Aktuelle Zeit: 12.12.2019, 15:18

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 19 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 20.05.2017, 23:14 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo, ihr Lieben,
nach langem stillen Mitlesen brauche ich mal wieder direkt eure Erfahrungen.
Ich nehme seit knapp sieben Jahren GEsangsunterricht, davon seit etwa 5 Jahren mit regelmäßigen Stunden.
Bisher sind ich und meine Lehrerin der Meinung gewesen, dass ich eindeutig Sopran bin. Jedoch kämpfe ich seit bald zwei Jahren damit, in die Höhe zu kommen. Zum einen hängt das stark von der Tagesform ab. Bin ich an dem Tag von HAus aus sehr entspannt, ist durchaus ein c3 drin, was sich dann auch tatsächlich gut anfühlt. Also, die Höhe hätte ich theoretisch... Nach solchen Höhenflügen kommt dann aber in der Regel eine Durststrecke von oft Monaten, wo sich schon ein g2 anfühlt wie das Ende der Fahnenstange, und alles, was drüber geht, zur totalen Verkrampfung führt. Da ich mit meiner bisherigen Lehrerin über diesen Punkt einfach nicht drüber komme, habe ich mich inzwischen umorientiert und bin bei einer Lehrerin gelandet, die zum einen innerhalb kürzester Zeit einige Schwächen im Fundament aufgetan hat, zum anderen aber auch sehr schnell erkannt hat, dass mir das in die Höhe singen mittlerweile richtig Angst macht. Ich selbst kann mir diese Angst nicht wirklich erklären, ich bin eigentlich ziemlich genervt davon und würde sie lieber heute als morgen los haben. Jetzt meine Fragen an euch: Kennt jemand dieses Phänomen? Und wenn ja, wie kommt man davon weg? Meine vormalige Lehrerin gab mir den Tipp, vielleicht mal Unterricht bei einer Sopranistin zu nehmen, um mich an den Klang zu gewöhnen (sie selbst ist Mezzo, ihre Nachfolgerin ebenso). Ich bin momentan noch sehr skeptisch, weil mich das bloße Hören von Sopranstücken schon ziemlich abschreckt. Und vor allem bin ich ziemlich orientierungslos im Moment. Im Chor bin ich vorübergehend in den Alt gewechselt, um von mir mal den Druck zu nehmen, in die Höhe singen zu müssen. (Dank meiner für einen Sopran wohl ungewöhnlich satten und soliden Tiefe geht das ganz gut) Aber so richtig gehöre ich da auch nicht hin, denn vieles ist mir dort tendenziell zu tief.

Ratlose Grüße vom

Rokehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 10:04 
Offline
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 10.11.2005, 00:00
Beiträge: 3500
Wohnort: Diessen am Ammersee
Vorname: Erika
Nachname: Sommer
Hallo Rotkehlchen,

ich kann dich gut verstehen, mir ging es jahrelang so, fühlte mich im Sopran nie richtig wohl, fühlte mich wie im falschen Körper und mit fielen die Höhen schwer, hatte teilweise Angst davor. Meine Lehrerin wollte davon nichts wissen und so ging es über 20 Jahre, bis ich es leid war und mich testen ließ, ich sang im Opernstudio vor und am Theater, aber auch dort im Sopran, warum? Meine Pianotöne in der Höhe waren meine Stärke, es konnte nicht hoch genug gehen und meine Mitbewerber an der Bühne erreichten das nicht. So wurde ich Sopranistin an der Oper. Aber....ich wollte das nicht, fühlte mich nicht wohl und habe die Stelle nicht angenommen. Ich suchte....und fand eine Professorin an der MHS, die mich auf Mezzo umstellte. Nun hatte ich mich gefunden und war glücklich, bis heute. Endlich war ich, ich selbst.

