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BeitragVerfasst: 08.02.2011, 12:40 
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Hallo allerseits,

ich bin neu hier und freue mich sehr, diese Seite entdeckt zu haben!

Ich singe in einem Chor und "kämpfe" zur Zeit mit folgendem Problem: Wie kann ich mich für ein Stück motivieren, das ich enfach grauslich finde? Wir singen im April in einem Konzert zuerst Strawinskys Psalmensinfonie und nach der Pause Belsazzars Feast von Walton. Letzteres rockt, damit habe ich keine Probleme, aber der Strawinsky ist eine einzige Quälerei für mich. (An dieser Stelle möchte ich mich auch gleich bei allen Strawinsky-Fans entschuldigen!)

Ich bin ein tiefer Alt, und im Strawinsky gibt es lange hohe Passagen, zu denen ich keinen Zugang finde. Für mich spielt eine große Rolle, dass ich mich mit dem Stück identifizieren kann, damit der Atem richtig fließt und ich die langen Töne am oberen Ende meines Stimmumfangs vernünftig singen kann.

Hat jemand einen Tipp, wie ich zur "richtigen" Einstellung komme? Bei den meisten Werken hat sich irgendwann im Laufe der Vorbereitung immer eine Art Liebesbeziehung eingestellt, aber hier bin ich echt frustriert...

Tropische Grüße aus Singapur big_faulenz


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BeitragVerfasst: 08.02.2011, 15:34 
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Liebe SINGapur,

ich würde sagen: Entschließe dich, das Stück zu lieben ! Und je öfter Du es durchsingst, desto vertrauter wird es Dir, und irgendwann wirst Du es wirklich mögen, da Du die musikalischen Feinheiten und Zusammenhänge erkennst und spürst und Dich an den Harmonien/Disharmonien erfreuen kannst.
Sich mit einem Stück identifizieren zu wollen , ist ein toller und hoher Anspruch. Aber es erschwert einem auch vieles. Versuche, es sachlicher und evtl. einen Tick professioneller zu sehen.

Lg Silje

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...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -
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BeitragVerfasst: 08.02.2011, 18:39 
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Ich hab da auch so ein Stück welches ich einfach nicht mag, aber regelmäßig vom Chor gesungen wird.
Damit es nicht nach lustlos klingt, halte ich mit den 2 schönen Stellen im Stück aufrecht.
Außerdem klingt es recht schön wenn alle 4 Stimmen zusammen singen - also kann ich mich zum Wohle des Gesamtklangs damit anfreunden.

Aber ich verstehe gut, wenn man im Alt das eine oder andere nicht mag- singe ja selber im Alt und wünsche mir oft die Sopran oder Bassstimme singen zu können.

Viell. kannst Du es ja auch als Herausfordrung sehen? Grade wenn Du Probleme mit den hohen Passagen hast.
Ich weiß von mir selbst, dass ungeliebte Stücke ihren Reiz kriegen, wenn man die für einen schwierigen Passagen schließlich "knackt".


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BeitragVerfasst: 09.02.2011, 01:07 
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Hallo!

Ich hab vor 2 Jahren mal im Chor eine große Kantate aufgeführt, von der ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich sie nun mag oder nicht.

Aber den Zuhörern ist es total egal, ob DU das Stück magst oder nicht.
Sie kommen zum Konzert und haben ein Recht dazu, die bestmögliche Chorleistung zu hören.

Wenn du also keinen rechten Zugang zu dem Stück findest, dann zieh es von der anderen Seite auf.
Angenommen du wärest Zuhörer: Was würdest du dir wünschen, wie diese oder jede Stelle von der einzelnen Sängerin im Alt gesungen werden soll?

Und vielleicht kommt dann der Zugang zum Stück doch noch später automatisch.

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Gruß
Mama2009


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BeitragVerfasst: 09.02.2011, 03:24 
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Vielen Dank für euer Feedback!

Das mit der professionellen Herangehensweise trifft ins Schwarze, da fühle ich mich doch gleich erwischt! Als nicht-professionelle Sängerin schleicht sich doch hin und wieder der Gedanke ein, das Ganze solle in erster Linie Spaß machen. Das würde unser CL aber sauer werden, wenn er das hörte.... (ist eh seine Spezialität).

Ich werde mal versuchen, mich auf die Technik zu konzentrieren und das ganze als "Etüde" zu begreifen. Wie heisst es immer so schön? Singen wie es geschrieben steht, und machen, was Maestro sagt :pfeif:

Einige wenige "schöne" Takte hat das Stück, es sei denn, man steht auf Dissonanzen. Davon hat es reichlich. Hat jemand das Stück schonmal gesungen oder gehört?

Ich werde in jedem Falle berichten, wie das Konzert war.

