Als Mezzo, der zumeist auch Oratorien-Alt singt, MUSS ich den Counter zwangsläufig als "natürlichen Feind" betrachten :lol:

Ich persönlich mag den Klang nicht - auch wenn einige Altistinnen, die sich auf das vibratoarme Singen verlegt haben, auch nicht besser klingen....

Bewunderswert finde ich die Koloraturfähigkeit. Ich würde es darin begründet sehen, dass Counter eher ohne Körperbindung singen - da gab es aber im anderen Thread durchaus andere Meinungen.

Bemerkenswert finde ich eine Satz meines GL, der meinte, Coutertenor wäre die einzige Stimmlage, für die man sich bewusst entscheiden kann; sprich: man schaut nicht, welches Stimmfach im Verlauf des Unterrichts herauskommt, sondern muss von vorne herein bewusst auf Countertenor hinarbeiten.

Auf eine interessante Diskussion..... :welcome:

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.05.2007, 22:57 
Benutzeravatar
Tja, der Gedanke, dass die in Barockopern und Kirchenmusik in meinem Revier herumwildern, ist naheliegend und einmal kam es auch schon zur Begegnung der dritten Art (wer kann tiefer? habe ich gewonnen :lol: kleiner Scherz am Rande).

Stell mir gerade vor, wie sich so einer als Azucena machen würde, so ne Art Miss Doubtfire? :lol: :lol:

Kowalski macht als Orpheus eine gute Figur, doch Finde ich den Stimmklang schon etwas eigenartig, steht da so ein Mordskerl und zwitschert da - durchaus beeindruckend - so herum.

Meine Suscepit Israel - Stimme habe ich u.a. mit einer Aufnahme mit Counter einstudiert und ich finde, für den spröden Bach eignet sich so eine Stimme recht gut. Er war zudem gut zu hören.

LG

dola


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Countertenor
BeitragVerfasst: 03.05.2007, 23:36 
Benutzeravatar
mezzo hat geschrieben:


Als Mezzo, der zumeist auch Oratorien-Alt singt, MUSS ich den Counter zwangsläufig als "natürlichen Feind" betrachten :lol:

Ich persönlich mag den Klang nicht - auch wenn einige Altistinnen, die sich auf das vibratoarme Singen verlegt haben, auch nicht besser klingen....

Bewunderswert finde ich die Koloraturfähigkeit. Ich würde es darin begründet sehen, dass Counter eher ohne Körperbindung singen - da gab es aber im anderen Thread durchaus andere Meinungen.


Liebe Mezzo,

ich würde da gar nicht so sehr Konkurrenz sehen und auch nicht werten (mag ich - mag ich nicht), sondern komplett unterschiedliche Klangfarben einfach als solche stehen lassen. Ich persönlich mag sowohl "deftigere" Alt/Mezzo-Stimmen in der alten Musik, aber eben auch den schlankeren Counter-Klang. Der hat für mich manchmal (vorausgesetzt natürlich, es handelt sich um einen guten Counter!) wirklich etwas Sphärisches. Als körperlos möchte ich das wirklich nicht bezeichnen, das halte ich nicht für zutreffend.

Du selbst und auch Dola, ihr habt ja wohl eher große, schwerere, vibratoreiche Stimmen, wenn ich das hier richtig mitbekommen habe. Das sei euch ja auch unbenommen, ich höre solche Stimmen sehr gerne.
:n2:

Aber warum macht ihr "vibratoarme" Stimmen, ob jetzt Counter oder weiblicher Alt, so runter? Es gibt doch Zusammenhänge und Musikrichtungen, zu denen das passt! Natürlich wäre es absurd, wenn ein Counter Azucena sänge - aber das fiele doch auch keinem Vertreter dieser Stimmgattung ein, oder kennt ihr einen? Denkt doch mal nicht in solchen Konkurrenzschubladen, sondern lasst einfach nebeneinander existieren, was jeweils im richtigen Zusammenhang zum Sterben schön sein kann!

Ein bisschen verteidige ich mich hier natürlich auch selbst: ich singe relativ vibratoarm (!) - kommt allerdings sehr auf das Stück an. Gerade singe ich mal wieder eine Bach-Arie, die, wie ich gerade in der letzten U-Stunde gemerkt habe, keine "Schwere" in der Stimme verträgt, sie ist einfach so instrumental komponiert, dass man das nur mit leichter, gerader Stimme singen KANN, sonst geht man baden. Händel dagegen braucht mehr "Körper", da entwickle ich dann auch einen ganz anderen Klang (und mehr Vibrato) als bei Bach.

