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 Betreff des Beitrags: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 14:34 
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Ich zitiere mal aus einem anderen Thread:

Zitat:
Helena hat geschrieben:
[...]
Abgesehen davon ob man Arien von den Noten her singen kann, braucht man auch die persönliche Reife dazu. Wie kann ich von Liebeskummer singen, wenn ich ihn noch nie erlebt habe...

Antwort von mir:
Das mit der persönlichen Reife unterschreibe ich sofort. Und sicher ist es einfacher, über die Freuden des Mutterglücks (oder die Angst, das eigene Kind zu verlieren) zu singen, wenn man selbst schon Kinder in die Welt gesetzt hat. Nur gibt es in der Oper aber immer auch Situationen, mit denen man im richtigen Leben hoffentlich nie konfrontiert wird - Mord, Blutrache, Wahnsinn.... ich möchte nicht erst wahnsinnig werden müssen, um z. B. eine Lucia singen zu können. Aber das ist vielleicht ein Thema für einen neuen Faden.


Wie seht ihr das? Sicher ist es für den Gesangsanfänger einfacher/ besser, erst einmal Literatur zu üben, mit der er sich auch identifizieren kann. Einfach, um nicht überfordert zu werden. Kommt aber nicht irgendwann der Zeitpunkt, an dem man sich unweigerlich auch mit Rollen/Inhalten auseinandersetzen muss, die einem vielleicht nicht so nah sind (sein können)? Ist es da vielleicht so wie mit dem Stimmfach - sobald ich erst einmal meine Basis gefunden habe, kann ich von da ausgehend super experimentieren. Sprich, je sicherer ich mir der eigenen Persönlichkeit bin, desto einfacher kann ich auch in fremde Charaktere eintauchen?

Interessant finde ich die Frage der emotionalen Reife aber auch auf das Kunstlied bezogen, das ja musikalisch oft als einfacher angesehen wird (ich teile diese Meinung allerdings nicht) , mE Erachtens aber schon einer gewissen emotionalen Reife bedarf.

Mich würde eure Meinung zu beiden Aspekten interessieren.

LG

Octaviane

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:02 
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Mit der Reife eines Menschen kommt die verstärkte Ausdruckskraft, denke ich. Wobei man manchmal nicht so genau dingfest machen kann, worin diese Verstärkung besteht. Ein alter Schauspieler muss sich u.U. nur auf die Bühne stellen und IST eifnach King Lear mit allen Hintergründen, nicht etwa, weil er irgendetwas besonders aufwändig spielt mit Regie-Finessen und ausgeklügeltem Tamtam, sondern "nur", weil sein ganzes gelebtes Leben mit ihm auf der Bühne steht.

So ist es beim Gesang, namentlich beim Liedgesang, auch - wenn kein Bühnenbild und kein Kostüm den Inhalt unterstützt, muss die Persönlichkeit weiter tragen.

Ich muss übrigens grade an Christa Ludwigs Klytaemnestra denken - auf youtube echt einen Ausflug wert! Das kriegt kein junger Mensch so hin!

Grüße
Olympchen

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:03 
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Hallo!

Gerade bei Kunstlieden tu ich mich immer schwer.
Ich hab es einfach nicht so mit Wäldern, Frühling, Blumen etc...
Mir kommen die Texte immer so gekünzelt vor.

Und ich versuche dann (teils krampfhaft) die damaligen Vorstellungen in das 21. Jahrhundert zu übersetzen um irgendwie einen Zugang zu bekommen.

Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob das der Weisheit letzter Schluss ist.
Und ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass mir in 20 Jahren Blumen, Wald, etc. mehr bedeuten als jetzt.

Und ansonsten muss man halt schauspielern, sofern es einem denn gegeben ist.
Aber ich denke mit zunehmender Lebenserfahrung wird es einfacher.

