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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 05.01.2012, 22:42 
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ja, ich gehör' halt zu der altmodischen Spezies, die findet, daß es bei Kirchenmusik nicht egal ist, zu welcher Gelegenheit sie geboten wird... Die ist schon irgendwie anlassgebunden, Chor des Bayerischen Rundfunks hin oder her. Ich sag jetzt mal: Weihnachtsoratorium im Sommer und Matthäuspassion im Advent, da gibt es auch ein paar Schlager daraus, die dem Publikum immer gefallen würden... ok, extreme Beispiele. Aber ich glaube, damit wird klar, was ich meine. Hier ist die Übersetzung, ich glaube, die macht auch einiges verständlicher:

Zitat:
Sei gegrüßt, wahrer Leib [Leichnam], geboren von Maria, der Jungfrau, der wahrhaft litt und geopfert [gefoltert] wurde am Kreuz für den Menschen; dessen durchbohrte Seite von Wasser floss und Blut. Sei uns Vorgeschmack in der Prüfung des Todes!


Klingt das nach Weihnachten? Oder nach Trompete, die in der europäischen Musikgeschichte immer schon für Triumph und Repräsentation stand? Warum hat das Mozart für Kirchentrio und Orgelcontinuo gesetzt? (unmaßgebliche Frage eines HIPies)
Oder nicht doch eher, wenn schon nicht für Fronleichnam, dann für Requiem? Es gibt auch Leute, die wünschen sich "Händels Largo" für die Beerdigung, "weils so schee is". Muß man dem nachgeben?

Ich weiß, daß das Ave verum sogar von manchen Kirchenchören das ganze Jahr über gesungen wird, sogar von katholischen, was ja auch noch mal einen Unterschied macht. Nunja. Spricht nicht wirklich für die Chorleiter (oder die Musikkenntnisse der geschätzen Geistlichkeit, die ja sonst auch immer gerne mitredet bei der Kirchenmusik).... Leute, die es wissen, denken sich dann ihren Teil. Und man kann nicht vorraussetzen, daß es ohnehin keiner weiß.

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Zuletzt geändert von T M Pestoso am 06.01.2012, 15:22, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 05.01.2012, 23:44 
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Ich glaube, das Publikum versteht den Inhalt nicht und orientiert sich nur an der Musik, wie alle lateinischen Lieder, die kein Mensch versteht. Wenn man es so genau nimmt, würde auch kein Sänger "so nimm denn meine Hände" auf einer Hochzeit singen, obwohl es ein deutscher Text ist und die Geistlichkeit weiß oder wissen müsste, was der Inhalt ausdrückt. Ein Ave Maria von Schubert und viele "Weihnachtslieder", die eigentlich erst nach dem 24.12. gerechtifertig sind, dürften dann auch nicht mehr gesungen werden, woran ich mich eigentlich immer gehalten habe.

Da gibt es ja eine Menge Beispiele.... big_gruebel

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 06.01.2012, 16:23 
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musika hat geschrieben:
Ich glaube, das Publikum versteht den Inhalt nicht und orientiert sich nur an der Musik, wie alle lateinischen Lieder, die kein Mensch versteht.

Das meinst Du jetzt nicht wirklich ernst, oder??????
Ich denke, man sollte niemals das Publikum unterschätzen! Dochdoch: Es soll Menschen geben, die Latein verstehen... oder die wenigstens die Bedeutung des Textes kennen. Und manche haben vielleicht auch mehr als nur marginale Ahnung von Kirchenmusik.

musika hat geschrieben:
Wenn man es so genau nimmt, würde auch kein Sänger "so nimm denn meine Hände" auf einer Hochzeit singen, obwohl es ein deutscher Text ist und die Geistlichkeit weiß oder wissen müsste, was der Inhalt ausdrückt.

Im EG rangiert es meines Wissens unter "Glaube und Zuversicht". Es gehört dort deswegen auch sowohl zu den Beerdigungs- als auch zu den Hochzeits-Kasualien. Was ist daran falsch?

musika hat geschrieben:
Ein Ave Maria von Schubert [...]

du meinst zu kirchlichen Anlässen? Ellens dritter Gesang D 839 mit Schuberts (bzw. Scotts/Storcks) Originaltext? Sicher nicht! Never ever! :lol:
Mit dem Text des katholischen Ave Maria wurde es erst nachträglich versehen. Damit kann's frau dann halten wie sie will. Mir treibt's ohnehin meistens das Histamin unter die Haut...


musika hat geschrieben:
[...]und viele "Weihnachtslieder", die eigentlich erst nach dem 24.12. gerechtifertig sind, dürften dann auch nicht mehr gesungen werden, woran ich mich eigentlich immer gehalten habe.

