Aktuelle Zeit: 17.11.2019, 16:50

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 35 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Lampenfieber-Horror-Kabinett
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 17:31 
Benutzeravatar
Ihr Lieben,
da ich es aufgegeben habe, mich gegen mein Lampenfieber aufzulehnen, zäume ich das Pferd mal von der anderen Seite auf:
am Freitag hat mich im Weihnachtskonzert bei einem für mich ziemlich wichtigen Auftritt eine noch total unbekannte Lampenfieberattacke überrollt und zwar in Form von "Frosch im Hals, taktelanger Kampf, dass die Stimme richtig anspricht"
Ich kenne ja nun schon allerhand von Bauschsmerzen bis Schwindelgefühle, aber das war noch nie da und hat mir den Schrecken in die Glieder fahren lassen.
Ich habe gottseidank stur weitergemacht und es ging dann schliesslich auch gut und war ein Glück, dass es ein 10 Minuten Stück war, bei dem ich noch später zeigen konnte, was ich kann.
Aber da ich mich vorher eingesummt habe und nix vom Frosch zu merken war: eben totaler überraschungangriff.
Nun singe ich am Samstag schon wieder( Strauss"Morgen" und "Die Nacht" ) und im Januar etlcihe Male und will einfach mal wissen, womit man alles rechnen muss. :?:
Was ist euer Lampenfieber Grusel Kabinett? Was habt ihr da schon alles erlebt? :n27:
In der Verhaltenstherapie gibt es eine Rcihtung, sich das Schlimmste vorzustellen und das schonmal innerlich zu durchleben.
Dann kann es schlimmer nicht mehr werden und man ist zumindest in der Vorstellung gegen alles gewappnet.
Ich probiers jetzt einfach mal versuchsweise auf die Tour, und môchte Alles wissen, was das Lampenfieber bewirken kann.
Klingt vielleiciht pervers, aber da mein Ruf eh schon ruiniert ist, kommts darauf auch nicht mehr an ;-)
Danke :hearts:
Canti


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 18:46 
Benutzeravatar
Liebe canti,

es gibt wohl verschiedene Wege, sich der Lampenfieber - "Bekämpfung" - wobei die Form gemeint ist, die den Auftritt wirklich behindert, die Panik- zu nähern.

Sich alle möglichen Horrorsituationen vorher fiktiv vorzustellen, würde ich kritisch sehen, ähnlich wie jene pessimistische Philosophie, die auf einem weißen Blatt mit winzigen Fliegenkleks ausschließlich diesen sieht und die Gedanken dann auch nur noch um diesen kreisen lässt.

Es ist zwar durchaus wichtig, die Problemstellen zu kennen und sich dabei während des Auftritts auf das zu besinnen, was man unternommen hat, um es richtig zu machen (Orientierungspunkte für einen schwierigen Einsatz o.ä.), aber ich habe auch schon erlebt, dass dann diese Dinge super klappten, aber anderes, was nie ein Problem war, schief ging. Sovel zu dieser problemorientierten psychologischen Theorie.

Ich würde mich eher damit befassen, Angstfaktoren weitgehend mit Bewustsein auszuschliessen, und wenn es nur die klare Feststellung ist, dass etwas vorliegt, das nicht zu ändern ist, z. B mancher Frosch im Hals, von dem man eigentlich weiß, dass er im Laufe des Singens verschwindet.

Was dir da passiert ist, scheint wohl normalerweise schon überwunden zu sein und ich kann mir vorstellen, dass du sehr irritiert warst.

Warum das so war, kann von außen schwer beurteilt werden, denn die Ursache sitzt in dir. Vielleicht war es irgendein Umstand, der dich an eine kritische Situation in einem früheren Auftritt erinnert hat und die alte Panik hochkommen ließ. Ich würde dir empfehlen, mit dem Kopf zu analysieren, was bei diesem Konzert los war, was du wahrgenommen hast etc., dann dürftest du die Ursachen und damit auch Lösungen für Künftiges finden.

Ich selbst war bezüglich Auftritten lange Zeit eine ziemliche Panikerin. Es hat inzwischen so weit gelegt, dass ich das Gefühl habe, hochkommende Ängste kontrollieren zu können. Die Erfahrung, Krisensituationen überspielen zu können und zunehmende Routine helfen dabei, sich vertrauen zu können.

Liebe grüße,

dola


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Lampenfieber-Horror-Kabinett
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 19:15 
Benutzeravatar
cantilene hat geschrieben:
Ihr Lieben,
Was ist euer Lampenfieber Grusel Kabinett? Was habt ihr da schon alles erlebt? :n27:

