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 Betreff des Beitrags: Schüler und Wettbewerbe
BeitragVerfasst: 04.02.2006, 10:03 
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Ich habemal eine Frage an die Gesangslehrer zum Thema Wettbewerbe(gerade aktuell ):
Wenn ihr Schüler habt, die bei Wettbewerben teilnehmen können oder wollen, wie verhaltet ihr euch da?
Ratet ihr selbst dem Schüler dazu?
Was ist mit Schülern, die teilnehmen wollen, von denen ihr aber annehmt, sie haben keine Chance? Lasst ihr sie unkommentiert trotzdem gehen oder ratet ihr ab?
Ich habe viel mit meiner Lehrerin darüber gesprochen und weiss, dass das ein heikles Thema ist.
Auch was die Literatur angeht. sucht ihr die selbst aus und wenn ja, nach welchen Kriterien?
Spielt da uch die "Verkäuflichkeit" bei der Jury eine Rolle oder zählt nur das, was der Schüler aus dem FF kann?
Ich habe da sehr unterschiedliche dinge gehört/erlebt und mich würde eure Meinung sehr interessieren.
Aber auch die der Schüler: lasst ihr euch nur vom Rat eurer Lehrer bestimmen oder sucht ihr die Stücke und die Entscheidung zur Teilnahme auch selbst aus?
Danke und lieben Gruss Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 04.02.2006, 13:31 
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Hallo Cantilene,

die Schüler schätzen sich oft selber zu hoch ein und wenn sie sich dann noch selber die Literatur aussuchen, kann es ein Reinfall geben.

Zunächst würde ich Schüler zum Wettbewerb raten, die sich in der Technik schon sicher sind und in der Interpretation. Sie sollten sich präsentieren können und selbstsicher auftreten. Ausstrahlung ist hier sehr wichtig. Ein Lächeln beim Eintritt in den Raum hat schon manches bewirkt.

Die Literatur würde ich mit dem Schüler zusammen besprechen, auf keinen Fall würde ich etwas vom Schüler vorgeschlagenes wählen, in dem ich genau weis, er ist damit überfordert.

Es gibt so viel Literatur für den jeweiligen Schüler, etwas passendes sollte wohl zu finden sein, das dem Schüler, dem Lehrer und dem Wettbewerb gerecht wird.

Genau so ist es mit Konzerten. Einen Schüler auf die Bühne zu schicken wenn ich genau weis, er ist damit überfordert, lehne ich strikt ab. Ich würde nie einen Schüler ins Messer laufen lassen. Lieber einen Schritt zurückstecken, als den Schüler ins kalte Wasser springen zu lassen, obwohl ich weis, er kann nicht schwimmen.

:schlaumeier: musik_wos8

liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 01:05 
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Hallo Cantilene,

dem Beitrag von Musikavokale kann ich nur vollkommen zustimmen. :dafür:

Wenn ich mich für einen Wettbewerb entscheiden würde, dann würde ich die Literatur passend zu den Vorgaben der Wettbewerbsbestimmungen mit meinen G.lehrern abstimmen. Klar würde ich mir selbst Gedanken machen was ich da gerne singen würde, jedoch ohne Rücksprache würde ich es nicht wagen. Sie kennen schließlich mich und meine Stimme am besten und wissen auch was bei einem solchen Wettbewerb abverlangt wird. Sie können abschätzen womit ich ich am besten präsentieren kann und was eher etwas waghalsig ist.

Klar ist aber auch, daß ich mich mit der Literatur total wohlfühlen muß und vollkommen dahinter stehen muß. Sonst kann ich die Literatur wohl singen aber ich würde nur Töne singen und das würde wohl jeder merken. Geschweige denn würde ich der Literatur nicht gerecht werden. Meinen eigenen Kopf durchsetzen was Literatur betrifft oder Entscheidung am Wettbewerb teilzunehmen ohne den Segen meiner G.lehrer würde ich mich nicht wagen, denn eine Bauchlandung kann schmerzlich sein und die G.ausbildung zurückwerfen bzw. aufhalten. Muß ich nicht haben.............

Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 12:23 
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chero hat geschrieben:
Klar würde ich mir selbst Gedanken machen was ich da gerne singen würde, jedoch ohne Rücksprache würde ich es nicht wagen. Sie kennen schließlich mich und meine Stimme am besten und wissen auch was bei einem solchen Wettbewerb abverlangt wird.


Hallo Chero,
genau das habe ich gerade vor ein paar Wochen doch gewagt. Ich habe mein Wettbewerbslied ausgetauscht. Meine GL war wenig wenn nicht gar not amused, aber so what? Stehe ich da auf der Bühne oder sie? Mit dem anderen Lied hatte ich einfach kein gutes Gefühl. Also habe ich es geändert in ein Stück (Von ewiger Liebe), mit dem sich auch vom Ausdruck und in der Gestaltung einiges machen lässt. Ich habe sie bewusst nicht gefragt, denn man kann sich zwar unterschiedliche Meinungen aus Höflichkeit oder Interesse anhören, aber die Entscheidung liegt doch schließlich doch NUR bei einem selbst!
Dass meine GL das nicht so klasse fand, liegt aber leider auch darin begründet, dass sie viel mehr auf leichte Sachen (à la Stolz etc.) abfährt und ich eher gar nicht. Brahms Lieder hatte ich früher auch schon oft gemacht und habe bemerkt, dass sie damit Probleme hatte.
So trennen sich nun auch unsere Wege zum Ende des März. Wenn man einfach zu unterschiedlichen Musikgeschmack hat, ist das nämlich auch nichts... Obwohl ich sie persönlich sehr nett finde.
Bezüglich der Ausgangsfrage war es bei mir so, dass ich ja im anderen Forum ohnehin diesen Thread wieder ins Rollen gebracht hatte, da ich mir schon lange vorher gesagt hatte, dass ich bei nächsten Mal mitmachen würde. Die Entscheidung war also schon lange in meinem Kopf gereift und ich brauchte also meine GL nur noch darüber unterrichten. Das mag sich jetzt arogant anhören, aber man muss manches auch einfach selbst in die Hand nehmen, wenn man Ziele hat. Ich weiß nicht, ob das der richtigere Weg ist, aber ich kann einfach nicht anders.
LG
Leechen