Weihnachtslieder fallen mir gerade dazu keine ein, aber das WO, und da hast Du zweifellos recht. Da gehören alle sechs Teile eigentlich erst nach dem 24.12. aufgeführt, keine Frage. Aber wenigstens bleiben die meisten Aufführungen kurz vor Weihnachten wenigstens ansatzweise im weihnachtlichen Kontext, auch wenn man diese Unsitte vermutlich nie wieder aus der Welt bringen wird. Mit dem Ave verum (um zum Thema zurükzukommen) kann ich einen weihnachtlichen Kontext aber beim besten Willen nicht konstruieren...

musika hat geschrieben:
Da gibt es ja eine Menge Beispiele.... big_gruebel

Ohne Frage. Das wär fast mal einen eigenen Threat wert...

Nachtrag 18:15
mir ist gerade noch eine Implikation des Satzes "...wie alle lateinischen Lieder, die kein Mensch versteht" gekommen. Mal eine Frage an die Lehrer unter Euch: Fragt Ihr Eure Schüle bei fremdsprachigen Texten (ob Latein, Italienisch, Französich, Englisch, Russisch, egal...), ob sie auch wissen, WAS sie da singen?

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Zuletzt geändert von T M Pestoso am 06.01.2012, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 06.01.2012, 16:30 
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... oder einen mit einer Hitliste der abgedroschensten Kasualien...
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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 01:01 
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Hallo TM Pestoso!

Ich mag polemisieren ,aber ohne zu fighten - den Eindruck habe ich von Deinen Thread bekommen big_denken
Musika weisst am besten,was an Oratorien,halt kirchlichen Programm und wann gesungen wird ; Sie hat das auch de facto getan.
Kennst Du Dich auf dem Gebiet auch so gut aus?
Ich glaube,es gibt viele /von meiner Generation mindestens/ ,welche Latein ,italienisch,russisch,tschechisch,polnisch kennen.
Ich war in Latein gut,in Sprachen,aber leider fehlte mir Talent zu Mathematik.
Ich komme aus Polen /Breslau/ und mit 10 Jahren habe ich genauso gut polnisch,wie russisch gesprochen und geschrieben,später kam Latein,deutsch,tschechisch /wir hatten Wochenendhaus 15 Jahre in Tschechien gehabt/,italienisch,serbo-kroatisch,spanisch und englisch.
Meine Frage - ist das Lied "Nimm mich in Deine Hände" nicht gern bei Beerdigung gesungen?
Sorry,wenn ich mich irre.
Ich verlasse mich gern auf kompetente Aussagen und basiere auf Wissen von Insider,Du nicht?
Bitte, ich möchte aber friedlich,das Jahr hat erst angefangen und wir sind keine Anwälte.OK?
Sonst wünsche ich Dir gut´s Nächtle und
liebe Grüsse big_sleep
von mariella


Zuletzt geändert von mariella am 07.01.2012, 23:02, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 01:39 
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Liebe mariella,

Pestoso hat Ahnung, er ist vom Fach und nimmt es genauer als wir Sänger. :n129:

Ich bin aber überzeugt, dass die Mehrheit der Zuhörer nicht den Inhalt des Textes von Ave verum kennen, eine Umfrage wäre mal ganz sinnvoll.

Es werden viele Lieder zu besonderen Gelegenheiten, Hochzeit, Beerdigungen gesungen, die nicht immer passen und "So nimm denn meine Hände" hat garantiert nichts mit dem am Traualtar befindlichen Partner zu tun. Meine erste Lehrerin, eine Pastorentochter, erklärte mir, dass dieses Lied zur Geburt, Kommunion usw. passt, ein Kind mit blindem Vertrauen auf Gott duch das Leben zu führen, bis zum Ende. Ist eigentlich verständlich.