Ich hatte letzten Freitag mal wieder Lampenfieber... wir waren mit Teilen der Stimmbande bei einem Konzert der "Wise Guys" (tolle Kölner A-Cappella-Gruppe, falls ihr sie nicht kennt) im Wiener Konzerthaus und haben danach bei "Afterglow" noch leise vor uns hingesungen, wie wir das meistens tun ;-) Diesmal steckte aber plötzlich Clemens von den Wise Guys seinen Kopf in unseren Kreis, lauschte andächtig und meinte dann, ob wir nicht mal laut was vorsingen möchten. So schnell gefragt konnten wir schlecht nein sagen und er sprang aufs Fensterbrett, bat um Ruhe und kündigte uns an :mrgreen Dann sangen wir zu viert ein Gospel (sonst sind wir ja zu neunt), und ich war wirklich EXTREM nervös, weil ich einfach nicht damit gerechnet hatte, da jetzt im Mittelpunkt zu stehen (und dann nicht mal in halber Besetzung), die Augen des Publikums, und noch schlimmer: der Wise Guys, auf uns. Außerdem war meine Stimme recht strapaziert (immerhin haben wir drei Zugaben "erschrien" ;-) ), und so war ich dermaßen aufgeregt, dass meine Beine ganz schlimm zitterten und ich gar nicht mehr wusste, wie ich stehen sollte. Meine Knie schlotterten wirklich hin und her und ich fand keinen sicheren Stand. Unglücklicherweise trug ich auch noch hohe Schuhe, was das Problem verschlimmerte ;-) Naja, nichtsdestotrotz klappte es super, wir bekamen viel Applaus und sogar die Wise Guys schienen ehrlich beeindruckt. Nach ihren Konzerten singen ja immer wieder verschiedene Ensembles, aber Clemens sagte, wir wären das beste, das er bei solchen Gelegenheiten je gehört hatte. Da waren wir schon stolz :mrgreen Wir wurden auch zu einem Wettbewerb zwischen solchen Ensembles beim nächsten Wien-Konzert eingeladen, aber Eddi von den Wise Guys vermutete, dafür wären wir zu gut :roll: Naja, wir werden auf jeden Fall mitmachen, dann hoffentlich ohne schlotternde Knie :mrgreen
Allerdings weiß ich jetzt nicht, ob dir das hilft - denn stark zitternde Beine sind beim Singen sicher weit weniger schlimm als ein Frosch im Hals, auch wenn sie mich seeehr gestört und irritiert haben. Aber ich glaube, dass sich solche Probleme irgendwann mit der wachsenden Routine von selbst erledigen, auch wenn es mit Sicherheit viel länger dauert, als man sich das wünschen würde :sad:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 19:24 
Offline
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 10.11.2005, 00:00
Beiträge: 3496
Wohnort: Diessen am Ammersee
Vorname: Erika
Nachname: Sommer
Was wirklich hilft, muss jeder für sich entscheiden. Der Eine braucht Ruhe um sich herum, der andere möchte abgelenkt werden, gut zureden hilft kaum.
Was ich am Anfang meiner Sängerlaufbahn gemacht habe, autogenes Training, das hat mir sehr geholfen.

Ich kann mich erinnern dass ich in einem Chorkonzert ein Solo hatte, dafür saß ich oben auf dem Balkon zwischen dem Publikum und ich durfte mir mein Lampenfieber nicht anmerken lassen. Da machte ich autogenes Training, schaltete alles um mich herum aus und wurde ganz ruhig, niemand konnte mich aus der Fassung oder Ruhe bringen.
Seit dieser Zeit machte ich oft kurz vor dem Auftritt autogenes Training, besonders bei sehr schweren Konzerten.
Später brauchte ich das nicht mehr, der Körper hatte sich so daran gewöhnt, dass ich kein Lampenfieber mehr hatte, bis heute nicht mehr. Im Gegenteil, ich fieberte meinem Auftritt entgegen und je mehr Zuhörer da waren, desto besser.

Liebe Grüsse

_________________
musica
bel-voce-gesangssolisten







Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 19:37 
Benutzeravatar
Liebe Fliu, erstmal Garatulation!Ihr werdet noch berühmt!!!! :bravo:
Die Wise Guys kenne ich nur vom Kirchentag vor vielen Jahren, aber schon da waren sie spitze!
Schlotternde Beine hatte ich noch nicht, also noch was Neues! ;-)
Liebe Dola, das problemorientierte Denken hilft bei mir leider null. Ich bin normalerweise super auf alle Auftritte vorbereitet und habe keinerlei Angst vor Text vergessen, Einsätze verpassen oder sonst was nicht kennen oder wissen-dem muss ich schon aus Überlebensinstinkt so vorbeugen, dass dieser Faktor ausgeschaltet ist-sonst könnte ich gar nciht auf die Bühne!
Es ist rein psychisch bei mir und deshalb muss ich eben auch unorthodoxe Methoden ausprobieren, um mich auszutricksen. Auch wenn die rational so unvernünftig klingen wie die Horrorshow.
Mir ginge es genau umgekehrt wie Fliu: wenn man mich unangemeldet auf die Bühne schmeissen würde, es würde super klappen, habe das schon erlebt. Keine Zeit für Lampenfieber oder totale Ablenkung-das ist eine sehr gute Lösung für mich. :dafür:
Aber leider lâuft es ja nicht so, sondern man wartet ewig, bis man dran ist oder ist bei Solo-Programmen gleich dran und muss halt das erste Stück überstehen und dann wirds besser.
Wichtig ist die Auswahl des ersten Stücks, geradezu existentiell manchmal, aber auch das kann man ja oft nciht selbst bestimmen!
Also was tun?
Sich damit abfinden, dass es Frösche, schlotternde Knien, Bauchschmerzen, Schwindel, zitternde Stimme gibt und trotzdem weitermachen-das ist bisher die ienzige Strategie.
Den Crash am Anfang mit einplanen und sich sagen: Du überlebst ihn und dann geht es weiter. Mein Crash am Freitag hat trotzdem zwei Folgeauftritte nach sich gezogen- aber das kann man dann selbst gar nicht glauben und die Fredue ist einfach nur halb so intensiv! Sch...... :sad:
Und will wissen, was für Crashs da noch im Hinterhalt lauern kônnten, deshalb meine seltsame Frage.
Rational hast Du ganz Recht, da widerspreche ich nciht, aber hier handelt es sich um was Irrationales.
Psychologisch kenne ich mich gut genug, um einschätzen zu können, welche Ur-Problematik dahintersteckt, aber selbst die intensive Arbeit daran, ändert nichts am Lampenfieber.
Wenn Ursachenforschung/Analyse nichts mehr hilft, hilft in der Psychologie oft nur noch eine Verhaltenstherapie mit De-Sensibilisierung.
Das ist mein Gedanke dahinter.
Danke für die Antworten :kuss:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 23:35 
Benutzeravatar
Lampenfieber ist normal und gibt sich in den meisten Fällen mit der Auftrittspraxis! Wobei es nie ganz verschwindet.
Ich denke nicht, dass ein bewusstes Beschäftigen mit dem Phänomen hilft - im Gegenteil, vermutlich wird es nur noch schlimmer......

