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 Betreff des Beitrags: Aufhören, Abtreten wann?
BeitragVerfasst: 06.10.2006, 10:15 
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Hallo,

ich bin gestern gefragt worden wie man merkt, dass man aufhören soll zu singen, wenn man ein gewisses Alter hat. Ich finde das ist eine interessante Frage und ich beantworte sie gerne.

Eigentlich hat es nichts mit dem Alter zu tun, wenn die Stimme ständig durch Übung am laufen bleibt und natürlich die Gesundheit. Zum täglichen Üben gehört allerdings nicht das "Vorsingen" im Gesangunterricht.

Durch Hormonumstellung verändert sich die Stimme, bei mir wurde sie tiefer. Doch habe ich festgestellt und das höre ich auch, dass meine Stimme nicht mehr das ist, was sie mal war. Das ärgert mich und macht mich auch traurig. Die Mühe heute zu singen, fällt mir schwer, mir fehlt die Energie und Kraft, kurzum es fehlt auch an Übung und körperlicher Fitness.
Wir haben im Ensemble so herrliche Stimmen und ich freue mich bei jedem Konzert sie zu hören. Zu sehen wie sie sich entwickeln und wie die Bühnenpräsenz wächst.

Es gibt Sänger die dem Nachwuchs keine Chance geben, da ist Eifersucht und Neid auf den/die Jüngeren da, sie fühlen sich auf einmal unterlegen, wollen es aber nicht einsehen. Bei mir ist es umgekehrt, man muss einsehen, wenn eine heranwachsende Stimme besser ist als man selber. Sie wollen es nicht sehen und haben Probleme mit dem älter werden. Das haben sehr viele Menschen, sie werden nicht damit fertig und die Schönheitschirurgen haben viel zu tun.

Auf mich bezogen, ich stehe zu meinem Alter, stehe dazu dass meine Stimme gealtert ist und ich sie nicht mehr öffentlich präsentieren möchte. Bevor man sagt "naja, die könnte auch mal aufhören zu singen" mache ich es lieber selber. Mein Leben war von Kind an nur Musik und die Bühnenzeit war wunderschön und lehrreich, ich habe es genossen und bin dankbar dafür und ich kann mit gutem Gewissen sagen, einmal hört alles auf, schick dich drein. In dem Falle schaue ich gerne zurück und nicht so gerne nach vorne. Was ich erlebt habe weiß ich, was noch kommt weiß ich nicht.

Ich hoffe mein letztes geistliches Konzert geht gut über die Bühne, dann werde ich mich nur noch meinen Schülern widmen.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 06.10.2006, 11:54 
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Silje


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BeitragVerfasst: 06.10.2006, 12:03 
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Zunächst einmal, liebe musikavokale, möchte ich dir ein riesengroßes Kompliment machen. Ich bewundere zutiefst deine Haltung während unseres Aufenthalts in Berlin, wo du erstmals bewusst auf einen Auftritt zugunsten Jüngerer verzichtet hast !
Natürlich stehe ich, als Vertreter der gleichen Generation, vor eben diesem Konflikt, den ich momentan noch nicht wie du zu lösen bereit bin, weil ich gesund und im Besitz einer nach wie vor intakten Stimme bin, was ich einer optimalen Ausbildung verdanke, die mich bis jetzt vor dem gefürchteten " Alterswobble " bewahrt hat. Und die hormonelle Auswirkung ist beim Sänger nicht so gravierend wie bei der Sängerin, wie von Christa Ludwig in ihren Erinnerungen so eindrucksvoll geschildert.
Trotzdem hoffe ich, dass mir liebe, aufrichtige Mitmenschen beizeiten signalisieren, wann die schiere Bühnenpräsenz inzwischen aufgetretene sängerische Defizite nicht mehr wettmachen kann.
Da ein Feedback wiederum sehr unterschiedlich ausfallen kann, sollte man letztendlich selbst entscheiden, wie es die hoch verehrten Erika Sommer und Dietrich Fischer - Dieskau gemacht haben. :bravo:
Ciao. Gioachino


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06.10.2006, 13:11 
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Hallo,

wie sehr ich es bedauere und und und das Musika nun nicht mehr an Konzerten aktiv teilnimmt, kann sich wohl jeder denken und da kann ich mich Silje nur anschließen.