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Gruß
Mama2009


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:07 
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Vorab: Ich sehe das Kunslied als die schwierigste Gattung an. Nicht immer vom musikalisch/technischen aber vom künstlerischen Ausdruck her auf jeden Fall. Das Kunstlied gibt einem keine Möglichkeit mehr, sich hinter einer Rolle zu "verstecken" . Beim Lied bin ich sozusagen "nackt" und ich habe kaum Möglichkeiten, mich der Gestik, Mimik oder sogar einer Verkleidung zu bedienen.
Ich finde, es braucht Jahre der Auseinandersetzung mit dem Kunstlied, um ihm gerecht zu werden. Das kann ich zumindest aus meiner Erfahrung sagen. Und ich rede hier jetzt nicht von "Komm lieber Mai und mache".. Künstlerische Reife muß wachsen und sie ergibt sich aus der jahrelangen Erfahrung mit Gesang, den Werken verschiedener Epochen und Stilistik und nicht zuletzt aus der inneren emotionalen Reife.

LG Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:09 
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Ergänzend übrigens - welche Literatur in welchem Sanges-Alter:

Beim Gesang ist sicher die Stimme der maßgebliche Faktor dafür, was passend ist. Dennoch denke ich, es schadet nichts, wenn man sich als junger Mensch / junger Sänger mit möglichen Emotional-Katastrophen auseinandersetzt. Mich hat mit 16 das Veilchen unendlich gelangweilt! Die Eurydike fand ich viel spannender, obwohl beides auf seine Weise ziemlich gruselig ist. Dass das Veilchen ziemlich gruslig sein kann, merke ich aber erst heute, 20 Jahre später...

Ich denke, die Lust am Emotionen-Ausloten ist etwas, was zum Sänger gehört. Nur muss man vielleicht individuell abstimmen, was wen in welchem Alter am stärksten anspricht, oder?

Grüße
Olympchen

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:14 
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Olympchen hat geschrieben:
Ergänzend übrigens - welche Literatur in welchem Sanges-Alter:


Ich denke, die Lust am Emotionen-Ausloten ist etwas, was zum Sänger gehört.

Grüße
Olympchen



Womit man aber schon wieder beim "richtigen" Gesangslehrer ist.
Denn auf so eine Grenzerfahrung will man doch nur mit guten Freunden gehen.

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Gruß
Mama2009


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 16:21 
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...Darum wird der Gesangslehrer im besten Fall zum Freund des Schülers. Singen ist etwas sehr persönliches denn "Jeder Ton ist eine psychische Leistung"...

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 17:03 
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Ich sehe das etwas anders: Der GL sollte/muß nicht zwangsläufig zum guten Freund werden. Das birgt auch "Gefahren".
Singen ist immer ein "inneres nach außen kehren", und normalerweise singe ich ja nicht nur für meine Zimmerpflanzen sondern habe die Ambition, mich einem großen Publikum zu präsentieren und das mit all meinen Emotionen und meiner "Nacktheit". Wieso sollte man dann so schüchtern beim GL sein und dort Nähe und Freundschaft erwarten ??

LG Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 17:04 
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Olympchen hat geschrieben:
...Darum wird der Gesangslehrer im besten Fall zum Freund des Schülers. Singen ist etwas sehr persönliches denn "Jeder Ton ist eine psychische Leistung"...


Singen ist wahrlich etwas sehr persönliches, eigentlich z.T. Intimes. Es holt u.U. Emotionen aus einem raus von denen man selbst überrascht wird. Eigene Erfahrung!
Vertrauen ist m.E. SEHR wichtig aber ein Lehrer als "Freund"? Riskiert man da nicht zu viel Nähe? Muss / sollte da nicht ein gewisser Distanz bleiben um den Schüler besser (natürlich immer Sachlich und fundiert) kritisieren zu können? Und umgekehrt: Riskiert der Schüler dann nicht ZU lange beim gleichen Lehrer / Lehrerin zu bleiben - weil die Chemie stimmt?

Als Schüler, vor allem als Anfänger, brauche ich ein "fester Hand" und viel kompetente Beratung.
Technik, Stimmliche Entwicklung, richtiges Fach, welche Stücke usw usw. Woher soll ich es wissen?

big_lala


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 18:17 
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Basss hat geschrieben:
Olympchen hat geschrieben:
...Darum wird der Gesangslehrer im besten Fall zum Freund des Schülers. Singen ist etwas sehr persönliches denn "Jeder Ton ist eine psychische Leistung"...


