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 Betreff des Beitrags: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 09:51 
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Hallo,

gestern unterhielt ich mich mit einem wirklich langjährigen Mitglied unseres Männerchores. Er äußerte in diesem Gespräch, dass es doch selbstverständlich sein, dass man mit Herzblut dabei ist.

Ist das heute wirklich noch so ? Gerne dabei - ja. Manchmal auch mit Begeisterung. Aber mit Herzblut ? Dieser Sängerfreund ist Rentner und legt sogar seine Reisetermine so, dass sie nicht mit den Auftritten kollidieren.

Nun singe ich ja in drei Chören mit, aber mit Herzblut dabei, das sind vielleicht die ChorleiterInnen, sonst wüsste kaum jemanden.

Liegt es vielleicht am Altersunterschied, dass der o. g. Sängerfreund das Singen so wichtig nimmt ? Er ist über 70 Jahre alt, ich bin 57.

Wie wird das hier gesehen ?

Viele Grüße

Andreas


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 10:07 
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Lieber Andreas,

in der Tat, das gibt es sehr oft. Mein Mann war in einem großen bekannten Männerchor schon als junger Mann und er ging gerne, sie reisten viel in der Welt herum und jedes Konzert war ihm wichtig. In all den Jahren stellte er sich auf die Konzerte terminmäßig ein, ein Fehlen gab es nicht, denn dann durften die Konzerte nicht mitgesungen werden. Aber Herzblut? Ich weiß nicht ob das so war. Ein Kollege von meinem Mann war wirklich mit Herzblut dabei, für ihn gab es nichts anderes und er meinte, wenn er fehlen würde, dann ging nichts mehr und das bei 180 Sängern. Innerhalb dieses Chores gab es einen kleinen Chor und auch da war er mit Herzblut dabei, es gab für ihn nur eins....Chor. Seine Schwestern waren in einem Frauenchor und dort wiederholte sich das, was auch der Bruder mit Herzblut machte, keine Fehlproben, immer nur Singen, egal ob im Chor oder zuhause oder in kleinen Gruppen. Heute sind sie über 85, der Frauenchor besteht nicht mehr, aber eine kleine Gruppe hat sich daraus entwickelt und so singen sie heute noch und sind stolz darauf. Auch der Bruder singt immer noch in dem Chor, auch inzwischen schon lange Rentner. Für sie alle ist "Singen im Chor" das Allerwichtigste in ihrem Leben und wenn sie hinkriechen müssten, sie würden es tun.

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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 10:58 
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Hallo Andreas,

ich glaube, hier geht es um zwei Sachen... Die eine ist das Singen in einer Gemeinschaft, das "Mitglied einer Gruppe Sein".. Das hat sicherlich für viele Chormitglieder einen hohen Stellenwert. Sie sehen sich als unersetzliches Mitglied des Chores, lieben die Chormusik, die Auftritte und ggf das gesellige Beisammensein nach den Chorproben. Das ist also eher der soziale Aspekt , verbunden mit etwas, was man gerne macht, nämlich dem Singen. Da kann man durchaus mit Herzblut dabei sein, weil man die Gesellschaft der Chormitglieder mag und alles drum herum.

Dann gibt es noch den Aspekt des Singens als solches... Die meisten Sänger singen einfach für ihr Leben gern und brennen einfach dafür. Singen ist für sie eine Passion, auf die sie nie in ihrem Leben verzichten möchten. Und sie geben sicher ihr Herzblut mit hinein, sind nun aber nicht die, die unbedingt in einem Chor singen müssen.

Und wer nun für sein Leben nach den Chorproben und Auftritten ausrichtet, tut dies sicher primär aus dem sozial-gemeinschaftlichen Aspekt heraus. Wer dann noch für sein Leben gerne singt und sich in einem Chor wohl fühlt, der ist m.E. sicher mit Herzblut dabei.

LG Silje

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...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -
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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 16:58 
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Naja...

das ist jetzt alles eine Frage der Definition von "Herzblut". Und von deren Abgrenzung zur banalen "Begeisterung", sofern es die semantisch überhaupt gibt... Mir fallen da noch mehr Synonyme ein. Oder es ist auch nur eine Frage der Priorisierung.

Wenn jemand an einer bestimmten Aufführung teilnehmen möchte, dann kann ich nichts Eigenartiges daran finden, wenn die betreffende Person auch ihren Urlaub danach einrichtet und eine Nichtteilnahme allenfalls durch externe Ursachen aufgezwungen wird. Das würde ich nicht als "Herzblut" bezeichnen, sondern ganz trivial als "Terminplanung". Wie macht Ihr denn das, wenn Ihr ein Konzert plant? Legt Ihr Euren Urlaub genau auf diesen Termin um dann festzustellen "hoppala. So ein Mist..."??? Wohl eher nicht, oder? Ihr achtet doch sicher wie alle anderen Menschen auch darauf, daß Eure Termine möglichst keine Konflikte erzeugen? Wenn Ihr in Euerm Kalender keine Terminkonflikte generiert, "richtet Ihr dann tatsächlich Euer Leben nach Euern Auftrittsterminen aus", wenn Ihr diese bei der Planung anderer Termine berücksichtigt? Tut ihr das in diesem Fall wirklich nur "primär aus sozial-gemeinschaftlichen Aspekten heraus" oder nicht vielleicht auch ein klein wenig wegen der Musik oder des Auftritts als solchem halber oder (Profis) auch des Geldverdienens wegen? Ihr seht: Es gibt da mehrere Aspekte, vorschnelle Antworten führen da möglicherweise in den Urwald...

