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 Betreff des Beitrags: Schlimme Krise!
BeitragVerfasst: 04.04.2007, 23:28 
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Hallo ihr Lieben,
ja jetzt hat es mich ganz schwer erwischt, ich bin in einer totalen Sängerkrise und weiß nicht, ob ich mich wieder aufraffen kann, um weiter zu machen. :n17:
Letzte Woche hatte ich ein Vorsingen, was mich sehr sehr nachdenklich gemacht hat. Wenn ich selbst mit meiner Leistung zufrieden gewesen wäre, hätte es mich nicht so sehr gestört, dass ich nicht genommen wurde, aber ich war wirklich nicht gut, genau genommen, war ich so schlecht, dass ich selbst erschüttert bin über meine schlechte Leistung und mich jetzt frage, ob ich überhaupt auf dem richtigen Weg bin!?
In den letzten Tagen habe ich sogar darüber nachgedacht, den Gesang einfach ganz hinzuschmeißen, weil ich einfach nicht vorwärts komme. Ich habe schon so lange kein Erfolgserlebnis mehr gehabt und irgendwann möchte man ja auch mal ein paar kleine Loorbeerchen ernten.
Das Problem bei mir ist auch, dass ich zwar eine Lehrerin habe, diese aber selbst noch singt und eher wenig Zeit für mich hat, ich komme stimmlich nicht voran, aber gerade jetzt wäre es unglaublich wichtig für mich, richtig fit zu werden für Vorsingen, ich bin zwar "erst" 28, aber jetzt sollte ich wirklich Gas geben, wenn ich noch irgendwo an eine Bühne will.
Es ist auch so schwierig die richtige Lehrerin zu finden, ich denke mittlerweile, dass es einfach ein riesen Glück ist, wenn man die oder den richtigen Lehrer findet, der einen unterstützt und mit dem man einige Jahre intensiv arbeiten kann, bei mir war es leider bis jetzt immer ein hin und her.
Habe nun schon fast eine Woche keinen Ton mehr gesungen, weil ich so enttäuscht von mir bin. Ja ich wollte noch nicht mal darüber nachdenken oder reden.
Jetzt überlege ich schon welche Alternativen ich hätte, zum Beispiel Ausbildung als Lögopädin, oder irgend etwas anderes studieren. Ich bin kein Typ der gerne halbe Sachen macht, also entweder ich gebe mich richtig mit Herzblut dem Gesang hin, oder gar nicht. Ich müsste also einen Schlussstrich ziehen, aber wenn ich bedenke, dass ich schon 5 Jahre diesen Weg des Gesangs gehe und es die ganze Zeit unbedingt machen wollte, ist es wirklich sehr hart jetzt einfach alles aufzugeben!
Aber vielleicht besser jetzt, als noch später, jetzt könnte ich mich irgendwie noch umorientieren, ich habe schließlich alles auf eine Karte gesetzt und keine weitere Ausbildung gemacht.

Das klingt alles vielleicht etwas konfus und ich erwarte auch gar nicht, dass mir hier jemand die Entscheidung abnimmt, aber vielleicht bekomme ich wieder einen klareren Blick, wenn ich ein paar andere Meinungen und Perspektiven bekomme. Vielleicht bin ich ja auch nur zu ungeduldig, muss noch viel härter an mir arbeiten, aber ich will ja auch nicht total verbissen an der Sache festhalten, das könnte auch nach hinten losgehen. Meine Gesangslehrerin meint zwar, dass meine Stimme durchaus die Qualität für eine solistische Laufbahn hat, aber leider reicht das ja nicht, es gehören noch so viele andere Komponenten dazu, und momentan zweifle ich daran, dass ich die alle erfülle. Ist das normal, geht es jedem irgendwann mal so? Oder sind das schon Zeichen, dass ich es nicht schaffen werde?? Oder sollte ich einfach weiter machen, so von wegen "einfach nie aufgeben, dann schafft man es auch"??

Liebe Grüße von der geknickten Najade Bild


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 00:03 
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Hallo

ich verstehe dich total, auch wenn ich nicht anstrebe und somit auch nicht den Druck habe umgehend den Weg an die Bühne zu schaffen.