Das viel diskutierte Weihnachtslied "heidschi bumbeidschi" ist in meinen Ohren alles andere als ein Wiegenlied zu Weihnachten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 16:39 
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musika hat geschrieben:
Das viel diskutierte Weihnachtslied "heidschi bumbeidschi" ist in meinen Ohren alles andere als ein Wiegenlied zu Weihnachten.

sehe ich auch so. Schon als Wiegenlied sehr fragwürdig. Hatten wir da nicht schon mal einen Threat?
Aber ich glaube, wir sind OT... ;-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 17:48 
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Zu dem Wiegenlied gab es schon mal einen Thread. Das wurde schon besprochen. Und ja, so langsam wird es OT.

@Mariella: Alles gut ! M Pestoso sowie Musika haben beide Ahnung und kennen sich gut aus. Sie kommen nur von unterschiedlichen Richtungen. M Pestoso Meinungen und Beiträge können schon mal kontrovers sein, aber sie sind trotz all dem eine Bereicherung.

Lg Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 19:14 
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Silje hat geschrieben:
Zu dem Wiegenlied gab es schon mal einen Thread. Das wurde schon besprochen. Und ja, so langsam wird es OT.

@Mariella: Alles gut ! M Pestoso sowie Musika haben beide Ahnung und kennen sich gut aus. Sie kommen nur von unterschiedlichen Richtungen. M Pestoso Meinungen und Beiträge können schon mal kontrovers sein, aber sie sind trotz all dem eine Bereicherung.

Lg Silje


Tja, ist OT, :n66: doch Weihnachten kommt jedes Jahr wieder und damit wird es immer wieder aktuell, ob in vor- oder nachweihnachtlichen Konzerten. :kaffee

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 21:44 
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Puuh! da bin ich jetzt aber froh, daß Ihr mich nicht für ahnungslos haltet big_kiss !
(Handkuss-smily gibt's leider nicht....)

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 07.01.2012, 23:09 
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Hallo!

ich freue mich,das es nur regen Meinungsautausch gibt ; das belebt graue Zellen und ich bin auch froh,dass ich auch davon profitieren kann.
Sorry,ich habe den Eindruck gehabt,dass man um jeden Preis eigene Meinung durdchsetzen möchte.
Bin halt sensibel und ich mag Frieden.
Ich sehe,dass TM Pestoso Kavalier "alten Schule" ist.
Einen schönen Abend für alle
Liebe Grüsse
mariella big_herz


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 08.01.2012, 13:40 
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Liebe Alle,

ich nutze grade einen ruhigen Sonntag, um mich durch all die versäumten Threads zu wühlen und möchte hier gerne anmerken - wir können nur voneinander lernen, indem wir eben nicht alle die gleichen Ansichten vertreten. Selbst wenn wir uns einig wären, macht ein Schritt zur Seite dennoch Sinn, um weitere Aspekte zu erkennen. Wichtig ist nur der gegenseitige Respekt auch für abweichende Einstellungen.

Ich habe mich sehr gefreut, wieder mal was von TM Pestoso zu lesen, das ist immer ein Gewinn, um die eigenen Ansichten zu hinterfragen - und ich würde mich riesig über den Kasualien-Strang freuen, denn ich erlebe auch immer wieder, dass ich fest in meinem "Korsett" sitze - während die Menschen um mich herum gar nicht so "pingelig" sind, die freuen sich einfach, wenn sie was schon (aus der Werbung oder sonstwo) kennen.

Beste Grüße sendet Casta

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 08.01.2012, 13:45 
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T M Pestoso hat geschrieben:
musika hat geschrieben:
Ich glaube, das Publikum versteht den Inhalt nicht und orientiert sich nur an der Musik, wie alle lateinischen Lieder, die kein Mensch versteht.


Nachtrag 18:15
mir ist gerade noch eine Implikation des Satzes "...wie alle lateinischen Lieder, die kein Mensch versteht" gekommen. Mal eine Frage an die Lehrer unter Euch: Fragt Ihr Eure Schüle bei fremdsprachigen Texten (ob Latein, Italienisch, Französich, Englisch, Russisch, egal...), ob sie auch wissen, WAS sie da singen?


Ja - unbedingt - ich bin selbst so ausgebildet worden, dass die erste Frage war, worum geht es, wer sagt was in welchem Kontext - und genauso arbeite ich mit meinen Schülern. Ist das nicht selbstverständlich ?
Da meine Lehrer nie deutsche Muttersprachler waren, haben sie mir häufig auch für meine eigene Muttersprache sehr interessante Denkanstösse mit auf den Weg gegeben.