Wenn nun ein Auftritt ansteht, und die Teilnahme an einer Mindestzahl von Proben ist die Voraussetzung zur Teilnahme, dann ist das auch wieder nur eine Frage der Terminplanung und der Priorisierung. Da unterscheidet sich der Amateurchor nicht vom Profiensemble. Erst einen bezüglich Auftritt konfliktfreien Terminkalender zu erzeugen, und dann nicht zu den erforderlichen Proben erscheinen, wäre doch irgendwie doof, oder?

Aber mal die Frage an den Threadstarter: Machst Du es wirklich anders? Also kein regelmäßiger Probenbesuch, und Auftritte sind für Dich erst einmal hinter anderen beeinflußbaren Terminen nachrangig? Ich kann's (oder will's) mir ehrlich gesagt nicht vorstellen...

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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 18:48 
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Also ich singe sehr gerne, deshalb bin ich ja auch in den Chor gegangen, wo ich jetzt mitsinge.
Und ich bin jedesmal traurig, wenn ich etwas (bestimmte Stellen, oder Stücke, die nur der Kammerchor singt) nicht mitsingen darf ...
Aber: ich singe ja nur aus Hobby, ich bekomme dafür kein Geld, sondern muß ja noch etwas zahlen, daß ich überhaupt mitsingen darf. Das ist ja in Laienchören so üblich. Außerdem muß ich dazu noch die Noten kaufen, also nochmal Geld zahlen. Auch normal.
Da gibt es dann andere, die extra engagiert werden für Auftritte, die werden i.d.R. vermutlich bezahlt - ich weiß das nicht so genau, deshalb kann ich das nur vermuten.

Also für mich gibt es durchaus Situationen, in denen ich nicht zur Chorprobe gehe, z.B. wenn mein Kind krank ist und mich braucht, oder wenn ich selbst krank bin oder aus einem wichtigen anderen Grund.
Wenn dann der Chorleiter zu mir sagen würde, dass ich das Konzert nicht mitsingen kann, weil ich zu oft nicht bei der Probe dabei war, dann wäre das für mich vollkommen in Ordnung, dann ist das eben so, davon geht für mich die Welt nicht unter.


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 19:18 
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Hallo,

warum jemand nicht zu einer Probe oder zu einem Auftritt geht, ist ja in jedem Fall eine individuelle Entscheidung. Es wird wohl niemand aus Jux und Tollerei (wie man hier so sagt) dem Chorgeschehen fernbleiben. Deshalb habe ich mich auch immer an diesen Entschuldigungen beim Chorleiter gerieben und bin bis heute nicht so glücklich damit. Stichwort Eigenverantwortung.

Nun ist es bei drei Chören manchmal auch recht anstrengend. Sonnabend Auftritt, Sonntag Auftritt. Montag Probe, Mittwoch Probe. Freitag soll wieder ein Auftritt sein, aber die Begeisterung hält sich sehr in Grenzen, auch, weil sehr viele Lieder gesugen werden sollen (Volksmusik).

Zum Thema: das Wort "Herzblut" hatte der Chorfreund mit Bedacht gewählt, um zu unterstreichen, wie ernst es ihm ist.

Gruß

Andreas


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 09.10.2014, 19:43 
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Wenn es Dir zu viel wird, solltest Du ganz allein für Dich selbst entscheiden!
Ich frage mich immer: Was will ich? Was tut mir gut?
Ich meine natürlich, dass es ein großer Unterschied ist, ob man aus Hobby singt oder das beruflich macht.
Beruflich muß man da sicherlich auch schon mal an die Grenzen gehen - das muß man als Hobbysänger nicht.
Ich habe da ganz klar meine Präferenzen:
Zuerst kommt mein Kind, dann kommt meine Gesundheit, dann andere wichtige Punkte, und dann habe ich vielleicht noch andere Hobbies, die mir wichtig sind ... Aber bei anderen Hobbies ist natürlich auch immer die Frage: Kann ich das auf einen anderen Tag verlegen, daß ich keine Überschneidungen habe?


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 10.10.2014, 16:33 
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Silvieann hat geschrieben:
Ich habe da ganz klar meine Präferenzen:
Zuerst kommt mein Kind, dann kommt meine Gesundheit, dann andere wichtige Punkte, und dann habe ich vielleicht noch andere Hobbies, die mir wichtig sind ... Aber bei anderen Hobbies ist natürlich auch immer die Frage: Kann ich das auf einen anderen Tag verlegen, daß ich keine Überschneidungen habe?

eben.
Dinge, die er machen MÖCHTE, versucht wohl jeder irgendwie möglich zu machen, vorbehaltlich vorrangiger Umstände, also solcher, die man machen MUSS oder solcher, die man doch NOCH lieber machen möchte..

Und wenn's nicht so dringend ist, wie anderes, dann hat halt u.U. anders Vorrang, das ist ganz normal.