Ich war bei meinem ersten Soloengagement so nervös, dass ich vor der ersten Arie fast hyperventiliert habe - Hölle. Zum Glück kam ich ziemlich am Anfang des Oratoriums schon dran, sonst wäre ich vermutlich vom Stuhl gekippt.
In meiner Anfangszeit war ich vor jedem Auftritt überzeugt, die Anfänge des Stücks nicht mehr zu kennen! Das hat sich zum Glück gelegt....
Heute reagiert nur noch meine Verdauung am Konzerttag nervös :grin:

LG
mezzo


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.12.2006, 23:57 
Benutzeravatar
Hallo,

hier nachzulesen was alles passieren könnte und bei vielen evt schon passiert ist, das würde mich nur hellhöriger auf evt. auftretende Symptome machen und ich würde auf jede Kleinigkeit achten und mich reinsteigern.

So würde ich reagieren, jedoch jeder Mensch ist anders.


Viele Grüße
Chero


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 00:08 
Benutzeravatar
Ich habe grundsätzlich die gleichen Erfahrungen gemacht wie Musika.
Singt man / frau bereits seit vielen Jahren öffentlich, wächst eher die Gefahr, ohne Lampenfieber auf die Bühne zu gehen, denn ein solches Fieber kurz vor dem Auftritt ist immens wichtig für die folgende Leistung. Es muss allerdings nach kurzer Zeit abklingen und der Genugtuung weichen, vor möglichst vielen Menschen etwas abzuliefern, was man selbst besser kennt als sie und was sie als Geschenk entgegen zu nehmen bereit sind.
Ciao. Gioachino :dafür:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 10:01 
Benutzeravatar
cantilene hat geschrieben:
Wenn Ursachenforschung/Analyse nichts mehr hilft, hilft in der Psychologie oft nur noch eine Verhaltenstherapie mit De-Sensibilisierung.
Das ist mein Gedanke dahinter.
Danke für die Antworten :kuss:


Liebe cantilene,
Du hast recht ! Ursachenforschung/Analyse alleine helfen sicher nicht. Du scheinst ja zu wissen, was die Ursache ist, aber ich glaube es ist nicht möglich, alleine eine geeignete Möglichkeit zu finden, das aufzuarbeiten, zu verarbeiten und eine andere innere Einstellung zu finden. Meist helfen schon wenige Gespräche mit kundigen Menschen, um ein AHA-Erlebnis zu haben und manchmal verändert sich dann das eigene Verhalten automatisch oder es sind ganz einfache Dinge, die man tun kann, um eine Änderung herbeizuführen.

Ok, ich errinnere mich, du hattest früher schonmal geschrieben, dass du "Psychotherapie" in welcher Form auch immer skeptisch gegenüber stehst.
Ich persönlich denke, wenn dein Körper dir so starke Signale gibt, sollte du es vielleicht mal versuchen und dir Hilfe holen.

Nichts für ungut Cantilene, ich habe sowohl als "Klientin" als auch als Therapeutin gute Erfahrungen gemacht und möchte diese nur als Hinweis weitergeben.

Liebe Grüße
Uralt


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 10:22 
Benutzeravatar
Liebe Uralt,
ich stehe Psychotherapie nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber-ich weiss leider nciht mehr, in welchem Zusammenhang Deine Äusserung hier gemeint ist?
Ich bin reflektiert und bewusst genug,zudem mit einem Arzt verheiratet, der selbst sehr viel psychotherapeutische Arbeit macht .
Abgesehen davon habe ich ein Psychologiestudium begonnen(und schnell abgebrochen) und sowohl Einzel-als auch Gruppentherapie als Patientin(vor vielen Jahren) hinter mir. An Bewusstheit und Arbeit an Problemen und auch deren Lösung hat es nicht gefehlt und fehlt es weiter nicht!
Das starke Lampenfieber hängt wahrscheinlcih damit noch peripher zusammen, aber durch Gespräche mit klugen Menschen ist DAS nciht wegzukriegen, das musst du mir schon abnehmen.
Ich weiss, dass es hilfreich und freundlich von Dir gemeint ist, :hearts: aber wenn das die Lösung wäre, hätte ich sie schon gefunden. :sad:

Manche Dinge kann man sowieso nicht wegtherapieren so sehr man sich auch bemüht und meine evtl Skepsis besteht nur darin, in Psychotherapie ein Allheilmittel zu vermuten. Aber Bewusstmachung ist schon eine ganze Menge wert und kann Wunder wirken.