Aber vielleicht müsste das ein Mod in einen neuen Strang verschieben ?

Beste Grüße von Casta

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 08.01.2012, 14:12 
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Liebe Casta,

ich freue mich dich hier wieder aktiv zu sehen.

Es geht ja nicht nur um die Schüler, sondern um das Publikum. Es hört die Musik, kennt die oft gespielten Ohrwürmer und möchte diese Melodien wieder hören, egal ob es passt oder nicht, besonders wenn es um Hochzeiten oder sonstigen Feierlichkeiten geht.

Auch wenn man den Schülern den Text erklärt, sie vergessen ihn weil auch sie zu sehr auf die Melodie fixiert sind und es zu viel Literatur ist um sie dort einzusetzen, wo sie eigentlich hingehören.

Ich weiß es von mir selber aus meiner Studienzeit. Der Text ist mal von der Dozentin erklärt worden, wenn man danach gefragt hat aber dann geriet er ins Hintertreffen, zumal man kein Latein oder Italienisch konnte.

Warum schreibt man die Übersetzungen von z.B. Pergolesi Stabat Mater ins Programm? Aber ich gehe davon aus, dass auch viele Sängerinnen, die dieses Werk singen, eigentlich nicht wissen was sie da singen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nachweihnachtliches Konzert
BeitragVerfasst: 08.01.2012, 15:43 
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musika hat geschrieben:
Liebe Casta,

ich freue mich dich hier wieder aktiv zu sehen.

Ich auch! big_hello

musika hat geschrieben:
Es geht ja nicht nur um die Schüler, sondern um das Publikum. Es hört die Musik, kennt die oft gespielten Ohrwürmer und möchte diese Melodien wieder hören, egal ob es passt oder nicht, besonders wenn es um Hochzeiten oder sonstigen Feierlichkeiten geht.

Na ja, aber wäre da nicht auch die Verantwortung der Ausführenden gefragt? Aufklärung? Ansonsten wäre es doch nicht mehr als Pop: bringen, was gefragt wird, ob's passt oder nicht? Mainstream, Schlager... Wäre das nicht auch ein Teil der Qualität der Darbietung, darauf zu achten, daß es "passt"? Und wenn man mal von hartnäckigen Bräuten oder Brautmüttern absieht: Oft haben die Ausführenden die Auswahl der Nummern doch selbst in der Hand, zumindesten wenn es um Konzerte geht.

musika hat geschrieben:
Auch wenn man den Schülern den Text erklärt, sie vergessen ihn weil auch sie zu sehr auf die Melodie fixiert sind und es zu viel Literatur ist um sie dort einzusetzen, wo sie eigentlich hingehören.

Das ist aber eine ziemlich trübe Sicht der Dinge! Das klingt nach Flinte im Korn. Sollte das aber nicht ein elementarer Teil der Ausbildung und der Erziehung sein? Meine Lehrer haben mich grundsätzlich immer danach gefragt, und ich hätte es nicht gewagt, in dieser Hinsicht unvorbereitet zum Unterricht zu erscheinen.... Oder soll Unterricht nur der Vermittlung von Technik dienen? Ich glaube nicht.... Wie will ich denn über Ausdruck reden, wenn ich den Inhalt nicht kenne und nur an den Noten hänge?
Ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen: Nicht nur das Textverständnis des unmittelbaren Stückes ist für den angemessenen Ausdruck erforderlich, sondern wenn es Teil eines umfangreicheren Werkes ist - Oper, Oratorium... - auch der Kontext, in dem dieses Stück in diesem Werk steht. Mir fällt da momentan gerade die Arie "Turn not, oh Queen, thy Face away" aus Händels Esther ein: Eine für sich betrachtet total bewegende Arie. Nur: Sie wird vom gerade entlarvten Bösewicht gesungen, bevor er abgeführt wird, ein Umstand, der den Text in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt und eigentlich auch eine andere Interpretation erforderlich macht - zumindest, wenn Sie im Kontext aufgeführt wird.

musika hat geschrieben:
Ich weiß es von mir selber aus meiner Studienzeit. Der Text ist mal von der Dozentin erklärt worden, wenn man danach gefragt hat aber dann geriet er ins Hintertreffen, zumal man kein Latein oder Italienisch konnte.