Andererseits, Stichwort Probenbesuch: Chorsingen ist jetzt nichts, was ein Einzelner für sich alleine auf der einsamen Insel tut. Das ist eine Gemeinschaftsleistung, es erfordert die Zeit aller Beteiligten und es ist ein Gemeinschaftserfolg. Jede Kette ist aber nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Der Erfolg einer Aufführung (und die Effektivität der Proben) hängt davon ab, daß jeder in jedem Augenblick genau weiß, was er wie zu tun hat. Alles andere wäre offenes Singen, da ist das wirklich alles nicht so wichtig - auch das hat seine Berechtigung

Wenn also jemand im Konzert falsch einsetzt, den Ton nicht hat, mit dem Rhythmus nicht klarkommt, legato durchschrammelt, wenn alle anderen Staccato singen, Töne zu lange aushält, falsch abspricht, falsch betont, Pianostellen mit kräftigem Mezzoforte zudeckt, das Tempo nicht hält, WEIL er NICHT die erforderliche Probendisziplin aufgebracht hat, dann ist das in erster Linie unkollegial den anderen gegenüber. Es hat auch nicht jeder die Disziplin, sich zurückzuhalten, wenn er das Stück nicht wirklich kann - was er ja noch nicht einmal wissen muß, da er es in den Proben (diejenigen, die er nicht besucht hat) nicht mitbekommen hat. Eine auf solche Weise unbefriedigende Aufführung ist auch unangemessen gegenüber dem Publikum, besonders (aber nicht nur!) wenn dieses Eintritt gezahlt hat. Es kann auch dazu führen, daß Sponsoren abspringen und künftige Veranstaltungen dadurch vielleicht unmöglich werden - das trifft dann auch nicht nur den Betreffenden, sondern alle anderen mit.

Gleiches gilt für den Probenbetrieb an sich, wenn in jeder Probe alle wichtigen Punkte aus der letzten und vorletzten und vorvorletzten [...] Probe nochmal geprobt werden müssen, weil jedesmal zehn Prozent + gefehlt haben: Auch das ist unfair gegenüber und nervig für Mitsänger und Chorleitung. Die Probe könnte ansonsten nämlich wesentlich effektiver sein. Natürlich gibt es zahlreiche Gründe, nicht zur Chorprobe zu gehen, die niemand in Frage stellt. Was aber "Jux und Tollerei" ist, das sieht jeder anders.

Es ist also nicht ganz das gleiche, ob ich zum Chorsingen gehe, oder zum Wandern in den Wald. Bei letzterem bin ich tasächlich nur mir selbst verantwortlich, und wenn ich das Ziel nicht oder fünf Stunden später als geplant erreiche, dann hat das keine Konsequenzen. Das steht aber im scharfen Gegensatz zu ersterem, bei dem ich sehr wohl anderen gegenüber mit meinem Tun (oder hier besser: Nichttun) verantwortlich bin. Es ist also ausdrücklich gerade nicht nur Eigenverantwortung. Das kann aber jeder vorher wissen und sich entsprechend entscheiden, was (und wieviel) er machen will - und kann. Natürlich ist jeder Herr über seine Zeit und niemand kann ihm darüber Vorschriften machen. Wenn er sich aber für Chorsingen (oder eine beliebige Gemeinschaftssportart) als Hobby entscheidet, muß er sich auch darüber klar sein, daß von ihm ein Mindestmaß an Proben/Trainingsdisziplin erwartet wird, und zwar nicht nur vom Chorleiter/Trainer. Bringt er die nicht mit, muß er damit rechnen "nicht aufgestellt" zu werden. (Und wenn er "aufgestellt" ist, dann werden auch alle erwarten, daß er am Tag des Spiels auf dem Platz ist, sofern er nicht durch wichtige Gründe verhindert ist - und/oder er rechtzeitig abgesagt hat. Mit lascher Proben/Trainingscompliance macht man sich nicht beliebt - nicht bei den Mitsängern/Teamkameraden und nicht beim Chorleiter/Trainer.

All' das hat nichts damit zu tun, "daß Singen ja auch Spaß machen soll". Keine Frage: ja. Aber das ist ein grundsätzlich anderes Thema. Ich glaube auch kaum, daß jemand im Chor singt, dem's keinen Spaß macht. Es mag auch tatsächlich Gesangsvereine geben, bei denen das gemeinsame Singen nur der Anlaß zum geselligen Beisammensein ist. Aber die würde ich ausdrücklich nicht als "Chor" bezeichnen - die haben ein anderes Geschäftsmodell.

Und at last, but not at least finde ich persönlich es etwas befremdlich, in drei Chören zu singen, obwohl sich die Begeisterung in Grenzen hält, und die begrenzte Begeisterung auch noch mit der Belastung durch die Häufigkeit der Proben und Auftritte und dem umfangreichen Repertoire begründet wird. Wäre es da nicht vernünftiger, in einem oder zwei Chören weniger zu singen? Diese Frage drängt sich mir zumindest auf. Wenn ich keine Lust dazu habe, mach' ich's doch nicht? Und wenn ich's in diesem Umfang mache, dann doch nur, WEIL es mich begeistert, WEIL ich mit Herzblut dabei bin, WEIL ich diese drei Chöre "mitnehmen" will? Es wird doch niemand gezwungen?

