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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 11:06 
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Wenn man Theater spielt, MUSS man in die Rolle schlüpfen und sich damit identifizieren, das ist ja das Können der Schauspielerei. Solange man auf der Bühne steht, verkörpert man die Rolle glaubwürdig, man ist die Person. Die Kunst ist, außerhalt des Auftrittes wieder die eigene Person zu sein, also wandlungsfähig.
Nur den Text zu singen und sich mit dem Inhalt zu identifizieren, reicht mir nicht aus, ich bin die Person dessen Arie ich singe, ich bin als Schauspielerin in der Lage sie so umzusetzen, zu spielen, dass am Ende der Arie jeder die Person wiedererkannt hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 11:58 
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Wieder Einspruch Euer Ehren... aber ich glaube, wir meinen fast das gleiche..

Meiner Meinung nach ist man nicht die Person (schon klar, dass ich nicht zur Maria Stuart werde). Ich bleibe, egal, ob beim Schauspiel oder beim Gesang, immer noch Angelika D. und insofern gebe ich der jeweiligen Rolle auch meinen "Touch" und meine individuelle Interpretation. Letzten Ende gebe ich den Text, die Melodie, die Musik mit meinem persönlichen emotionalen Verständnis wieder.. (jeder denkt und fühlt auch anders über die gleiche Sache). Deshalb gefällt dem einen die selbe Arie gut, wenn sie von der TeKanawa gesungen - und dem anderen nur, wenn sie von der Fleming gesungen wird. Verschiedene Sängerinnen, verschiedene Auffassung der Rolle, der Emotion und doch selbe Arie.

LG Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 12:13 
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Ich glaube, eine Arie von verschiedenen Sängerinnen unterschiedlich zu hören, liegt an der Stimme selber, am Timbre, an der Aussprache, ob sie einem sympatisch ist oder nicht.

Vielleicht meinen wir dasselbe, doch ich kann von mir aus selber sagen, wenn ich Maria Stuart singe, bin ich sie in dem Moment, auch wenn ich Erika heiße.

Warum kommen Emotionen hoch beim Singen? Weil du Silje bist oder die Rolle verkörperst die du singst, dich damit identifizierst? Manchmal passt das was man singt, der Inhalt zum eigenen, persönlichen Leben, es verschmilzt mit der Rolle und der eigenen Person.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 12:41 
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Emotionen kommen hoch, weil ich in dem Moment Gefühle und Gedanken habe, die mich an schöne oder traurige Momente in meinem Leben erinnern. Ich identifiziere mich aber in dem Moment nicht damit, bzw. mit der Person sondern ich stelle sie dar. Wie gesagt: Ich halte es eher für unprofessionell, wenn man bei einer Arie anfängt zu weinen oder mit dickem Kloß singt...aber das ist meine Meinung. Und ich muß genau so gut und überzeugend Arien singen können, die absolut gar nichts mit mir und meiner Person zu tun haben; da muß ich mich auf meine gute Vorbereitung und Auseinandersetzung mit der Rolle verlassen.
Im grunde finde ich es eher hinderlich, wenn die Arie, die man singt, zu viel mit dem eigenen Leben und Befinden zu tun hat.

Ich glaube aber, dass wir hier eher ein Definitionsproblem haben. Wir haben unterschiedliche Auffassungen, was den Begriff "Identifikation" betrifft.

LG Silje

PS: Und um mal in großem Bogen auszuholen. Das ist genau das Problem vieler Jugendlicher, die gewaltbereit sind und zu Kurzschlußreaktionen neigen, bzw. so grausame Sachen machen wie mit einem Maschinengewehr in eine Schule rennen.Sie haben oft nichts anderes im Kopf, als Computerspiele zu spielen, wo extreme Gewalt gezeigt wird und wo der der Held ist und Ansehen bekommt, der Menschen unterjocht und abknallt. Und genau diese Jugendlichen sehen keinen Unterschied mehr zwischen ihrer eigenen Person und Identität und der Rolle des "Terminators X" im Computerspiel. Sie sind eins geworden/verschmolzen mit der Rolle des Täters und nur aufgrund dessen zu total überzogenen, grausamen Reaktionen fähig.
Aber ich weiß schon...das ist was ganz anderes..fiel mir nur so ein..