Ungeduld, Verzweiflung, Rückfälle oder immer wieder an ein und derselben "Baustelle" an sich arbeiten, Tränen, Selbstzweifel und und und ach wie sehr ich das kenne. Vor kurzem hat mich eine Bekannte (wir sangen damals im gleichen Chor)gefragt, nachdem ich etwas intensiver über G.unterricht mit ihr gesprochen hatte und auch die o.g. Punkte angesprochen hatte, ob ich diesen Weg auch gegangen wäre wenn ich das alles vorher gewußt hätte. Ich antwortete ihr darauf, daß ich wohl einige Wege in meinem Leben nicht eingeschlagen hätte, wenn ich sie vorher gewußt hätte, aber wir haben das Glück es vorher nicht zu wissen und gerade was den Gesang betrifft bin ich dankbar darüber. Klar ist es schwer, wenn man gerade in einem Loch sitzt und nur dunkle Wolken über sich sieht, geht mir nicht anders und oft habe ich mich schon gefragt "warum tust du dir das an..........." aber ich habe genau diese Entscheidung mich intensiv mit Gesang zu beschäftigen nie bereut. Ich habe gerade dadurch seeeeeehr viel über mich erfahren und kennengelernt und jaaaaaaa ich bin geduldiger geworden, auch wenn ich immer wieder zurückfalle und gerade die Geduld mich ausbremst, denn ich will schneller sein wie ich Schritte machen kann bzw. wie es überhaupt möglich sein kann.

Aus jedem Tief habe ich immer etwas gelernt und ganz ehrlich es gibt viel mehr schöne Erlebnisse und Glücksgefühle, wie Tiefschläge hmm nur die Tiefschläge daran erinnert man sich eher wenn man gerade wieder mal negativ denkt........

Kann es sein, daß du evt. eine G.lehrerin brauchst, die mehr Zeit für dich hat und auch regelmäßig unterrichten kann? Gerade wenn du dir selbst diesen Druck machst ".......... ich muß Gas geben.............die zeit drängt....etc" Auf sich alleine gestellt zu sein und schnell an die Bühne zu wollen, ich glaube da ist das Loch in das man fällt schon vorgegeben..... nur eine Vermutung von mir.

Vor kurzem hatte ich auch die Situation, daß ich aus div. Gründen nicht mehr fähig war meine Stimme mir anzuhören. nein ich meine nicht, daß ich mir Aufnahmen anhören konnte. Nein ich war nicht mal fähig zu singen, es war schlimm, einfach nur schlimm, denn ich wollte zum einen singen aber hatte Panik meine Stimme zu hören. Kann und muß nun niemand verstehen.............es war einfach so. Es bedarf viiiiiiel Feingefühl und guter Worte von einer bestimmten Person, daß ich wieder Vertrauen zu mir und meiner Stimme fand. Wer mich kennt kann sich das evt. schwer vorstellen .......

Ich kann dir nur soviel sagen, hör auf dein Herz, wenn du das Zeug dazu hast um den Gesang wirklich profihaft zu machen. Wärst du glücklich mit einem anderen Beruf, auch wenn es mit Gesang im weiteren Sinne etwas zu tun hat? Klar kann man den Gesang auch neben dem anderen Beruf ausführen, jedoch ist das wirklich schwer und verlangt sehr viel von einem. Nein ich spreche nun nicht unbedingt aus eigenen Erfahrungen, ich kann es mir jedoch gut vorstellen. Ich selbst mach meine G.ausbildung neben dem Job und auch unsere Konzert vom Belcanto-Ensemble laufen neben dem Job und das ist wirklich nicht ohne............ Zudem hat man ja auch nicht unbegrenzten Urlaubsanspruch und und und...
Es gibt so einige hier im Forum, denen es genauso geht ....

Ach ja und etwas gutes hat es doch auch auf sich, wenn man im Tal sitzt ..... es kann nur noch aufwärts gehen. Willst du im tiefsten inneren wirklich alles hinwerfen????? Nö ganz bestimmt nicht oder doch?