Das Einzige, was mir bisher hilft, ist die dauernde Konfrontation mit der Situation "Auftritt" und die Erfahrung: du überlebst die ersten Minuten und wirst weder ohnmächtig noch von der Bühne gebuht.Und die Stimme kommt auch wieder,wenn sie erstmal ein paar Takte weg ist, so wie am Freitag.
Das ist eben das, was ich mit Verhaltenstherapie meinte: sich dem Ganzen immer wieder aussetzen und aus der Erfahrung lernt dann Körper und Seele, dass selbst der Super-Gau nicht so schlimm ist, wie in der Imagination angenommen.
Dasselbe macht man ja auch mit anderen Phobien. Aber das weisst du als Fachfrau sowieso.

@ Gioachino: es gibt auch Sänger, die ihr Leben lang Lampenfieber haben, sei froh, dass das bei Dir offenbar anders ist! Den Nachteil sehe ich zumindest nciht.
:roll:
Canti :hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 10:59 
Benutzeravatar
cantilene hat geschrieben:
... aber durch Gespräche mit klugen Menschen ist DAS nciht wegzukriegen, das musst du mir schon abnehmen.
Ich weiss, dass es hilfreich und freundlich von Dir gemeint ist, :hearts: aber wenn das die Lösung wäre, hätte ich sie schon gefunden. :sad:
Canti :hearts:


Tut mir leid, dass ich dich mit meinem Beitrag genervt habe, das war nicht meine Absicht.

Uralt


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 11:26 
Benutzeravatar
Tja, nun tut es mir leid, dass du meine offene persönlciheAntwort SO interpretierst. Das war auch nicht meine Absicht. :sad:
Aber Missverständnisse bleiben bei dieser Kommunikationsform wohl nie aus . Lieben Gruss über den Rhein :hearts:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 11:52 
Offline
Hilfestellender
Hilfestellender
Benutzeravatar

Registriert: 11.11.2005, 14:28
Beiträge: 352
Wohnort: Hamburg
Vorname: Roland
Nachname: Schwantes
Liebe canti,

ich kann sehr gut mitfühlen. Bei mir ist es jedoch von ganz entscheidender Bedeutung, w e r um mich herum oder b e i mir ist.

Singe ich mit Ensemblemitgliedern oder wie seit Neuestem mit den Chormitgliedern, dann habe ich zwar Schmetterlinge und Bienenstöcke im Bauch, aber die beruhigen sich schon nach den ersten Tönen und ich werde ganz ruhig. Singe ich jedoch ganz allein auf weiter Flur, sprich ohne Euch, dann habe ich schon mehr Probleme und brauche nur noch Ruhe, Ruhe, Ruhe. Ich glaube vertrauen in sich, in den Begleiter oder das Orchester / Dirigenten u n d in die Umgebung machen auch eine ganze Menge aus.

:hearts: :hearts: Rolando

_________________
Und plötzlich weißt du:
Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.(Meister Eckhart)


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 12:58 
Benutzeravatar
Ich singe jetzt seit 16 Jahren solistisch, und ich muss sagen: Mein Lampenfieber ist weder geringer geworden, noch kann ich besser damit umgehen. Das einzige, was sich geaendert hat, ist der "Zugzwang" - ich MUSS trotzdem singen, und der Drang wird auch von Jahr zu Jahr staerker - es nicht zu tun, waere schlimmer als alles Lampenfieber, daher muss ich da irgendwie durch.
Aber es nervt, denn ich habe schon ganze Stuecke damit versaut ...

Mich ueberfaellt das auch sehr unregelmaessig. Sprich, es ist nicht jedes Mal gleich schlimm, und es kommt immer dann am fettesten, wenn ich es am wenigsten erwarte. Grundsaetzlich habe ich aber entdeckt, dass es bestimmte Situationen gibt, die mich mehr stressen als andere. Meine Hauptstressoren:

1. Kleine Raeume
2. Singen vor guten Freunden und Familie
3. Singen vor Leuten, deren Urteil mir wichtig ist (natuerlich ist mir das Urteil des Publikums immer wichtig, aber es ist was anderes, vor einer eher anonymen "Masse" zu singen als vor einer Jury oder vor Leuten, die man, aus welchen Gruednen auch immer, besondern beeindrucken will)

Ich bin auch eine aus der Fraktion schlotternde Knie, daher meide ich mittlerweile weite Flatterhosen :lol: :lol: :lol:
Wenn die Knie anfangen zu schlottern, hilft es meist, wenn man sich etwas bewegt. Wenn man aber eine getragene Arie singt oder ein Stueck, bei dem viel Bewegung unangemessen ist, ist man da irgendwie auch gekniffen.

Ich habe daher grundsaetzlich mehr Probleme mit langsamen Stuecken als mit schnellen, wenn ich aufgeregt bin. Daher ist es gut, in einem Solokonzert NIE NIE NIE mit einem todtraurigen Adagiostueck anzufangen. Nicht nur um des Publikums Willen, sondern vor allem fuer einen selbst ;-)

Was mir auch immer nocht passiert: Brueche. Da ich ja bei modernem Repertoire viel in meiner natuerlichen Bruchlage singe, kann es immer mal passieren, dass ich bei zu viel Aufregung durch die flachere Atmung nicht genug Stuetze aufbaue, und dann kann das mal unschoen werden. Im modernen Repertoire macht das zwar eigentlich nichts, da ja an sich alles erlaubt ist, aber es stoert mich selbst, weil es ja so nicht geplant war - sprich, wenn ich mit Registerbruechen arbeite, dann moechte ich das bewusst tun und nicht dort, wo ich es eigentlich nicht will.