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 13:17 
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Die Positionen, die Ihr einnehmt, sind in der Schauspieltheorie samt und sonders vertreten. Die Richtung Stanislawski und Strasberg, die voll darauf setzen, dass aus einer Auseinandersetzung mit einer Rolle eine Umsetzung wird, die echt ist, die sind mir persönlich z.B. leichter zugänglich als andere Richtungen, bei denen Gesten und Mimik einstudiert und zusammengesetzt werden wie Puzzlespiele. Aber das ist meine persönliche Erfahrung mit den unterschiedlichen Methoden.

Zwar ist die Fraktion Stasberg emotional weit anstrengender, hat aber – wenn ich mal meine Workshoperfahrungen im Schauspiel (ohne Gesang) befrage – merklich mehr darstellerische Durchschlagskraft (jedenfalls habe ich diesen Eindruck gewonnen). Augenmaß im Umgang damit ist sicher vonnöten, so dass man auf der Bühne nicht mit emotionalen Kanonen auf Darstellungsspatzen schießt, etwas Unprofessionelles kann ich an echten Tränen vor der Kamera oder auf der Bühne aber beim besten Willen nicht erkennen. Entscheidend ist, dass man es dosieren lernt und auch wieder herausfindet. Auch das ist ein Zeichen emotionaler Reife, denke ich. big_gruebel

Grüße
Olympchen

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 16:13 
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Liebes Olympchen,

ich stimme fast ganz und gar mit Dir überein. Trotzdem sehe ich es als unprofessionell an, echte Tränen zu vergießen, wenn mir eine Arie o.ä. sehr zu Herzen geht. Ich verstehe die Argumentationen vollkommen und bin ja selbst teilweise nah am Wasser gebaut, aber es darf m.E. nicht angehen, dass sich meine persönliche psychische Verfassung in meinem künstlerischen Vortrag widerspiegelt.

LG Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 16:31 
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Die Gefahr, die ich sehe, wenn einen die Gefühle auf der Bühne übermannen, ist auch, dass sich der Zuschauer unter Umständen unangenehm berührt fühlen könnte. Daher halte ich ein letztes Quentchen von Distanz ebenfalls für sinnvoll, um diese Grenze nicht zu überschreiten. Die Kunst ist es dann, die Balance zu wahren.

LG

Octaviane

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 16:42 
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Die Beiträge haben sich überschnitten, hier die Antwort auf Silje:

:n66: Ich wüsste nicht, was das schaden sollte, sofern diese Verfassung zum Darstellungsakt passt. Überdies ist auch das Strasberg'sche Heraufholen von echter Emotion nichts weiter als ein Nochmals-Durchleben einer persönlichen Verfassung, die sich jetzt aber künstlerisch umsetzen lässt. Es ist und bleibt eine persönliche Verfassung, wenn sie auch nicht mehr ganz aktuell ist. Alles andere wäre aufgesetzt.
Ich frage mich andererseits, ob wir vielleicht von zwei verschiedenen Dingen reden? Wenn man freilich vor Lachen oder Heulen nicht mehr Sprechen oder nicht mehr Singen kann, ist das etwas anderes, dann ist das dem Vortrag abträglich. Wie ich sagte, die Dosierbarkeit muss gegeben sein.
Vielleicht kann man es daran festmachen: Wenn die Verfassung der Qualität des Vortrags zuträglich ist, passt's, wenn sie ihr schadet, ist's z viel.

