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 Betreff des Beitrags: Wagner - Kontroverse
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 15:42 
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Hallo ihr Lieben

Ich wurde gerade nach unserer Tannhäuser - Premiere hier in Hannover von meiner Freundin angesprochen, man dürfe Wagner - Werke heute eigentlich gar nicht mehr aufführen...heute bei steigendem Bewußtsein dürfe man einen Komponisten, der Ausländer - und Homosexuellenfeindliche Äußerungen getätigt hat, gar nicht mehr spielen.

Seht ihr das genauso ? Sollte man eine Oper wegen der Musik an sich spielen oder immer auch die HIntergründe und Ansichten, unter denen der Komponist sie geschrieben hat, befragen, bevor man sich auf so ein Werk einläßt ?

Ich hoffe auf eine anregende Diskusion ohne Streit - und auf eure Meinungen.

Phoebe


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 16:04 
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Liebe Phoebe,

der große jüdische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein hat es auf den Punkt gebracht : Ich verfluche ihn - auf Knien !
Ob man ihn und seine Werke mag oder auch nicht : Wagner ist ein genialer Komponist ( und Librettist ! ), dessen Opern selbstverständlich aufgeführt werden müssen !

Ciao. Gioachino :dafür:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 16:15 
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Hallo,

hier

gab es vor nicht allzulanger Zeit eine kurze Diskussion dazu.

Gruß v. Emmy


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 18:52 
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hallo, Emmy,

ich kenne diese Diskussion auf dem anderen Thread noch sehr gut und habe es auch öffentlich bedauert, dass das so schnell beeindet war. Deshalb verwundert es mich auch, dass ein neuer aufgemacht wurde, obwohl es eine ähnliche Themenformulierung war.

@alle: habt ihr es vergessen?

Grüße
dola


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 19:21 
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nicht mehr zu rettender
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Liebe Dola,

ich habe auch bedauert, dass das Thema so rasch einschlief. So ist es doch schön, dass ein neuer Thread entsteht - interessanterweise ausgehend von fast der gleichen Grundfrage - vielleicht kann man sie dann zusammenführen.

Ich werde am kommenden Samstag eine konzertante Aufführung des "Vaisseau Fantome" (so heisst der Holländer hier) anhören - und werde dann gerne berichten, über die Wahrnehmung "um mich herum".

Liebe Grüsse von casta


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BeitragVerfasst: 08.02.2007, 19:52 
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Wie wärs denn auf den alten Thread umzusatteln und die Leute, die noch etwas hinzufügen wollen, das dann dort zu tun?
Ich fand das Thema auch toll; mag mich aber nciht wiederholen.
Mich interssiert auch besonders noch dei Familiengeschichte der Wagner und die Frauen um Wagner herum, nebst seiner Philosophie vom "Weib als Erlôserin" Damit habe ich mich mal sehr befasst und etliche Bücher studiert. Parallelen zum Nazi-Frauen- Bild sind nciht von der Hand zu weisen!
Steht aber ansatzweise eben schon im alten Thread....
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 08.02.2007, 20:02 
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Da ich das Thema damals angestoßen hatte, würden mich ein paar zusätzliche Meinungen natürlich auch interessieren?

Frage an die Moderatoren: Kann man die beiden Threads zusammen führen ?

LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 20:27 
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zUsammenführen ist eine gute Idee, habe seinerzeit einen ziemlich ausführlichen Beitrag geschrieben, den ich nicht nochmal schreiben mag.

Aber, um es weiterzuführen:

Dezidiert schwulenfeindliche Traktate von ihm kenne ich jetzt nicht, aber es würde irgendwie ins Bild passen. Andererseits gab und gibt es ja genug Schrank -Homos, die sich da besonders "rühmlich" hervortun (oder zwar fürchterlich antisemitisch und rassistisch herumgeifern, aber hier plötzlich auffällig wenig zu sagen haben??!)

Trotzdem: Ich persönlich trenne hier Werk und Person, vor allem, weil die Opern verschiedene Interpretationen des Sinngehalts zulassen und nicht zwangsläufig in die Fascho - Ecke führen. Solange das bei einem Werk möglich ist, gehört es in die Opernlandschaft. Es erfüllt mich mit sehr viel Respekt, dass sie sogar in Israel aufgeführt werden.