Man lernt aber auch aus seinen Fehlern. Beispiel: "Amazing Grace" auf Mallorca. Ich hatte davon eine ziemlich tiefe Version, in der ich mich eigentlich sehr wohl gefuehlt habe. Aus Angst, dass man das in der Kirche vielleicht nicht richtig hoert, haben wir dann jede weitere Strophe chromatisch angehoben (eigentlich war das nur fuer die letzte geplant). Das zu verinnerlichen, hatte ich dann einen guten Tag Zeit. Das war fuer mich defintiv zu wenig, da ich den "alten Sitz" gewoehnt war. Resultat: Mischung "all over the place", fette Brueche, hat mich schon ziemlich genervt. Daher wuerde ich sowas auf jeden Fall nicht mehr machen, egal, ob alle anderen sagen, dass es so viel besser klingt. Und da kommt man zu zwei weiteren wichtigen Punkten gegen Aufregung:

1. Den eigenen Instinkten vertrauen
2. Optimale Vorbereitung ...


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.12.2006, 23:44 
Benutzeravatar
Hallo,

ich habe so den Eindruck, dass jede/r unter "Lampenfieber" in Bezug auf die Nuancen ein bisschen was anderes versteht. Für mich bezeichnet der Begriff, wie schon angedeutet, einen Zustand, der den Auftritt gefähdet, der dazu fühen kann, die Kontrolle über das Geschehen vor lauter Angst zu verlieren. Wenn das vorliegt ohne erkennbaren Grund (z. B. trotz optimaler Vorbereitung, guter, gesundheitlicher Form usw.) ist es m. E. notwendig, sich damit auseinanderzusetzen und herauszufinden, was hilft, um der Panik gegenzusteuern, ggf. auch mit einer Therapie.

Andere nennen aber auch die Spannung, die in der Tat für einen guten Auftritt und die entsprechende Präsenz nötig ist, schon Lampenfieber oder das berümte "bisschen Lampenfieber". Insofern, lieber gioachino, gebe ich dir Recht, dass dies nie verloren gehen sollte. Ich sehe jeden Auftritt trotz Häufigkeit der Situation bei mir immer noch als etwas Besonderes an und möchte auch, dass das so bleibt. Routine soll nur dahingehend einkehren, dass die Souveränität wächst, und da bleibt viel zu tun.

Was Psychotherapien betrifft, bin ich eher eine Anhängerin verhaltenstherapeutischer Ansätze, weil ich der Meinung bin, dass jeder Mensch das ganze Leben lang die Fähigkeit hat, zu lernen und sein/ihr Verhaltensrepertoire zu erweitern. Ich habe bis dato beruflich immer wieder mit dem Phänomen des Scheiterns zu tun und dabei beobachtet, dass viele Miseren dadurch entstehen, weil z. B viele nicht gelernt haben, Grenzen zu setzen, nein zu sagen, Dinge gleich anzupacken, anstatt sie auf die lange Bank zu schieben oder sich auch übermäßig einschüchtern lassen usw. und oft gar nicht die Chance hatten, Situationen anders zu begegnen.

Sollte ich solche Hilfe mal nötig haben, würde ich mir jemanden mit dieser Zielrichtung suchen.

Liebe grüße,
dola


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 20.12.2006, 23:25 
Benutzeravatar
gioachino hat geschrieben:
Singt man / frau bereits seit vielen Jahren öffentlich, wächst eher die Gefahr, ohne Lampenfieber auf die Bühne zu gehen, denn ein solches Fieber kurz vor dem Auftritt ist immens wichtig für die folgende Leistung.


Liebe Canti,

für mich persönlich kann ich Giachinos Worte nur unterstreichen. Für mich ist es immens wichtig, ein gewisses Maß an Lampenfieber zu haben. Es darf nicht so stark sein, dass ich die Kontrolle verliere, aber es muss so stark sein, dass ich mich 100%ig engagiere. Bleibt diese spezielle Anspannung aus (was mir bisher allerdings ganz selten passiert ist), so singe ich, wie ich mich fühle: langweilig, ohne Spannung - und dieses "ohne Spannung Singen" hört man!

Unlängst habe ich beruflich einen Rhetorik-Kurs besucht und dort auch die Frage nach dem Umgang mit Lampenfieber gestellt. Die Dozentin gab eine mir sehr einleuchtende Antwort, sie sagte: "Lampenfieber spiegelt das Interesse, die Bedeutung, die man dem Auditorium gegenüber aufbringt, wider. Mir selbst geht es nach vielen Jahren der Praxis so: wenn ich nicht aufgeregt bin, bin ich nicht mit dem Herzen dabei!" Diese Worte kann ich für mich nur unterstreichen und seit diesem Kurs bin ich froh über mein Lampenfieber.
Bei mir äußert sich diese Anspannung häufig in zitternden Knien. Deshalb sind große Abendkleider so toll - da sieht man das nicht. Es äußert sich aber auch in zittrigen Händen - hier sorge ich, wenn von Noten gesungen wird, für stabiles Notenmaterial, an dem ich mich festhalten kann. Was leider auch immer wieder passiert, sind zittrige und damit unsaubere Einsätze zu Beginn eines Stückes. Hier versuche ich mir vorzusagen, darauf zu achten, einigermaßen sauber zu intonieren.