Ist das wünschenswerter Zustand?
Kann man es nicht auch umdrehen: Vom Schüler ERWARTEN (ihm das als Hausaufgabe geben), selbst zu WISSEN, WAS er singt? Als VORAUSSETZUNG für die Arbeit am Stück? Immerhin existiert ja seit ungefähr zwei Jahrzehnten das Internet als bequeme Informationsquelle!

musika hat geschrieben:
Warum schreibt man die Übersetzungen von z.B. Pergolesi Stabat Mater ins Programm? Aber ich gehe davon aus, dass auch viele Sängerinnen, die dieses Werk singen, eigentlich nicht wissen was sie da singen.

Service für den Teil des Publikums, dar es nicht kennt? Aber wenigstens die Ausführenden sollten doch wissen, was sie tun! Wer singt, transportiert doch dabei einen Text! Was nutzt Textverständlichkeit (für wen, wenn es ohnehin niemand - weder Publikum noch Ausführende - versteht?), wenn das Textverständnis fehlt? Was unterscheidet das dann noch vom Singen von Solminationssilben?

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BeitragVerfasst: 08.01.2012, 16:17 
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Ein sehr interessantes Thema!

Ich sehe das (mittlerweile) so wie TM Pestoso. Wie kann ich eine Arie überzeugend und mit glaubwürdigem Ausdruck singen, wenn ich mir nicht vergegenwärtigt habe, WAS ich da singe und wo die betreffende Arie im Kontext steht? Und auch ich sehe das als eine Aufgabe an, die ich als Gesangsschülerin im Voraus leisten sollte. Man könnte u. U. sogar soweit gehen, Stücke auch in ihrem historischen Kontext zu betrachten, zumal bei der Liedintepretation und hier auch gerade bei muttersprachlichen Liedern. Wobei man natürlich auch sehen muss, wie man das zeitlich hinbekommt, zumal, wenn man das Singen nebenberuflich betreibt. Daher sollte man wohl auch nicht päpstlicher als der Papst sein ;)

Was nun "passende Literatur" zu bestimmten Anlässen angeht. Wenn der "Kunde" (also etwa das Brautpaar) darauf besteht, dass es unbedingt ein "Ave Maria" bei einer - womöglich noch protestantischen - Hochzeit möchte, bitte. Ich kann ich vielleicht meine Meinung dazu äußern und Alternativvorschläge machen (so dies gewünscht wird), aber letztendlich ist der Kunde König.

Wenn ich aber - wie es in der Tat meistens der Fall ist, da ich als Sängerin nicht irgendwo unter Vertrag stehe - selbst entscheiden kann, was ich singe, so versuche ich schon darauf zu achten, ob die Literatur einigermaßen zum Anlass passt. Vielleicht schränke ich mich damit etwas ein, aber andererseits meine ich auch, dass es für (fast) jeden Anlass schöne und bekannte (oder zumindest "ins Ohr gehende") Musik gibt, warum sollte man da also auf etwas ausweichen, was im Grunde unpassend ist?

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Octaviane

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„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

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BeitragVerfasst: 08.01.2012, 16:57 
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Wenn ich 3 Mal im Jahr zu meiner Lehrerin fahre, kann ich sicher sein, dass sie mich ganz genau nach der Übersetzung der jeweiligen Texte meiner Arien und Lieder fragt. Das finde ich auch gut so. Ich selber verlange dies von meinen Schülern ebenso. Zumindest sollten sie wissen, um was es in etwa in dem jeweiligen Stück geht.
Und ich habe auch den Anspruch als Sängerin, die jeweiligen Inhalte zu transportieren, egal in welcher Sprache ich singe. Ich glaube sehr wohl, dass es im Publikum immer einige gibt oder sogar die Mehrheit, die die jeweiligen Stücke sowieso kennen und somit auch deren Inhalt. Man sollte das Publikum nicht unterschätzen...!

Zudem bin ich immer dafür, die jeweiligen Übersetzungen der Texte mit ins Programmheft zu nehmen, denn man schafft es vielleicht Grundbefindlichkeiten, wie Trauer, Liebe, Wut rüberzubringen, aber eben nicht die exakte Aussage des Textes..