Liebe Grüsse
Chero


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 06:04 
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Liebe Najade, erstmal danke für dein Vertrauen. Über solche Sachen öffentlich zu schreiben, ist nciht leicht.
Ich kenne extreme Krisen auch aus eigener Erfahrung bestens und glaube, dich verstehen zu können.
Manchmal steht man im Leben an einem richtigen Scheideweg und dann ist eine Ent-Scheidung so schwer, dass man glaubt, den Boden unter den Füssen zu verlieren.
Man kann Dir da von ferne schwer ein Patentrezept mitgeben. Ich kenne weder deine Stimme noch weiss ich , welcher Typ Mensch Du bist und in welchen Umständen Du lebst.(ob Du z.B. unbedingt auf ien sofortiges festes Einkommen angewiesen bist)
All das spielt ja auch eine wichtige Rolle.
Deshalb hûte ich mich hier, dir jetzt zu sagen: setze alles auf den Gesang, sondern sage lieber was zur Entscheidungsfindung .
Ich stand vor drei Jahren vor der sehr schweren Entscheidung , mein Leben total umzukrempeln.
Meine Arbeit in Deutschland aufgeben, meine Unabhängigkeit, meine Familie und Freunde zu verlassen, vor allem meine knapp erwachsene Tochter, die nicht mit nach Frankreich wollte, mein ganzes soziales Umfeld in das ich eng eingebunden war und meine Heimat und Sprache.
Ich wusste nciht, was mich in Frankreich erwartet, konnte die Sprache nciht, kannte so gut wie niemanden und hatte keine Aussicht, in absehbarer Zeit ,irgendeinen eigenständigen Weg zu finden.
Mein Herz hat natürlich eine ganz andere Sprache gesprochen, aber es gab daneben genug Argumente, die jeder vernünftige Mensch auch hätte gelten lassen.
Wie soll man da zu iener Entscheidung kommen?
Es hat eine gute Weile gedauert und ich habe mit sehr vielen Menschen gesprochen und mir von denen, die mich gut kennen manche verschiednen Standpunkte angehört.
Vertrauenspersonen können Blickwinkel öffnen, die man noch nciht gesehen hat.
Dann habe ich um Träume gebeten. So seltsam das klingt: es funktioniert. Um die Stimme des Unterbewusstsein zu hören ist das für mich ein Königsweg. Und es kamen eindeutige Träume, die mich wirklich SEHR unterstützt haben.
Ich habe mir auch iene persönlcihe Auszeit genommen und bin ganz alleine verreist und habe eine Einkehr mit Schweigen in einem Haus der Stille gemacht.
Wenn es um eine Lebensentscheidung geht, vor der du ja nun stehst, ist Sorgfalt angesagt. So spontan ich sonst bin, und so direkt ich fast immer dem emotionalen Weg folge-es gibt Dinge, die bedürfen gründlcihster Reflektion, weil ihre Folgen einfach umfassend sind.
Bei Dir kann das z.B. acuh Vorsingen und Einschätzung bei ehrlcihen, erfahrenen Menschen einschliessen, die eine andere Sicht als Deine Lehrerin mitbringen und sich im harten Sängermetier auskennen.
Ich würde mir jede Hilfe holen und gönnen ,die ich kriegen kann und DANN in Klausur gehen und auf Deine innere Stimme hören.
Alles alles Gute und viele Engel zur Seite wünscht Dir
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 06:57 
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Liebe najade,

zuerst will ich dir mein Mitgefühl für deine Situation ausdrücken, ich kann in etwa nachvollziehen, wie du dich fühlst.

Ich weiß nicht, wie oft du schon zum Zweck, irgendwo genommen zu werden, vorgesungen hast. Wenn es das erste Mal ist, ist der psychische Druck durch die Fremdheit der Situation z. B. sehr hoch. Auch das muss trainiert sein.

So ein Vorsingen benötigt eine sehr umfassende und wahrscheinlich länger dauernde Vorbereitung. Dabei geht es nicht allein darum, dass du deine Stücke musikalisch kennst, sondern auch, dass du als ganze Person mental präsent sein kannst. Dafür wäre es z. B. u.a. nötig gewesen, regelmäßig GU zu haben und dort gezielt technisch zu arbeiten, und deinem Post entnehme ich, dass du das nicht hattest.

Auf jeden Fall sollstest du m. E. gerade in der emtional aufgewühlten Befindlichkeit die Entscheidung über den weiteren sängerischen Weg keinesfalls übers Knie brechen, sondern in aller Ruhe reifen lassen. Auch das Thema Vorsingen und deine damit verbundenen Träume würde ich keinesfalls zu früh aufgeben, sondern planvoll durchdenken. Vielleicht liegt es einfach daran, dass du die genannte Vorbereitung anders gestalten sollstest in Zukunft.