LG

dola


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 20:40 
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Liebe Dola!
Wat sind denn bitte "Schrank-Homos"???
Im übrigen habe ich zum Thema Wagner nix zu sagen, weil ich weder Lebenslauf noch Werk besonders gut kenne. Meinen Musikgeschmack trifft er jedenfalls nicht, aber deswegen muss er ja nicht gleich vom Spielplan. Schwulenfeindliche Äußerungen tun im übrigen auch andere - ich finde den UMGANG mit solchen Menschen uninteressant. Aber die politischen Meinungen eines Komponisten muss man ja a. aus seiner Zeit heraus sehen und b. prüfen, ob sie sich auch in seinem Werk spielen. Dann würde ich es persönlich ablehnen, mich hinein zu setzen und mir das anzutun.
Gruß und Kuss, der liberale musencus


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.2007, 21:10 
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Ein "Schrank-Homo" ist für mich z.B.einer wie Thomas Mann, der nach aussen sein grossbürgerliches Leben gespielt hat, die burgerlcihe "Moral" hochielt, sechs Kinder hatte und in einem Tagebuch-Doppelleben und in seinem Werk sich dann schliesslcih doch um mehrere Ecken herum als homosexuell erwies. Angesichts der bürgerlichen Moral seiner Zeit muss man ihm das nachsehen, finde ich, obschon es mir immer ein Dorn im Auge war und ist. Oscar Wilde ist dafür zur selben Zeit ins Zuchthaus gewandert!

Ob Dola dasselbe mit Schrank-Homo meint, weiss ich nciht?
Von den Nazischergen, die Homosexuelle ins KZ haben sperren lassen, waren auch etliche selber heimlich schwul und sowas ist für mcih dann die kriminelle und unverzeihlcihe Steigerung dieses "Schrank-Homos".
Von Wagner kenne ich aber keine ausdrücklichen schwulen/lesbenfeindlcihes Äusserungen. Antisemitische dafür umso mehr.
Wenn man aber sein Bild einer Mann/Frau -Beziehung betrachtet und seine Briefe an Mathilde Wesendonck oder Cosima liest, ist es eindeutig, dass fûr ihn eine gleichgechlechtliche Beziehung ausserhalb jeder Vorstellungskraft gelegen haben muss.
Öffentlcihe Hetze ist aber nochmal was anderes. Und Hetze im Werk sehe ich da nun auch nciht(kenne aber nciht alles!).
Dei Funktionalisierung die wagner postum erlebte und vor allem die unsäglcihe Verstrickung seiner Familie, allen voran Dame Cosima und Schwiegertochter Winifred sind für mciuh viel schlimmer als das, was Wagner selbst fabriziert hat.
Ich würde mir daher viel eher seine Musik anhören(wenn sie mir wirklcih gefiele) als einen Fuss nach Bayreuth setzen. Denn dort im Festspielhaus und auf dem grünen Hügel in Wahnfried waberte der Wahn nun wirklich am wahnsinnigsten. Und Onkel Wolf( so mussten die Wagnerkinder Hitler) nennen) ging ein und aus und hofierte sogar Dame Winifred mit ernsten Absichten! Und noch heute werden unliebsame Familienmitgleider, die zuviel im braunen Sumpf gewühlt haben, von dort verstossen. Solche Orte haben für mich keinen guten Geist!!!!!! :n68:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 09.02.2007, 00:09 
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cantilene hat geschrieben:
Ob Dola dasselbe mit Schrank-Homo meint, weiss ich nciht?


So in etwa meine ich das auch. Das Wort kursierte zuerst als "Schrank - Lesbe" unter den Sisters der Szene - da habs ich jedenfalls gehört und genauso verduzt nachgefragt :lol: - , jedoch denke ich, dass es durchaus auch auf die entsprechenden Männer erweitert werden kann. Werten will ich das keinesfalls und ich bin auch strikt dagegen, Leute zwangs - zu - outen. Schlimm finde ich allerdings die, die es sich nicht eingestehen, sondern sich dabei sogar übelst schwulenfeindlich aufführen. Leute, die sich unter einer Diktatur verstecken müssen, sind damit nicht gemeint.

cantilene hat geschrieben:
Denn dort im Festspielhaus und auf dem grünen Hügel in Wahnfried waberte der Wahn nun wirklich am wahnsinnigsten.


