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 Betreff des Beitrags: Zwei Partien in einer Vorstellung
BeitragVerfasst: 14.06.2006, 11:23 
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Hallo Ihr Lieben,

mal was ganz Kurioses:

Ein Freund von mir singt momentan Wenzel in der Verkauften Braut. Letztens ist der Hans-Tenor ausgefallen und dann hat dieser Freund kurzerhand die Partie des Hans mit übernommen. Beide Partien voll szenisch in einer Aufführung. (War übrigens eine der ursprünglichen Ideen des Regisseurs, bei Partien mit einer Person zu besetzten - beide begegnen sich nämlich nie auf der Bühne).
Er wird es nie wieder machen, weil es furchbar anstrengend war!!!

Habt Ihr sowas schon mal in Eurer Zeit als Opernbesucher erlebt oder war das tatsächlich eine "Weltpremiere" (die sogar in der Bildzeitung erwähnt wurde)?

Zwischen zwei Rollen zu springen stelle ich mir auch wahnsinnig schwierig vor, vor allem, weil man beide ja überzeugend bringen will...

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 11:47 
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Hallo Mezzo,

ich kenne einen Fall, da ist ein Tenor während der Vorstellung ausgefallen und der Intendant sagte dann dem Publikum, dass die Vorstellung abgebrochen werden müsse, es sei denn, unter ihnen wäre ein Tenor der die Rolle schon mal gesungen hat. Es war ein Tenor im Publikum, der dann, man soll es nicht glauben, die Rolle übernahm und die Vorstellung lief weiter.

Stand auch in der Bildzeitung "Zuschauer übernahm Rolle in der Oper"

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 11:56 
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Hallo Mezzo,

das war in Frankfurt, oder ? Ich hab davon in der Zeitung gelesen und hab mich amüsiert . Ende Juni habe ich auch Karten für die verk. Braut in Frankfurt, aber dann wird "unser" lieber Jonas hoffentlich wieder fit sein :lol: .

Gruß,

Silje


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 12:09 
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Ich bin mal selbst eine halbe Vorstellung lang zwischen dem Notenpult auf der Seite und der Szene hin- und hergelaufen, weil der Escamillo krankheitsbedingt nicht weitersingen konnte. Dummerweise aber begegnen sich Dancairo und Escamillo auf der Szene - also spielte der erkrankte Kollege stumm weiter, während ich rumpelstielzchenhaft herumwetzte. Die Noten nämlich brauchte ich: zum damaligen Zeitpunkt hatte ich Escamillo noch nicht gesungen...


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 12:28 
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Silje hat geschrieben:
Hallo Mezzo,
das war in Frankfurt, oder ? Ich hab davon in der Zeitung gelesen und hab mich amüsiert . Ende Juni habe ich auch Karten für die verk. Braut in Frankfurt, aber dann wird "unser" lieber Jonas hoffentlich wieder fit sein :lol: .
Gruß,
Silje


Ja, richtig. Viel Spaß - es soll eine wirklich tolle Aufführung sein. Ich schaffe es leider nicht, reinzugehen :n111: .

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 14:38 
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Von Caruso ist bekannt., daß er einmal einem indisponierten Kollegen stimmlich "ausgeholfen" hatte. Während jener markiert, sang Caruso dessen Bass-Partie.


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 15:27 
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Hallo,

also ich weiß von hiesigem Staatstheater, daß bei La Boheme die Überlegung bestand, ob Benoit und Alcindoro mit nur einer Person besetzt wird. Dies wurde dann jedoch nicht gemacht, auch wenn es möglich gewesen wäre.

Kann mir gut vorstellen, das das für den Sänger/in schon anstrengend ist in zwei Rollen zu schlüpfen.....

Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 15:42 
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chero hat geschrieben:
Hallo,
also ich weiß von hiesigem Staatstheater, daß bei La Boheme die Überlegung bestand, ob Benoit und Alcindoro mit nur einer Person besetzt wird. Dies wurde dann jedoch nicht gemacht, auch wenn es möglich gewesen wäre.


Jetzt wo Du es erwähnst...
In Hoffmanns Erzählungen werden ja auch schonmal Olympia, Antonia und Giuletta von einer Sängerin gesungen - was ich aber aufgrund der unterschiedlichen Anlage der Partien für wahnsinnig schwer halte. Interpretatorisch macht es Sinn, das es sich ja um "Teilaspekte" von Hoffmanns unglücklicher Liebe Stella handelt.
Auch die "böse" Basspartie ist meist von einem Sänger zu bewältigen.
Da es sich bei Hoffmanns Erzählungen um abgeschlossene Episoden handelt, ist aber kein "Springen" zwischen den Rollen notwendig.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 14.06.2006, 17:25 
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Hallo,

ich habe mir sagen lassen, dass es bei manchen ganz alten Opern sowas öfter gibt, z. B Monteverdis Poppea. In dem Klavierauszug, den ich momentan habe, ist das sogar eingetragen.

Grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 15.06.2006, 11:28 
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mezzo hat geschrieben:
Jetzt wo Du es erwähnst...
In Hoffmanns Erzählungen werden ja auch schonmal Olympia, Antonia und Giuletta von einer Sängerin gesungen -

LG
mezzo


Stimmt. Heute werden die Rollen zwar oft aufgeteilt - wegen der "sStimmfachübergreifenden Anlagen der Rollen - aber es gab (und gibt auch bestimmt immer wieder) einzelne Sängerinnen, die alle drei Rollen singen. Das ist - so weit ich weiß - auch so gewollt.
Meine Lehrerin hat früher alle drei gesungen :stolzsei:


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BeitragVerfasst: 15.06.2006, 16:21 
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Wie die Damen im "Hoffmann" besetzt werden, hängt auch von der gespielten Fassung ab. Eine der neueren Editionen (Michael Kaye) sieht explizit für alle vier! Frauenpartien [Stella (sic!), Olympia, Antonia, Giulietta] einen Koloratursopran vor. Tatsächlich reichen in dieser Fassung auch drei der Frauenrollen hinauf in den dreigestrichenen Bereich. Nur Stellas Tessitura ist vergleichsweise unspektakuär - und die Partie sowieso kurz!

Gleichermaßen verfährt Kaye mit den sogenannten "Bösewichtern" Lindorf, Coppélius, le docteur Miracle und le capitaine Dapertutto, die alle von einem (Bass-)Bariton gesungen werden sollen.

Exakt so haben wir den "Hoffmann" auch gegeben. Die bösen "Junx" zu singen fiel mir anfangs durchaus nicht leicht, beginnt der Abend doch mit Lindorf und Coppélius sehr basslastig. Miracle erfordert dann plötzlich Stamina, um gegen einen manchmal recht massiven Orchesterklang antreten zu können, und treibt die Stimme etwas in die Höhe. Dapertutto schließlich ist rein theoretisch ideale Baritonlage (zumindest, sofern man die sogenannte "Spiegel-" bzw. "Diamantenarie" entgegen der Kaye'schen Edition beibehält). Praktisch hatte ich mich (im irrigen Bemühen um stimmliche Ökonomie) in der Tiefe so kaputtgespart, dass die wenig tragfähig ausfiel, gleichzeitig aber auch die Höhe beeinträchtigte. Seit ich endlich "loslasse" und mich auch unterhalb meiner Sahnelage um große Töne bemühe, klappts auch wieder mit der Höhe.

Hilfreich war außerdem der Ratschlag eines HNO-Arztes, der sein Leben lang Sänger behandelt hat: "Singen Sie wie Maschine, ohne Gefühl - werden sehen, klappt wie Schnürchen! Sänger Ihres Typs immer zu viel Gefühl geben, und dann bald zu wenig Stimme!" (Der Herr - das sei zu seiner Entschuldigung gesagt - ist östlicher Herkunft [und praktiziert übrigens in Berlin])

Dass der (sicher nicht kleinen) "Emotionsfraktion" hier im Forum der beschriebene Ratschlag nicht schmecken wird, ahne ich - aber ich habe am eigenen Leib gespürt, wie richtig, klug, klangveredelnd und stimmschonend der Gedanke des Arztes war. Weg mit "Oh, jetzt bin ich aber böse / zärtlich / traurig / grollend" etc. - hin zur eiskalten technischen Exekution der Gesangslinie. Man muss Gefühle transportieren, aber sie nicht selbst empfinden - auch wenn das der weit verbreiteten Gesangsromantik widerspricht! Ausnahme nach meinem Dafürhalten: Anfänger mit eher introvertiertem Naturell, die grundsätzlich Probleme mit emotionaler (Ent-)Äußerung haben. Im Übrigen spielt es sich so auch leichter und überzeugender - oder hilfts beim Witzeerzählen tatsächlich, wenn ich vor lauter Lachen kaum mehr artikulieren kann? Eiskalt servierte Pointen treffen meist besser! Ähnlich hatte sich bereits Hans Hotter geäußert, der die Bedeutung des Schauspiels für die Oper herausgestellt hat - zum Fühlen seien die Proben da!