Ich habe jedoch vor Ihrer Entscheidung große Hochachtung, denn im normalen Berufsleben kommt man irgendwann eine Info, das man den wohlverdienten Ruhestand antreten darf. Hmm und was macht ein Sänger??? Sein Herz hängt normalerweise so am Gesang, das er Veränderungen nicht hört oder hören will. Es klingt ja noch immer im Vergleich zu anderen super, jedoch im Vergleich zu früher .... und will man das dann wahr haben?

Hatte erst gestern das gleiche Gespräch mit meiner G.lehrerin und sie war der gleichen Meinung wie Musika und hat es auch selbst durchgezogen. Eine Entscheidung vor der ich nur tief den Hut ziehe. Ja es gibt wieder eine Gemeinsamkeit meiner beiden G.lehrerinnen, beide sind bemüht ihr Wissen und Erfahrung etc. an jüngere weiterzugeben und genau da liegt ihr Herzblut und somit immer noch die Verbindung zu der großen Leidenschaft dem Gesang.

Hoffentlich gibt es immer und immer wieder solche Sänger/innen, die diese gelebte Gesangswelt mit all den Höhen und Tiefen erleben durften und im Alter ihre Erfahrungen auch weitergeben können. Ich schreibe extra können, nein nicht das sie es noch erleben sondern eher das sie die Fähigkeit haben ihr Wissen weiterzutragen. Für mich ist es jedenfalls genauso eine große Kunst wie das singen selbst und diese Kunst besitzt nicht jeder der ein großer oder guter Sänger war. Habe es selbst zweimal erleben müssen und wie ihr alle schon oft genug gelesen. Schlimm aber wohl nicht zu ändern.......


nachdenkliche, aber trotzdem liebe Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.10.2006, 11:53 
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Interessant, dass es keine weiteren Kommentare gibt. Da sieht man, dass Ihr Alle beneidenswert jung ( geblieben ) seid !
:bravo:
Ciao. Gioachino


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.10.2006, 13:39 
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Ich habe meinen Austausch zu diesem Thema ja telweise bereits in privaten Nachrichten getätigt und finde, dass niemand zu jung ist, sich damit zu befassen. Abschied nehmen müssen wir im Leben ständig von irgendetwas, fast jeden Tag.
Jemand hat mal gesagt, das Leben sei eine unheilbare Krankheit mit tôdlichem Ausgang und damit umzugehen ist -nicht nur für Sänger- eine der wichtigsten Aufgaben, die ein Mensch auf dieser Welt hat.
Ich finde, dass jeder für sich entscheiden muss, wann es Zeit ist, von der Bühne abzutreten, niemand kann einem das abnehmen. Es gibt nur wenige Menschen, die überhaupt den Mut haben und in der Lage sind, EHRLICH zu sein, wenn es darum geht, ienem Anderen vielleicht ein Messer in die Brust zu rammen und den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Hat man dazu überhaupt das Recht?????
Ich musste mir diese Frage schon stellen, denn ich habe eine enge Vertraute, Profisängerin, die in Konzerten seit einigen Jahren sehr bescheidene Leistungen gebracht hat, um nicht zu sagen, sich regelrecht blamiert hat.
Mein gesamtes Umfeld hat mir das gesagt und gespiegelt und es gab so gut wie keine Gegenmeinungen. Ich selbst habe es auch natürlich gehôrt, aber immer wieder Entschuldigungen gefunden, weil ich sie eben so gern habe.
Schliesslich hat mich ein Pianist, der mit ihr arbeiten sollte, unter Handlungszwang gesetzt, denn er hat sich schlciht geweigert und sie hat MICH dann um die Gründe gefragt. Ich stand unter extremem Druck und war sehr unsicher, was zu tun sei.
Einerseits wusste ich um mein Vertrautes Verhältnis zu ihr und dass sie von mir wahrscheinlich viel eher etwas abnnehmen würde als von Anderen, andererseits wollte ich diese Verantwortung nicht auf mich laden und hatte auch Angst um unsere Freundschaft.
Was tun????
Ich habe ihr mit sehr sorgfältig gewählten Worten einen Brief geschrieben und versucht, so liebevoll wie möglich und so offen wie nötig zu sein.
Ich weiss heute immer noch nicht, ob das richtig war.
Sie hat alles vehement bestritten, jede Menge angeblicher Gegenmeinungen ins Feld geführt(alles Leute die lieber schmeicheln, als sich "unbeliebt" zu machen....) und gottseidank aber verstanden, dass ich es nur gut gemeint habe und unsere Freundschaft ist nicht daran zerbrochen.
Allerdings singt sie weiter,selbstorganisiert , meist ohne Gage und leider mit schlechten Pianisten, und die "Kritiken" werden wahrlich nicht besser. Ich besuche ihre Konzerte nicht mehr, das tut mir zu weh.
Wer nicht selbst erkennt oder erkennen kann, wann es Zeit ist, der muss und soll einfach seinen persönlichen Weg gehen. Auch wenn manches nciht mehr astrein ist, ist es doch kein Verbrechen, mit eingeschränkten Fähigkeiten weiterzusingen. Vieles was stimmlich vielleicht fehlt, macht evtl Musikalität , Erfahrung, Bûhnentalent wett-ich kann das nicht allgemein verurteilen.
Einem Menschen den Boden unter den Füssen wegzuziehen, wenn er noch nicht dazu bereit ist-das halte ich allerdings eher für ein Verbrechen, denn die Folgen können schwere Depressionen und Schlimmeres sein.
Es kommt ganz auf die Person und den individuellen Fall an, denke ich und ich schliesse mich , was Musika angeht, den Vorrednern an, denn ich glaube schon, dass das ein sehr gewichtiger Einschnitt im Leben ist!
Abschied ist immer auch ein Stück sterben.Und wer hat schon "Lust", das früher zu tun als gezwungen?
Liebe nachdenkliche Grüsse von Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 07.10.2006, 15:00 
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Hallo,