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Zuletzt geändert von T M Pestoso am 17.04.2019, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 10.10.2014, 18:19 
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T M Pestoso hat geschrieben:
... Andererseits, Stichwort Probenbesuch: Chorsingen ist jetzt nichts, was ein Einzelner für sich alleine auf der einsamen Insel tut. Das ist eine Gemeinschaftsleistung, es erfordert die Zeit aller Beteiligten und es ist ein Gemeinschaftserfolg. Jede Kette ist aber nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Der Erfolg einer Aufführung (und die Effektivität der Proben) hängt davon ab, daß jeder in jedem Augenblick genau weiß, was er wie zu tun hat. Alles andere wäre offenes Singen, da ist das wirklich alles nicht so wichtig - auch das hat seine Berechtigung

Wenn also jemand im Konzert falsch einsetzt, den Ton nicht hat, mit dem Rhythmus nicht klarkommt, legato durchschrammelt, wenn alle anderen Staccato singen, Töne zu lange aushält, falsch abspricht, falsch betont, Pianostellen mit kräftigem Mezzoforte zudeckt, das Tempo nicht hält, WEIL er NICHT die erforderliche Probendisziplin aufgebracht hat, dann ist das in erster Linie unkollegial den anderen gegenüber. Es hat auch nicht jeder die Disziplin, sich zurückzuhalten, wenn er es nicht wirklich kann - was er ja noch nicht einmal wissen muß, da er es in den Proben (diejenigen, die er nicht besucht hat) nicht mitbekommen hat. Eine auf solche Weise unbefriedigende Aufführung ist auch unangemessen gegenüber dem Publikum, besonders (aber nicht nur!) wenn dieses Eintritt gezahlt hat. Es kann auch dazu führen, daß Sponsoren abspringen und künftige Veranstaltungen dadurch vielleicht unmöglich werden - das trifft dann auch nicht nur den Betreffenden, sondern alle anderen mit.

Gleiches gilt für den Probenbetrieb an sich, wenn in jeder Probe alle wichtigen Punkte aus der letzten und vorletzten und vorvorletzten [...] Probe nochmal geprobt werden müssen, weil jedesmal zehn Prozent + gefehlt haben: Auch das ist unfair gegenüber und nervig für Mitsänger und Chorleitung. Die Probe könnte ansonsten nämlich wesentlich effektiver sein. Natürlich gibt es zahlreiche Gründe, nicht zur Chorprobe zu gehen, die niemand in Frage stellt. Was aber "Jux und Tollerei" ist, das sieht jeder anders.
...


Das hast Du sehr schön bildlich ausgedrückt!
Und: Meine volle Zustimmung!

... ich ärgere mich auch jedes Mal, wenn an der einen Stelle, die nur der 1. Alt singen darf, gefühlt die Hälfte des Alt 2 auch mitsingt ... - ich würde die eine Stelle doch auch so gerne mitsingen, darf aber nicht, weil ich mich damals in den Alt 2 gesetzt hab. Mit den Absprachen hab ich das nicht so - hab mir immer fein säuberlich alles notiert, halte mich da aber schön zurück, da ich immer das Gefühl habe, das nicht syncron mit den anderen zu können.
Aber bei uns kommen auch einige eher selten zur Chorprobe - und die sind dann auch noch (zum Teil) im Kammerchor! Also bei mir stößt das auf Unverständnis, wobei ich zugebe, dass die eine Dame, die ich da im Kopf habe, wirklich sehr gut singt.
Letztens war mir auch bei einem Stück sehr unwohl - ich habe das nur an der Generalprobe mitgesungen (zum ersten Mal), weil der Chor das länger (seit ich in den Chor gehe) nicht geprobt hatte, das wohl aber zum Standardrepertoire des Chores gehört. Ich habe mich dann auch sehr zurückgehalten dabei. Wenn ich mich als Altstimme zurückhalte, ist das für den Chorklang auch nicht so wichtig, aber wenn das alle machen würden, insbesondere die Männer, dann hätte der Chor ein Problem! Also eigentlich sollten alle Stücke, die im Konzert gegeben werden, auch bei jedem Sänger sitzen! - Meine Meinung.

Für mich wäre so ein offenes Singen eigentlich wohl auch viel angebrachter als ein Chor - deshalb habe ich mich ja auch vor kurzem noch auf die Suche nach einem anderen Chor begeben, aber da das irgendwie auch nicht so ganz paßte für mich, bleibe ich jetzt erst einmal in dem Chor, in dem ich eh schon singe - es sei denn, ich werde da rausgeschmissen... big_knuddel


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 10.10.2014, 19:36 
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Nur aus Interesse: Gibt es eigentlich einen bestimmten Grund, warum der Alt 2 bei manchen Stücken ausgenommen wird? Ich persönlich finde es etwas seltsam, dass einer ganzen (?) Stimmgruppe untersagt wird, bei gewissen Stücken mitzusingen. Das hat sowas von 2-Klassen-Gesellschaft und würde mir doch sehr aufstoßen. Normalerweise ist es doch so, dass etwa bei vierstimmiger Besetzung (im gemischten Chor) alle Altistinnen Alt singen und es dann halt in Alt 1 und Alt 2 unterteilt wird, wenn sich die einzelnen Stimmen noch einmal aufteilen. Aber vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden …

