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 Betreff des Beitrags: Unterrichten?
BeitragVerfasst: 22.05.2006, 12:10 
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Hallo ihr erfahrenen Gesangslehrer und -lehrerinnen :-)

Ich hoffe, ihr könnt mir mit eurem Rat zur Seite stehen. Die Situation ist Folgende:

Ich war am WE auf einer Chofreizeit einer befreundeten Chorleiterin. Ich bin kein Mitglied in diesem Chor, habe aber bei Konzerten des Chores schon als Solistin gesungen und war am WE mitgefahren, da die Leiterin noch Plätze frei hatte.

Nun trat ein junges Ehepaar an mich heran und fragten mich, ob ich auch unterrichte. Ich habe dann wahrheitsgemäß geantwortet, dass ich noch nie unterrichtet hätte, und daher nicht weiß, wie gut ich als GL bin.

Allerdings habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, zumal meine GL selbst mal meinte, dass ich theoretisch schon unterrichten könnte. Jetzt meine Frage: Könnt ihr euch an eure Anfangszeiten als GL noch erinnern und wie seit ihr bei euren ersten Schülern vorgegangen?

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 22.05.2006, 12:21 
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Hallo Octaviane,

zunächst musst du deine Technik vollkommen beherrschen, wenn du das nicht kannst, könnte es sein dass du was falsches an den Mann bringst.

Die Atmung muss stimmen, die Aussprache, die Musikalität ansich, du solltest wissen wie was im Körper funktioniert, solltest ein wenig Menschenkenntnis haben und auch psychologisch auf die Schüler eingehen können. Einfühlungsvermögen sich auf jeden Schüler einzustellen und die Begabung dein Wissen rüber zu bringen sind ebenso Voraussetzungen.

Das alles kannst du aber erst im Laufe der Zeit lernen, jeder Anfang ist schwer und je mehr du unterrichtest, desto besster geht es, du lernst von deinen Schülern und sie von dir.

Du wirst sicher mit Herzklopfen deine erste Stunde geben und hoffst, alles richtig zu machen, so war es bei mir.

Wichtig ist: Beherrschung der Technik mit Atmung und Aussprache, Freude dem anderen etwas beizubringen, die Kunst es rüber zu bringen usw.

Versuche es.

Liebe Grüsse

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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterrichten?
BeitragVerfasst: 22.05.2006, 12:42 
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Octaviane hat geschrieben:
Hallo ihr erfahrenen Gesangslehrer und -lehrerinnen :-)


Hallo Octaviane,
ich bin weder das eine noch das andere, habe aber trotzdem eine Anregung.

Zitat:
Allerdings habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, zumal meine GL selbst mal meinte, dass ich theoretisch schon unterrichten könnte.


Wenn Deine Lehrerin, von der ich jetzt voraussetze, daß sie erfahren und gut ist, meint, daß Du unterrichten kannst, könntest Du sie doch zu einer Art supervisor machen.
Vielleicht mag sie sich gelegentlich Deinen Unterricht anschauen und ihn anschließend mit Dir besprechen. So etwas halte ich für jegliche Unterrichtstätigkeit für segensreich, sogar auch für Leute, die lange im "Geschäft" sind, und für Dich und deine Schüler könnte das etwas mehr Sicherheit bedeuten.
Ich finde es für Lehrer auch wichtig, daß diese sich immer wieder fragen, bis zu welchem Punkt sie mit dem Schüler arbeiten können, und wann der Zeitpunk gekommen ist, sie im Interesse des Schülerfortschritts an einen anderen Lehrer zu verweisen. Für mich zeigt sich u.a. hierin die Größe eines Lehrers. Du mußt Deine ersten Schüler ja nicht bis zur obersten Stufe ihrer sängerischen Karriereleiter unterrichten.

Gruß v. Emmy


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterrichten?
BeitragVerfasst: 22.05.2006, 13:48 
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EmmyNoether hat geschrieben:
Du mußt Deine ersten Schüler ja nicht bis zur obersten Stufe ihrer sängerischen Karriereleiter unterrichten.