_________________
musica
bel-voce-gesangssolisten







Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 10:24 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender

Registriert: 02.01.2013, 18:02
Beiträge: 351
Vorname: Monika
Nachname: C
Rotkehlchen hat geschrieben:
Im Chor bin ich vorübergehend in den Alt gewechselt, um von mir mal den Druck zu nehmen, in die Höhe singen zu müssen. (Dank meiner für einen Sopran wohl ungewöhnlich satten und soliden Tiefe geht das ganz gut) Aber so richtig gehöre ich da auch nicht hin, denn vieles ist mir dort tendenziell zu tief.

Das wäre jetzt für erst einmal mein Ansatz gewesen und auch meine Frage - wo fühlst Du Dich, generell gesehen, besser? Was geht leichter, über lange Strecken hoch singen (e'', f'', g'') oder über lange Strecken tief, so ziemlich genau eine Oktave tiefer inkl. dem c' und vielleicht drunter?

Was an der Höhe macht Dir genau Angst? Das Singen an sich, ist es zu anstrengend, auch, wenn Du eigentlich entspannt bist? Gefällt Dir der Klang nicht?

Ein c''' bringe ich an guten Tagen auch, ich komme auch mit der Mäusepieps-Stimme (aka Pfeifregister unentwickelt :D) höher. Runter komme ich gar nicht so arg weit, bis c ungefähr, aber bis e,f ist da schon Substanz dahinter. Wann immer ich die Wahl habe, setze ich mich in den Alt. Im Sopran kann ich zwar singen, aber das ist für mich eben anstrengend. Es gab Gesangslehrer, die hätten mich in den Sopran gesteckt und als Sopran ausgebildet. GsD bin ich bei meinem geblieben, der einfach meine Stimme entwickelt hat. Der meinte ewig lange "weiß nicht", zwischendurch dann mal "Alt", auch mal "Mezzo". Für einen Alt klinge ich an sich zu leicht - ich kann ohne Probleme so tun, als sei ich (schwererer) Sopran. Mezzo geht ganz gut, ist aber manchmal schon anstrengend. Sopran bei tieferen Sachen geht auch ganz gut, soweit es eben eigentlich Mezzo-Lage ist, was im Chor ja häufiger vorkommt. Was ich nun wirklich bin, ist mir ehrlich gesagt schnurz.

Bei mir hat sich einiges an Höhen entwickelt obwohl wir fast nur an den Mitten arbeiteten; anstrengend ist es immer geblieben. Ich könnte mir vorstellen, dass sich eine etwaige Verkrampfung löst, wenn Du von dem Gedanken wegkommst, Du seist Sopran. Letztlich sind es ja doch nur Schubladen.

Insofern wäre mein Rat tatsächlich, einfach mal eine Zeit im Alt zu bleiben und zu schauen, was Dir letztlich besser taugt. Nicht jede Stimme klingt so, wie die Leute sich das Stimmfach dazu vorstellen.

_________________
Viele Grüße
Monika


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 15:26 
Offline
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 10.11.2005, 00:00
Beiträge: 3500
Wohnort: Diessen am Ammersee
Vorname: Erika
Nachname: Sommer
ach übrigens.... auch Altistinnen leiden oft unter Höhenangst..... in ihrem Stimmfach.... big_lala

_________________
musica
bel-voce-gesangssolisten







Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 18:04 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender

Registriert: 02.01.2013, 18:02
Beiträge: 351
Vorname: Monika
Nachname: C
musica hat geschrieben:
ach übrigens.... auch Altistinnen leiden oft unter Höhenangst.....

Das glaube ich Dir auf's Wort :)
Leiden Altistinnen eigentlich auch unter Tiefenangst? Sopranistinnen, die das haben, kenne ich ....