Vertrauen ist m.E. SEHR wichtig aber ein Lehrer als "Freund"? Riskiert man da nicht zu viel Nähe? Muss / sollte da nicht ein gewisser Distanz bleiben um den Schüler besser (natürlich immer Sachlich und fundiert) kritisieren zu können? Und umgekehrt: Riskiert der Schüler dann nicht ZU lange beim gleichen Lehrer / Lehrerin zu bleiben - weil die Chemie stimmt?

Als Schüler, vor allem als Anfänger, brauche ich ein "fester Hand" und viel kompetente Beratung.
Technik, Stimmliche Entwicklung, richtiges Fach, welche Stücke usw usw. Woher soll ich es wissen?



Ich finde das man schon ein persönliches Verhältnis zum Lehrer aufbauen sollte.
Wenn es mir privat nicht gut geht kann das durchaus meine sängerische Leistung beeinflussen. Da ist es manchmal besser einen "Therapeuten" bei der Hand zu haben.

Natürlich riskiert man aus reiner Bequemlichkeit zu lange beim selben Lehrer zu bleiben nur weil man sich zu gut versteht, aber ich glaube jeder der spürt das die Grenze des erlernbaren erreicht ist muß sich entscheiden. Der der weiter lernen möchte muß dann zwangsläufig weiterziehen.

In Bezug auf die emotionale Reife stimme ich dir Octaviane zu. Man muß nicht alles selbst erlebt haben um darüber zu singen. Doch je älter man wird um so mehr kann man sich in die Situation hineindenken und Paralellen finden zu bereits erlebten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 19:04 
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Basss hat geschrieben:
Vertrauen ist m.E. SEHR wichtig aber ein Lehrer als "Freund"? Riskiert man da nicht zu viel Nähe? Muss / sollte da nicht ein gewisser Distanz bleiben um den Schüler besser (natürlich immer Sachlich und fundiert) kritisieren zu können? Und umgekehrt: Riskiert der Schüler dann nicht ZU lange beim gleichen Lehrer / Lehrerin zu bleiben - weil die Chemie stimmt?

Als Schüler, vor allem als Anfänger, brauche ich ein "fester Hand" und viel kompetente Beratung.
Technik, Stimmliche Entwicklung, richtiges Fach, welche Stücke usw usw. Woher soll ich es wissen?

big_lala



Ich gebe Dir einerseits Recht, wenn sich eine freundschaftliche Beziehung zum GL gebildet hat, sollte weiterhin der professionelle Umgang mit Stimme etc. gegeben sein.
Und durch sowas kann man auch in den Konflikt geraten mit dem GU nicht zufrieden zu sein, aber da zu bleiben um die Freundschaft nicht zu zerstören.

Ich habe (glücklicherweise) ein freundschaftliches Verhältnis mit meiner GL, werde aber noch genauso intensiv kritisiert wie am Anfang- ich find eigentlich noch mehr, da sie jetzt einschätzen kann wie ich mit Kritik umgehe und ich andererseits das Vertrauen in sie habe um es nicht krumm zu nehmen oder einen "ich schaff das nie!"- Heulkrampf zu kriegen.
Und ihr hilft es auch bei der Stückauswahl, da sie inzwichen einfach weiß was mir liegt und was nicht- auch und gerade vom Charakter her.
Ich hatte zwichendurch eine andere GL, die sehr professionel distanziert mit mir umging- dass zu Folge hatte, dass meine ganzen Hemmungen (Huch! Ein hoher Ton!!) wieder zurück kamen und meine unzuverlässige Freundin Traute wieder mit wehendem Haar und panisch aufgerissenen Augen zur Tür rausrannte (ja, ist eine imaginäre Freundin). :n68:
Bei meiner "alten" GL komm ich inzwichen bis zum C3, das hätt ich bei der professionell agierenden GL im Leben nicht geschafft (und Traute hört inzwichen sogar gerne zu wenn ich singe und macht (meistens) fleissig mit ohne wegzurennen).
Ich kann mich einfach fallen lassen, fühle mich wohl und ich denke das ist auch grade zum entkrampftem Singen sehr wichtig. Der Spaßfaktor muß natürlich auch da sein.
Und da ich stimmlich immer weiter komme und mir selber mehr zutraue, ist für mich der freundschaftliche Unterricht genau richtig.
Durch dieses private konnte ich mir auch eingestehen das ich sehr wohl gerne herzzerreißende Sachen singe. Früher dachte ich, ich könnte nur den Walkürenritt gut bringen- bin halt etwas burschikos (auch durch den Job bedingt). Aber das ändert sich in letzter Zeit rapide. Und ich fühl mich bei ihr eben so sicher, dass ich mir den Hang zu Schnulzen auch eingestehen kann. Dadurch eröffnen sich natürlich ganz andere Möglichkeiten und mein Gesang hat dadurch ne Portion Weichspüler und Emotionalität gewonnen. big_blume