Antwort an Octaviane: Genau so sehe ich es auch. Die Dosierung macht's. Es kommt auch auf die Größe der Bühne an und der räumlichen Distanz, die man überwinden muss im Theater. Vor der Kamera wird noch viel dezenter gespielt, wobei auch eine Mini-Bewegung in der Mimik eine unterschiedliche Intensität haben kann. Ich denke eben an den Vergleich einer gehobenen Augenbraue in Jack Nicholsons Gesicht und bei einem GZSZ-Gesicht... Oder ist der Vergleich gemein?

Grüße und Prosit, ich mach jetzt nach einem scheußlichen Tag Feierabend und geh in die Wanne mit einem Glas Sekt big_prost

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 17:06 
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[quote="Olympchen"]Die Beiträge haben sich überschnitten, hier die Antwort auf Silje:

:n66: Ich wüsste nicht, was das schaden sollte, sofern diese Verfassung zum Darstellungsakt passt. Überdies ist auch das Strasberg'sche Heraufholen von echter Emotion nichts weiter als ein Nochmals-Durchleben einer persönlichen Verfassung, die sich jetzt aber künstlerisch umsetzen Es ist und bleibt eine persönliche Verfassung, wenn sie auch nicht mehr ganz aktuell ist. //


Was der liebe Strasberg da erwartet und womit er arbeitete, ist nichts anderes als eine Methode der Psychotherapie. Das heiße ich auf künstlerische Darstellung bezogen für gar nicht gut. Ich jedenfalls möchte nicht immer seelisch durch die ganzen Schmerzen und Leiden und auch manchmal Freuden der jeweiligen Arien, die ich singe, gehen, auch wenn es dann etas artifizieller ist. Und abgesehen davon..wer holt mich denn da wieder raus ? Woher weiß denn der Strasberg,bzw. die, die mit seiner Methode arbeiten, ob ich mir danach zu Hause nicht den Strick nehme..(Da haben es depressive Papageni richtig gut.... ..sorry, das war böse..)

Sicherlich kann man sagen: Wenns der Arie/dem Schauspiel zuträglich ist und man gerade so "depressiv" drauf ist, dann wunderbar... umso authentischer der Ausdruck. Aber was mache ich denn, wenn mir nach Heulen zumute ist und ich die Christl von der Post singen soll ?? Dann geht das gar nicht; insofern bewahre ich lieber eine Art von persönlicher emotionaler Distanz zu dem jeweiligen Stück, damit auch nichts schief geht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 17:25 
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Was ich von Euch von Strasberg höre, klingt für mich fast wie Method Acting.

Ich hab einige Interviews von Schauspielern gesehn, die davon abgekommen sind, da sie anfingen sich zu sehr mit ihrer Rolle zu identifizieren und oft direkt in Depressionen liefen, aggressives Verhalten zeigten etc.
Selbstverständlich war das auch abhängig von der Dauer der Dreharbeiten und Intensität der Rolle.

Natürlich kann man ein Stück in passender Emotion darstellen indem man in seinem eigenem Erfahrungsfundus stöbert (Hab ich sowas schon mal erlebt? Wie hab ich mich gefühlt? Wie hab ich reagiert?), aber gerade wenn es um thraumatische Dinge geht, sollte man für sich selbst entscheiden ob man so tief geht- denn dann können Sachen hochkommen die einen im schlimmsten Fall auf die Couch eines Therapeuten bringen.
Es muß ja nicht mal Tod- und Mordschlag sein, es reicht ja auch schon der Tod einer geliebten Tante, ein Unfall etc.

Ich verstehe Hingabe für den Gesang (und für einige von Euch dann auch Hingabe für den Beruf) nicht so, dass man sich dafür aufreiben sollte.
Ich glaube auch nicht, dass emotionale Reife eine Sache des Alters ist. Ich habe Menschen kennengelernt, jünger als ich, die so viel erlebt haben dass es für mehrere Leben reicht- aber emotionale Reife hat dann auch damit zu tun wie man damit umgegangen ist und was man daraus gelernt hat.