LG


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BeitragVerfasst: 09.02.2011, 07:35 
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Liebe Singapur,

ich würde es nicht nur als Technikübung ansehen sondern vor allen Dingen auch als fantastische Schulung für Euer Gehör und Euer Chorgefühl, sprich: aufeinander Hören.
Irgendwie ist unser "westliches " Ohr sehr an Harmonien gewöhnt, aber ich weiß(aus eigener Erfahrung), dass man sich mit der Zeit an so genannte Disharmonien gewöhnen kann, bzw. sich richtig einhören kann in diese Musik und sie irgendwann lieben und verstehen wird. Mein Sohn, ein großer Free-Jazzfan hat mir den Weg geöffnet, auch Dissonanzen und Disharmonien zu mögen, und davon gibt es im Free-oder Acid--usw. Jazz genügend.

LG Silje

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BeitragVerfasst: 10.02.2011, 05:05 
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Ratgeber
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Ich habe die Psalmensymphonie von Strawinsky selber auch mal gesungen, das ist aber schon Jahrzehnte her und es ist eines der ganz wenigen Stücke an die ich mich klanglich überhaupt nicht mehr erinnere, eben weil das ganze Stück eigentlich nur aus mehr oder weniger zufälligen Geräuschen besteht.

Der Chorleiter half uns damals beim Einstudieren, indem er für jedes Chormitglied eine Cassette (Kopie) anfertigte. Die konnte sich dann jeder zu Hause zu Gemüte führen. Der "Zugang" zu diesem Stück führte somit über den Weg, erst den Gesamtklang zu hören und dann die Einzelstimmen einzustudieren, während es sonst im Chor genau umgekehrt gemacht wird.

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

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Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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BeitragVerfasst: 10.02.2011, 21:12 
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nicht mehr zu rettender
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Hallo,

ich habe vor etlichen Jahr die Psalmensinfonie in einem ganz spannenden Projekt mitgesungen - und zwar wurde dazu eine Art Pferde-Show aufgeführt. Es fand in einer Manege statt - Barnabas hiess der "Pferde-Zirkus". Am Anfang des Programms spielte das Orcheste "Le Sacre du Printemps", dann kam von Pierre Boulez ein Werk, in dem ein Klarinettist mit einer von ihm zuvor eingespielten Tonbandspur "duettierte" - und danach dann als krönender Abschluss die Psalmensinfonie - die wir, nach dem Stück von Boulez, nicht mehr als dissonant oder atonal empfanden. Und ich gestehe ganz ehrlich, "den Boulez" fand ich die ersten Male ganz gruselig - im Laufe der Proben und Aufführungen fand ich es immer interessanter.

Vielleicht hilft es Dir, Dich ein bißchen in die Musik von Strawinski einzuhören und Dich in seine Vita einzulesen. So manches Werk erfordert mehr als einmaliges Hören, um die Struktur zu verstehen und Zugang zu finden. Ich für mein Teil wäre liebend gerne Mäuslein gewesen im Saal, als "Le Sacre du Printemps" uraufgeführt wurde ....

Ich wünsche Dir, dass Du das Werk im Laufe der Zeit wenn vielleicht nicht lieben, so doch schätzen lernst :)

Es ist doch toll, mit großem Orchester singen zu dürfen :)

Herzlich grüßt Casta

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La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 13.02.2011, 02:13 
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Wohnort: Nähe München (nach Westen)
Liebe SINGapur,

als alter Chorhase hab ich die Psalmensymphonie auch mit aufgeführt, allerdings ist das schon länger her.
Ja, der Zugang ist wirklich schwer, Rhythmus ist im Vordergrund, dann diese drei oder vier schnellen Stellen, die sich zum Verwechseln ähneln, bei denen man aufpassen muss wie ein Lux, dass man den Einsatz nicht versaut und damit böse Blicke der anderen und u.U. des Chefs erntet... Und dann noch Deine Probleme mit der Hochlage - abgesehen außerdem von den Dissonanzen.

Ich kann nur mit dem sagen, was die meisten hier auch gesagt haben: Jedes Stück hat auch interessante Seiten oder Stellen, man findet die in der Regel, wenn man das Stück oft genug geprobt hat. Der allerletzte Ausweg ist der Gedanke an das technische Dazulernen. Ich habe immer das Chorsingen auch als technische Übung verstanden (vor allem Atemtechnik, Weichheit und Kopfresonanzen, die ja gerade im Chor so wichtig sind), man übt das Zuhören, bleibt körperlich fit und muss dann sogar nicht so wahnsinnig viel daheim Übungen machen...