Klasse!!!! :n109: :lach
Eigentlich hat er "Wahnfried" als des Wähnes Frieden definiert, aber ich habe auch schallend gelacht, als ich das das erste Mal hörte (wenn der sein Haus selber schon so bezeichnet...). Die Villa Wahnfried liegt allerdings nicht beim Festspielhaus auf dem Hügel, sondern ca. 2 km davon weg in der Stadt (ich bin es abgelaufen) und ist ein Museum.

Der Wahnsinn wabert immer noch. Ich habe mir die ganze Sache mal gegeben durch eine Chorbewerbung und habe festgestellt, dass es wohl einer der schrägsten Theaterbetriebe überhaupt in Deutschland sein dürfte. Schon, dass man den ganzen Laden nur für einen Monat aufmacht, ist seltsam, obwohl ich die Begründung kenne.

Irgendwie fasziniert es mich aber. Die Verkrachungen dieser Familie sind inzwischen so verzahnt, dass es nicht mehr auszumachen ist, wo die Frontlinien verlaufen. Es geht nicht nur um politische Dinge, aber es ist extremst aufgeladen und einige der Urenkel, wie z. B. Nike (sicher) und ich glaube auch Gottfried, der alles mögliche versucht, um sich von der Naziverstrickung seiner Altvorderen zu distanzieren, haben Hausverbot.

Erstaunlich ist, dass es vereinzelte Sprösslinge gab, die sich aufgelehnt haben. Angefangen mit Enkelin Friedelind, eine inzwischen verstorbene Schwester des Festspielchefs, die sich als sehr junge Frau noch gegen Hitler ausgesprochen hat, nach einer Reise in die Schweiz nicht mehr zurückging und im Exil weiter gegen Hitler agitierte. Angesichts dessen, dass sie in einem solchen geistigen Umfeld aufgewachsen ist, eine reife Leistung, nachzulesen in ihrem Buch "Nacht über Bayreuth".

LG

dola


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 00:28 
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Ihr Lieben!
Danke für die Aufklärung, ich kannte diesen Begriff nicht, solche Typen kenne ich als "Klemmschwuchtel" oder "Klemmschwester" ... ;-)
Bayreuth habe ich von jeher als ein absolutes Unding empfunden und das, was ihr dazu schreibt, bestärkt mich ein weiteres Mal in der Meinung, dass das, was auf dem Hügel getrieben wird, weder viel mit Kunst, noch viel mit "Erbe weitertragen" zu tun hat.
Bisher habe ich es immer noch nicht fertig gebracht, mich mit wagner eingehender zu befassen, weil mich schon die Musik nicht interessiert ... steinigt mich auch hierfür ... ;-)
Gruß und Kuss, der musencus


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 00:45 
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Schon wieder muss ich einen virtuellen Stein schleudern. Fang ihn bitte auf und gib ihn mir auf Mallorca zurück, ja ?

Ciao. Gioachino :hearts:


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 00:51 
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pah!
Erst haufenweise Steine werfen und dann soll ich sie auch noch zurückbringen?!?! Das ist ja die Höhe! ;-)
Trptzdem liebe Grüße vom musencus


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 08:05 
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Liebe Dola, "dass hier mein Wähnen Frieden finde"-ja, darüber habe ich mich auch erstmal gekringelt....... der wandelnde Wahn! :lol:
Mir macht es Spass, diese Sprache nachzuformen...... :kaffee