Kann ja sein dass ich das überlesen habe, aber was versteht Ihr unter emotionaler Reife?

Liebe Grüße
MisSkorbut


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 17:53 
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Genau Miss Skorbut...das ist es wovon ich rede... die absolute Identifizierung mit der Rolle, die zu einer Art von Gefahr werden kann.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 18:18 
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Silje hat geschrieben:
Genau Miss Skorbut...das ist es wovon ich rede... die absolute Identifizierung mit der Rolle, die zu einer Art von Gefahr werden kann.

LG Silje


Schauspieler und Sänger müssen lernen damit fertig zu werden, sonst sind sie für die Bühne nicht geeignet. Es sind harte Berufe die auch schon mal ihr Höchstes, bis an die Grenze gehendes, abverlangen, das ist der Alltag der Künstler.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 18:23 
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Darf ich mich mal selbst zitieren von weiter oben?
Olympchen hat geschrieben:
Entscheidend ist, dass man es dosieren lernt und auch wieder herausfindet.

Vielleicht muss man, damit einem das leicht fällt, auch ein sehr analytisch/kopfig veranlagter Mensch sein, was auf mich durchaus zutrifft.

Scharfes Auge, Miss Skorbut: big_ok Method Acting geht direkt auf Strasberg zurück. Und er weilt schon einige Zeit nicht mehr unter uns.
Die Erfahrung, dass einen die Rolle verändert, dürfte in der Tat auf die Länge der Dreharbeiten zurückgehen - David Wenham (am besten bekannt durch seine Rolle als Faramir im HdN) hat dazu mal ein interessantes Interview gegeben im PR-Gewühle seines Films "300" (Spartakus auf modern). Und ein Freund von mir, der seit vielen Jahren als Schauspieler und Regisseur arbeitet, hat diese Erfahrung auch schon gemacht. Nur entwickelt man im Lauf der Zeit seine Mechanismen, wie man wieder Distanz gewinnt. Darauf kommt's wohl an (siehe Zitat oben).

Meine Güte, was für ein Fass von Diskussion! In was man hier so reinstolpert ts ts ts big_smoke

Grüße (in bester Laune nach Sekt und Badewanne)
Olympchen

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Zuletzt geändert von Olympchen am 27.10.2010, 18:33, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 18:31 
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Silje hat geschrieben:
Trotzdem sehe ich es als unprofessionell an, echte Tränen zu vergießen, wenn mir eine Arie o.ä. sehr zu Herzen geht.LG Silje


Liebe Silje,
beim Lesen dieses Satzes von Dir bin ich vielleicht auf den Grund der unterschiedlichen Auffassungen gestoßen - wenn mir "etwas zu Herzen geht", dann ist das ein passiver Vorgang, über den ich wenig Kontrolle habe. Wenn ich aber die Nähe zu einer Emotion bewusst und gezielt aufsuche, um sie zu verwerten,m dann ist das aktiv und unter Kontrolle. Vielleicht treffen wir uns auf dieser Ebene?

Grüße
Olympchen

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 18:46 
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musika hat geschrieben:
Silje hat geschrieben:
Genau Miss Skorbut...das ist es wovon ich rede... die absolute Identifizierung mit der Rolle, die zu einer Art von Gefahr werden kann.

LG Silje


Schauspieler und Sänger müssen lernen damit fertig zu werden, sonst sind sie für die Bühne nicht geeignet. Es sind harte Berufe die auch schon mal ihr Höchstes, bis an die Grenze gehendes, abverlangen, das ist der Alltag der Künstler.