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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 11.10.2014, 08:34 
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Octaviane hat geschrieben:
Nur aus Interesse: Gibt es eigentlich einen bestimmten Grund, warum der Alt 2 bei manchen Stücken ausgenommen wird? Ich persönlich finde es etwas seltsam, dass einer ganzen (?) Stimmgruppe untersagt wird, bei gewissen Stücken mitzusingen. Das hat sowas von 2-Klassen-Gesellschaft und würde mir doch sehr aufstoßen. Normalerweise ist es doch so, dass etwa bei vierstimmiger Besetzung (im gemischten Chor) alle Altistinnen Alt singen und es dann halt in Alt 1 und Alt 2 unterteilt wird, wenn sich die einzelnen Stimmen noch einmal aufteilen. Aber vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden …


Hallo Oktaviane,
es ist kein ganzes Stück, sondern ein Teil, der etwas höher liegt und etwas schwieriger zu singen ist, da er mehrere Sprünge umfaßt. Wenn nur ein Teil des Alt diesen Part singt, klingt er außerdem leichter und leiser, durchsichtiger. Das paßt schon für das Stück. So richtig hoch liegt der Teil aber auch nicht - geht bis es''.
Und ja, mir ist es auch aufgestoßen, ich würde dieses Stückchen auch gerne mitsingen, da ich auch meine, die Töne treffen zu können. Aber der Chorleiter bestimmt, wie er's haben möchte. Und auf den Gesamtklang wirkt es wohl positiv.

LG Silvieann


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 11.10.2014, 11:32 
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Ah, danke für die Klarstellung. Das kann man jetzt so oder so sehen (also aus Sicht des Chorleiters und aus Sicht der nicht mitsingen dürfenden Sänger/innen)


LG

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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 12.10.2014, 20:39 
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Ich möchte auf das eingehen, was Andreas am Anfang des Thread schrieb:
Zitat:
Ist das heute wirklich noch so ? Gerne dabei - ja. Manchmal auch mit Begeisterung. Aber mit Herzblut ? Dieser Sängerfreund ist Rentner und legt sogar seine Reisetermine so, dass sie nicht mit den Auftritten kollidieren.

Nun singe ich ja in drei Chören mit, aber mit Herzblut dabei, das sind vielleicht die ChorleiterInnen, sonst wüsste kaum jemanden.

Liegt es vielleicht am Altersunterschied, dass der o. g. Sängerfreund das Singen so wichtig nimmt ? Er ist über 70 Jahre alt, ich bin 57.


Möglicherweise ist es nicht so sehr eine Frage des Alters, sondern eine Frage der Gesellschaft zu einem bestimmten (prägenden) Zeitpunkt im Leben. Als Beispiel: Neulich sang unser Chor bei einem Liederabend in einem Dorf. Der Chor des dortigen Männergesangsvereins bestand ausschließlich aus über 60-jährigen (viele waren wohl in den 70ern und 80ern), und sie machten für mich den Eindruck einer eingeschworenen Gemeinschaft. Als diese Männer 20 Jahre alt waren, gab es im Dorf vermutlich wenig andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Der Chor war sehr wichtig für sie, auch um am Abend von zu Hause weggehen zu können, und von der Familie Ruhe zu haben. Sie sind jetzt mit Herzblut dabei, weil sie es nicht anders kennen, weil sie so lange dabei sind und weil für sie ein Leben ohne Gesangsverein buchstäblich nicht vorstellbar ist.
Ein heutiger 20jähriger dagegen hat viel mehr Möglichkeiten, seine Freizeit auszufüllen und es ist unwahrscheinlich, dass er ausgerechnet den Männergesangsverein dafür aussucht. Heute ist ein Chor nur eines von vielen Dingen, die wir in unserer Freizeit machen können. Das sehe ich an der Tradition des jährlichen Vereinsausfluges: Anstelle eines der wenigen Höhepunkte in einem arbeitsreichen Jahr und eine der seltenen Möglichkeiten, aus dem Dorf herauszukommen, ist dieser für die meisten ein Termin, wo man hingeht, wenn zufällig nichts besseres angeboten wird und man zufällig den Zielort noch nicht kennt, aber nichts Wichtiges.
Zudem denke ich bei vielen Älteren, die mit Herzblut dabei sind (auch in meinem Chor), dass sie seit ihrer Kindheit Musik geliebt aber offensichtlich damals keine Möglichkeiten hatten, ihre musikalische Begabung systematisch fördern zu lassen. Statt wie heute in eine Musikschule ein Instrument zu lernen und bei Talent und Interesse sich weiterzubilden bis hin zum Profimusiker, Chorleiter usw., mussten sie sich mit einfacher Hausmusik und eben Singen im Chor begnügen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 13.10.2014, 12:21 
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Zitat:
Das kann man jetzt so oder so sehen (also aus Sicht des Chorleiters und aus Sicht der nicht mitsingen dürfenden Sänger/innen)