Klar ist das Ganze aus meiner subjektiven Sicht geschrieben. Aber wir sind alle fühlende Wesen und im Publikum sitzen eben nicht unbedingt Menschen die einem wohlgesinnt sind. Aber sie sitzt halt quasi auch da und grinst mich an um mich zu erinnern das Lächeln nicht zu vergessen.
Verdammt, ich glaub meine GL ist eine Psychostütze. Und ich bin abhängig. Aber irgendeine Sünde braucht der Mensch. big_essen

Liebe Grüßle
MisSkorbut


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 20:02 
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Vielen lieben Dank für das wunderbare Bild der Freundin Traute mit den wehenden Haaren und den panisch aufgerissenen Augen big_rofl Ich glaub, die kenn ich auch!

Die Freundschaft zum Gesanglehrer ist zugegebenermaßen eine etwas rohe Metapher. Ein Vertrauensverhältnis sollte aber immer gegeben sein. Gerade dadurch ist die Kritik (oder nennen wir es vielleicht Korrektur?) doch viel leichter umzusetzen, als wenn alles nur distanziert abläuft. Mir persönlich tut dieser "Stimmtherapeut", der um meiner persönlichen Befindlichkeiten weiß, sehr gut.
Zu einem solchen Vertrauensverhältnis gehört aber auch, dass der oder die GL mal sagen: Ich kann Dir da nicht helfen, damit kenne ich mich nicht aus. Geh doch mal auf einen Workshop/Meisterkurs/ zu einem Spezialisten. Das spricht dann wiederum für die emotionale Reife des Lehrers - um verschämt aus dem OT wieder zurückzukehren

Übrigens dauert es meiner Erfahrung nach eine ganze Weile, bis die Grenzen des zu Erlernenden bei einem GL ausgereizt sind.

Grüße
O.


Zurück zur emotionalen Reife -

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 20:16 
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Olympchen hat geschrieben:
Vielen lieben Dank für das wunderbare Bild der Freundin Traute mit den wehenden Haaren und den panisch aufgerissenen Augen big_rofl Ich glaub, die kenn ich auch!


Ach, bei Dir treibt die sich dann immer rum! Hab mich schon gewundert! :n108:


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 20:29 
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Mit meiner erstenGL vor 20 Jahren war ich befreundet und blieb dann 9 Jahre obwohl bald nichts mehr weiterging. Die Freundschaft war dann vorbei als ich ging. Mit meiner jetztigen GL rede ich kein privates Wort weil vor und nach mir Schüler kommen und garkeine Zeit ist- sie unterrichtet jetzt in einem angemieteten Raum.Wenn man nur eine Nummer ist ist das auch nicht angenehm.Viellleicht geh ich jetzt nach vier Jahren Unterricht - es fällt mir aber schwer.
Hilde45


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 26.10.2010, 21:17 
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Helena hat geschrieben:
Ich finde das man schon ein persönliches Verhältnis zum Lehrer aufbauen sollte.
Wenn es mir privat nicht gut geht kann das durchaus meine sängerische Leistung beeinflussen. Da ist es manchmal besser einen "Therapeuten" bei der Hand zu haben.


Nicht dass ich jetzt falsch verstanden werde: ich habe ein SEHR gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu meine Lehrerin, verstehe aber auch sehr wohl wenn jemand der Meinung vertritt dass zu viel nähe nicht unbedingt gut ist.