_________________
Viele Grüße
Monika


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 18:13 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo ihr beiden,
vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen! Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich mit dem Problem eine Exotin bin...
Wo ich mich wohler fühle, kann ich noch nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Ich hab mich irgendwie so in die Verkrampfung hinein manövriert, dass zum einen die Technik stark drunter leidet, und ich mich zum anderen wiederum sehr darum bemühe, alles "richtig" zu machen, dass ich auch im Alt nicht hundert Prozent entspannen kann. Das Ergebnis ist letztlich so, dass ich auch im Alt nach einer Chorprobe stimmlich müde bin (hab da allerdings auch einen Arbeitstag als Lehrerin hinter mir, also, die Stimme hat auch schon einen Marathon hinter sich), aber nicht so, wie im Sopran. Da war es zuletzt deutlich schlimmer. Dazu kommt, dass ich Alt ziemlich im Trüben fische, wenn es weit in die kleine Oktave geht. Aber das ist wahrscheinlich auch reine Übungssache. Generell sehe ich bei mir aber schon die Richtung mehr nach unten. In die Tiefe zu singen kostet mich weit weniger Anstrengung, als anders herum. Bis zum kleinen c komme ich auch, wobei es da dann auch diffus wird. Nach oben wird es ab einer variablen Höhe sehr anstrengend und mir gefällt es auch oft vom Klang her nicht. Kann aber auch daran liegen, dass man, wenn man im Verkrampf-Modus ist, nicht mehr anders kann, als zu drücken und zu schieben. Und dementsprechend gewalttätig klingt es dann. Und mit Lampenfieber im Nacken sind die Höhen für mich schlicht überhaupt nicht mehr machbar, was allerdings auch daran liegt, dass die ganze Atmung nach oben rutscht.
Meine Lehrerinnen sind bisher alle davon ausgegangen, dass ich Sopran bin, weil ich eben durchaus auch Höhe habe. Meine vorletzte hat nur eben schon festgestellt, dass ich für einen Sopran ziemlich wenig bis gar keine Probleme habe, in die Tiefe zu kommen und die Vermutung Mezzo geäußert. Und meine jetzige meinte auch schon, "vielleicht auch eher Mezzo". Wie auch immer, momentan steht mir teilweise schon bei c" oder d" der Angstschweiß auf der Stirn, was für einen Sopran ja eher noch zur Mittellage gehört, und im Alt jetzt auch nicht gerade ein Ausnahme-Ton ist. Für mich ist es schon eine Erleichterung, dass durchaus auch das Stimmfach Mezzo in Betracht gezogen wird, denn an der These, ich sei ein hoher Sopran stört mich schon länger, dass ich mich sehr unwohl fühle, wenn ich (vor allem solistisch) in exponierten Lagen singen soll. DEutlich wohler fühle ich mich, wenn ich mich mitten durch schlängeln kann. Aber die Möglichkeit habe ich im Sopran selten, weil wir wenig 6- bis 8-stimmige Sachen singen.
Jedenfalls will meine neue Lehrerin mit mir aktiv an die Angst ran gehen, was mit Sicherheit nicht verkehrt ist, auch wenn ich keine Ahnung habe, worauf ich mich da einlasse. Sie meinte zumindest schon, dass sie mit jeder Art von Gefühlsausbruch klar kommt. Die Idee, bei einer Sopranistin auch mal Stunden zu nehmen, (Tipp von meiner Vorgänger-Lehrerin), werde ich im Hinterkopf behalten, aber momentan erscheint mir das nicht abgebracht, weil ich mir selbst zu unsicher bin, wo ich hingehöre, und der Sopran-KLang ziemlich viel Unbehagen in mir auslöst.

So, das war jetzt ziemlich lang...

LG Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 21.05.2017, 22:14 
Offline
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 10.11.2005, 00:00
Beiträge: 3500
Wohnort: Diessen am Ammersee
Vorname: Erika
Nachname: Sommer
moniaqua hat geschrieben:
musica hat geschrieben:
ach übrigens.... auch Altistinnen leiden oft unter Höhenangst.....

Das glaube ich Dir auf's Wort :)
Leiden Altistinnen eigentlich auch unter Tiefenangst? Sopranistinnen, die das haben, kenne ich ....

ja, das ist oft so, wenn es in die Tiefe geht und vielleicht noch ein Orchester dabei ist...kann es da schon zu Angstzuständen kommen. So geht es natürlich auch den Sopranistinnen.