ein Verbrechen ist ein sehr harter Ausdruck, aber wenn wir dabei bleiben, ist es ein Verbrechen an einem Menschen den man liebt, ihm nicht die Wahrheit zu sagen. Die Blamage, die er sich damit aufbürgt, hinter dem Rücken negative Äusserungen zu hören, ist viel schlimmer. Womit wird man eher fertig, mit Blamage oder der Wahrheit.
Ihn ins Messer laufen zu lassen finde ich in dieser Situation viel schmerzlicher als ihm zu sagen, dass er mal über ein "Beenden" seiner sängerischen Tätigkeit nachdenken soll.

Manche SängerInnen wissen einfach nicht wann es so weit ist, aber jeder Sänger hat Ohren und ein Körpergefühl und kann sich selber beurteilen. Nur das Eingestehen oder das Verdrängen halten ihn davon ab.
Selbst wenn jemand sportlich ist und sich körperlich fit fühlt, kann doch die Stimme altern und einfach nicht mehr so sein, wie sie mal war.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags: Re: Aufhören, Abtreten wann?
BeitragVerfasst: 07.10.2006, 21:06 
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musikavokale hat geschrieben:
Auf mich bezogen, ich stehe zu meinem Alter, stehe dazu dass meine Stimme gealtert ist und ich sie nicht mehr öffentlich präsentieren möchte. Bevor man sagt "naja, die könnte auch mal aufhören zu singen" mache ich es lieber selber.

Hallo,

haargenauso würde ich es mir für mich wünschen: daß ich selber merke, wann es Zeit ist, aufzuhören. Bei mir ist's nicht der Gesang, den das in erster Linie betrifft, aber die Problematik ist diesselbe. (Aber auch für meinen bescheidenen Laienchorgesang wünsche ich mir, daß ich es selbst merke, wann es Zeit ist, aufzuhören.)
Lieber einen Tick zu früh als einen Tick zu spät!

Ich habe es einmal erlebt, daß ein Dirigent den richtigen Zeitpunkt verpaßt hat, es war schmerzlich mitanzusehen für diejenigen, die ihn kannten und mochten, ein Gabelfrühstück für seine Gegenspieler, und schließlich ist er mehr oder weniger sanft gegangen worden, was ihm nicht verborgengeblieben ist.

Nein, cantilene, man darf niemanden den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber darf man ihn, wie musikavokale bereits anmerkte, ins Messer laufen lassen? Auch nicht.
Die Lösung mit dem Brief, die Du, cantilene, gewählt hast, finde ich gut. Du hast das Deinige getan. Wenn sie nun ins Messer läuft, tut sie es bewußt und gewarnt. Traurig mitanzusehen.

Wahrscheinlich neigen dazu diejenigen, die alle Freude und Selbstbestätigung ausschließlich aus dem Auftreten beziehen. Für solche ist es dann schwierig, eine Schwerpunktverlagerung (wie bei musikavokale vom Singen aufs Unterrichten) durchzuführen.