Zurück zum Thema und zu "Hoffmanns Ezählungen": völlig üblich ist die Zusammenfassung von Muse und Nicklausse, die beide von einer Mezzosopranistin gesungen werden (und in der angesprochenen Kaye-Fassung Enormes Leisten müssen). Gelegentlich übernimmt die Sängerin dieser Rollen auch noch die Stimme der Mutter aus dem Off.

Auch die vier Buffo-Tenorpartien Andrès, Cochenille, Frantz und Pitichinaccio werden üblicherweise von einem Sänger übernommen.

Ähnliche Traditionen gibt es auch im Tannhäuser: manchmal werden dort Elisabeth und Venus von einer Sopranistin gesungen - ein wenig mit dem Subtext "Heilige und Hure", wie ich meine. Aus Gründen der Sparsamkeit finden sich in Wagners Werk auch andere Doppelbesetzungsoptionen: da singt die Walkürenfricka unter Umständen noch eine der tiefen Walküren im III. Aufzug - und die Rheingold-Floßhilde vielleicht noch die Erda im selben Werk. Möglicherweise hat auch die Götterdämmerungswaltraute im I. Aufzug der Oper bereits eine Norne gesungen. In letzter Zeit immer mal wieder diskutiert wird auch der Gedanke, Klingsor und Amfortas im Parsifal von einem Sänger übernehmen zu lassen: diese Konstruktion wäre mir beinahe mal (möglicherweise schmerzhaft) auf die Füße gefallen. Vorgeblich werden dann dramaturgische Erkenntnisse ins Treffen geführt, um den Gedanken zu unterfüttern - ich selbst denke, es geht schlicht ums Geld!

Lieschen: deine Lehrerin ist aber nicht jene Dame, die so sensationell schräge Sprüche ablässt wie "Wer SO gekleidet ist, der singt auch SO!" ??


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BeitragVerfasst: 15.06.2006, 16:56 
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Steven Grlscz hat geschrieben:
Töne bemühe, klappts auch wieder mit der Höhe.

Hilfreich war außerdem der Ratschlag eines HNO-Arztes, der sein Leben lang Sänger behandelt hat: "Singen Sie wie Maschine, ohne Gefühl - werden sehen, klappt wie Schnürchen! Sänger Ihres Typs immer zu viel Gefühl geben, und dann bald zu wenig Stimme!" (Der Herr - das sei zu seiner Entschuldigung gesagt - ist östlicher Herkunft [und praktiziert übrigens in Berlin])

Dass der (sicher nicht kleinen) "Emotionsfraktion" hier im Forum der beschriebene Ratschlag nicht schmecken wird, ahne ich - aber ich habe am eigenen Leib gespürt, wie richtig, klug, klangveredelnd und stimmschonend der Gedanke des Arztes war. Weg mit "Oh, jetzt bin ich aber böse / zärtlich / traurig / grollend" etc. - hin zur eiskalten technischen Exekution der Gesangslinie.


Hi, Steven!
- Ist zwar off-topic, aber
genau das fordert meine Lehrerin auch immer: Wissen was und wer Du bist, aber nicht fühlen - das schlägt sich unmittelbar au die Stimme nieder.
Ich muss sagen, ich profitiere schon auch von emotionalen Komponenten beim Singen - aber die dazu abzurufenden emotionen müssen nicht zu der Rolle gehören, die ich gerade verkörpern will.
Ich mache tatsächlich oft die Erfahrung, dass eben jene Darbeitungen besonders ergreifend sind, in denen der Singende "über dem steht", was die Musik sagt.
Alles überträgt sich dann viel leichter auf die Zuhörer und erzeugt Gänsehaut - wenn man weiß, welche technischen Mittel man wie einsetzen will...

Merke auch bei mir selbst, dass es immer eine Gradwanderung ist - mit den Gedanken nicht abschweifen, aber nicht so involviert sein, dass man nur noch mit sich allein beschäftigt ist (Stichwort Introvertiertheit).

Viele Grüße,
Lieschen


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BeitragVerfasst: 18.06.2006, 18:22 
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Ich bin auch der Meinung, dass man das, was man singt, nicht unbedingt auch fühlen sollte. Das kann auch schiefgehen - passt zwar jetzt nicht ganz zum Thema, aber denke da an die Erlebnisse, wo wir bei den Begräbnissen von uns bekannten Menschen singen mussten. Man muss sich da wirklich ziemlich abgrenzen, sonst hätte in den besagten Fällen statt dem halben gleich der ganze Chor zu singen aufgehört und stattdessen geheult :sad:


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