Genau so sehe ich es auch. Aber letzten Endes muss man ja irgendwann mal anfangen, sonst lernt man es nie.

Ich habe meinen Schülern immer ganz klipp und klar gesagt, dass ich meine Ausbildung nicht abgeschlossen habe (wobei das nun im Zweifelsfall auch nichts heißt, wenn ich an einige meiner Lehrer zurückdenke ;-)) und dass ich auch nicht auf Aufnahmeprüfungen etc. vorbereite.

Außerdem hatte ich bislang nur Schüler, die schwerpunktmäßig Pop oder Musical machen wollten, da ich in der Klassik mittlerweile einfach selbst nicht mehr gut genug bin (oder es nie war), um da genügend vermitteln zu können. Zwar traue ich mir noch einige Grundlagen zu, ab einem bestimmten Level wäre es aber einfach nicht fair den Schülern gegenüber.

Solche Gedanken sollte jeder sich machen, der es mit dem Unterrichten versuchen möchte, und dann ganz nüchtern entscheiden, in welchem Bereich er was vermitteln kann und wo besser nicht. Und wenn Deine Lehrerin Dir, Octaviane, schon vorschlägt, es doch mal zu versuchen, würde ich es auch tun.

Einmal ist immer das erste Mal, und man wächst bekanntnlich an seinen Aufgaben.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.05.2006, 14:12 
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Hallo ihr,

@Musika: Natürlich muss ich selbst die Technik gut beherrschen und das ist durchaus ein Punkt, der mich noch zögern lässt. Das "Problem" ist auch, dass ich anscheinend von Anfang an vieles automatisch richtig gemacht habe (wenn auch bei weitem nicht alles :roll: ), so dass ich mir selbst erst einmal wieder die Schwierigkeiten bewusst machen muss, ehe ich es anderen beibringen kann.

Die beiden, die mich fragten (im Chor Bass bzw. Sopran) sind absolute Anfänger und haben bis jetzt nur die Stimmbildung im Chor mitgemacht, wollen jetzt aber wohl einen Schritt weitergehen. Sie haben mich auch schon beim Konzert gehört (und waren anscheinend nicht ganz abgeschreckt *g*). Ich weiß, dass ich, wenn ich unterrichte, eine sehr große Verantwortung auf mich nehme und dass einiges bei mir auch noch sehr verbesserungswürdig ist.

Ich habe den beiden auch gesagt, dass ich, wenn, nur klassischen Gesang unterrichte, da ich auch nur in diesem Bereich ausgebildet bin. Ich glaube auch nicht, dass sie jetzt eine zweite Karriere als Profisänger starten wollen, anscheinend wollen sie wirklich "nur" ihre Stimme weiter entwickeln.

@ Emmy: Dass mit der Supervision ist keine schlechte Idee, allerdings finde ich ist meine Lehrerin (ich schrieb das schon einmal in einem anderen Thread) nicht immer das didaktische Feingefühl in Person, daher würde ich mich eher auf ihr fachliches Urteil verlassen als auf ihr pädagogisches.



Was zu all dem noch hinzu kommt, ist, dass ich auch erstmal einen geeigneten Raum zum Unterrichten brauche, es sei denn die Schüler haben nichts gegen Studentenbudenatmosphäre - E-Piano ist vorhanden, Nachbarn beschweren sich auch nicht, es ist halt nur etwas kuschelig. :kuss: Ach ja, und dann bräuchte ich natürlich noch die Zeit, um das neben dem Job zu machen.

Es sind also erst einmal eher theoretische Erwägungen, aber langfristig gesehen habe ich das Gefühl, dass mir die Arbeit als GL (und freischaffende Übersetzerin) wahrscheinlich mehr liegt als ein Bürojob in der freien Marktwirtschaft und da kann ich ja schon mal anfangen, "einen Fuß in die Tür zu bekommen".