Für jemanden, der nicht "ganz oben" war, gibt es vielleicht noch eine zeitlang eine Möglichkeit zwischen dem Aufhören und dem Weitermachen: die Anpassung des Repertoires an die neuen Gegebenheiten.

Ich finde es wichtig, dem Alter ins Auge zu sehen und einen passenden Weg zu finden. Es zu verleugnen oder dagegen anzukämpfen ist sinnlos, und ich empfinde es als unwürdig.

Gruß v. Emmy,
nun 25 Jahre älter als vor 25 Jahren


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BeitragVerfasst: 07.10.2006, 21:13 
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Lieber gioachino,
wir werden nicht jünger. Wir werden nur hoffentlich einsichtiger und gelehriger. Ich bin froh und ich wiederhole mich, hier ein Ensemble gefunden zu haben, das viele Schattierungen aufweist und viele Charaktere aus unterschiedlichen Entwicklungsstadien.
Ich habe Dich zunächst als Dozenten kennen und schätzen gelernt und Deine Idee mit den Workshops sehe ich als überaus gelungen an.
Ich wollte schon mehr als einmal das Handtuch werfen, weil ich an mir und manchen meiner Unzulänglichkeiten gezweifelt habe. Es gehört zum künstlerischen Anspruch dazu, sich auch Fragen zur eigenen Kompetenz zu stellen.
Ich persönlich lasse mich regiemäßig gerne führen, mich belehren und versuche das mir Gesagte in mein Spiel einzubringen. Kritisch und nachfragend war ich schon immer und auch das hat mir nicht immer Freunde gemacht. Über die stimmliche Disponiertheit eines anderen zu urteilen, dafür fehlt mir die Sachkompetenz. Ich könnte vielleicht anmerken, dass ich dieses oder jenes anders machen würde.
Was die Auswahl der Stücke angeht, so steht man oft vor der Frage, was steht mir, was kann ich singen, was kann ich (schon/noch) verkörpern. Es ist ein nicht so triviales Thema, um es einfach so in einigen Zeilen zu bewältigt und wozu sicherlich auch persönliche Gespräche sinnvoller sind.

Liebe Grüsse rugero.


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BeitragVerfasst: 07.10.2006, 22:47 
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Eigentlich wollte ich hier Cantilene zitieren mit dem Satz "Abschied ist immer auch ein Stück sterben.."..., dem ich aufs heftigste widersprechen will.
Ob ein Abschied immer auch ein Stück sterben ist, hängt sicher voll und ganz an demjenigen, den es betrifft. Abschied kann ein Neubeginn sein, ein Schritt auf einem neuen, evtl. auch anderen Weg. Sich von etwas abwenden, heißt auch immer sich etwas anderem zuwenden.
Für mich gibt es kein "bisschen sterben, bisschen Frieden, bisschen Liebe". Entweder man stirbt oder nicht, entweder es gibt einen allumfassenden Frieden oder nicht..usw.
Ich denke, etwas zu beenden bringt oft Schmerz und Ungewissheit mit sich, aber es birgt immer auch die Chance eines Neubeginns , eines Weitergehens in eine neue , andere Richtung mit neuen Aspekten.
Ich halte es da mit Hermann Hesse: " man muß Raum um Raum durchschreiten....und an keinem wie an einer Heimat hängen....des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.."


Silje


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BeitragVerfasst: 07.10.2006, 23:01 
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hallo,

ich habe absolut nichts dagegen, wenn auch alt gewordene sängerInnen noch öffentlich singen. sie sollten nur das repertoire dem alter und den möglichkeiten anpassen. wieso müssen denn 60 jährige klingen als wären sie 30 ???????
im übrigen finde ich es auch eher lächerlich, wenn auf der bühne alte leute durch junge hüpfer mit kinderstimmchen dargestellt werden.

wenn eine stimme durch eine schlechte oder nicht optimale technik vorzeitig verbraucht ist und häßlich klingt, muß man natürlich aufhören, weil es dann nur noch in den ohren weh tut (aber so jemand sollte dann auch nicht unterrichten, wie es leider immer wieder gemacht wird), aber solang die stimme noch ok ist, reicht es doch, das repertoire anzupassen.

einer schauspielerin sagt doch auch keiner, sie soll aufhören, nur weil sie nicht mehr so schön und faltenfrei ist wie mit 20.