Naja - ich kann so eine Anordnung schon nachvollziehen. Ich hab's auch mal erlebt, daß anlässlich eines Konzertes zu einem sehr prominenten Anlaß es in der letzten Probe, in der Generalprobe und unmittelbar vor der Aufführung die namentliche Ansage gab, wer vom (hohen) Sopran eine bestimmte (ja: sehr hohe und leicht klingen sollende) Stelle singt. Nicht jeder Sopran ist ja auch ein hoher Sopran, nicht wahr? Nun gibt es zweifellos gute Sänger(innen), die eine Stütze in jedem Chor darstellen, die aber gerade aus diesem Grund etwas zur Selbstüberschätzung neigen und meinen, es ginge nicht ohne sie. Kurz und knapp: Bei der Aufführung haben ein paar an und für sich sehr gute Sängerinnen, die aber genau die Höhe nicht hatten und daher nicht eingeteilt waren, sich an dieser Stelle trotzdem hochgejodelt, mit der Folge, daß es weder leicht geklungen hat, noch die richtige Intonation hatte. Haarscharf zu tief ist halt auch daneben, und wenn gleichzeitig andere die richtige Tonhöhe singen, dann hört man's halt ziemlich deutlich... Aber sie haben sichtbar an dieser Stelle mitgesungen - und wer falsch singt, sieht man ja nicht, n'est ce pas...
Schade: Die Stelle war ruiniert... aber was will man hinterher machen? Und alles nur wegen der Eitelkeit...
auto004

Zitat:
Ein heutiger 20jähriger dagegen hat viel mehr Möglichkeiten, seine Freizeit auszufüllen

Zweifellos. Aber nicht nur 20-Jährige. Das ist ein interessanter Aspekt, den Du da anschneidest. Ich fürchte nämlich, daß das ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist: Ich stelle jedenfalls immer häufiger fest, daß bei vielen Einladungen, Veranstaltungen usw., bei denen eine Zu- oder Absage eine höfliche Selbstverständlichkeit sein sollte, vielleicht sogar ausdrücklich gewünscht wird, es viele gibt (keineswegs nur junge!), die es überhaupt nicht für notwendig erachten, einer derartigen Bitte auch nur ansatzweise nachzukommen, geschweige denn von sich aus zu antworten. Sogar wenn sie eine Zusage machen, bedeutet das nicht zwangsläufig, daß sie dann auch erscheinen. Man hält sich halt alle Optionen bis zum Schluß offen - es könnte ja sein, daß es kurzfristig etwas besseres gäbe, wo man hingehen könnte. Blöd nur, wenn man als Einladender für eine bestimmte Personenzahl organisiert, und anschließend nur die Hälfte kommt - wenn man Pech hat, zahlt man für die Nichterschienenen mit...
Das ist einfach nur schlechter Stil, und das gilt auch für Chorproben etc. Wenn ich mich schon entscheide, irgendwo in einer Gemeinschaft (Chor, Sportverein, whatever) zu engagieren, und die Leistung dieser Gemeinschaft davon abhängt, daß jeder regelmäßig erscheint, dann ist es einfach nur grob unhöflich, hinterher nur al gusto und in Abhängigkeit von "was sonst noch läuft" diese Gemeinschaft mit meiner Anwesenheit zu "beehren". Das weiß ich vorher, und zwar unabhängig davon, daß die Auswahl, wie man seine Zeit verbringt, heute mit Sicherheit größer ist, als vor 50 Jahren.
Bleibt die Variante, daß jemand ein bestimmtes Stück ohnehin aus dem ff kennt: Da wird vermutlich kein Chorleiter etwas dagegen haben, wenn der oder die Betreffende zumindest am Anfang den Proben fernbleibt. Aber auch da gibt es ein fettes "Andererseits": Wenn er/sie es unter einem neuen Dirigenten singt - da hat nämlich jeder seine eigene Interpretation und seine eigenen Schwerpunkte, und die vermittelt er während den Proben. Bei Amateuren (auch bei guten, sogar bei manchen Semiprofis) hat nicht jeder die Flexibilität und die Awareness, daß er das ausschließlich mit der Generalprobe aufnehmen und umsetzen kann. Um z.B. ein Staccato, ein Piano, eine Zäsur zu killen, reicht normalerweise einer, der es anders macht. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, warum auch gute Sänger/solche, die das Stück bereits kennen trotzdem regelmäßig an den Proben teilnehmen sollten, zumindest, wenn im Chor viele sind, die es nicht kennen, oder die nicht so sicher sind: Die Probenarbeit gestaltet sich nämlich aller Erfahrung deutlich effektiver, wenn ein paar sichere Stimmen im Chor sitzen, und sich nicht alle durch die Partitur tasten müssen. Gemeinschaft bedeutet ja nicht nur, daß ICH etwas davon habe, sondern auch, daß jeder nach Maßgabe seiner Möglichkeiten auch etwas dazu beiträgt. Man kann so eine Probe dann ja auch als Trainigseinheit sehen, als Anlaß zwei Stunden zu singen. (Es soll - das wäre ein vergleichbares Beispiel - Ultraläufer geben, die an einem Marathon deswegen teilnehmen, weil ihnen dieser ideale Trainingsmöglichkeiten bietet...)

just my 5 cts

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T M Pestoso hat geschrieben:
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Das kann man jetzt so oder so sehen (also aus Sicht des Chorleiters und aus Sicht der nicht mitsingen dürfenden Sänger/innen)

Naja - ich kann so eine Anordnung schon nachvollziehen. Ich hab's auch mal erlebt, daß anlässlich eines Konzertes zu einem sehr prominenten Anlaß es in der letzten Probe, in der Generalprobe und unmittelbar vor der Aufführung die namentliche Ansage gab, wer vom (hohen) Sopran eine bestimmte (ja: sehr hohe und leicht klingen sollende) Stelle singt. ...