Liebe Grüße
leonora


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.03.2007, 10:26 
Offline
nicht mehr zu rettender
nicht mehr zu rettender
Benutzeravatar

Registriert: 12.05.2006, 10:07
Beiträge: 922
Wohnort: Zwischenstop in Westafrika *20.1.
Vorname: I.
Nachname: K.
Liebe Canti,

ich möchte hier diesen Thread noch mal ein bißchen aufwärmen, da ich gerade wieder die Erfahrung gemacht habe, wie sehr einen die eigene negative Erwartungshaltung blockieren kann.

Ich habe letzte Woche bei einem Wettbewerb gesungen - von dem ich den Saal als muffig empfinde. Ich hatte meine Periode bekommen und konnte mich kaum aufrecht halten... und im Übestudio roch es muffig und mir war schlecht...

Ausserdem.... war ich nicht optimal vorbereitet, denn ich konnte mein Programm zwar - aber nur grade so.....

Und dann sehe ich in der Jury jene Lehrerin, bei der ich gerne studieren wollte (an der Ecole Normale), und die mich nicht akzeptiert hat.

Eigentlich sollte ich direkt nach der Pause drankommen, aber dann drängelte sich noch jemand dazwischen, der eigentlich später dran war...

Normalerweise dürften und sollten einen solche Dinge nicht destabilisieren - bei mir war das einfach zuviel.

Ich stand dann da, habe gezittert wie eine kleine Anfängerin, die Tiefe war belegt und es gelang mir nicht zu mischen... und mein Liszt kostete mich ganz viel Schweiss und Kraft, überhaupt durchzukommen. Obwohl Oh quand je dors meine absolute Lieblingsmelodie ist, die ich schon 100 mal gesungen habe.
Und dann kam der Hammer - Vorspiel zu Che il bel sogno... endlos... erster Satz ok.... und dann... Text weg... murmel murmel...
Wieder aufgerappelt... sch.... schon vertan..... Das Stück ist zwar so gestrickt, dass man nicht falsch einsetzen kann, aber ich habe mehrere Male "vor lauter Aufregung" den Text verdreht, es war wirklich n'importe quoi. Ich war so sauer auf mich...
Meinen Mitschnitt habe ich erst angehört, als Mittwoch der Brief kam und meine mangelhafte Leistung gerade noch für einen 1er Accessit gereicht hatte - stimmlich viel besser als meine Selbstwahrnehmung - aber wirklich n'importe quoi, was Konzentration und Text angeht. Und auch im Liszt Fehler und Irrtümer (das Teil ist ein bißchen heikel), die absolut unnötig waren.
Als ich meinem Lehrer davon erzählte, sagte er, das wundere ihn nicht - ich sei mit so einer negativen Erwartungshaltung daran gegangen - das musste schief gehen (self fulfilling prophecy).
Allerdings hat mich das sehr beeindruckt - und diese Woche hat mich weder eine gute Stunde warten müssen, die Abwesenheit meiner Pianistin, die Aufregung meines Korrep, der sie vertrat, noch sonst irgendwas gestört. Da habe ich einfach gesungen, so gut oder schlecht wie ich es eben kann...
und das Ergebnis kann ich eh nicht beeinflussen.

Diese Höhen und Tiefen gehören für mich einfach dazu - und ich habe aus meinen Erlebnissen bei UFAM sicher mehr gelernt als anderswo....

Liebe Grüsse von Casta


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.03.2007, 14:18 
Benutzeravatar
hallo,

schön, daß der thread noch mal "aufgewärmt" wurde, ich hab ihn beim ersten mal wohl irgendwie übersehen. :roll:

während meiner ausbildung hatte ich lange mit einem besonders blöden lampenfieber zu kämpfen, daß oft (aber nicht immer) dafür gesorgt hat, daß ich längst nicht so gut gesungen habe, wie bei den proben oder bei einigen (lange zeit leider wenigen) anderen auftritten.

vor den auftritten war das lampenfieber null- ganz wenig, da ich gut vorbereitet war und mich auf den auftritt gefreut und nie damit gerechnet habe, daß es nicht klappt (also keine negative erwartungshaltung).

auch, wenn ich dann auf die bühne ging, war ich nur sehr wenig aufgeregt (gerade soviel wie nötig, um nicht langweilig zu singen), aber in dem moment, wo ich den mund aufmachte, um den ersten ton zu singen, passierten schreckliche dinge.
mindestens 3 frösche im hals, stimme heiser, stimmsitz verrutscht bis in den keller, akute luftnot, völlige taubheit wegen extremem rauschen in den ohren usw.

zuerst hab ich immer tapfer weiter gesungen, aber es wurde nicht wirklich besser (und hinterher sagt ja keiner, daß da mind. 180 töne gut waren, neee genau die 3-5, die es nicht waren, werden rumgetratscht als wäre alles so gewesen :schlaumeier: ).
dann hab ich mal nach wenigen tönen mit einem dezenten husten :pfeif: :lol: abgebrochen und neu angefangen, da ging es dann und die zuhörer dachten, ich wäre stark erkältet und haben mich bewundert, weil ich dann beim 2. anlauf trotz der erkältung gut gesungen habe. :lol:

irgendwie hat mir dieses erlebnis schon mal ein bißchen geholfen und mit dazu beigetragen, daß ich einige zeit später dann herausgefunden habe, warum ich manchmal gut gesungen habe (mit sehr wenig lampenfieber) und oft nicht gut wegen dieses katastrophalen lampenfiebers.