@Rotkehlchen. Wenn du in der Literatur weißt, gleich muss ich in die Höhe und dann noch auf einem unangenehmen Vokal, macht man vorher schon zu, Hektik und Lampenfieber kommen dazu und schon bleibt der hohe Ton auf der Strecke.
Sich in der Höhe frei zu singen, sich wohl zu fühlen, hat natürlich was mit Technik zu tun, dazu muss die Mittellage gut sein, um sich nach oben auszubreiten und um die Angst zu verlieren.

Übrigens, Mezzo ist eine wunderbare Lage und du solltest dich nicht scheuen vielleicht zu wechseln.

_________________
musica
bel-voce-gesangssolisten







Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 22.05.2017, 13:14 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender
Benutzeravatar

Registriert: 02.09.2014, 07:03
Beiträge: 356
Vorname: S
Nachname: S
Rotkehlchen hat geschrieben:
Das Ergebnis ist letztlich so, dass ich auch im Alt nach einer Chorprobe stimmlich müde bin (hab da allerdings auch einen Arbeitstag als Lehrerin hinter mir, also, die Stimme hat auch schon einen Marathon hinter sich), aber nicht so, wie im Sopran. Da war es zuletzt deutlich schlimmer.

Das sollte weder im Alt noch im Sopran passieren - und schon gar nicht nach sieben Jahren Gesangsunterricht!
Hast Du das Deinen Gesangslehrern denn vorher noch nie gesagt?
Als ich meiner Gesangslehrerin sowas einmal gesagt hatte, dass ich mich im Chor irgendwie unten festgesungen hatte, konnte sie mir direkt helfen und was an die Hand geben, damit das nicht mehr passiert. Und das hat direkt gut funktioniert.
Und auch sonst achtet sie immer darauf, dass ich mich und meine Stimme entspanne.

Ich an Deiner Stelle würde erst mal einfach das singen, was mir Spaß macht! Ganz egal, welche Stimmlage.
Und wenn mal was tatsächlich nicht paßt, kannst Du's ja nach unten oder oben transponieren, bis es paßt.
Und im Chor würde ich Dir erstmal raten, die Töne, die nicht passen oder vor denen Du Angst hast, einfach mal auszulassen. Was soll's!


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 22.05.2017, 19:21 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo Silvieann,
da stimme ich dir voll und ganz zu. Es gab dazwischen auch immer wieder mal längere Phasen, in denen ich mich nicht festgesungen habe. Von daher scheint viel intuitiv funktioniert zu haben - nur eben nicht auf der Bewusstseins-Ebene. Und dadurch wurde es für mich mit steigenden Anforderungen immer schwieriger, Sachen umusetzen. Meine Körperwahrnehmung ist nicht die beste, so dass ich eher am Stimmklang gemerkt habe, wenn was richtig lief. (ist natürlich etwas unpraktisch, weil man a, dann auch erst hinterher merkt, dass man mit falscher Technik unterwegs war, und b, nicht unbedingt in der Lage ist, was zu ändern. Und in der Masse des Chores hört man sich eh nicht so leicht.) Meine jetzige Lehrerin arbeitet quasi NUR über Körperwahrnehmung, und das sehr konsequent. Die Stunden sind wahrlich kein Spaziergang, aber endlich merke ich, was ich mache. BEi vielem von dem, was mir meine alte Lehrerin sagte, dachte ich, was will sie denn, ich mach doch! Durch die Rigorosität, mit der meine jetzige Lehrerin auch mal Hand anlegt, merke ich erst, dass einiges wohl doch nicht so klappt, wie gedacht. Ich glaube, ich hatte jahrelang einfach nicht das richtige Unterrichts-Konzept für mich. Jedenfalls bleibe ich erst mal im Alt, weil ich mich dort momentan einfach wohler fühle, und schaue, wie sich meine STimme mit der Zeit entwickelt, in welche Richtung es geht. Und wenn es wirklich Richtung Mezzo geht, warum nicht? Ich finde das auch eine schöne Lage!