Soweit mein Wort zum Freitag zu dem Thema :schlaumeier:

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 09:26 
Benutzeravatar
@orphenica: Von "runtermachen" kann zumindest bei mir keine Rede sein. Ich MAG diese Stimmen einfach nicht, vermutlich, weil meine gesangliche "Sozialisierung" in eine völlig andere Richtung geht. Es bleibt jedem unbenommen so zu singen, wie er es für richtig hält.
Aber wenn ein Mann mit einer Frauenstimme (und diese klingt ja meist heller als ein Alt) wie jetzt in Jephta von seinen Kriegstaten erzählt, da muss ich doch grinsen :lol: ).

Und das mit dem "natürlichen Feind" war als Scherz gemeint - deswegen hab ich auch den Smilie dahinter gesetzt. Dirigenten, die den Counterklang haben wollen oder eben einen vibratoarmen Klang, werden mich eh nicht engagieren! Damit kann ich gut leben :sauf:

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 10:08 
Benutzeravatar
Ich respektiere die musikalischen Talente und hart erarbeiteten Fâhigkeiten vieler Countertenöre aufrichtig. Sie gehören in ienen historischen Musikzusammenhang als stilistisch passende Elemente und haben von daher ihre Berechtigung.
Ich selbst mag keinen Mann vor mir sehen, der wie eine Frau singt. Da kommen bei mir zuviele abwehrende Assoziationn in Gang, die mit der Musik ncihts mehr zu tun haben und mich diese auch nicht mehr geniessen lassen können.
Das hat eher psychologische Gründe und ist sehr subjektiv.
Vibratoarmer Klang in der Barockmusik stört mich nicht, wenn er von gesund klingenden und gesund ausgebildeten Stimmen gesungen wird. Mich stört auch Emma Kirkby keinesfalls in dem ihr angemessenen Repertoire. Im Gegentiel, ich finde das wunderschön. Jede Stimme sollte bei ihren eigenen Vorzügen und Talenten bleiben und nciht glauben, das einer einfach alles singen können muss.
Wenn ich ein Riesenorgan und ausgeprägtes Vibrato hätte, wûrde ich sicher von mancherlei Musik tunlichst die Finger lassen, so wie ich es umgekehrt eben auch tue. Das sehe ich wie Mezzo. :n2:
Ein Werturteil ist das absolut nicht. Aber ein Stil- und Geschmacksurteil sehr wohl. Nicht zuletzt der betreffenden Chefs/Dirigenten, die die Stimmen für ihre Besetzungen wählen.
Canti :hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 12:49 
Benutzeravatar
mezzo hat geschrieben:
@orphenica: Von "runtermachen" kann zumindest bei mir keine Rede sein. Ich MAG diese Stimmen einfach nicht, vermutlich, weil meine gesangliche "Sozialisierung" in eine völlig andere Richtung geht. Es bleibt jedem unbenommen so zu singen, wie er es für richtig hält.


Liebe Mezzo,
klar, als Geschmacksurteil kann ich das so stehen lassen, da sei dir deine Meinung unbenommen :lol: . In deinem ersten Post klang das für mich eher wertend. Zitat: "auch wenn Altistinnen, die sich auf vibratoarmes Singen verlegt haben, auch nicht besser klingen" - das ist für mich ein Werturteil, du hättest auch sagen können "ich finde vibratoarmen Gesang nicht schön", dann wäre es klarer gewesen.

Du hast ja deinen GL zitiert, der sagte, die Stimmlage Counter wähle man bewusst, anders als alle anderen Stimmlagen. Das kann gut sein (sonst wäre es ja kaum zu erklären, dass plötzlich so viele Counter wie Pilze aus dem Boden schießen, weil es momentan wohl auch sowas wie eine Modeerscheinung ist im Zuge der Renaissance von Alter Musik). Aber eine vibratoarme Altistin (oder auch Sopranistin) singt ja nicht unbedingt so, weil sie es so will, sondern weil es ihre natürliche Veranlagung ist. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel (SängerInnen, die sich "kastrieren", um irgendeinem Alte Musik Ideal zu entsprechen), aber wie Canti schon sagte, solange solche Stimmen gesund klingen und nicht irgendwie gehaucht oder künstlich klein gemacht, finde ich das völlig in Ordnung. Ich wehre mich etwas gegen die Gleichsetzung vibratoarm = körperlos (=schlecht) - und zumindest in deinem ersten Post klang das so an.

mezzo hat geschrieben:
Aber wenn ein Mann mit einer Frauenstimme (und diese klingt ja meist heller als ein Alt) wie jetzt in Jephta von seinen Kriegstaten erzählt, da muss ich doch grinsen :lol: ).


ja, da gebe ich dir allerdings recht, das ist mir auch schon in so mancher Oper oder eben Oratorium so gegangen, dass ich die Stimmlage nicht mit der Rolle in Übereinstimmung bringen konnte.