Ich wünsche dir, dass du du deinen guten Mut wiederfindest,

dola


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 08:19 
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Liebe najade,

ich schreibe dir eine PN.

Ciao. Gioachino :hearts:


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 08:34 
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Liebe najade,
oh wie gut ich das kenne :
vorgesungen, selbst beim Vorsingen das Gefühl gehabt, das wird nix, nicht genommen worden, ins tiefe Loch gefallen, Selbstzweifel.

Ich habe auch alles hinwerfen wollen, das braucht Zeit, mit sich wieder ins Reine zu kommen. Und es braucht Menschen, die einen wieder beim aufbauen helfen. Eine gute Freundin oder Freund, Ehemann oder wer auch immer. Und auch der oder die GL kann helfen. Ich habe statt Unterricht ein langes Gespräch geführt und sozusagen innerlich und gesanglich aufgeräumt, eine positiv-Liste geschrieben und mit der GL nach Ursachen gesucht. Und dann haben wir zusammen überlegt, wie es weitergehen soll.

Ich denke, wenn man solche "Schläge" erhält ( und das ist ja nicht nur 1 mal im SängerInnenleben) sollte man erstmal innehalten, "verdauen" und dann ( evtl mit anderen zusammen) überlegen, wohin der Weg gehen soll und was die ersten Schritte sein können.

Liebe Grüße,
Uralt


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 08:56 
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gioachino hat geschrieben:
Liebe najade,

ich schreibe dir eine PN.

Ciao. Gioachino :hearts:


SCHADE, denn gerade die Meinung eines G.pädagogen zu diesem Thema hätte wohl nicht nur mich interessiert.

Viele Grüsse
Chero


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 08:58 
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Vielen Dank schon mal für eure lieben Antworten, natürlich kann ich auch mit meinen Freunden darüber reden, aber es ist schon etwas anderes, weil die meisten sich in diesem Bereich nicht auskennen, bzw. keine Ahnung über diesen Beruf haben, in einem Gesangsforum sieht das schon anders aus. :n110: Darum habe ich hier ein Bißchen mein Herz ausgeschüttet, weil hier viele nachvollziehen können wie es mir geht und ihr einfach ganz liebe Zuhörer (Zuleser :) seid! :love:
Es war nicht mein erstes Vorsingen, aber überragend viele hatte ich jetzt auch nicht, ungefähr 5 waren es bisher, fast alles Wettbewerbe, beim aller ersten war es ganz grauenvoll (jetzt fällt mir auch ein, dass ich damals die selbe Arie gesungen hatte) und bei ein paar anderen war ich eigentlich zufrieden mit mir, auch wenn ich nicht in die nächste Runde gekommen bin. Aber beim letzten Vorsingen ist es wirklich so gewesen, dass ich gesungen habe, als hätte ich erst ein Jahr Unterricht, das ist schon sehr bedenklich glaube ich. Ich habe mich aber natürlich nicht getraut jemanden von der Jury zu fragen, was sie über mich denken und wie meine Chancen aussehen.
Ja mein Herz hat bis jetzt immer dominiert, was diesen Weg betrifft, ich habe auch das Glück, nicht so sehr unter Druck zu stehen ein Engagement zu bekommen, aber im Moment ist die Kampfeslust nicht mehr da, diese ganze Theaterwelt hat ja sowieso so einige Schattenseiten, dann jeden Tag die Sorge um die Stimme, man denkt einfach automatisch "ich darf nicht krank werden" "bloß nicht zu viel Alkohol" "ist die Stimme heute überhaupt da?!" etc. irgendwann nervt das, vor allem wenn man gar kein Ergebnis sieht :(
Aber vielleicht bin ich auch wirklich einfach nur zu ungeduldig und darf nicht einfach so aufgeben, vielleicht würde ich das in ein paar Jahren total bereuen?!
Ihr habt recht, ich muss es ja nicht jetzt sofort entscheiden, ich werde da noch einige Nächte drüber schlafen und auch mit meiner Gesangslehrerin darüber reden, sie weiß ja noch gar nicht, dass ich übers Aufhören nachdenke.
Liebe Canti, ich war auch schon mal in einem Haus der Stille!! Das finde ich ja toll, dass Du das auch kennst! Aber als ich von dort wieder abgereist bin, hätte ich lieber auf diese laute und oberflächliche Welt verzichtet und wär am liebsten gleich in ein Buddhistisches Kloster gezogen. :lol:
Aber irgendwie kommt man dann doch wieder in den alltags Trudel und läßt sich mitreißen. Es ist schon interessant, wie schwierig es ist, die innere Stimme zu hören, oft steht man sich auch einfach nur selbst im Weg.
Ich danke euch jedenfalls sehr für eure Anteilnahme, ich muss mir das wirklich noch genauer überlegen, man macht es sich ja auch fast etwas einfach, wenn man einfach alles hinschmeißt.
Liebe Grüße
Najade