Ich kann mich noch sehr gut an die Schwarze Maske von Penderecki erinnern, bei der es ja noch viel wilder zugeht. Wir haben das Stück dreimal aufgeführt, und es ist keine Aufführung vergangen, bei der ich nicht neue Linien entdeckt habe, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Gerade beim Singen mit Orchester ist das wirklich interessant.

Und vollkommen richtig: Man kann sich auch in Dissonanzen gut einhören, wenn man offen bleibt und sich hineinfallen lässt. Die große Durterz galt zu Ende der Renaissance oder so noch als Dissonanz - es entwickelt sich alles, und so wie das "Durchschnittshören" im Lauf der großen Zeitrechnung sich ändert kann man auch das eigene Hören im Verlauf der eigenen kleinen entwickeln.

Alle guten Wünsche!
Ruediger aus dem Münchner Westen


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BeitragVerfasst: 15.02.2011, 03:21 
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ruediger hat geschrieben:
Und vollkommen richtig: Man kann sich auch in Dissonanzen gut einhören, wenn man offen bleibt und sich hineinfallen lässt. Die große Durterz galt zu Ende der Renaissance oder so noch als Dissonanz - es entwickelt sich alles, und so wie das "Durchschnittshören" im Lauf der großen Zeitrechnung sich ändert kann man auch das eigene Hören im Verlauf der eigenen kleinen entwickeln.

Alle guten Wünsche!
Ruediger aus dem Münchner Westen


ruediger hat geschrieben:
Und vollkommen richtig: Man kann sich auch in Dissonanzen gut einhören, wenn man offen bleibt und sich hineinfallen lässt. Die große Durterz galt zu Ende der Renaissance oder so noch als Dissonanz - es entwickelt sich alles, und so wie das "Durchschnittshören" im Lauf der großen Zeitrechnung sich ändert kann man auch das eigene Hören im Verlauf der eigenen kleinen entwickeln.

Alle guten Wünsche!
Ruediger aus dem Münchner Westen


Wusste ich nicht, das mit der großen Durterz meine ich!
Danke für die ermunternden Worte und die spannenden Geschichten - Psalmensinfonie mit Pferden? Wo Pferde doch so schreckhaft sind! *gg* Aber ernsthaft: das klingt nach einem einzigartigen Projekt.

Ich kaufe mir zu den meisten Stücken die wir singen eine dieser 5 Euro-CDs oder lade sie mir runter, ich finde, das lohnt sich immer.

Gestern in der Chorprobe ist mir endlich mal ein persönlicher Durchbruch gelungen, indem ich die quälend langsamen Passagen völlig entspannt (und sauber) singen konnte. Uff! Das ist auch deshalb für mich, weil die Sinfonie ja den ersten Teil eines Konzertes bildet, nach der Pause folgt dann Walton's Belshazzar's Feast. Zur Werksgeschichte der Psalmensinfonie äußerte unser Chef gestern, dass es doch erstaunlich sei, dass Strawinsky mit seiner Lebensgeschichte nach Verlust seiner Heimat etc solch schöne Melodielinien schreiben konnte. Hm, die Schönheit in der Dissonanz muss ich erst noch schätzen lernen.

Einziger Ärgermoment war, als der Alt bei seinem ersten Soloeinsatz (mal wieder) für seiner Zurückhaltung gerügt wurde - "Ihr klingt wie Nonnen, stellt euch doch mal vor, ihr knöpft die Bluse zwei, drei Knöpfe auf und zeigt etwas Ausschnitt" - aber es hat gewirkt, unser Ton war nachher viel voller und angriffslustiger. Aber das ist OT, tschuldigung, habe gesehen dass (vor Jahren?) das schöne Thema Selbstbewußtsein / -verständnis von Chor-Altistinnen mal diskutiert wurde.

So long,

Viele Grüße an alle alten und neuen Chorhasen aus Singapur

P.S.: Das Jahr des Hasen hat gerade begonnen!

big_faulenz


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BeitragVerfasst: 15.02.2011, 08:37 
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Och menno...und wir müßen im Alt immer die Bluse bis über die Oberlippe zuknöpfen um nicht lauter zu sein als der Rest! big_lala

Glückwunsch zu Deinem Erfolgserlebnis! Genauso kann man ein Stück lieben lernen. big_applaus


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BeitragVerfasst: 15.02.2011, 17:45 
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SINGapur hat geschrieben:
......... habe gesehen dass (vor Jahren?) das schöne Thema Selbstbewußtsein / -verständnis von Chor-Altistinnen mal diskutiert wurde.


Ich glaube "Selbstbewußtsein" ist ein Dauerbrenner, nicht nur für Chor - Altistinnen. Mir ist ein Altgedienter "Chor - Bass" bekannt der damit auch seine liebe mühe hat.....
big_rofl

big_lala big_herz


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