Was die ausgestossenen Familienmitglieder angeht: ich habe Gottfried Wagners Buch "Wer mit dem Wolf heult" (Onkel Wolf= Adolf Hitler) gelesen und das war wirklich nochmal ein Schock für mich!(obschon ich vorher bereits von Winifred und Cosima mehr als kuriert war)
Er hat die Geschcihte ja nun hautnah miterlebt und beschreibt sehr einleuchtend, warum er sich als Erwachsener von dieser nazi-verstrickten Sippe loslösen musste, um noch guten Gewissens in den Spiegel sehen zu kônnen.
Wenn die Familie und der Bayreuther Betireb nach dem Krieg Hausputz gehalten hätten und ihre Dreckwäsche ordentlcih gewaschen hätten, würde ich die Verirrungen ja noch mit eienm "gewissen" Verständnis betrachten. Und hätte sicher Respekt fûr nachträglcihe Erkenntnis und Wiedergutmachung. Aber leider ist das eben nur zu einem sehr geringen Teil(siehe eben die Abtrünnigen!) nachvollziehbar und glaubwürdig geschehen.
Jeder kann sich irren und falsche Wege gehen, aber Einer, der das vertuscht und leugnet und diejenigen, die um Aufklârung und Reinigung bemûht sind, noch als Nestbeschmutzer verstösst, enterbt oder als Irre hinstellt, da hört meine Toleranz dann auf.
Dei Hände in Unschuld zu waschen und Andere zm Schweigen zu bringen war schon immer probates Mittel.
Umso strahlendner da dann Barenbioms Beispiel in Israel!
Ich hoffe, dass vielleciht die Generationen, die nachfolgen und NICHT mehr persönlich involviert waren, da freier herangehen kônnen.
Wer inneren Abstand hat, ist nciht mehr so an Schuld und Scham gebunden, denke ich.
Ich habe jedenfalls vor vielen Jahren eine Einladung nach Bayreuth ausgeschlagen und da es sich beim dem Einlader um einen ausgewiesenen "Links-Intellektuellen" handelte, der trotzdem überzeugter Wagnerianer war, sehr heisse kontroverse Diskussionen geführt. Da muss einfach jeder sienen eigenen Standpunkt finden, Vielleciht würde ich heute doch mitfahren um eine Erfahrung zu machen? Aber ein solcher Ort kann, wie gesagt, kein gutes "Karma" haben.

Das ändert für mich aber ncihts, an der (demagogisch) rauschhaften Wirkung von Wagners Musik, der ich mich selbst auch zu Zeiten nicht entziehe. Allerdings erzeugt jede Überdosis Übelkeit und ich muss das sehr dosiert zu mir nehmen.
Castafiore hat mir zum Geburtstag (in pädagogischer Absicht :n2: :hearts:) iene Cd mit Arien-Highlights geschenkt. Das ist genau die richtige Ration, eine ganze Oper macht mir dann schon echte Probleme.
Aber natürlcih kann niemand diesen Opern das Recht absprechen, auffgeführt zu werden., um zu Phoebe Eingangsfrage zurückzukommen.
Solange keiner den armen Musencus zwingt, hinzugehen..... :lol:


Fliegende Steine, Gioachino, fürchte ich nicht! Nur zu!


Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 11:23 
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Ich habe mit bislang erst vier Wagneropern in Gänze "angetan" (Rheingold, Holländer, Tannhäuser, Meistersinger) und kann sagen, dass es sich um tolle Musik handelt.
Stücke wie Isoldes Liebestod oder Wesendonck-Lieder sind einfach zum Sterben schön.

Muss ich mir bei Hören wirklich Gedanken machen über die Gesinnung des Komponisten? Ich denke nicht!
Wer weiß vieviele Sadisten, Tierquäler, Frauenhasser usw. noch unter den berühmten Komponisten waren.....

Den Hype um den Grünen Hügel kann ich allerdings auch nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich hat irgendjemand mal die Parole ausgegeben, da müsste man hin und seither schlagen sich die Leute um die Karten.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 12:00 
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Bei aller Liebe und Freundschaft, ma chère Mezzo :hearts: , aber da muss ich protestieren!
DAS ist mir nun wirklich zu bequem und in diesem Fall für mcih nciht akzeptabel.
Hier geht es nicht um PRIVATEN Sadismus, Frauenhass etc sondern um die jüngste deutsche Geschicihte, die Nazi-Ideologie und deren verheerende Folgen und im Hause Wagner haben sich da sehr unmittelbar gefährlcihe und folgenreiche Dinge abgespielt.
Dass die Musik selbst ncihts dafür kann, ist eine andere Frage und steht auf einem anderen Blatt.
Natürlcih kann man die weiter mit Wonneschauern hören, aber die Hintergründe sollte man schon kennen und ernst nehmen. :schlaumeier:
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 09.02.2007, 12:59 
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Hallo, Canti,

ich habe mich ja im anderen tread schon über die Zwiespältigkeit und auch die Vielschichtigkeit des Themas ausgelassen, und genau das macht es interessant.