Mein Fazit: ich finde GUTE Counter-Stimmen für bestimmte Bereiche sehr schön, nämlich für Lieder aus Renaissance und Barock, sowie geistliche Musik. Einschränkungen würde ich aus o.g. Gründen in Oper und Oratorium machen.

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 14:07 
Benutzeravatar
Orphenica hat geschrieben:
Mein Fazit: ich finde GUTE Counter-Stimmen für bestimmte Bereiche sehr schön, nämlich für Lieder aus Renaissance und Barock, sowie geistliche Musik. Einschränkungen würde ich aus o.g. Gründen in Oper und Oratorium machen.
Liebe Grüße,
Orphenica
:hearts:


Aus Zeitmangel nur so viel : so seh ich das auch.
Ich freue mich schon, am 13. Mai die h-moll Messe zu hören - mit Alexander Schneider ( Altus ) - und Cappella Confluentes nach historischer Aufführungspraxis.

Eilige Grüße
Uralt


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 19:23 
Benutzeravatar
Nochmal zur Klarstellung:

Ich verbinde körperlos nicht mit vibratoarm und schon gar nicht mit schlecht (und umgekehrt auch nicht)!

Es gibt sehr schöne vibratoarme Altstimmen, und diese sind dann auch meist von Natur aus ohne großes Vibrato. Aber sie klingen natürlich und nicht künstlich erzeugt.

Was mir nicht gefällt sind die künstlich "kastrierten" Stimmen, die sich klein machen, nur um einem Trend zu entsprechen. Genau das meinte ich auch mit "Altistinnen, die sich aufs vibratoarme Singen verlegt haben" - insofern war meine Wortwahl bewusst!

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Countertenor
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 20:34 
Benutzeravatar
[quote="Orphenica"] Du selbst und auch Dola, ihr habt ja wohl eher große, schwerere, vibratoreiche Stimmen, wenn ich das hier richtig mitbekommen habe. Das sei euch ja auch unbenommen, ich höre solche Stimmen sehr gerne.
:n2:

Aber warum macht ihr "vibratoarme" Stimmen, ob jetzt Counter oder weiblicher Alt, so runter?[quote]

Liebe orphenica

ich bin leider spät dran mit meiner Antwort und es ist ja schon vieles gesagt, aber so ganz verstehe ich nicht, dass du meinen Beitrag als "runtermachen" begriffen hast. Auch ich habe versucht, deutlich zu machen, dass mein Urteil sich nicht auf das Können bezieht, sondern darauf, was nach meinem ganz persönlichen Empfinden passt und was nicht.

Die zugegeben zuweilen launige Wortwahl dabei lasse ich mir nicht nehmen. Mezzo hat eben in ihrem Konzert einen Counter- Kollegen gehabt, der nach ihrem Empfinden körperlos gesungen hat. Dazu können wir wahrscheinlich beide nichts sagen, denn wir waren nicht dabei.

Ich selbst bin auch der Meinung, dass es Repertoire gibt, bei dem ICH unmöglich klinge, und darum singe ich das auch nicht, denn das können andere besser.

In der Kirchenmusik überschneidet sich einiges, was tiefere Frauenstimmen und Countertenöre bedienen können, und da bleibt es dem Publikum überlassen, welche Klangfarbe beliebter ist.

Dass ich bei einem gemeinsamen Konzert auf einen Counter getroffen bin, bleibt nach wie vor ein nicht alltägliches Erlebnis, dass auch sehr interessant (und völlig friedlich) war. Solltest du z. B. bei Gios Kurs dabeisein, erzähle ich dir gerne mehr darüber.

