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 Betreff des Beitrags: Das Ende der Unschuld
BeitragVerfasst: 11.11.2012, 00:00 
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Registriert: 15.05.2012, 08:30
Beiträge: 58
Vorname: Andreas
Nachname: Simon
Hallo,

nach einigen Monaten der aktiven Chormitgliedschaft fällt mir auf, dass ich irgendwie die musikalische "Unschuld" verloren habe.

Habe ich früher ein Stück einfach nur angehört, höre ich heute mit ganz anderen Ohren hin. Ich achte auf "meine" Stimmlage und bin automatisch kritischer geworden. Was ich manchmal auf bedaure. Ich kann die Stücke nicht mehr so unvoreingenommen genießen. Was wohl dazu gehört ?

Heute haben wir erstmals die CD mit den Aufnahmen der Missa Brevis gehört, und im ersten Moment waren meine Frau und ich erschrocken. So schlecht haben wir gesungen ? Aber wenn man sich alles anhört, geht es. Nur der Anfang (Kyrie) ist ziemlich schlecht, besonders Alt und Sopran haben einen ganz schlimmen Start erwischt. Es hört sich an, als ob die Damen gewürgt werden und nicht richtig "hoch" kommen. Dabei hatten wir vorher über eine Stunde geübt. Oder vielleicht deswegen ?

Gruß

Andreas


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Ende der Unschuld
BeitragVerfasst: 15.11.2012, 00:32 
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Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 605
Gar nicht so einfach darauf zu antworten, lieber Andreas.

Ich glaube, es ist zunächst völlig normal dass man die Dinge, die man selbst tut, ganz anders und feiner wahrnimmt als diejenigen Dinge die man selbst nicht tut.

Wenn ich mir z. B. ein Orgelkonzert oder ein Konzert mit Streichinstrumenten anhöre, dann ist das eben schöne Musik die ich mir einfach so anhöre. Da ich weder Orgel noch ein Streichinstrument spiele kann ich mir solches ziemlich "neutral" anhören. Aber wenn jemand singt, dann kann ich mir das nicht nur "einfach so" anhören. Diese "Unschuld", von der Du schreibst, die hat man nur so lange man selbst nichts damit zu tun hat.

Verstärkt wird dieses "Ende der Unschuld" aber auch durch diverse Anmerkungen und Kritik, wie Du auch von Deinem Chor mal berichtet hast. Dann ist unvoreingenommenes Hören in der Tat nicht mehr möglich.

Vergiss auch nicht: Du hast ja nicht erst seit Deinem Beitritt zum Chor überhaupt mit dem Singen begonnen. Das hast Du auch vorher schon "irgendwie" können. Bei einem Instrument jedoch ist das ganz anders.

Vor kurzem habe ich mit Gitarrenunterricht begonnen. Das wollte ich schon als Jugendliche tun, aber ich durfte bzw. sollte das damals nicht. Da ich mich bislang also nicht selbst aktiv damit befasst habe höre ich Gitarrenspiel "anders", vor allem wesentlich weniger kritisch als Gesang, und zwar sowohl bei anderen Leuten wie auch bei mir selbst. Ich bin sehr gespannt darauf, ob und wie sich die Wahrnehmung beim Anhören von Gitarrenmusik im Verlaufe weiteren Gitarrespielens verändern wird oder ob mir da die "Unschuld" erhalten bleibt.

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Ende der Unschuld
BeitragVerfasst: 28.11.2012, 22:27 
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Beiträge: 28
Vorname: Badewannen
Nachname: Callas
Mir geht es komischerweise völlig anders: je länger ich in Chören singe (und das ist der Fall seit ich 10 Jahre alt war), umso größer und "unschuldiger" ist und meine Begeisterung, wenn ich Künstler höre, die es WIRKLICH können.
Die Aufnahmen meines eigenen Chores höre ich natürlich auch viel kritischer als andere CDs, denn wenn es zum Beispiel im Sopran eher funzelt als funkelt weiß ich, daß auch ich u.U. mein gerüttelt Maß dazu beigetragen habe, das ist manchmal desillusionierend. Auf der anderen Seite: ich weiß z.B. eine wirklich phänomenale Aufführung oder CD des Brahms-Requiems erst so richtig zu schätzen, seit ich mich selber daran abgearbeitet habe und beurteilen kann, was es heißt "Selig sind die Toten" tatsächlich so friedvoll und leise zu singen wie Brahms es geschrieben hat.
Oder was es bedeutet, in den höchsten Höhen so textverständlich zu singen wie eine Erna Berger es getan hat.
Mit anderen Worten: je mehr Erfahrung ich als Laiensängerin (das wort "Sängerin" will mir nicht aus der Feder) sammle, umso größer ist mein Erstaunen wenn ich wirkliche Könner höre.
Wahr ist allerdings auch, daß man schlechte Sänger leichter erkennt und leidet wenn Paul Potts "Nessun dorma" abschlachtet während viele andere es toll finden. Daß ich es nicht besser kann heißt ja nicht, daß ich nicht höre, daß er es auch nicht kann...

_________________
People may say I can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing.
(Florence Foster Jenkins)


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