aber nach allem, was ich bisher zu diesem thema hier und in anderen foren gelesen habe, werde ich hier wohl keinem mehr sagen, wie alt ich bin (und bei evtl. fragen das thema wechseln). da ich noch etwas jünger aussehe und meine stimme wie mit ca. mitte 30 klingt, wird von selbst niemand auf die idee kommen, daß ich schon so alt bin, also halt ich lieber die klappe und sing dann auch in 20 jahren noch munter herum. :tanzen

liebe grüße
kaja


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BeitragVerfasst: 08.10.2006, 06:55 
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Liebe Silje, ich liebe dieses Gedicht "Stufen" von Hesse auch sehr, und es war mir in manchen Lebenssituationen bereits eine grosse Hilfe. Aber das ist immer erst der zweite Schritt und funktioniert nur bei relativ reflektierten Menschen.
Der erste Schritt ist der Verlust und der tut nunmal sehr weh und je nachdem , um was es sich handelt, fühlt es sich für mich an, als wenn ein Teil von mir stribt.
Wenn man z.B. eine Liebe verliert(und der Gesang ist ja auch iene Liebe), hatte ich zumindest zuerst das Gefühl: jetzt ist mein Leben zu Ende und wo ist der nâchste Abgrund, in den ich mich stürzen kann....

Dass ich dann Tage, Wochen oder Monate später auch wieder ganz andere Aspekte und eine Hinwendung zu neuen, fruchtbaren Dingen sehe, ist etwas Anderes.
Auf lange Sicht hast Du vollkommen Recht, aber wie lange das dauert und wie man diese Wandlung vollzieht, hângt sicher sehr stark vom Temperament und der Person des Betreffenden ab.
Lieben Gruss :hearts:
Cantilene
Davon abgesehn will ich noch anmerken, dass das "aufhören und abtreten" ja nicht nur eine Frage des Alters ist(das auch zu Kaja! :hearts: ). Manche Leute singen mit 30 schlechter als ein 70 jähriger und wer sagt denen dann, dass sie "abtreten" oder besser gar nicht erst antreten müssen??????


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.10.2006, 09:35 
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Liebe Sister,

imgrunde sehe ich es ja fast genau so wie Du; es klang mir nur etwas zu pessimistisch ....

LG,

Silje :love:


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BeitragVerfasst: 08.10.2006, 10:08 
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kaja hat geschrieben:
hallo,


wenn eine stimme durch eine schlechte oder nicht optimale technik vorzeitig verbraucht ist und häßlich klingt, muß man natürlich aufhören, weil es dann nur noch in den ohren weh tut (aber so jemand sollte dann auch nicht unterrichten, wie es leider immer wieder gemacht wird), aber solang die stimme noch ok ist, reicht es doch, das repertoire anzupassen.


Das sehe ich anders. Wieviele Gesangslehrer unterrichten im hohem Alter, die Technik beherrschen sie und es reicht immer noch für Vokalisen vorzusingen. Große SängerInnen singen in ihren Meisterkursen nicht mehr vor, aber dort sind halt SängerInnen, die ihre Technik schon beherrschen. Da sehe ich mich also auch noch weitere Jahre weiter zu unterrichten.
Zitat:
einer schauspielerin sagt doch auch keiner, sie soll aufhören, nur weil sie nicht mehr so schön und faltenfrei ist wie mit 20.


Auf der Bühne ist das was ganz anderes, da sorgen die Maske, Kostüme und Perücken schon für. Aber auch da gibt es viele, die einfach nicht abtreten können, auch wenn die Stimme nicht mehr so jung ist. Man munkelt hinter dem Rücken, so wie bei Monterat Caballe. Beim Schauspiel wächst die Rolle mit dem Menschen und da gibt es genug für die, die keine 20 mehr sind. Ich selber musste mit 30 Greisinnen spielen, in der Maske fällt so etwas nicht auf. Aber man muss sein Fach beherrschen, Sprache, Haltung. In dem Schauspiel Hexenjagd habe ich in jungen Jahren z.B. die Rebekka gespielt, die schon lt. Textbuch über 80 Jahre war.