Ich störe mich bei dem Chor, in dem ich singe, ja jetzt auch daran, dass anscheinend einige andere sagen: "Ich hab nur letztes Mal 2. Alt gesungen, eigentlich bin ich Mezzo." oder "Ich hab mir nichts dergleichen notiert."
Außerdem sollte immer das zählen, was der Chorleiter sagt. Wenn er also sogar namentlich nennt, wer eine Stelle singen soll, dann singen eben nur diejenigen. Basta. In einem Chor gibt es genau einen Chef, und das ist der Chorleiter.
Hmm, vielleciht gibt's dann noch Teamchefs oder so ..., die "Stimmführer" oder wie auch immer, na, vielleicht durchblicke ich das einfach nicht.

Also ich für meinen Teil kann sagen: Ich singe sehr gerne!
Deshalb singe ich im Chor mit. Und ich versuche auch, immer zu kommen, zu allen Proben. Natürlich halte ich mir dann auch die Zeiten für Konzerte und sonstige Ausflüge des Chores frei, um dort mitzukommen.
(Eine Ausnahme war der diesjährige Chorausflug: Anmeldung ein knappes Jahr im Voraus, und es war nicht klar, ob ich mein Kind mitnehmen kann. Da ich aber (noch) nicht ohne mein Kind verreisen kann bzw. will, habe ich mich dazu nicht angemeldet. Wenn direkt klar gewesen wäre, daß ich meine Familie als Anhang mitnehmen kann, dann wäre ich sicherlich auch dorthin mitgefahren.)
Aber der Begriff "Herzblut" ist mir dabei fremd, und ich würde ihn nie benutzen.

Gruß,
Silvieann


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 13.10.2014, 15:07 
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T M Pestoso hat geschrieben:
Zitat:
Das kann man jetzt so oder so sehen (also aus Sicht des Chorleiters und aus Sicht der nicht mitsingen dürfenden Sänger/innen)

Naja - ich kann so eine Anordnung schon nachvollziehen. Ich hab's auch mal erlebt, daß anlässlich eines Konzertes zu einem sehr prominenten Anlaß es in der letzten Probe, in der Generalprobe und unmittelbar vor der Aufführung die namentliche Ansage gab, wer vom (hohen) Sopran eine bestimmte (ja: sehr hohe und leicht klingen sollende) Stelle singt. Nicht jeder Sopran ist ja auch ein hoher Sopran, nicht wahr? Nun gibt es zweifellos gute Sänger(innen), die eine Stütze in jedem Chor darstellen, die aber gerade aus diesem Grund etwas zur Selbstüberschätzung neigen und meinen, es ginge nicht ohne sie. Kurz und knapp: Bei der Aufführung haben ein paar an und für sich sehr gute Sängerinnen, die aber genau die Höhe nicht hatten und daher nicht eingeteilt waren, sich an dieser Stelle trotzdem hochgejodelt, mit der Folge, daß es weder leicht geklungen hat, noch die richtige Intonation hatte. Haarscharf zu tief ist halt auch daneben, und wenn gleichzeitig andere die richtige Tonhöhe singen, dann hört man's halt ziemlich deutlich... Aber sie haben sichtbar an dieser Stelle mitgesungen - und wer falsch singt, sieht man ja nicht, n'est ce pas...
Schade: Die Stelle war ruiniert... aber was will man hinterher machen? Und alles nur wegen der Eitelkeit...


Ich stimme Dir hier ja durchaus zu, aus Sicht des Chorklanges und der Qualität einer Aufführung macht das aus den von dir genannten Gründen gewiss Sinn und ein Chor ist nun einmal keine Demokratie; trotzdem kann ich es rein menschlich nachvollziehen, wenn es einen als Betroffenen stört. Aber der gewissenhafte (™) (Chor-)Sänger stellt im besten Fall eben die eigenen Befindlichkeiten zugunsten der Gemeinschaftsleistung hinten an.


Zitat:
Zitat:
Ein heutiger 20jähriger dagegen hat viel mehr Möglichkeiten, seine Freizeit auszufüllen

Zweifellos. Aber nicht nur 20-Jährige. Das ist ein interessanter Aspekt, den Du da anschneidest. Ich fürchte nämlich, daß das ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist: Ich stelle jedenfalls immer häufiger fest, daß bei vielen Einladungen, Veranstaltungen usw., bei denen eine Zu- oder Absage eine höfliche Selbstverständlichkeit sein sollte, vielleicht sogar ausdrücklich gewünscht wird, es viele gibt (keineswegs nur junge!), die es überhaupt nicht für notwendig erachten, einer derartigen Bitte auch nur ansatzweise nachzukommen, geschweige denn von sich aus zu antworten. Sogar wenn sie eine Zusage machen, bedeutet das nicht zwangsläufig, daß sie dann auch erscheinen. Man hält sich halt alle Optionen bis zum Schluß offen - es könnte ja sein, daß es kurzfristig etwas besseres gäbe, wo man hingehen könnte. Blöd nur, wenn man als Einladender für eine bestimmte Personenzahl organisiert, und anschließend nur die Hälfte kommt - wenn man Pech hat, zahlt man für die Nichterschienenen mit…[…]


Auch hier - leider - volle Zustimmung, das ist etwas, das mir auch immer wieder aufstößt, aber viele Leute machen sich die Konsequenzen ihres Handelns für andere gar nicht bewusst oder es schert sie einen feuchten Kehricht. big_denken


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 14.10.2014, 11:58 
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Silvieann hat geschrieben:
In einem Chor gibt es genau einen Chef, und das ist der Chorleiter

Dir ist schon klar, daß das Aphorismus-Qualität hat?
big_herz

kleines OT: Wieso fragst Du nicht, ob beim Chorausflug auch "Anhang" dabei ist? Es würde mich wundern, wenn das nicht der Fall wäre - bei allen Chören, die ich kenne ist das jedenfalls so. Und ich habe auch immer wieder erlebt, daß auch kleine Kinder, sogar Säuglinge dabei waren.