Auf der andere Seite: Lehrerwechsel sagt sich so leicht - finde erstmals hier, im tiefen Provinz, einen Gesangslehrer / Lehrerin....
big_denken


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 07:20 
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Silje hat geschrieben:
Vorab: Ich sehe das Kunslied als die schwierigste Gattung an. Nicht immer vom musikalisch/technischen aber vom künstlerischen Ausdruck her auf jeden Fall. Das Kunstlied gibt einem keine Möglichkeit mehr, sich hinter einer Rolle zu "verstecken" . Beim Lied bin ich sozusagen "nackt" und ich habe kaum Möglichkeiten, mich der Gestik, Mimik oder sogar einer Verkleidung zu bedienen.
Ich finde, es braucht Jahre der Auseinandersetzung mit dem Kunstlied, um ihm gerecht zu werden. Das kann ich zumindest aus meiner Erfahrung sagen. Und ich rede hier jetzt nicht von "Komm lieber Mai und mache".. Künstlerische Reife muß wachsen und sie ergibt sich aus der jahrelangen Erfahrung mit Gesang, den Werken verschiedener Epochen und Stilistik und nicht zuletzt aus der inneren emotionalen Reife.

LG Silje


Das sehe ich sehr ähnlich. Man kann im Unterricht (und auch im Konzert) durchaus so manch schwereren Brocken ausprobieren, den man vielleicht technisch bewältigt, aber für den man längst noch nicht reif genug ist.
In der Oper ist ja für die Bässe der König Phillip im Don Carlos so ein Prüfstein. Singen können die Rolle die meisten ab etwa 26 Jahren, aber wirklich verkörpern? Ich habe bislang nur einmal erlebt, dass ein etwa 24 Jahre alter Bass, den Phillip so emotioanal ausgefeilt gesungen hat, wie ein 20 Jahre älterer Kollege - und das war wohl eine Ausnahme.
Beim Kunstlied ist es ähnlich - ich freue mich schon auf dem Moment (und das wir noch ein Weilchen dauern), wo ich feststelle, dass ich langsam anfange die großen Liederzyklen in mich aufzunehmen. Aus irgendeinem Buch übers singen - ich glaube es war der "wissende Sänger" - habe ich den Spruch: Man muss seine Sachen nicht auswendig sondern wirklich inwendig kennen. Diese Verinnerlichung setze ich auch in Zusammenhang mit der emotionalen Reife und gerade beim Kunstlied kommt sie sehr stark zum Vorschein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 09:23 
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Zitat:
Man muss seine Sachen nicht auswendig sondern wirklich inwendig kennen.


Den Satz merk ich mir :n154: Vielleicht ist es ja auch ein Schritt hin zur emotionalen Reife, wenn man erkennt, dass man sie für bestimmte Literatur noch nicht hat big_grubel Ich muss rückblickend auch einsehen, dass ich mit 16 „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“ zwar vielleicht ganz hübsch gesungen habe, die Thematik aber sicherlich nicht verinnerlicht hatte.

Zur Nähe und Distanz von Lehrer und Schüler. Ich finde, am Wichtigsten ist es, dass das Verhältnis von Vertrauen und Respekt geprägt ist. Sehe aber wie Basss auch die Gefahr, zu viel Nähe aufzubauen (wobei die Grenze da bei jedem individuell verschieden ist). Denn dann fällt die Trennung manchmal schwer, auch wenn man merkt, dass die fachlichen Grenzen erreicht sind. Das ging mir bei einem meiner letzten Lehrer so – einem älteren, etwas kauzigen Herren der "alten Schule", der mich in einigen Dingen sehr viel weiter gebracht hat, in anderen aber für mich nicht unbedingt gut war (zumindest zu dem Zeitpunkt). Ich wusste eigentlich, dass es an der Zeit war zu wechseln, da ich ihm aber menschlich zugetan war, war die Trennung nicht so einfach.

Seltsamerweise war ich bei diesem Lehrer oft gehemmter als bei meinem jetzigen, den ich zwar sehr sympathisch und kompetent finde, wo das Verhältnis aber eher sachlich-respektvoll ist (vielleicht sind das meine norddeutschen Gene *g*). Einmal hat der alte Lehrer mich allerdings so lange gepiesackt, bis ich die Hallenarie aus lauter Zorn endlich mal mit voller Körperspannung gesungen habe. Danach hatte ich das Gefühl, jetzt auch "Der Hölle Rache" singen zu können. ;-) Nur kann es ja nicht das Ziel sein, den Schüler wütend zu machen, damit er endlich mal ordentlich singt *g*

Liebe Grüße

Octaviane

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 09:56 
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Meine erste Schülerin hörte ich zum ersten Mal mit dem Erlkönig, da war sie 14 Jahre. Ich nahm sie unter meine Fittiche und ich habe sie bis heute nie mehr damit gehört.