LG

dola


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 22:22 
Benutzeravatar
Meine Begegnung mit dem Counter war auch friedlich :sauf:
Wir haben auch festgestellt, dass wir beide Probleme in der Tiefe haben :lol:

Bei uns war die Frage: Wer kann höher - da hab ich eindeutig gewonnen :pfeif:

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 00:02 
Benutzeravatar
@dola und mezzo
OK, alle Klarstellungen akzeptiert, letztlich sind wir uns also ziemlich einig :kuss: , wenn auch mit unterschiedlichen Geschmäckern, aber das ist ja auch gut so; das mit dem "Runtermachen" war auch durchaus eine Übertreibung meinerseits, das gebe ich zu :oops: und traf insbesondere auf Dolas post auch nicht zu.

Dola, die weiteren Details deiner legendären Begegnung mit dem Counter hätten mich schon sehr interessiert, doch leider bin ich diesmal nicht auf Gio's Workshop. Schade eigentlich, wieder eine Gelegenheit verpasst, dich endlich mal persönlich kennen zu lernen. Mezzo hätte ich ja fast in Lille bei Canti getroffen, nur dass sie ein paar Wochenenden später da war, um verschiedene trous normands zu füllen - aber das Thema hatten wir schon mal... :roll:

Zurück zum Thema Counter: ich freue mich nächste Woche auf ein Konzert mit Andreas Scholl...

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 00:20 
Benutzeravatar
mir fällt gerade noch ein anderer Aspekt ein, der auf gesang.de schon mal andiskutiert wurde, dann aber wieder verloren ging in dem Trara um den Counter vom Rhein :pfeif:

Auch hier klang mehrfach ja an, dass es als merkwürdig empfunden wird, wenn ein Mann in Frauentessitura singt, und wenn er dann auch noch - möglicherweise von der körperlichen Statur her ein Koloss - in Frauenstimme von seinen kriegerischen Heldentaten berichtet.

Was aber ist mit Frauen - Mezzi, Altistinnen - die Hosenrollen singen, als Frau also auf der Bühne einen Mann verkörpern? Warum nehmen wir daran keinen Anstoß? Könnte es nicht genauso "schockierend" sein, wenn wir Frauen hören mit fast männlicher Tiefe?

Was ist am Counter so anders, dass die Stimmlage immer noch häufig als "nicht normal" und irgendwie anstößig empfunden wird? Dass die Stimmlage "nicht natürlich" sei, kann man ja auch nicht so sagen, denn was ist sie dann? Künstlich? Jeder Mann hat dieses Register ja offensichtlich AUCH zur Verfügung, und es ist seine Wahl, ob er es weiter ausbaut oder nicht.

Liebe Grüße,
Orphenica
:hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 01:28 
Benutzeravatar
Wenn ich allein an die isolierte Bruststimmdiskussion denke wird mir ganz schnell klar das auch auf der anderen Seite "männliche" Sängerinnen oft auch nicht erwünscht sind. Zumindest kann ich mich erinnern, dass sie oft als "obszön" bzw ihr Singen (was jetzt die Bruststimme und das bewusste Einsetzten) empfunden wurden.
Ich finde (wenn ich das mal so bemerken darf) beides hat etwas erotisches an sich.
Das ist wahrscheinlich auch ein wichtiger Punkt. Weil man irgendwie näher berührt wird ohne es zugeben zu wollen (im positiven oder negativen Sinne).

LG Leilchen


Zuletzt geändert von LaCarmensitaRubia am 05.05.2007, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 11:27 
Benutzeravatar
Orphenica hat geschrieben:
Was aber ist mit Frauen - Mezzi, Altistinnen - die Hosenrollen singen, als Frau also auf der Bühne einen Mann verkörpern? Warum nehmen wir daran keinen Anstoß? Könnte es nicht genauso "schockierend" sein, wenn wir Frauen hören mit fast männlicher Tiefe?

Was ist am Counter so anders, dass die Stimmlage immer noch häufig als "nicht normal" und irgendwie anstößig empfunden wird? Dass die Stimmlage "nicht natürlich" sei, kann man ja auch nicht so sagen, denn was ist sie dann? Künstlich? Jeder Mann hat dieses Register ja offensichtlich AUCH zur Verfügung, und es ist seine Wahl, ob er es weiter ausbaut oder nicht.


Bei den Hosenrollen die ich kenne, handelt es sich überwiegend (mal abgesehen von Barockopern) um Knaben (ich nehme mal den schönen alten Begriff), die an der Schwelle zum Mannsein stehen. Insofern ist der Effekt der höheren Stimme bewusst gewählt. Zudem bleibt die Sängerin in diesen Rollen im "erwarteten" Klangbild - man weiß, es ist eine Frau und sie singt auch so. Deswegen No-Shocking!