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 09:16 
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Liebe najade,
Ich fürchte, diese Phasen gehören einfach zum Berufsleben dazu. Und bei Sängern ist es besonders schlimm, weil die Stimme nunmal ein sehr anfälliges Arbeitsmittel ist und man zudem von der Bewertung anderer ganz stark abhängt.

Sei versichert, Du bist nicht die einzige, die in dem Job an Selbstzweifeln leidet.
Kleines Beispiel:
Eine Freundin von mir ist Mitte 20 und versucht auch in den Beruf reinzukommen. Sie ist wirklich gut und kommt als Person auch gut rüber. Ich habe sie vor kurzem zu einem Vorsingen begleitet und sie hat sich anscheinend von der Situation so einschüchtern lassen, dass sie bei der Probe mit der Pianistin gesungen hat wie ein blutiger Anfänger. Höhe total weg, Intonation völlig daneben, überhaupt kein Glanz in der Stimme. Sie war drauf und dran, ihre Sachen einzupacken und zu kneifen. Ich hab dann eine halbe Stunde auf sie eingeredet wie auf ein krankes Pferd ("Wenn Du jetzt kneifst, kneifst Du beim nächsten Mal wieder) und sie kurz bevor sie dran war nochmal ein paar Töne singen geschickt. Und - oh Wunder - es war alles wunderbar. Sie wurde nicht genommen, aber sie hat die Situation überstanden.
Ihr GL meinte, das wären eben die Erfahrungen, die man in der "Vorsingen-Phase" macht. Wichtig ist, dass man aus diesen Erfahrungen lernt und dadurch stärker wird.

LG und toi toi toi
mezzo


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 09:33 
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Liebe Najade,

Mezzo hat das gerade schon wunderbar auf den Punkt gebracht - und ich hatte gestern ein höchst interessantes Gespräch mit meinem Lehrer.

Dieser macht grade einen Fachwechsel zum Heldentenor und hat in einem Konzert zum 1. Mal dies neue Repertoire gesungen (er singt aber seit über 20 Jahren). Und er fühlte sich in seiner Eigenwahrnehmung gar nicht gut, ist nach dem Konzert geflüchtet. Die Kollegen haben ihm dann berichtet, dass es im Gegenteil sehr schön war.

Und mir selbst ging es vor einigen Wochen ebenfalls so, dass ich in einem Wettbewerb mein Repertoire nicht gut genug konnte, mich dadurch sehr unsicher fühlte. Ich bin dann auch geflüchtet. Eine Woche später habe ich bei einem Konzert eine der Jurorinnen getroffen und sie fragte, warum ich denn abgehauen sei, sie hätte gerne mit mir gesprochen. Als ich ihr sagte, dass ich mich so geschämt habe, weil ich so schlecht war, hat sie nur gelacht, alles klar.

Damit möchte ich Dir sagen, lass Dich nicht von einem Misserfolg niederziehen. In künstlerischen Berufen gehört es dazu, dass man vorsingt/vorspielt und nur einer genommen wird - 99 also "Misserfolg" hatten.

Hier in Paris bewerben sich um eine Chorstelle im Sopran (an der Oper)
150 Soprane - die 149, die den Job nicht kriegen, sind nicht alle schlechte Sängerinnen.

Aber, ich bin natürlich mit meinen Vorrednern einig, wenn Du mehr Betreuung und Zuspruch brauchst (das kommt auf viele Faktoren an), dann musst Du Deine Situation überdenken. Auch die Repertoireauswahl ist sehr wichtig, da solltest Du nicht allein gelassen werden.
Aber Misserfolge sollen Dich nicht schwächen, sie sollten Dich stärker machen - im Sinne von "jetzt erst recht".