Die emotionale Reife hat eigentlich nicht unbedingt was mit dem Alter zu tun, mache Menschen sind früher, andere später reif, noch andere nie.

Die Literatur sollte so gewählt sein, dass man sie dem Sänger auch glaubt. Wer hat nicht schon Arien gesungen, die eigentlich nicht fachgerecht sind, doch die man sehr schön findet. Zuhause ja, aber nicht in Konzerten. Auch die Zuhörer sind nicht blöd und merken schnell, dass sich derjenige Sänger übernommen hat, es passt nicht.

Was anderes ist es, wenn man im Fach bleibt gerne mal eine große Arie öffentlich singen möchte, auch um zu sehen wo man steht. Sie muss allerdings musikalisch sitzen, Experimente sind im Konzert nicht tragbar.

Wenn er/sie die innere Reife ausstrahlt, kommt es beim Publikum an. Ein Sänger oder eine Sängerin kann auch mit 50 noch nicht die nötige innere Reife haben, die Stücke werden runtergesungen, ohne Herz, ohne Seele, nur auf die Technik achtend und um keinen Text zu vergessen. Eine ständige Unsicherheit macht sich breit, es kommt nichts rüber und es rührt kein Publikum.

Die innere Reife bringt das zum Ausdruck, was der Inhalt der Arie aussagt, wenn sich der Sänger mit dieser Rolle identifizieren kann, er in die Rolle schlüpft, ist alles ok.

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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 10:39 
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Musika schrieb:

Die innere Reife bringt das zum Ausdruck, was der Inhalt der Arie aussagt, wenn sich der Sänger mit dieser Rolle identifizieren kann, er in die Rolle schlüpft, ist alles ok.[/quote]

Ich wage mal dezent zu widersprechen... :kaffee . Denn genau darin sehe ich ein Problem, in dem Anspruch, sich mit der Rolle identifizieren zu müssen oder zu meinen, dass man nur mit der Identifizierung der Rolle diese auch überzeugend darstellen kann. Es gibt so viele Rollen in der Oper/Operette/Musical, mit denen möchte ich mich nicht unbedingt identifizieren (wir hatten das auf dem Workshop auch mal kurz als Thema soweit ich mich erinnere) und trotzdem möchte ich sie singen und werde sie überzeugend vortragen können. Ich denke es geht eher um eine "Identifizierung mit dem emotionalen Ausdruck der Rolle, also der darzustellenden Person" . Ich denke über den Text des Liedes, dessen Interpretation in Wort und Musik nach und über die Rolle als solche nach. Das heißt, ich versuche , die Emotion intellektuell zu erfassen und bringe sie aber dann mit dem entsprechenden Herzblut und Seele im Gesang rüber. Dieses Vorgehen ermöglicht mir die nötige Distanz, denn sonst wäre ich als Künstlerin ständig irgendwelchen emotionalen Wallungen unterworfen.
Abgesehen davon will ich nicht bestreiten, dass mich manches Lied, manche Musik so mitnimmt, dass ich schon mal Tränen vergießen könnte oder sie fließen; dies aber auch nur, weil ich persönlich zu nah an dem Inhalt der jeweiligen Arie/Lied/Song war. Ich finde es imgrunde unprofessionell, aber wie schon des öfteren erwähnt: Musik öffnet die Seele und das Herz. Da ist man manchmal nicht gefeit vor, was ja auch gut ist..

LG Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 10:57 
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Ich möchte mich da Silje anschließen.

Interessant finde ich auch, dass man durch die Beschäftigung mit dem Gesang und verschiedenen Rollen mit der Zeit auch andere Facetten der eigenen Persönlichkeit entdecken kann und es somit einfacher wird, Rollen zu interpretieren, die einem auf den ersten Blick fremd sind. Wie ebenfalls schon häufiger gesagt - Stimmbildung ist eben auch Persönlichkeitsbildung.

LG

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