Es gibt einige moderne Counterpartien wie z.B. den Oberon in Brittens Sommernachsttraum. Bei einem solchen "Fabelwesen" ist der Effekt einer sicher auch gewollt (und da finde ich den Counter auch absolut passend).

Auch tiefe Altistinnen werden nie eine "fast männliche Tiefe" ereichen - wenn - dann max. Tenormittellage.

Ich finde die Counterstimme tatsächlich in gewisser Weise künstlich erzeugt. Auch wenn das Register jedem Mann zur Verfügung steht - man muss sich bewusst dafür entscheiden. Und es ist nicht die ursprünglich Singstimme - man sagt ja, die meisten Counter wären "normalerweise" Baritöne.

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 11:53 
Benutzeravatar
Liebe Mezzo,

bezüglich der Hosenrollen wollte ich gerade doch noch mal auf die Barockopern eingehen, aber das ist ja Quatsch, denn alles, was heute häufig mit Mezzi besetzt wird (z.B. Ruggiero in Alcina), war ja ursprünglich für Kastraten gedacht. Ich glaube in der Barockoper gab es eigentlich gar keine Hosenrollen, kann das sein? Alle Partien für tiefere Frauenstimmen (Alt oder Mezzo) stellten auch Frauenrollen dar, wenn ich das richtig überblicke. (Beispiel: Bradamante aus Alcina, Storge aus Jephta...).

Was extrem tiefe Frauenstimmen angeht: als ich zum ersten Mal Nathalie Stutzmann gehört habe ohne zu wissen, dass sie es ist, habe ich echt geglaubt, das sei ein Mann! Mittlere Tenorlage als extremste Tiefe einer Frauenstimme IST doch männlich, oder?

LG,
Orphenica
:hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 12:26 
Benutzeravatar
für manche leute beginnt der mann erst beim bariton :mrgreen


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 12:52 
Benutzeravatar
kaja hat geschrieben:
für manche leute beginnt der mann erst beim bariton :mrgreen



Genau :n109:


@orphenica: Ich dachte "mit fast männlicher Tiefe" meintest Du tiefe Lagen für Männerstimmen.

Ich weiß nicht, ob es wirkliche Hosenrollen in der Barockoper gibt. Ich nehme auch mal an, eher nicht.
Vielleicht ist das auch das "Problem" mit den Countern. Auch wenn die "Produktion" der Kastraten in meinen Augen sehr widernatürlich war, die dadurch erhaltene Stimme war "natürlich" und im Gegensatz zu den Countern mussten sie eben nicht "tricksen".

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 16:41 
Benutzeravatar
Hallo,

angesichts dieses Diskussionsverlaufes muss ich jetzt doch hier die Geschichte mit dem Counter im gleichen Konzert erzählen.

Inzwischen habe ich ja festgestellt, dass man als "echter" Alt ja nicht so häufig vorkommt, wohl ähnlich wie die Counter, und während du, Mezzo, ja eine andere Stimme als dein Kollege gesungen hast, kamen wir als Solisten hintereinander weg dran mit den Zusammenstand, dass ich mich mit der Popea - Arnalta wirklich im kellerigsten Kontra - Alt befand, und er mit Lasca chio Pianga doch ziemlich darüber. Ausserdem hatte er eine ziemlich andere Singweise als ich, weniger röhrig.

Das in einem Konzert verblüffte doch sehr, sowohl das Publikum als auch den jungen Counter. Für mich nicht mehr so, weil ich den Counter - Sound schon zuweilen gehört habe. Alles ausgiebige Themen für eine fröhliche Nachfeier.

Grüße,

dola


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 19:47 
Benutzeravatar
kaja hat geschrieben:
für manche leute beginnt der mann erst beim bariton :mrgreen


Meinst du Bariton aufwärts oder abwärts, liebe kaja ?

Ciao. Gioachino :pfeif:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 05.05.2007, 20:40 
Benutzeravatar
Hallo Gio,
uns als Bariton, sollte es doch wurscht sein !

LG rugero :n30:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 75 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

Russell Oberlin - Countertenor und höher...
Forum: Stimme
Autor: Anonymous
Antworten: 4
Countertenor ausbilden
Forum: Allgemeine Gesangstechnik
Autor: Kolorateuse
Antworten: 8
Countertenor/Bariton?!
Forum: Stimme
Autor: Anonymous
Antworten: 6

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron




Hosted by iphpbb3.com

Impressum | Datenschutz