Ich sende Dir ganz viel positive Energie und wünsche Dir recht bald die Kraft zum Weitermachen.

Liebe Grüsse von Casta

_________________
La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 10:23 
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Liebe Najade,
eigentlich ist schon alles gesagt hier, doch will ich dir aus der Sicht einer Gesanglehrerin ein paar Worte sagen.

Jeder, der eine Gesangsausbildung macht und zum Vorsingen geht, hat schon mal erlebt abgewiesen zu werden. Das ist im Moment schlimm, zeigt dir aber auch einen Weg intensiver zu lernen, mit dem Ziel, beim nächsten Mal klappt es sicher.

Bei der Vielzahl der Bewerbungen ist es sehr schwer in der heutigen Zeit und es gibt wirklich super Sänger, auch sie lernen, dass sie bei Vorsingen nicht immer das Glück haben genommen zu werden.

Es ist ein weiter Weg und Geduld steht da an erster Stelle. Es muss nichts mit deiner Stimme zu tun haben, meistens werden bestimmt Sängerinnen oder Stimmen gesucht, die den Vorstellungen der Jury entsprechen, vielleicht für einen bestimmten Zweck. Vielleicht ist es aber auch deine Präsentation, die den Vorstellungen nicht entsprechen. Es gibt viele Gründe nicht genommen zu werden und hängt nicht immer von der Stimme ab.

Gute Vorbereitung von Seiten deiner Lehrerin ist sehr wichtig, sie sollte dich tragen und mit dir durch dick und dünn gehen. Sie ist ein Teil von dir in der Ausbildung und sollte dir immer zur Seite stehen.

Wenn einige Tage ins Land gegangen sind, denkst du schon ganz anders darüber. Habe Geduld und geh deinen Weg, den dir dein Herz sagt, auch wenn du mal wieder Nackenschläge bekommst.

Kopf hoch....es wird schon.

Liebe Grüsse

_________________
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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 10:56 
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Liebe najade,

es ist schon viel gesagt worden, dem eigentlich kaum noch etwas hinzuzufuegen ist. Trotzdem vielleicht noch einige Worte von mir dazu:

Misserfolge gehoeren zum Saengerleben leider dazu, und das ist erst einmal sehr ernuechternd. Die Konkurrenz ist hart. An sich weiss man das ja auch und kann damit gut leben. Kritisch wird es dort, wo man mit der eigenen Leistung nicht mehr zufrieden ist.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es manchmal hilft, den Druck herauszunehmen. Wir tendieren ja oft dazu, zu sagen: "Weiter geht's, ich lebe in einer Leistungsgesellschaft, ich MUSS die A***backen zusammenkneifen, sonst bin ich ein Versager."
Manchmal brauchen Koerper, Geist und Seele aber einfach diese Auszeit. Ich hatte auch die Phase, wo ich dachte, ich schmeisse alles hin und singe nie wieder. Ich habe damals die Ausbildung abgebrochen, allerdings kam da auch noch eine stimmschaedigende Dozentin dazu. Trotzdem haette es da sicher Wege gegeben. Warum ich die nicht gegangen bin? Weil ich die Zeit brauchte. Ich habe danach wirklich mit sehr angezogner Handbremse gesungen, war auch nicht sonderlich motiviert.
Ich weiss aber heute, dass das richtig war, weil es mir erlaubt hat, den Kopf wieder freizukriegen und den Gesang erstmal "drucklos" und nur als Hobby zu sehen. Das Beduerfnis, mehr daraus zu machen, kam irgendwann wieder von selbst, und ich glaube, dass das bei jedem "echten" Saenger so ist. Der Koerper und die Seele geben einem aber auch manchmal Zeichen, und auf die sollte man hoeren. Und man sollte sich nicht zu etwas zwingen, wenn es momentan nicht geht - die Gefahr, eine dauerhafte Abneigung zu entwickeln, ist zu gross.