"Wer nicht mit dem Wolf heult" befindet sich auch (gelesen!) in meinem Bücherschrank. Genauso wie "Nacht über Bayreuth", "Wagner Theater" von Nike Wagner und auch Brigitte Hamanns Winifred - Biografie.

Es macht die Sache sicher nicht einfacher, wenn man auch Winifred differenzierter betrachtet. Ich denke aber, dass dies auch trotz Ablehnung von "Hitlers Bayreuth" notwendig ist. Es hat mich doch überrascht, dass sie bis zum Kriegsende immer gezielter Menschen in ihrem Betrieb eingestellt hat, die aus Gründen der Verfolgung Schutz gebraucht haben. Dieser Umstand ist durch Zeugenaussagen Betroffener in ihrem zweiten (Berufungs-) Entnazifizierungsprozess belegt und trug wohl maßgeblich dazu bei, dass die Einstufung wesentlich milder ausfiel als zuvor.

Zugegeben, die Entnazifizierungsverfahren waren lange nicht das, was eigentlich nötig gewesen wäre und man weiß, dass Leute, die von ihrer Aufgabe her schon ganz anders verwickelt sein mussten als die Leiterin eines Opernbetriebes, aus Staatsraisongründen der Amerikaner völlig unberechtigt freigekommen sind und durch ihr weiteres Agieren in Staat und Justiz Jahrzehnte der Republik ungut beeinflusst haben. Bei ihr jedoch lagen solche Gründe für eine mildere Behandlung nicht vor und der Schaden, den hier ein zu mildes Urteil hätte anrichten können, ist eher gering im Vergleich zu dem oben Erwähnten. Ich denke, es war eine weitgehend gerechte Abwägung.

Ihr Verhalten nach dem Krieg bleibt unverständlich und hat nicht nur den kritischen Teil ihrer Familie vor den Kopf gestoßen. Ich hatte Gelegenheit, mit einem Sänger zu sprechen, der mal zu Winifred Wagner eingeladen war und entnahm seinen Worten, dass sie irrational - abgedreht wirkte.

Genauso seltsam war, dass sie ständig Hitler als Person von den auch für sie offensichtlichen und auch von ihr wohl innerlich nicht gebilligten Untaten der Partei abgetrennt hat. So naiv kann eine Frau mit Hirn eigentlich nicht sein.

Fragen über Fragen und kein positives Ende, Schönreden und Verschweigen. Ich verstehe gut, welche Dauerbelastung ein solches Aufwachsen für Menschen wie den Enkel Gottfried Wagner sein musste.

LG

dola


Zuletzt geändert von Dola1 am 09.02.2007, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 09.02.2007, 13:31 
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Liebe Dola, danke für diese Info über Winifred! Ich finde auch das Zwiespältige besonders interessant! Ihre Haltung als Retterin Verfolgter ist ein positiver Aspekt und ich bin froh, dass Du das geschrieben hast!
Auch Wagner selbst war ja mit Menschen jüdischen Glaubens befreundet und seine schriftlich belegte antisemitische IDEOLOGIE hatte dann im privaten Umfeld plötzlich eine ganz andere Auslegung . Wenn es um eigene Freundschaften geht, kommt dann doch die Menschlcihkeit vor der Ideologie, was ich natürlich sehr sympathisch finde.

Aber um das trotzdem auch mal provokativ von der perversen Seite zu sehen:
Es gab ja auch nciht wenige aktive KZ-Folterknechte die sich für ihre geliebten Schäferhunde fast hätten lynchen lassen und zu Tränen gerührt waren, was Hundchen alles fürs Herrchen tat, wahrscheinlcih/ hoffentlcih auch ihre eigenen Kinder liebten, und daneben aber jüdische Menschen-Kinder ohne mit der Wimper zu zucken folterten und in die Gaskammern geschickt haben.
Lassen wir das besser, sonst werde ich noch ausfallend.

Menschen sind jedenfalls nie eindimensional zu sehen, sondern immer ambivalente Wesen, scheint mir. Auch im besten steckt ein Stück Grausamkeit und auch im schlechtesten ein netter Zug.