Und sicherlich ist ein "unwissendes" Publikum kein Grund für mich, keine Lieder in einer anderen Sprache zu singen. So ein bisschen das pädagogische Nudelholz zu schwingen ist doch auch mal ganz sinnvoll. Wer es nicht versteht, was ich da singe, kann es sich eventuell auch noch im Nachhinein kurz "ergooglen" oder fragt den Sitznachbarn. Sicherlich gibt es immer einige, die solche Konzerte nur für ein Schläfchen nutzen, aber die Mehrheit ist aufmerksam, und für die singe ich !


Ach, und was die "falschen Lieder zum falschen Anlass" betrifft. Da sehe ich es so ähnlich wie Octaviane. Ich versuche schon, meinen "Kunden" bei der Auswahl der Lieder zu beeinflussen. Geht das nicht und ist eh festgelegt, was ich singen soll, bin ich halt so ein bisschen die "Dirne der Musik und des Kunden". Wer zahlt, bekommt das, was er wünscht.... :kaffee big_lala

LG Silje

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BeitragVerfasst: 08.01.2012, 17:18 
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Ich denke, das ist ein wenig übertrieben, natürlich liegt es beim Sänger selber ob die Qualität der Darbeitung passt. Doch man muss den Unterschied machen zwischen Profi und Hobbysängern. Letztere haben oft wenig Gelegenheit und sie möchten das singen, was sie vielleicht gerade im Unterricht durchgenommen haben und was sie gerne singen.
Mir ist es schon oft passiert, dass Brautpaare sich Lieder wünschen und ich es abgelehnt habe, nach ausführlicher Erklärung. Sie lassen sich schon umstimmen und es liegt in meinem Ermessen es zu singen oder abzulehnen. Ein Ave Maria in der evangelischen Kirche wird oft gewünscht und selten erlaubt, warum, muss man halt erklären.

Ich habe mit meinen Schülern immer die Texte der Literatur besprochen, etwas zu singen ohne den Inhalt zu kennen, ist für jeden Sänger das Wichtigste überhaupt, egal in welcher Sprache. An den Hochschulen allerdings befassen sich die Dozenten weniger mit dem Erklären der Operninhalte, das ist Sache und Aufgabe der Studenten.

Aber ich bin dennoch überzeugt, dass die wenigsten Zuhörer in professionellen Konzerten alle Inhalte der dargebotenen Literatur kennen. Mich zuhause hinzusetzen und nach dem Konzert die Texte zu googeln wie Silje schreibt, befriedigt mich nicht, der Moment des Hörens fehlt mir.

Es kommt immer darauf an was für Konzerte, mit welchen Interpreten, es sind. Von einem Profikonzert erwarten ich mehr als von einem Konzert, dass von Musikern gestaltet wird, die ihre Musik nur nebenbei betreiben. Da lasse ich auch schon mal einzelne Arien aus Gesamtwerken zu.

Wer besucht welche Konzerte, muss man da unterscheiden? Bin ich ein Konzert- oder Operngänger, kenne ich Inhalte und Texte, bin ich ein seltener Gast auf irgend einem Konzert ist es schon seltener die Literatur zu kennen, es sei denn, ich kenne die Musik, aber nicht die Texte.

Und ja, die Technik ist an erster Stelle wichtig, ohne sie keine Interpretation, so wenigstens in der Klassik.

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. Mich zuhause hinzusetzen und nach dem Konzert die Texte zu googeln wie Silje schreibt, befriedigt mich nicht, der Moment des Hörens fehlt mir.
Zitat:



Also ich wäre als Zuhörer auch immer neugierig. Ich kann doch auch erst mal die Musik, bzw. den Gesang genießen, ohne in dem Moment zu wissen, um was es genau geht (Leider !) Aber im Grunde möchte ich schon erfahren, um was es da ging. Was bringt es denn, wenn ich nur Tönen lausche und einem Gesang, dessen Sinn ich nicht verstehe ??
Also: Entweder vorher informieren, wenn das möglich ist oder eben sowieso Neunmalklug sein oder es in Kauf nehmen, bzw. damit zufrieden sein, "nur" schöne Musik zu hören und sich halt berieseln lassen von Klang und Gesang. Auch das halte ich dann für legitim, wenn auch nicht unbedingt erstrebenswert....Wie schrieb M T Pestoso: Chacun à son gout !

LG Silje

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