Canti und ich sind Schwestern im Geiste, unsere Lebenswege sind in Teilen sehr aehnlich. Mir ging es die letzten zwei Jahre aehnlich wie ihr, und auch ich kann nur sagen: Wenn man denkt, es geht nicht mehr, tun sich ploetzlich wunderbare Wege auf, und man "hoert" den Ruf, eine Aenderung herbeizufuehren, ganz deutlich. Man spuert selbst, wann die Zeit reif dafuer ist. Ist das nicht so, ist es auch nicht so. Klingt banal, ist aber eine Tatsache. Ploetzlich passieren an allen Ecken und Enden Dinge, die einem ganz deutlich den Weg zeigen. Und obwohl meiner recht beschwerlich ist, habe ich jetzt die Energie, das alles zu tun und bin SEHR gluecklich damit. In Deutschland war vieles theoretisch einfacher, trotzdem habe ich dort die kleinsten Dinge nicht auf die Reihe gekriegt, weil ich noch nicht soweit war und mein Umfeld mich auch nicht trug. Das heisst nicht, dass man seinen Weg nicht allein gehen muss, aber in einem ungesunden Umfeld kann man auch nicht aufbluehen.

Fuer eine "echte" Buehnenlaufbahn in meinem Bereich bin ich mittlerweile auch eher zu alt. Hier habe ich aber gsd die Chance, trotzdem in guten Produktionen an grossen Theatern mitzuspielen. Amateurtheater (deren Mitglieder fast alle Profis sind, paradoxe Situation) haben hier auch nicht den Status, den sie in D haben, da das hier vorrangig was mit Foerdergeldern zu tun hat und es so gut wie keine Profiensembles gibt (nur in den ganz grossen Staedten). Sprich, ich verdiene damit nur wenig Geld, aber das macht nichts. Dadurch haben sich fuer mich aber andere, zusammenhaengende Arbeitsbereiche aufgetan. Die Buehne ist nicht alles, es gibt so viele andere Moeglichkeiten. Ich weiss, dass das wahrscheinlich erstmal nicht hilft, wenn man an die Buehne will. Ich haette das vor Jahren wahrscheinlich auch anders gesehen.

Heute finde ich es ungemein befriedigend, selbst mit Schuelern zu arbeiten, zu sehen, wie sie Fortschritte machen. Wenn ich auf der Buehne stehe, befriedige ich vornehmend meine eigene Eitelkeit. Das ist beim Unterrichten ganz anders. Wenn da bei einem Schueler der Knoten platzt, freut einen das aufrichtig, das ist das allerschoenste Geschenk, und es geht nicht nur um einen selbst. Schwer zu beschreiben ...

Ich wuerde um nichts in der Welt tauschen wollen, auch, wenn es finanziell schwer ist. Aber das klang ja an anderer Stelle schon durch: Die, die vom Gesang allein leben koennen, sind rar gesaet. Wenn man den Druck spuert, das ganze Einkommen aus dem Gesang zu bestreiten, kann einen das schon zur Verzweiflung bringen. Nebenher jobben geht aber immer, man muss sich nur gut ueberlegen, in welchem Bereich. Da ich auch so ein 100 Prozent-Mensch bin, kommt ein Job ausserhalb des Gesangs, in dem ich echte Verantwortung zu tragen habe, fuer mich nicht mehr in Frage, weil ich wuesste, dass ich mich da wieder verfranse und der Gesang darunter leidet.
Es gibt aber so viele Nebenjobs, die man wirklich an der Tuerschwelle hinter sich lassen kann, wenn die Zeiten doch mal hart werden, OHNE, dass man dadurch Energie fuer den Gesang verliert.

Klingt jetzt wahrscheinlich auch alles ein wenig konfus. Ratschlaege geben koennen wir Dir hier eh nicht, weil nur Du allein Deinen Weg finden kannst. Aber vielleicht hilft es ja, wenn Du die Lebenswege anderer Leute kennenlernst. Und noch mal: Was Du gerade durchmachst ist (leider) ganz normal, irgendwie scheint das dazuzugehoeren. Es geht aber ach wieder vorbei ...