Zu Winifred kann ich mir evtl vorstellen, dass sie einfach zu den Frauen gehörte, die vom offenbar stark vorhandenen Charisma Hitlers in den Bann gezogen waren?
Mein Stiefvater hat mir erzählt, er habe sich dem als Kind in Berlin bei einer persönlcihen Begegnung mit Hitler auch absout nciht entziehen konnte, der charismatische Eindruck, den dieser Mann auf ihn gemacht habe, sei sehr intensiv gewesen.
Das scheint auch ganz besonders auf Frauen so gewirkt zu haben(es gibt Berichte über Massenhysterien) und gerade Winifred wurde ja in besonderer Weise von ihm "hofiert. "
Sehr Viele haben auch nach dem Krieg weiter behauptet "Der Führer hat solche Sachen nciht gewusst, er hätte sowas niemals befohlen".
Vielleicht hat Winifred Wagner das auch geglaubt?
Wie schwer muss es denn auch sein, sich einzugestehen, dass man auf Lug und Betrug und Schmach und Schande hereingefallen ist und einem Menschheits-Verbrecher in die Arme gefallen ist? Scih gar mitschuldig gemacht hat?
Vielleciht ist sie angesichts dessen wirklich durchgedreht?
Jedenfalls hat jemand wie Gottfreid Wagner (und auch Friedelind natürlich)meinen vollen Respekt, denn für ihn muss es besonders schlimm gewesen sein, gleichzeitig den Glauben an seine Familie und dann auch noch diese Familie selbst zu verlieren.

Aber um wieder etwas weniger ernst zu sein:
Môge dieser Wahn einen wahren und währenden Frieden finden.(könnte man als Graffiti in der Villa Wahnfried benutzen)
Canti :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 09.02.2007, 16:01 
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cantilene hat geschrieben:
Bei aller Liebe und Freundschaft, ma chère Mezzo :hearts: , aber da muss ich protestieren!
DAS ist mir nun wirklich zu bequem und in diesem Fall für mcih nciht akzeptabel.
Hier geht es nicht um PRIVATEN Sadismus, Frauenhass etc sondern um die jüngste deutsche Geschicihte, die Nazi-Ideologie und deren verheerende Folgen und im Hause Wagner haben sich da sehr unmittelbar gefährlcihe und folgenreiche Dinge abgespielt.
Dass die Musik selbst ncihts dafür kann, ist eine andere Frage und steht auf einem anderen Blatt.
Natürlcih kann man die weiter mit Wonneschauern hören, aber die Hintergründe sollte man schon kennen und ernst nehmen. :schlaumeier:
Canti :hearts:


Liebe canti,
ich habe 13 Jahre deutsche Schulen besucht - mir sind die entsprechenden Ideologien und Hintergründe durchaus bekannt.
Wagner war ein Kind seiner Zeit - wie viele andere, weniger berühmte - auch. Ihm quasi vorzuwerfen, er wäre verantwortlich für Nazi-Ideologie und die entsprechenden Folgen nur weil Hitler ihn als Idol betrachtete, ist auch sehr bequem. Da gehören doch ein paar mehr Leute dazu - vor allem solche, die nicht in den Vordergrund treten, aber alles mittragen.

Warum soll ich einen Frauenhasser oder Sadisten anders ansehen als einen Antisemiten?
Ich weiß, es ist nicht politisch korrekt "extrem rechts" mit "extrem links" zu vergleichen - aber wir hatten bis vor kurzem einen Außenminister, der mit Mehrfachmördern sympatisiert hat (und desse aktive Beteiligung an Straftaten zumindest vermutet wird). Darf man deswegen keine Bücher von ihm lesen?
Heutzutage werden in bestimmten Staaten Frauen zu Tode gesteinigt, andere Staaten nehmen in Kauf, dass bei Raketenangriffen auf mutmaßliche Terroristen ganze Familien mit ausgelöscht werden, Verurteilte lässt man jahrelang in Todeszellen schmoren usw. Auch da stecken Ideologien dahinter. Du wirst also verzeichen, dass ich mir um Wagners Gesinnung eher weniger Gedanken mache, schon gar nicht, wenn ich seine Musik höre.

Wie Du schon sagst, es geht um jüngste deutsche Geschichte - ginge es um amerikanische, französische, israelische, afghanische, iranische oder sonstige Geschichte mit allen ihren hässlichen Seiten - kein Mensch würde sich dafür interessieren. (Das ist jetzt bewusst provokant formuliert)

LG
mezzo


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