Lg Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 24.05.2017, 19:37 
Offline
Moderatorenanwärter
Moderatorenanwärter
Benutzeravatar

Registriert: 26.01.2006, 23:14
Beiträge: 1356
Wohnort: Wiesbaden *31.01.
Vorname: F.
Nachname: L.
Liebes Rotkehlchen,

das Problem ist mir durchaus nicht unbekannt. :) Heute weiß ich, dass ich Sopran bin und liebe meine Höhe (sofern ich gut halbwegs gesund und gut eingesungen bin, kommt ein c3 eigentlich immer - natürlich mal mehr und mal weniger gut, man ist ja keine Maschine, aber ich brauche im Grunde keine Angst mehr zu haben, dass es überhaupt nicht kommt. Die Stimme gibt von der Veranlagung auch noch mehr her in der Höhe, aber man sollte bei öffentlichen Auftritten ja auch immer das Lampenfieber mit einberechnen und dann lieber auf Nummer sicher gehen und sich im Zweifelsfall nicht die Arie versauen big_lala), aber es gab eine Zeit, da war ich höhentechnisch ziemlich blockiert und ein g2 war schon ein fürchterlich hoher Ton.

(Übrigens hatte und habe ich auch eine recht satte Mittellage und eine passable Tiefe, das muss also nicht zwingend heißen, dass man Mezzo ist, auch wenn es natürlich definitiv eine Möglichkeit ist - da spielen einfach unheimlich viele Faktoren mit hinein und ich würde echt sehen, in welcher Lage du über längere Zeit am unangestrengsten singen kannst, wo das Passaggio ungefähr liegt, etc. Und solange man es nicht beruflich macht, sich die Stücke aussuchen, die einem stimmlich am besten liegen, egal, was vorne drauf steht ;))

Naja, mir hat es auf jeden Fall definitiv geholfen, als ich den Druck rausgenommen hatte. Eine zeitlang habe ich mit einem Lehrer wirklich konsequent an der Mittellage gearbeitet, viel Lied gesungen, die Rosina (Barbier) in der Original-(Mezzo-)Lage, Sopranarien, die nicht so hoch gehen, etc. Und ich habe das Gefühl, dass ich damals einen riesigen Sprung gemacht habe, einfach, weil ich nicht mehr so auf die Höhe fixiert war. Natürlich kam dann auch eine verbesserte Technik dazu, aber diese psychische Komponente war definitiv nicht zu verachten.

Davon abgesehen braucht eine gute Höhe auch ein gutes Fundament oder wie meine GL einmal sagte: "Sonst ist das so, als würde man einen Baum ohne Wurzeln pflanzen und dann erwarten, dass er Blüten und Früchte trägt"

_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 24.05.2017, 23:28 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo Oktaviane,
auch dir herzlichen Dank für deine Erfahrungen!
Es beruhigt schon ungemein, hier zu lesen, dass das kein allzu seltenes Phänomen ist...
Für mich sieht der Fahrplan im Moment so aus, dass ich erst mal im Alt bleibe, eben, dass ich den "Höhendruck" nicht habe. Und nebenbei starte ich bei der neuen Lehrerin noch mal "ganz von vorne", um technisch gesehen das Fundament noch mal ordentlich aufzubauen. Meine Lehrerin pflegt immer den Vergleich mit einem Haus, aber egal ob Wurzeln oder Fundament: Wenn beides nicht gescheit gebaut ist, sind sowohl Baum als auch Haus einsturzgefährdet. Und mit der Zeit wird sich hoffentlich herauskristallisieren, wo ich "hingehöre". Jedenfalls war für mich der Lehrerwechsel wohl überfällig, denn zum einen weiß und fühle ich endlich (zumindest in Teilen), wo bei mir überall Anspannung sitzt (und da gibt es viele Stellen, oh oh), zum anderen singe ich mich beim Üben nicht mehr fest. Es wird noch ein langer Weg, aber ich klammere mich mal an das, was ich jetzt jede Woche zu hören kriege: "Du musst es immer wieder in Auftrag geben, und irgendwann klappt es!" Ach ja, ich und Geduld... big_haare

LG Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 25.05.2017, 09:03 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender

Registriert: 02.01.2013, 18:02
Beiträge: 351
Vorname: Monika
Nachname: C
Rotkehlchen hat geschrieben:
(hab da allerdings auch einen Arbeitstag als Lehrerin hinter mir, also, die Stimme hat auch schon einen Marathon hinter sich),


Gruppenarbeit, SchülerInnen präsentieren lassen, vielleicht Leittexte, Arbeitsaufträge für Einzel- und Partnerarbeit, ... also, eigene Sprechzeit minimieren.