Liebe Grüss[/quote]

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BeitragVerfasst: 08.10.2006, 14:00 
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Liebe Freunde/innen alle, die hier in diesem thread geschrieben haben,

ich habe die Diskussion über das Thema gerade eben erst gelesen, und ich möchte allen, die hier einen Beitrag geliefert haben, meinen herzlichsten Glückwunsch übermitteln und meine größte Hochachtung. Es waren allesamt hocheinfühlsame und (?) trotzdem hochehrliche Beiträge... wunderbar!
Ich könnte nichts Neues dazu beitragen - nur vielleicht noch das fernöstliche Sprichwort:
"Ein Lehrer, der nicht akzeptiert, dass sein Schüler besser wird als er selbst, ist ein schlechter Lehrer."
Der ferne Osten bringt's eben immer auf den Punkt...

Euer Rüdiger

P.S. Und Berlin muss schön gewesen sein - Das freut mich sehr für alle, die dabei waren.
Frau Musica: Was den Unterricht anbetrifft: Absolut Deiner Meinung...


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BeitragVerfasst: 08.10.2006, 14:18 
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hallo,

wenn jemand stimmlich fit und nur aus anderen gesundheitlichen oder familären gründen etc. nicht mehr öffentlich singt, kann er natürlich noch gut unterrichten.
ich sprach ja ausdrücklich von denen, die vorzeitig aufhören, weil ihre stimme wegen schlechter oder nicht optimaler technik vorzeitig verbraucht ist.
wenn sie unterrichten, geben sie doch nur ihre schlechte technik weiter und das sollte man den schülern doch nun wirklich nicht antun.

wenn ich nur noch in der lage wäre, meinen schülern vokalisen vorzusingen, würde ich auf jeden fall aufhören. das reicht doch auch sowieso nur für die ersten stunden.
danach wissen die schüler doch, wie das geht und man muß es höchstens noch mal kurz vormachen, sobald es zu den ganz hohen tönen geht.

wobei es ja normalerweise nicht erforderlich ist, den schülern eine ganz arie am stück vorzusingen, sondern halt den teil, der erst mal nicht so geht, wie er sollte und das geht ja auch, wenn man aus allgemein-gesundheitlichen gründen nicht mehr so fit ist, daß man eine ganze oper oder ein solo-konzert durchhalten könnte, aber halt stimmlich noch fit ist.

ich hab`s mal bei einem kurs von richard miller erlebt, der da einen teil von il mio tesoro sehr gut vorgesungen hat, aber aufgrund seines sehr hohen alters mit sicherheit keine ganze oper hätte singen können. und da es in dem kurs an der mhs hauptsächlich um technik ging, war es spätestens dann jedem klar, daß er ein gute technik weitergibt.


was das darstellen von älteren leuten durch junge angeht, gibt es da bestimmt ausnahmen, aber alles, was ich da bisher gesehen habe, wirkte gelinde gesagt nicht überzeugend. vor allem, wenn es sich nicht um hexen o.ä. handelte, sondern um ganz normale menschen, da helfen auch ein paar künstlich angeschminkte falten nicht.

und wozu auch der krampf. das paßt doch wieder nur zu dem allgemeinen jugendwahn, der unsere gesellschaft heute beherrscht und der wirklich nicht besonders positiv ist.
es gibt doch für film und bühne genug ältere leute, die gut sind. wieso sollen sie denn aufhören, nur weil sie alt sind???

ich habe z.b. martha mödl auch mit über 80 noch auf der bühne gesehen und war sehr beeindruckt: von ihrer bühnenpräsenz, ihren schauspielerischen fähigkeiten, von ihrer absolut intakten und rel. jung klingenden sprechstimme und als sie anfang 80 war, sogar noch davon, wie sie gesungen hat (obwohl es natürlich nicht mehr so geklungen hat wie mit 30). erst als ich sie mit 87 noch mal gehört habe, war ihre singstimme soweit, daß sie besser nur noch sprechrollen übernommen hätte. die aber gern, da ihre sprechstimme und alles andere auch da noch sehr gut war.

und da man mit der bahn ja überall dahin fahren kann, wo solche leute zu sehen sind, werde ich mir auch weiterhin gern ältere leute anschauen, die im alter noch so beeindruckend sind wie die o.g.

liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.10.2006, 14:22 
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ps.

ein schüler sollte doch besser werden als sein lehrer, weil er besser wird und nicht, weil der lehrer schlechter wird.

und gerade im fernen osten wurden ältere leute immer sehr geschätzt.


liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.10.2006, 17:31 
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Hallo kaja,

als ich zu meiner GL kam, war sie so alt wie ich heute. Ich war zehn Jahre bei ihr und kann fast nichts über ihre Stimme sagen ! Sie hat nichts
vorgesungen, sondern nur sehr phantasievoll erklärt. Mir und allen Anderen, die bei ihr lernten, hat dabei nichts gefehlt. Das hatte den großen Vorteil, dass sie noch mit 85 gleichermaßen erfolgreich unterrichtet hat.
Ich habe dieses gelungene Konzept natürlich verinnerlicht und setze es ähnlich beim Unterrichten um, womit zudem die große Gefahr des " Stimmklonens " gebannt wird.
Ciao. Gioachino


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.10.2006, 18:48 
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hallo,

wenn jemand auch vorher schon irgendwie gesungen hat (zuhause, in der schule oder im chor) und die stimme in ordnung ist, kann man das durchaus so machen.
wobei die gefahr von stimmklonen nur besteht, wenn man oft vorsingt und durch vorsingen und nachahmen unterrichtet.
wenn man generell mit erklärungen arbeitet und nur gelegentlich mal ein phrase oder übung vorsingt, passiert das nicht. meine schüler klingen jedenfalls sehr individuell wie sie selbst.

aber selbst bei "normalen" gesangsschülern kommt man schneller voran, wenn man ab und zu mal was vormachen kann. jedenfalls bei anfängern, bei fortgeschrittenen ist das sowieso nicht mehr nötig.

wenn allerdings erwachsene anfänger mit stimmstörungen kommen, die nie gesungen und auch kein instrument gespielt haben, oft auch unmusikalisch sind (jedenfalls am anfang), nie klassik gehört haben usw. usw. sind auch die besten erklärungen am anfang so, als wollte man einem blinden die farben erklären.
da hilft es, zusätzlich zu den erklärungen erst mal was vorzumachen und dann erst nur mit erklärungen zu arbeiten.
bei manchen kann man schon von anfang an mit erklärungen arbeiten.
es gibt halt immer verschiedene wege, die zum ziel führen.

liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.10.2006, 22:18 
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Hallo,

es ist ja schon viel vorweggenommen - bleibt nicht aus, wenn man eine Woche lang nicht in den PC geschaut hat - aber zwei Punkte sind mir noch ein Anliegen:

Zum einen die Problematik, unangenehme Wahrheiten anspechen zu müssen: Diese Rolle habe ich zuweilen von Berufs wegen. Es wird erwartet, aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum ich es, gerade in einer Freundschaft oder einer Arbeitsbeziehung, für notwendig erachte, dies zur gegebenen Zeit, d.h. wenn sich die Situation auf diesen Handlungsbedarf zuspitzt, auch zu tun. Die Art, wie du, cantilene, das bei deiner Freundin angegeangen bist, finde ich enorm ansprechend und mit der erforderlichen Sensibilität ausgeführt.

Wenn es an die Stimme geht, ist das Ansprechen unbequemer Dinge mit Sicherheit besonders schwer, und noch dazu dann, wenn, wie hier, keine Aufbauvariante mehr zum Tragen kommt, sondern schlichtweg gesagt werden musste, dass es nicht mehr läuft, weil der Zenith überschritten ist. Konstruktive Kritik kann in einem solchen Fall ja nur noch dahin gehen, zu nicht aktiv singenden Alternativen zu raten. :n122: , cantilene!

Zum zweiten das Unterrichten nach der aktiven Zeit:
Mit solchen LehrerInnen habe ich gute Erfahrungen gemacht, solange vor allem der Geist noch fit ist (flächendeckende Vergesslichkeit ist schon etwas komplizierter). Die ausgestahlte Ruhe und Erfahrung haben mich viel profitieren lassen. Erst kürzlich bei meinem Kurs in Prag konnte ich das in einer Stunde mit einer gut über 80 Jahre alten ehemaligen Hochschuldozentin erleben. Die Dame, die im übrigen hervorragend deutsch sprach, konnte kaum mehr gehen und hatte schon beim Sprechen eine brüchige Stimme, hörte aber jede noch so kleine Unreinheit in der Tongebung, und sei es durch Unzulänglichkeit im Vokalausgleich u.ä., obwohl ihr das Repertoire nicht bekannt war, hat sofort den Charakter des Stückes erfasst und gab mir äußerst wertvolle Phrasierungstipps. Es war gar nicht nötig, dass sie irgendwas vorsang, sie erklärte einfach so lange, bis ihr das, was ich machte, gefiel. Warum sollte jemand mit didaktischem Geschick nicht nach der aktiven Zeit unterrichten können?

Grüße. dola


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