ich hab versucht herauszufinden, was jeweils anders war. leider gelang mir das erst nach längerer zeit und vielen vermasselten auftritten.
wären dazwischen nicht immer wieder gute und sehr gute auftritte gewesen, hätte ich vielleicht irgendwann die öffentlichn auftritte aufgegeben und nur noch im städt. altenheim von pusemuckel gesungen und auch da nur für die über hundertjährigen halbtauben. :roll:

die lösung bei mir war (ich hab diesen effekt auch schon bei einigen schülern von mir feststellen und ihnen entsprechende tips geben können):

immer da, wo ich als schülerin aufgetreten bin (klassensingen, wochenendseminare, wo leute da waren, die wußten, daß ich noch schülerin war und probleme hatte, auftritte, wo meine lehrerin anwesend war (die leider oft sehr blöde bemerkungen machte) usw.), stand ich innerlich unter zwang beweisen zu müssen, daß ich singen kann (auch wenn es mir in der situation lange nicht bewußt war).

überall da, wo niemand wußte, daß ich noch lernte und probleme hatte (außer mal ein sehr netter kantor, der aber trotz eines problems am anfang der probe davon ausging, daß das nur ein versehen war und ich eigentlich gut singe), fühlte ich mich schon zu beginn meiner ausbildung auf der bühne sehr wohl (auch schon vor der ausbildung, wo ich aber nur einigen bekannten mal chansons vorgesungen habe) und fühlte mich eigentlich wie ein profi und freute mich nur darauf und darüber, den anwesenden schöne lieder vorsingen und ihnen diese "tollen stories" erzählen zu können.

da war es nur noch wichtig, ihnen diese wahnsinnsgeschichten zu erzählen und nicht, ob ich jetzt jede punktierung absolut exakt mache oder oder oder

und als mir das klar war, hab ich mir zum nächsten solo-konzert extra ein paar leute eingeladen, die nicht nur jeden noch so winzigen fehler sofort hören, sondern ihren lebenszweck darin sehen, möglichst viel zu kritisieren und das hemmungslos.

allerdings hab ich da als erstes stück eins genommen, bei dem eigentlich nichts schief gehen konnte, weil`s halt supereinfach war (die forelle), weil ich kein unnötiges risiko eingehen wollte. die erkenntniss, wo es dran liegt, hilft ja nicht immer, es sofort anders zu machen. :n2:

aber es hat auf anhieb funktioniert. ich bin auch da hingegangen als wäre ich profi und es käme nicht darauf an, zu beweisen, daß ich singen kann, sondern nur darauf, spaß zu haben und den leuten etliche tolle stories zu erzählen und ihnen dadurch eine nette stunde zu schenken.

bei folgenden auftritten, wo teils auch leute anwesend waren (nicht von mir eingeladen), die wußten, daß ich noch einige zeit vorher probleme hatte und die selbst die kleinste panne gern kommentiert und rumgetratscht hätten, funktionierte es genauso.

es war mir einfach egal, ob immer alles perfekt ist (das ist es doch selbst bei weltberühmten super-profis auch nicht), es ging nur noch um die musik und die "story" und genau dadurch wurde es soviel besser und zwar zuverlässig und nicht nur ab und zu mal, daß dann auch noch ganz andere sachen möglich wurden.

bei anderen dingen hatte ich diese problem nie, weil ich eigentlich sehr viel selbstbewußtsein habe und keineswegs immer "perfekt" sein muß, aber das singen war für mich einfach so existentiell wichtig, daß ich (unbewußt !!!) einfach immer beweisen wollte, daß ich eine gute sängerin bin, obwohl ich erst so spät angefangen und kein hochschul-diplom habe.

nachdem mir das egal war, wurde ich auch von den leuten "mit diplom" und selbst von hochkarätigen pianisten etc. als profi-sängerin anerkannt (und auch wenn`s mir da schon weitgehend egal war, aber irgendwie tat es doch gut, wenn man nach langer leidenszeit mit vielen blöden bemerkungen soweit war, daß man von einem pianisten begleitet wurde, der auch sehr berühmte opernsänger begleitet).

bei meinen schülern helfen entsprechende hinweise leider nicht immer. manche (auch wenn sie eigentlich selbstbewußt wirken) haben verstärkt das problem, daß sie immer beweisen müssen, daß sie gut sind.
das funktioniert auch bei dingen, wo fleiß und "kopfarbeit" wichtig sind, sehr gut, aber beim singen halt oft nicht, weil da ein verkrampftes "wollen" ja nicht dazu führt, daß es besser wird. da kann es dann manchmal sehr lange dauern, bis die eigentlich gute leistung so "streßresistent" ist, daß alle auftritte gut gelingen.

liebe grüße
kaja


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.03.2007, 16:28 
Benutzeravatar
Liebe casta, liebe kaja,
ja manchmal weiß man selbst nicht genau, woran es lag, das man die Leistung nicht gebracht hat, die man eigentlich drauf hatte.

Kaja ich finde deine Einstellung wirklich gut und ich denke es ist ein gutes Hilfsmittel gegen Lampenfieber.