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 14.10.2014, 15:26 
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OT. Ich hatte gefragt und leider keine Antwort erhalten. Aber die Chorfahrt ist ja nun auch schon gelaufen.

Für ein anstehendes Probenwochenende hab ich jetzt neu gefragt. Ich würde wirklich gerne dahin, aber mein Kind muß dann auch mit - und da mein Kind während der Proben nicht allein bleiben kann, müßte mein Mann auch mit - mindestens zur Kinderbetreuung :o Bei meiner Anfrage war der Tenor, dass da ja nicht sooo viel Platz ist und auch wenig Zweibettzimmer ... Kann ich auch gut verstehen. Wenn es aber keine Möglichkeit geben sollte, meinen Mann und mein Kind mitzunehmen, dann kann ich da auch nicht hin.
Wäre das dann, nicht mit "Herzblut" dabei sein?
Muß ich mir da Gedanken machen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 14.10.2014, 17:07 
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Silvieann hat geschrieben:
Wenn es aber keine Möglichkeit geben sollte, meinen Mann und mein Kind mitzunehmen, dann kann ich da auch nicht hin.
Wäre das dann, nicht mit "Herzblut" dabei sein?
Muß ich mir da Gedanken machen?


Ich sage jetzt einfach mal: Nein.

Du hast Dich wirklich darum bemüht, dabei zu sein; in dem Rahmen, der Dir möglich ist. Wenn es organisatorisch nicht umsetzbar ist, dann ist es eben so, wie es ist. Manches ist halt nicht machbar. Hier geht es um das Wohl Deines Kindes: Du bist die Mutter und empfindest als notwendig, für Dein Kind in dem Rahmen zu sorgen. Punkt.

_________________
"Musik ist die Kurzschrift des Gefühls."

(Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi)


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 Betreff des Beitrags: Re: Mit Herzblut dabei sein
BeitragVerfasst: 15.10.2014, 09:28 
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Raupe hat geschrieben:
Punkt.

eben...
Aber schon irgendwie komisch, dieser Chor...
Naja.

Nachtrag zur Probendisziplin - aus gegeben Anlass big_haare

Es gibt einen Grund, absolut nicht in die Probe zu kommen: Wenn man irgend eine Erkältungskrankheit hat und ein Auftritt ansteht. Es gibt SpezialistInnen, die können zwar nicht mehr aus den Augen gucken, schleppen sich aber trotzdem in die Probe, husten und rotzen dort zwei Stunden rum, bringen eh' nix auf die Reihe (falls sie nicht gleich verkünden, daß sie "nur zuhören" wollen - gibt's keine CDs oder Youtube?) und kriechen anschließend wieder nach Hause. Drei bis sieben Tage Inkubationszeit, und am übernächsten oder überübernächsten Wochenende, wenn der Auftritt sein sollte, ist der halbe Chor krank. Nicht daß das stören würde, wenn die Hälfte der Frauen fehlt, das kriegt man irgendwie hin, wenn zumindest einzelne "Gute" übrigbleiben - wenn aber die Hälfte der Männer fehlt, vielleicht gar der oder die Leistungsträger, dann kann sowas die Aufführung töten. Bei den Frauen wird's aber auch schlimm, wenn dort die Stimmführerinnen ausfallen und nur die "Anhängerinnen" übrigbleiben, die alleine weder den Ton noch den Einsatz finden und den Mund nicht aufkriegen. Alles schon erlebt.
Also: "Herzblut" bedeutet in so einem Fall, zu Hause zu bleiben! Auch wenn's schwer fällt, so viel Opferbereitschaft muß sein. Ich verstehe allerdings auch nicht, wieso viele (die meisten? alle?) Chorleiter nicht 3-4 Wochen vor einem Auftritt bei jeder Probe eine entsprechende Ansage machen - daß nämlich im Falle von Krankheit die Betreffenden gefälligst daheim bleiben sollen.
Klar: Man kann sich's auch woanders holen. Aber man muß das Risiko für die anderen (gerade im speziellen Fall) nicht noch extra erhöhen. Erkältungskrankheiten "leben" davon, daß Kranke und Gesunde zusammenkommen. Abgesehen davon, daß richtig husten und niesen nicht für alle selbstverständlich ist:

http://www.infektionsschutz.de/service/filme/
(dort der 8. Film. Die anderen sind aber auch interessant. Der 3. lief bei der letzten Grippeepidemie auf mehreren Fernsehkanälen)

Meine Favoriten sind allerdings folgende Filme:

http://www.youtube.com/watch?v=qKiQA5e-fPg
http://www.youtube.com/watch?v=yToii3-p-NI

Kommentar übrflüssig...
(PS: was ist das eigentlich für einen Puccini(?)-Arie?)

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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