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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 19:32 
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Hallo,

möchte hier mal eine Frage einbringen, die immer wieder gerne diskutiert wird.
Was versteht ihr unter "schwer Kost" in der Literatur?

Liebe Grüsse :?:

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musica
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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 19:47 
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In der Musikliteratur verstehe ich unter schwerer Kost Wagner, Bruckner, aber auch die moderen Musiker wie Henze o.a.
Schwere Kost definiere ich nicht als vom Text her traurige oder deprimierende Musikliteratur, sondern eher die, die bombastisch und heroisch klingt. Oft geht das ja einher...aber dann müßte z.Bsp. Humperdinck und sein "Hänsel und Gretel" auch schwere Kost sein.
Ihr seht, das ist gar nicht so leicht zu definieren und ist von Stück zu Stück verschieden.


Gruß,

Silje


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 20:13 
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Für mich ist schwere Kost alles, was ich nciht gerne höre, weil es mich erschlägt und gleichzeitig innerlcih leer zurücklässt. Das hat nichts mit dem Inhalt oder der Epoche zu tun.
eine Wagneroper komplett ist ZU schwere Kost, eine Oper des 20igsten Jahrhunderts kann das auch sein, ebenso lange Cembalostücke odder Countertenöre mit ganzen Konzertprogrammen.(5 Minuten sind mir mehr als genug!!!!) Aber ebenso manche ewig langen angeblich komischen Arien, die mich zu Tode langweilen.
Schwer definiere ich subjektiv als "schwer für mich zugänglich" und schwer zu verdauen.
Im gängigen Sinne bezeichnet es wohl Stücke, die keinen Ohrwurmcharakter haben und die eine Weile brauchen, bis sie sich erschliessen und daher in Konzerten von "normalem" Publikum eher mit Stirnrunzeln aufgenommen werden. Zu viele davon sollte man unterlassen oder sehr gut in "Ohrwürmer" einbinden, dann geht es auch.
Traurige Sachen wie Stabat mater, Traviata "Addio dell passato'" usw sind für mich KEINE schwere Kost, denn sie gehen leicht ins Ohr und rühren sofort das Herz an.
Canti :hearts:

Im Laufe des Lebens und je nach Stimmung ändert sich das aber


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 20:25 
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hallo, Musika,

man kann sich der Definition, was hiermit gemeint ist, von mehreren Seiten nähern.

Der Begriff selbst ist ja an sich ein rhetorisches Konstrukt, um einen ganzen Sachverhalt dahinter griffig zu bündeln. Vielleicht assoziiert der Mensch des TV - Zeitalters damit auch den Werbesport der Box - Brüder Klitschko, in dem der eine Bruder dem anderen einen Tolstoi auf den Liegestuhl legt und dann der Kommentar "schwäääre Kost" kommt.

Des Weiteren kommt dieser Begriff ja auch aus der Küche.

Er hat m. E eine inhaltliche und eine musikalische Dimension in unserem Zusammenhang. Viele Schubert - Lieder sind mit sog. leichter Stimme viel besser singbar, aber die Winterreise z. B. würde ich als schwere Kost bezeichnen, auch wenn sie von einem lyrischen Bariton interpretiert wird.

Musikalisch verstehe ich darunter "große Oper", Stücke und Werke aus der Romatik pur, mit Dramatik, Wagner, Verdi, Bombastik, riesiger Klang - auch Klangteppich, Musik, die schwere große Orchestrierung und Stimmen braucht, sowie moderne Richtungen wie Zwölftonmusik. Der Inhalt muss dabei nicht zwingend traurig, düster, gefährlich sein, denn in den entsprechenden Opern kommen ja meistens auch Szenen vor, die positve Anlässe transportieren wie Feste, Krönungen und dergl. Das passiert dann aber in stringent durchgeführtem Stil z. B. von Verdi und Wagner.

Meist geht jedoch der düstere, schwierige Inhalt mit dieser Musik einher.

Aus Publikumsperspektive ist der inhaltlichen und musikalischen schweren Kost gemeinsam, dass sich der Genuss nicht ohne die geistige Anstrengung des Sich -Daruf - Einstellens und somit indirekter erschließt als der des Gegenparts, der "leichten Kost". In der Küche ist das manchmal anders.

Ich glaube, die meisten Konsumenten unserer klassischen Gesänge wollen beides (unter der Prämisse, dass wir eben die Programme der weltlichen Musik aus verschiedenen Kompositionen zusammensetzen und nicht ein Werk durchziehen), sowohl die direkt positive Stimmulation als auch dazwischen den Genuss nach und durch Gefordert - Sein.

Liebe grüße,

dola


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BeitragVerfasst: 07.12.2006, 01:59 
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Unter schweren Stücken verstehe ich längere Arien und Duette, die meist dramatischen Charakter haben oder gar größere Szenen.
Als Beispiel wären mal zu nennen:

der Monolog des Holländers
die Ballade der Senta
die Wahnsinnszene der Lucia
die Duette Rigoletto-Gilda
die Szene Hans Sachs/Eva aus Meistersinger
die Kavatine des Figaro
die Arien der Donna Anna und Donna Elvira aus Don Giovanni
die Felsenarie aus Cosi
die Arie der Eboli
die Arie des König Philipp
die Azucena aus dem Troubadour
usw.

Alle diese Stücke sind länger als 4 Minuten und ich bezeichne sie als schwere Kost, schwer in der Einstudierung, schwer in der Durchführung und für den Zuhörer/-seher nicht immer leicht zu erfassen. Trotzdem haben diese Stücke ihren Anspruch im Gesamtkunstwerk und sind für jeden Opernliebhaber als Highlights anzusehen.

Spontane Überlegung von rugero :n79:


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