Die Stimmbildung wird Dir auch hier helfen; die Atemtechnik, in Resonanz gehen etc kannst Du auch hier anwenden. Schlaucht zwar auch, geht dann aber mehr auf die Bauchmuskeln :)

Dein Fahrplan und Deine Lehrerin klingen gut. Ich bin ja gespannt, wo Du dann letztlich auskommst :)

Übrigens kann man, je nach Chor und Literatur, die gesungen wird, auch gut in dem einen Alt und im anderen Sopran singen ;)

_________________
Viele Grüße
Monika


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 25.05.2017, 22:37 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo Moniaqua,
Zitat:
Gruppenarbeit, SchülerInnen präsentieren lassen, vielleicht Leittexte, Arbeitsaufträge für Einzel- und Partnerarbeit, ... also, eigene Sprechzeit minimieren.

-> ist nicht ganz so einfach, wie es hier steht... big_gruebel Ich habe es mit elf überwiegend schwer mehrfachbehinderten Kindern zu tun, von denen keiner wirklich selbstständig arbeiten kann und einige behinderungsbedingt für einen gewissen Geräuschpegel sorgen. D. h. ich tüftel jedes Schuljahr aufs Neue, wie ich am besten Ruhe hinein bringe.

In den anderen Punkten gebe ich dir aber uneingeschränkt recht! Leider sitzen zwischen den beiden Frauenlagern die Männer, so dass ein Wechsel zwischen den Stimmen leider nicht ohne Umzug möglich ist. Ansonsten wäre das genau meine Vorgehensweise.

LG aus dem sonnigen Süden

Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 26.05.2017, 17:09 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender

Registriert: 02.01.2013, 18:02
Beiträge: 351
Vorname: Monika
Nachname: C
Rotkehlchen hat geschrieben:
Ich habe es mit elf überwiegend schwer mehrfachbehinderten Kindern zu tun, von denen keiner wirklich selbstständig arbeiten kann und einige behinderungsbedingt für einen gewissen Geräuschpegel sorgen.

Oi, das erschwert die Sache ungemein, klar big_gruebel Sonniger Süden - hmm, Ecksberg? Da wüsst ich jetzt auch nicht, wie man die Sprechzeit runterbringt.

Ich singe in einem Chor i.d.R. auch nur in einer Stimme (bis auf gelegentliche Ausflüge ;) ), aber der Trend geht ja zum Zweit- und Drittchor... ;)

_________________
Viele Grüße
Monika


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 28.05.2017, 16:49 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Wo auch immer Ecksberg ist... Aber da komme ich nicht her! big_faulenz
Nein, aber im Ernst: Zweitchor hatte ich mal kurz überlegt, aber dann die FInger weggelassen, weil es a, sehr viele Dinge gibt, die ich auch noch gerne mache und ich b, die Befürchtung habe, dass ich dann sehr viele Terminkollisionen haben werde, zumindest, solange mein Erstchor so aktiv ist.

