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BeitragVerfasst: 19.09.2014, 16:43 
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Hi ihr Lieben,

Bildet man eine Stimme unterschiedlich aus je nach dem was der Sänger für sich als Ziel gesetzt hat?
Sprich, wenn jemand eher Lieder singen möchte, muss er seine Stimme anders lernen zu benutzen als jemand der im Theater als Opernsänger arbeiten möchte?
Ich tendiere ja zu sagen dass es schon ein Unterschied ist wie man die Stimme für dass eine und wie für dass andere benutzt.
In wie fern ist es richtig eine Stimme NUR dementsprechend auszubilden wie ihre Veranlagung ist? Sprich ist eine große dramatische Stimme dazu gezwungen dramatische Sachen zu singen und darf sich an leichte Liedchen nicht ranwagen, nur weil sie eben dramatisch ist? Und was ist wenn man so eine Stimme hat, sie aber noch nicht voll ausnutzen möchte, weil man von der Persönlichkeit her noch nicht so reif ist, bzw ganz andere Vorstellungen und Vorlieben hat als dass was das Stimmfach einem vorgibt?
Was wenn ein großer Dramatischer Sopran lieber Lieder singt als Oper, ohne die Stimme voll auszulasten, sie dafür aber feiner und...süßer (?) benutzen möchte, sollte man etwa die Stimme trotzdem dramatisch ausbilden mit dem Ziel dass diejenige irgendwann Tosca und Aida singt, oder ist es richtig dann auf den Wunsch des Sängers einzugehen und die Stimme für anderes zu trainieren?
----Mir ist klar dass eine Soubrette niemals Wagner singen könnte, aber muss jemand der es kann sich auf das beschränken?

Ich freue mich auf Antworten,
Liebe Grüße, A.


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BeitragVerfasst: 19.09.2014, 17:23 
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Hallo Annamarili,

ich will einmal versuchen, deine Frage aus meiner Sicht zu beantworten, da ich mich mit dem Thema auch sehr beschäftigt habe.

Zitat:
Bildet man eine Stimme unterschiedlich aus je nach dem was der Sänger für sich als Ziel gesetzt hat?


Hier wäre meine Antwort ein eindeutiges Jain. Die Grundlagen der klassischen Gesangstechnik (Atemtechnik, Vokalausgleich etc.) dürften/sollten sich bei designierten Opern- und Liedsängern nicht groß unterscheiden, letztendlich liegen, wenn man sich wirklich entscheiden sollte, sich zu spezialisieren oder das Ganze gar berufsmäßig zu verfolgen, die Schwerpunkte wohl einfach anders. Ein Opernsänger, der (stimmschonend!) über ein (großes) Orchester bis in die letzten Reihe eines Theaters gehört werden will, legt den Schwerpunkt vielleicht eher auf Tragfähigkeit (wobei es hier erst einmal egal ist, ob eine Stimme groß, klein, dramatisch oder lyrisch ist), während ein Liedsänger sich (verstärkt) dem sprachlichen Ausdruck und der differenzierteren stimmlichen Ausgestaltung widmet. Womit ich nicht sagen möchte, dass Opernsänger nicht differenziert singen können und Liedsänger keine tragfähigen Stimmen besitzen ;) Letztendlich ist es wohl auch eine Frage des Stils, denn auch innerhalb des Opernfachs singt man ja tunlichst nicht alles gleich. Außerdem bin ich auch sehr dafür, dass man sowohl Lieder als auch Opernarien singt, einfach um die Stimme flexibel zu halten. Und ich frage mich, ob diese harte Unterscheidung zwischen "Lied-" und "Opernsänger" nicht auch eine sehr deutschte (Un-)Art ist?

Zu deiner Frage, ob dramatische Stimmen nur dramatische Literatur singen sollten: Erst einmal sei festgehalten, dass es für große Stimmen genau so schädlich sein kann, "unter" Fach zu singen wie für eine leichtere Stimme sich mit zu schwerem Repertoire zu übernehmen. NUR, und das sagst du ja auch schon selbst, brauchen besonders größere Stimmen oft mehr Zeit in der Entwicklung und daher ist es nicht ratsam (wie ich auch am eigenen Leib erfahren musste) zu früh mit (zu) dramatischer Literatur anzufangen,sondern die Stimme sollte langsam und behutsam aufgebaut werden, wofür sich viele leider nicht die Zeit nehmen (können). Die Literaturauswahl für große Stimmen in der Entwicklung gestaltet sich also mitunter recht diffizil und gerade hier können Lieder doch ein probates Mittel sein, sich auszutesten, ohne sich gleich an großen Opernarien kaputt zu singen.