Nicht nur Schauspieler und Sänger. Auch in meinem Beruf.
Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag an dem ich einen stundenlagen Heulkrampf hatte, nachdem mir eine meiner zu Betreuenden fast an einem epileptischen Anfall gestorben ist. Ich rede da von 8 Minuten Atemstillstand- und jemnd. in einem Anfall zu beatmen ist fast unmöglich, da die Atemmuskulatur eben auch krampft.
Hilflosigkeit ist das Schlimmste. Und das Warten auf den Notarzt macht es nicht besser.
Mein Beruf besteht aus einer gehörigen Portion Empathie und auch nach 12 Jahren Beruf kann ich nicht alles an der Stempeluhr abgeben.
Dass mich oben beschrieben Situation so umgehauen hat, hat mich selbst überrascht, da ich eigentlich täglich mit schweren Anfällen zu tun habe und immer der Rettungsanker für die Kollegen bin wenn bei denen in den Gruppen jemand krampft.

Aber ich mußte lernen mich nicht in jede Situation hinein zu versetzen, da ich sonst mit wehenden Haaren in ein Burn-Out gelaufen wäre.
Bin ich deswegen für meinen Beruf ungeeignet?

Und genau die Gefahr sehe ich auf emotionaler Ebene auch wenn ich mich zu sehr in meine Rolle hineinversetze.

Wie heißt das Motto meiner Chefin?

Selbstschutz geht vor! Und es hat nichts mit Unfähigkeit zu tun, wenn man einer Situation nicht gewachsen ist. Eingestehen etwas nicht zu schaffen, überfordert zu sein und um Hilfe zu fragen zeugt von Stärke.

Ich denke, dass man nicht unbedingt ungeeignet für die Bühne ist, blos weil man viell. sensibler ist als andere oder noch keinen Weg gefunden hat mit solchen Belastungen umzugehen. Schließlich ist es ein Lernprozess der ewig dauern kann.

In meiner Ausbildung hab ich über den Satz: "Aus jeder Krise geht man stärker hervor" gelacht.
Heute weiß ich das es stimmt. Das hält mich über Wasser wenn ich nicht mehr weiter weiß- egal in welchem Bereich.

Ich glaube ich schweife ab.

Liebe Grüße
MisSkorbut


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 27.10.2010, 19:00 
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Liebe/s Olympchen,

auch auf der Ebene treffen wir uns nicht wirklich.. :n66: .Du schreibst, das "zu Herzen gehende" sei ein passiver Vorgang. Nein, sehe ich nicht so. Ich habe immer noch die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich diese Gefühle zulassen will oder nicht.. Und das ist im Grunde ein durchaus aktiver Vorgang. Und das hat sicherlich auch mit dem von Ms Skorbut beschriebenen Selbstschutz zu tun, der eben bei so vielen Berufen (Arzt, Therapeut, Krankenschwester,Lehrer,Pfarrer, Künstler..usw.) unabdingbar ist.

Lg Silje, die sich jetzt erst mal einen Chai-Tee macht...

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 02.11.2010, 21:13 
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Hm...

...ich muß mal wieder den advocatus diaboli geben... oder gar letzteren selbst?

in einem Forum, daß sich mit Instrumentalmusik, Komposition, Literatur, bildender Kunst... auseinandersetzt, würde die Behauptung, ein Künstler müsse die von ihm dargestellten/darzustellenden Emotionen und Affekte selbst "in echt" durchleben/durchlebt haben, vermutlich auf heftigste Ablehnung stoßen. Gehen wir doch mal einen Schritt in der Musik zurück, weg vom Ausführenden, hin zum Komponisten und Textdichter. Der müsste das dann doch auch beim Schöpfungsakt entsprechend erleben, um zu einem gültigen und überzeugenden Kunstwerk zu gelangen, wenn man einem Teil der obigen Argumentation folgen möchte. Wenn ich mir da die blutrünstigen Mordstücke von Verdi oder auch des Verismo und die Intensität der dort gezeigten Gefühle ansehe, würde ich das allerdings als etwas absurd empfinden... Ob Verdi seine Frau schon mal ermorden wollte..?