Vielen Dank für eure aufmunternden Ratschläge :-)

Octaviane


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BeitragVerfasst: 22.05.2006, 15:32 
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Liebe Octaviane,
wenn du, zusätzlich ermuntert durch deine Lehrerin, bereit bis zu unterrichten, kann ich nur sagen : DO IT ! Du wirst zwei wissbegierige Hobby - Sänger vor dir haben, die einfach mehr über das Singen erfahren wollen. Da ich dich persönlich kenne und einzuschätzen vermag, glaube ich nicht, dass die Leute heiser aus deiner Unterrichtsstunde gehen werden sondern vielmehr hoch motiviert und unstillbar neugierig. Das Einzige und Erste, was es nach meiner Erfahrung zu vermitteln gilt, ist die Tatsache, dass Singenlernen sich in puncto Fleiß, Geduld, Disziplin usw. keineswegs vom Erlernen eines Instruments unterscheidet. Wenn die Zwei später zur Bühne wollen, kannst du sie immer noch weiterreichen..... :dafür:
Ciao. Gioachino


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BeitragVerfasst: 22.05.2006, 18:04 
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Liebe Octaviane,
vor gar nicht allzu langer Zeit passierte mir etwas Ähnliches. Die Tochter unserer Kirchenchorleiterin (einer studierten Sängerin und Dirigentin) bat mich, ihr Unterricht zu geben. Der Hintergrund, warum sie nicht zu ihrer Mutter ging, die das m. E. deutlich professioneller zustande bringen würde als ich, war wohl, dass die beiden zu dieser Zeit gerade überhaupt nicht miteinander auskamen. Ich habe mich auch mit meiner damaligen Lehrerin darüber ausgetauscht und sie meinte, ich hätte durchaus das Zeug dazu, eine Anfängerin zu unterrichten und gab mir auch paar Tipps. Es ist wahr, dass man da eine große Verantwortung übernimmt und auch diese schwierige Familienphase (sie wollte z. B. beim Terzettsingen absolut nicht neben der Mutter stehen, so kompliziert war das) der beiden schwebte auch über mir, wobei ich mir allerdings sicher sein konnte, dass die Mutter keinesfalls mich angreifen würde, wenn da irgendwas nicht laufen sollte.
Es wurde eine hochenergetische intensive und dichte, allerdings nur kurze Arbeit daraus, denn da fiel eine mengel Spannung von ihr ab. Sie war zu der Zeit eine sehr nervöse und auch etwas unbeständige junge Frau und, wie ich es irgendwie auch erwartete, hielt sie nicht lang durch und inzwischen hat sie auch ziemlich weit weg geheiratet.
Angeschlagen hat die Unterrichtung wohl schon, denn die Mutter sagte mir mal, dass sich schon einiges zum Guten an der - wirklich schönen - Stimme (haben sie ja beide) verändert habe.
Als Ergebnis die kurzen Episode ist in mir haften geblieben, dass man die jeweiligen SchülerInnen sehr tiefgehend kennenlernt und eine ganz enge Vertrauensbasis entsteht, die keinesfalls enttäuscht werden darf. Ich hätte nicht ein Sterbenswörtchen zur Mutter über irgendetwas aus dem Unterricht sagen dürfen, obwohl ich mit ihr eng befreundet bin. Aber sie hat auch nie versucht, mir da etwas zu entlocken.
Ich weiß, ein langer Beitrag, aber vielleicht konnte ich damit verdeutlichen, dass man es aushalten und zielführend damit umgehen muss, dass die SchülerInnen zwar meist nicht über das gesprochene Wort (wie bei einer Psychotherapie), aber Unbewustes mental auf den/die LehrerIn abladen. Man betreibt ja nicht mehr und nicht weniger als einen Abbau seelischer Blockaden über die nonverbale Schiene der Gesangstechnik und ohne in der Kindheit und was weiß ich was herumzubohren. Das Ziel ist die Befreiung der Stimme, was viel mit der Lösung der Knoten in der Seele und den dadurch bedingten Muskel - Fehlgebrauch zu tun hat. Hier liegt eine der großen Verantwortlichkeiten und man muss auch auf Überraschungen gefasst sein.
Mag sein, dass es jetzt Widersprüche setzt, aber ich habe das so erfahren.
Liebe Grüße und auch viel Erfolg, liebe Oktaviane, denn es macht auch Spass.
dola


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