Vor allem, als erstes Lied eins zu nehmen, was man gut kann, ist wirklich manchmal "lebensrettend".
Bei meinem Konzert vor 2 Wochen, das ich als Benefizkonzert mit 1 Soprane, 3 Altistinnen und 1 Bariton selbst organisiert hatte, ist mir das zugute gekommen. Ich sang als mein erstes Lied "Quam dulce est" von André Campra und da ich die gesamte Konzertorganisation alleine gemacht hatte klang es ungefähr so : subtext kursiv
Quam dulce est
Sch..., der Saal ist nicht voll besetzt
inherere tibi
wo ist eigentlich ..., die wollte doch kommen
dilekte mi
oh dahinten sitzt die größte Lästerschwester aller Zeiten, wer hat die denn eingeladen ?
Quam grata sunt
oh je, warum klinge ich denn so blaß?
quam iokunda
warum hat die Sopranistin denn so ein schweres Stück genommen, das kann sie doch überhaupt nicht
tu e dilekti ...
die anderen Kolleginnen werden mich verwünschen, dass ich sie gefragt habe
usw.

Ihr könnt euch vorstellen, dass das keine schöne Musik war, aber ich bin, da es ein Stück war, was ich schon oft gesungen hatte, gut durchgekommen. Beim 2. Stück wars schon besser, obwohl die genervten Blicke der beiden anderen Altistinnen mir weiter zu schaffen gemacht haben.

Danach habe ich es gut geschafft, einfach nur "schöne Geschichten" erzählen zu wollen, Kaja, das hast du sehr treffend formuliert. Ich finde diese Einstellung wirklich sehr hilfreich, aber ich glaube, es braucht etwas Übung dahinzukommen.

Ich werde mir auch überlegen müssen, wie ich die Doppelbelastung als Veranstalterin und Mitsängerin besser managen kann, es gibt kurz vor dem Konzert immer noch so viele Dinge, die erledigt werden müssen und ich hatte das Gefühl erstmal neben mir zu stehen.

Und das ist ein Punkt, den ich schon manchmal gespürt habe. Ich kann manchmal dann nicht "in mir" bleiben und stehe auf der Bühne als ob ich mir selber beim Singen zusehen würde. Kennt ihr das auch ?

Und casta die Sache mit der self fulfilling prophecy kann ich nur unterstreichen, wenn ich in ein Konzert gehe mit dem Gefühl, die anderen werden mich an die Wand singen, dann ist es auch so.

Liebe Grüße
Uralt


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.03.2007, 19:02 
Benutzeravatar
Ja ja, das liebe Lampenfieber, das gehört wohl einfach dazu. :roll:
Ich hab leider bis jetzt noch nicht soo viele Auftritte und Vorsingen gehabt, aber bis jetzt kann ich von Glück sagen, dass ich damit kein allzu großes Problem habe, irgendwie schaff ich es in Form von Meditation eine innere Ruhe zu finden, und die Aufregung in Schach zu halten.
ABER der Nachteil ist, dass sich dann meine Nervosität anders äußert, oder verlagert, das ist ganz seltsam, oft werde ich dann müde und manchmal muss ich auch so blöd hüsteln, und ich habe auch festgestellt, je weniger ich Aufgeregt bin, desto schlechter singe ich!
Vor allem, bei meinem letzten Vorsingen, das ich hatte war das so, weil ich mir von vonherin gesagt habe "Du bist eh viel zu schlecht", dadurch verlor ich zwar die Nervosität, aber auch den drive, ja wie ihr auch schon schreibt, die Spannung.
Irgendwie muss ich da noch die Mitte finden. Daher kann ich sagen, dass ein gesundes Lampenfieber sogar sehr wichtig ist, das Adrenalin ist ein natürliches Aufputschmittel, das man ganz legal benutzen kann! :mrgreen
Am Besten ist es natürlich, wenn man aufgeregt ist vor Freude, das hatte ich auch schon ab und zu, das ist dann richtig toll!
Natürlich geht das nur, wenn man hundertprozentig sicher mit den Vorsingstücken ist.

Was auch eine ganz interessante Erfahrung war, die ich gemacht habe, ist die, dass man von der größe des Publikums nicht eingeschüchtert sein muss, im Gegenteil, je mehr da sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man wenigstens eine Person berührt.
Ich habe einmal bei einem Wettbewerb mitgemacht, da saßen ungefähr 15 Leute in der Jury und eine Kamera war sogar auf mich gerichtet (ich schätze die haben das aufgenommen, um später noch mal in Ruhe auszuwählen), und ich habe super gesungen! Jedenfalls war ich mit mir selbst zufrieden. :lol:
Und kurz danach war ich bei einem Vorsingen, da saß dann eine einzige Person, ich fühlte mich überhaupt nicht wohl und war grottenschlecht!
Die Chance dass unter 15 Leuten, wenigstens einer dich gut findet ist eben wesentlich höher, wenn nur einer dasitzt, gefällst du oder eben nicht.
Aber im Allgemeinen finde ich es wunderbar vor Publikum zu singen, das ist auch noch mal was anderes als Vorsingen vor einer Jury! :n32:


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 35 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

Lampenfieber
Forum: Sängerseele
Autor: Anonymous
Antworten: 17
Brauche Rat.... Lampenfieber erworben..
Forum: Sängerseele
Autor: Anonymous
Antworten: 2
Mut zum Lampenfieber
Forum: Sängerseele
Autor: Rotkehlchen
Antworten: 0
Lampenfieber
Forum: Sängerseele
Autor: musica
Antworten: 26

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron




Hosted by iphpbb3.com

Impressum | Datenschutz