LG Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 19.12.2018, 17:19 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 22.10.2012, 23:00
Beiträge: 80
Vorname: Sabine
Nachname: S.
Hallo zusammen,
nach langer Zeit hole ich diesen Strang mal wieder hoch. Eineinhalb Jahre Technikumstellung liegen hinter mir - eine Zeit mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen. Aber die MÜhe hat sich gelohnt. Ich weiß jetzt, wo ich hingehöre - in den Sopran. Ich fühle mich damit auch ganz wohl. Auch wenn es lange gedauert hat, bis ich akzeptieren und zulassen konnte, dass die hohen Resonanzen zu mir gehören und sein dürfen (auch wenn sie mir lange Zeit furchtbar laut, aufdringlich und schrill vorkamen). Letztes Wochenende habe ich meine erste Messe im Sopran mitgesungen und ab der Hälfte habe ich das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen,weil es sich einfach nur gut angefühlt hat. Und weil ich froh bin, endlich wieder meinen Platz zu haben. Sopran war für mich lange nicht denkbar, der Alt hat sich aber sehr schnell falsch angefühlt, da über weite Strecken einfach zu tief. Was folgte, war eine Zeit der inneren Zerrissenheit. Und diese Zeit liegt nun hinter mir.
Ein erstes Solo-Vorsingen im Rahmen eines Schülerabends liegt nun auch hinter mir, bei dem meine Eltern anwesend waren. Und zum ersten Mal kam von meiner Mutter mal nicht der Kommentar, ob man "so hoch" singen müsse, sondern einfach nur die Aussage, dass es ihr saugut gefallen hat und sie total begeistert ist, wie sich meine Stimme anhört.
Das wollte ich mit euch teilen.

Viele Grüße

Rotkehlchen


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 19.12.2018, 22:35 
Offline
Mitglied
Mitglied

Registriert: 02.09.2017, 16:24
Beiträge: 65
Vorname: C
Nachname: S
Das ist schön zu lesen, danke für dein Update!


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 20.12.2018, 18:18 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender

Registriert: 02.01.2013, 18:02
Beiträge: 351
Vorname: Monika
Nachname: C
Rotkehlchen hat geschrieben:
Letztes Wochenende habe ich meine erste Messe im Sopran mitgesungen und ab der Hälfte habe ich das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen,weil es sich einfach nur gut angefühlt hat. Und weil ich froh bin, endlich wieder meinen Platz zu haben. Sopran war für mich lange nicht denkbar, der Alt hat sich aber sehr schnell falsch angefühlt, da über weite Strecken einfach zu tief. Was folgte, war eine Zeit der inneren Zerrissenheit. Und diese Zeit liegt nun hinter mir.
Ein erstes Solo-Vorsingen im Rahmen eines Schülerabends liegt nun auch hinter mir, bei dem meine Eltern anwesend waren. Und zum ersten Mal kam von meiner Mutter mal nicht der Kommentar, ob man "so hoch" singen müsse, sondern einfach nur die Aussage, dass es ihr saugut gefallen hat und sie total begeistert ist, wie sich meine Stimme anhört.
Das wollte ich mit euch teilen.

Das klingt doch super! big_applaus Danke für Deine Rückmeldung.

_________________
Viele Grüße
Monika


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Sopran mit "Höhenangst"...
BeitragVerfasst: 20.12.2018, 22:34 
Offline
Moderatorenanwärter
Moderatorenanwärter
Benutzeravatar

Registriert: 26.01.2006, 23:14
Beiträge: 1356
Wohnort: Wiesbaden *31.01.
Vorname: F.
Nachname: L.
Zitat:
Sopran war für mich lange nicht denkbar, der Alt hat sich aber sehr schnell falsch angefühlt, da über weite Strecken einfach zu tief. Was folgte, war eine Zeit der inneren Zerrissenheit. Und diese Zeit liegt nun hinter mir.


Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Freut mich, dass du für dich auch Klarheit geschaffen hast :92

_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 19 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

"Walzer-Lieder"
Forum: Literatur
Autor: Octaviane
Antworten: 4
Gleiche Töne bei Frauen- und Männerstimmen "anders"?
Forum: Stimme
Autor: AK-Kontraalt
Antworten: 8
Massenet "Werther"
Forum: Oper, Operetten, Musical
Autor: Anonymous
Antworten: 26
Die Rechte etc. an "Happy Birthday"
Forum: Allgemeines
Autor: Anonymous
Antworten: 4

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron




Hosted by iphpbb3.com

Impressum | Datenschutz