Also, meine Damen: Wenn Ihr wieder mal die Desdemona gebt, oder die Nedda, oder auch die Carmen, dann solltet Ihr besser beten, daß sich euer Partner nicht in die von Euch als notwendig geschilderte Emotionalität reinsteigert... wie's sonst ausgeht, lernt Ihr aus I Pagliacci ;-)

Andererseits: Die Gefahr ist eigentlich relativ gering. Canios gibt es im echten Leben auf der Bühne eher weniger. Und auch Schizophrenie ist unter Sängern nicht allzuweit verbreitet, und wenn doch, ist das alter ego meist gerade nicht die Rolle. (Ausser, man heißt Mario Lanza und spielt Caruso...) Die allermeisten Mitmenschen haben glücklicherweise schon irgendwie die Fähigkeit zur Abstraktion. Sogar Sänger... :-)

(der Mephisto ist halt meine Lieblingsfigur..!)

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Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 02.11.2010, 23:43 
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Lieber Pestoso,

das hat nichts damit zu tun wie andere ihre Rollen "spielen", wenn ich mich nicht so in eine Rolle hineinversetzen kann, lasse ich es lieber bleiben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 03.11.2010, 07:08 
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Viell. reden wir ja auch die ganze Zeit aneinander vorbei liebe Musika.

Wie tief gehst Du denn in eine Rolle hinein und wie genau machst Du das? Hast Du da eine bestimmte Methodik?
Gab es schon mal eine Rolle die Dich emotional so gefordert hat, dass es für Dich persönlich grenzwertig wurde?
Da ich selber ja kein Profi bin würd mich das schon interessieren.
Ich hoffe ich tret Dir mit meinen Fragen nicht zu nahe.

Liebe Grüße
MisSkorbut


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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionale Reife
BeitragVerfasst: 03.11.2010, 08:03 
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T M Pestoso hat geschrieben:
in einem Forum, daß sich mit Instrumentalmusik, Komposition, Literatur, bildender Kunst... auseinandersetzt, würde die Behauptung, ein Künstler müsse die von ihm dargestellten/darzustellenden Emotionen und Affekte selbst "in echt" durchleben/durchlebt haben, vermutlich auf heftigste Ablehnung stoßen. ...

(der Mephisto ist halt meine Lieblingsfigur..!)


Letzteres, lieber TM Pestoso, ist mir sympathisch.

Dein Einstiegssatz entlockt mir aber zwei Kommentare: Erstens - es mag darauf zutreffen, dass Instrumentalmusik und Komposition da anders gestrickt sind, aber spätestens in der Literatur bröselt dieses Ausschlussverfahren. Und da kann ich jetzt mal wirklich mitreden. Für die Kunst wird meist etwas verarbeitet, das aus dem Leben stammt - woher käme sonst das Potetial, den Leser, Zuschauer, Zuhörer zu erreichen? Dass das Ausgangsmaterial - sprich: durchlebte Gefühle/Erfahrungen - dafür verfremdet wird, das bestreitet hingegen niemand.

Nun zu Kommentar zwei: In dieser Absolutheit hat das hier niemand behauptet. Nicht jedes Gefühl muss 1:1 erlebt worden sein, aber man kann Durchlebtes nutzbar machen für die Darstellung. Das ist eine Art Zweitverwertung mit Verfremdungseffekt. Das würde in einem Schauspielforum keiner abstreiten oder gar ablehnen. Gefährlich ist das ganze nicht. Jedenfalls nicht gefährlicher, als ungestützt hohe Cs zu singen. Aber es erfordert etwas Übung und die Fähigkeit, den hervorgerufenen Emotionsstrom an- und wieder abzuschalten, also eben auch eine Art Technik. (Was ich alles weiter oben schonmal in anderen Worten beschrieben habe.)

Es grüßt den mit dem Pferdefuß
das Olympchen

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