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 11:25 
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Das, was Epo hier schreibt, hätte auch von mir sein können..... :love:
Und davon aniumiert, will ich noch was sagen, was ich ganz wichtig finde: es gibt nicht nur ALLES oder NICHTS, also entweder NUR singen oder GAR NICHT singen.
Wenn Du vom Singen nicht leben kannst, weil Du kein Engagement findest(was mit 28 ja nun noch lange ncith raus ist) aber auch nciht ohne Singen leben kannst, weil es iene tiefe Leidenschaft in Dir ist, dann gibt es 1001 Alternativen. :n2:
Und die massgeschneiderte für Dich ist auch dabei.
Ich bin eine von denen , die
ûberhaupt nie gedacht hat, irgenbdwas mit Gesang anfangen zu können oder zu sollen und da ich erst mit weit über 30 überhaupt die erste Unterrcihtsstunde hatte, käme eine professionelle Laufbahn als Sängerin selbst dann nciht mehr infrage, wenn ich gut genug dafür wäre.
Aber ich singe nun trotzdem, bin zur Zeit ganz davon erfüllt und engagiere mich mächtig . Ich weiss aber auch , dass das Leben nciht nur aus Singen besteht und es immer noch viele andere Talente und Wege gibt, die sich mir öffnen würden, wenn nötig.
Wenn Du das vor Augen hast, bist Du viel lockerer, und gelassener und gehst auch anders zu den Vorsingen. Epo sagt es in anderen Worten ebenso.
In diesem harten Geschäft brauchst Du ncith nur Stimme. Da entscheiden viele Faktoren, auch Persönliche Ausstrahlung, Auftreten, und Beziehungen und natürlcih viel "Glück". Um da alles auf iene Karte zu setzen und diese Entweder/Oder Entscheidung zu treffen, die Du andeutest, würde ich wirklcih mehrere neutrale richtig profesionelle Ratgebern zuziehen, denen du unverbindlcih zur Chancenbeurteilung vorsingst. Wahrscheinlcih hat Gioachino Dir da schon Rat gegeben. Ich kann Dir bei Bedarf auch noch iene Professorin in Deiner Region nennen, die schon seit langen Leute auf Aufnahmeprüfungen vorbereitet und im Operngeschäft Bescheid weiss. Und hier gibt es etlcihe erfahrene Leute, die keinen Schmu machen und denen Du vieleleciht mal vorsingen kannst?????
Und wenn es das dann nciht sein sollte: das ist zunächst ein furchtbarerSchlag, aber Deine Talente gehen nciht unter und der Gesang läuft nciht weg und es finden sich Pfade und Wege, die ganz und gar unerwartet kommen, aber einfach zusammen passen wie ein Puzzle.
Ich bin auch ein lebendes Beispiel dafür, so wie Epo.
Nochmal bon courage
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 05.04.2007, 13:33 
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DANKE Euch allen!!! Es hilft mir schon sehr, von Euren Erfahrungen und Sichtweisen zu lesen! Wenn man sich in so einem Loch befindet, sieht man oft vieles zu negativ und begrenzt. Enttäuschungen können schon sehr schmerzhaft sein, darum stelle ich es mir im Moment schwer vor, weiter zu machen, und sei es auch nur als Hobby, vorerst, weil ich beim Singen doch nur an die Enttäuschung erinnert würde. Aber ich glaube auch, dass sich das wieder legt und ich dann wieder richtig Lust bekomme zu singen.
Gesang mal zu unterrichten, war auch immer mein Ziel, ich denke sowas kommt bei vielen auch zwangsläufig, wenn man etwas gelernt hat, und erst recht so ein wunderbares "Handwerk" wie das Singen, dann hat man irgendwann auch das Bedürfnis, dieses Können weiterzugeben! Aber solange ich es eben nicht richtig kann und kaum Erfahrung in diesem Beruf gemacht habe, kommt es für mich auch nicht in Frage Gesang zu unterrichten, das ist schon eine große Verantwortung und das hatte ich mir eher für später aufheben wollen.
Aber es stimmt schon es gibt viele viele Möglichkeiten, und wenn ich einfach weiter das mache, was mir liegt und was mir Spaß macht, dann wird sich wohl hoffentlich irgendwann ein Weg kristallisieren. Ob als Sängerin, oder etwas anderes....
Ich muss dann unbedingt einmal mit meiner Gesangslehrerin reden, ob sie glaubt, dass sie mir wirklich helfen kann, oder ob ich auf Grund ihres Zeitmangels nicht doch eine neue Lehrerin suchen sollte.
Ich denke jetzt jedenfalls, auch nach Euren Ratschlägen, dass ich noch nicht einfach alles hinschmeißen werde, es wäre doch zu radikal, vielleicht nur eine kleinere Pause, vielleicht bekomme ich ja sogar noch eher als ich denke wieder Lust zu singen.
Jetzt werde ich aber erst noch ein Bißchen meine Wunden lecken und ein wenig sündigen, es wartet noch ein Schokohase auf mich :mrgreen


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