Letztendlich ist es meiner Erfahrung nach einfach wichtig, Stücke vor allen Dingen mit der eigenen Stimme zu singen und sich nicht zu verbiegen, um irgendwelchen vermeintlichen Geschmäckern zu genügen. Oder wie es jemand einmal sagte: Lerne erst einmal singen, alles andere fügt sich dann. Sprich, erst wenn die Technik einigermaßen sitzt kann ich doch wirklich sagen, welche Literatur zu meiner Stimme passt.

Wenn der große dramatische Sopran in deinem Beispiel also Lieder mit etwas weniger Stimme singt, ohne die Stimme dabei zu verbiegen und auf Teufel komm raus wie ein zarter "Bachsopran" klingen zu wollen, sehe ich da keine großen Probleme. Außerdem kann man ja auch im Liedbereich ohne Probleme Literatur auswählen, die zur eigenen Stimme passt. Dennoch bin ich der Meinung, dass bei der Ausbildung auf die speziellen Eigenarten des jeweiligen Stimmtys eingegangen werden sollte, denn letztendlich ist die Stimme nun einmal von der Natur vorgegeben und es ist mE nicht ratsam, gegen die Natur arbeiten zu wollen.


Liebe Grüße

Octaviane

Nachtrag: Jessye Noman z. B. ist eine von mir sehr geschätzte dramatische Sängerin, die auch berückend schön Lieder intonieren konnte.


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BeitragVerfasst: 22.09.2014, 09:15 
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Vielen Dank, Octaviane, für diese interessante Ausführungen.

Mich würde jetzt auch noch interessieren, genau WIE die GL in ihrer täglichen Unterrichtspraxis die Art der Stimmbildung zwischen den unterschiedlichen Schülern variieren.

Es gibt nicht nur Oper-Lied, es gibt auch Mann-Frau, Erwachsener-Kind, Klassik-Pop, Profi-Laie, Begabt-Unbegabt usw. . Alle diese Schüler haben unterschiedlichen Bedürfnisse, oder?


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BeitragVerfasst: 22.09.2014, 12:19 
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Hallo Hopeful,

sicher haben verschiedene Schüler verschiedene Bedürfnisse und Begabungen und mE zeichnet es einen guten GL aus, wenn er zumindest versucht, individuell auf seine Schüler einzugehen und nicht nach Schema F vorzugehen. Deswegen führen viele GLs mit potentiellen Schülern ja auch Vorgespräche, um eben auszuloten, was der Schüler überhaupt will.

Als ich jetzt von "speziellen Eigenarten des jeweiligen Stimmtyps" sprach, ging ich erst einmal von Gesangsschülern aus, die ihre Stimme klassisch ausbilden lassen wollen und entweder tatsächlich professionelle Ambitionen haben oder aber auch als Laien zumindest danach streben, ihre Stimme so professionell wie möglich auszubilden, auch wenn sie mit dem Gesang nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich kann hier erst einmal nur von meiner Lehrerin ausgehen, finde aber schlüssig, was sie sagt. Wie schon gesagt, ist vieles (das meiste?) wie Atemtechnik, Vokalausgleich etc. -die Grundlagen also - gleich oder ähnlich - aber ein Alt hat oft andere "Baustellen" als meinetwegen ein hoher Sopran, ein Tenor andere als ein Bass, Männer andere als Frauen und so weiter. Und selbst innerhalb der einzelnen Stimmgruppen kann das variieren. So gibt es laut meiner GL z. B. zwei Arten von "schweren Sopranen" - die einen kommen eher aus der Tiefe und sind nah am Mezzo, die anderen (zu denen meine GL und ich mich zählen) kommen dagegen eher aus der Höhe. Und je nach Stimmtyp arbeitet man eben ein bisschen anders. Letztendlich geht es wohl einfach darum, dass nicht alle Übungen für alle Stimmen taugen. Und dann ist natürlich jede Stimme auch noch einmal individuell.

Liebe Grüße

Octaviane

_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


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