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 13:40 
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Hallo, Leechen,
auf den Musikgeschmack de GL kann es eigentlich nicht ankommen, weil auch Repertoire mit den Stimmen geübt werden muss, die für die "Lieblingsstücke" nicht passen.
Ich denke aber , dass es auch darauf ankommt, wie weit die jeweligen SchülerInnen sind. Ich bin keine Lehrerin, aber ich würde SchülerInnen, die einfach noch nicht reif genug sind, ganz klar und deutlich abraten oder auch von Repertoire, dass noch nicht (oder auch nie) sitzt. Ein Wettbewerb ist kein Experimentierfeld, sondern es geht knallhart zur Sache. Da hilft es nicht, wenn man im Unterricht das Stück mal unter Anleitung gut gesungen hat. Für mich war es wichtig bei der Auswahl - ich kann ja noch nicht sagen, wie es ausgeht - dass die Stücke musikalisch auswendig sitzen und dass sie zwar schwer, aber technisch und physisch gut trainiert sind.
Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass GL eine große Verantwortung haben und in solchen Fragen und im Interesse der Schülerentwicklung nicht hinterm Berg halten dürfen.
Gruß, dola


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 13:56 
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Ich persönlich habe mich auch ganz nach den Ratschlägen meiner Lehrerin gerichtet, vor allem, weil ich genau weiss, dass sie selbst an internationalen Wettbewerben teilgenommen hat und weiss, was da los ist. Ich bin am Anfang mit ihrer Kombination auch eher skeptisch gewesen, aber ihre Argumente haben mich überzeugt. Allerdings würde ich NIEMALS blind einem GL vertrauen, nur weil er/sie der Lehrer ist.
Die Eigenverantwortung steht an erster Stelle, da bin ich ganz Leechens Meinung.
Es gibt nämlich GLs, die sind entweder übervorsichtig oder raten einem zu Stücken, mit denen man heillos überfordert ist oder versuchen einem sogar, wie evtl bei Leechen, ihren eigenen Geschmack aufzudrängen.
GL sind auch nur Menschen und haben ihre Schwächen, das darf man nie vergessen.
Ich habe ja bereits mehrere Lehrer gehabt und bin sowohl total überfordert als auch falsch eingeschätzt worden, von daher ist Vorsicht in JEDEM Fall geboten.
Letztlich steht man selbst da und singt.
Hinzu kommt, dass unterschiedliche Lehrer/Fachleute verschiedene Meinungen vertreten und wenn man fünf Kompetente fragt, bekommt man evtl fünf Meinungen. :schlaumeier:
Ich habe z.B. eine Lehrerin, die mir von Rusalka eher abgeraten hat, während meine Lehrerin hier da anderer Ansicht ist.
Ich muss letztlich alles prüfen und mir selbst ein Urteil bilden.
In meinem Fall vertraue ich meiner hiesigen Lehrerin zwar sehr, aber das ist eine Frucht der guten Erfahrung der letzten beiden Jahre, die ich mit ihr gearbeitet habe und kein Automatismus, nur weil sie eben die Lehrerin ist.
Eine andere Lehrerin hat mich nach einem Jahr Unterricht als Tosca und Butterfly losgeschickt-also ich weiss,was man so alles erleben kann.....
Liebe Grüsse Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 15:45 
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cantilene hat geschrieben:
Es gibt nämlich GLs, die sind entweder übervorsichtig oder raten einem zu Stücken, mit denen man heillos überfordert ist oder versuchen einem sogar, wie evtl bei Leechen, ihren eigenen Geschmack aufzudrängen.
GL sind auch nur Menschen und haben ihre Schwächen, das darf man nie vergessen.

Allerdings! Und ich mache ihr da auch keinen Vorwurf. Sie mag Brahms & Co. halt nicht - ich aber umso mehr! Aber ich kann nicht behaupten, dass sie mir (jetzt in Vorbereitung für den Wettbewerb) ihren Geschmack aufdrängen wollte. Sie hat (sehr nett!) ihre Arien-Alben mitgebracht und Vorschläge gemacht, die sie sich gut mit meiner Stimme hätte vorstellen können. Ganz eng in der Auswahl war z.B. Don Pasquale. Ich habe mich dann letztlich doch dagegen entschieden, weil mir andere Stücke besser gefielen.
Doch mit meinem Mozart (nur aus Partitur zu spielen) und jetzt mit meinem Brahms (viele "schwierige" Harmonien) hat sie halt so einige Probleme. Sie kann eigentlich ganz gut Klavier spielen, aber da gibt sie den Löffel ab. Das finde ich sehr schade, weil beide Stücke ganz klar auch auf die Begleitung angewiesen sind.
Eine andere Schülerin aus ihrer Klasse wollte auch am Wettbewerb teilnehmen. Ich finde es richtig, dass sie sie hat gewähren lassen und ihr nicht abgeraten hat. Ist denn nur ein Sieg das Ziel? Ich finde man kann in der Vorbereitung und auch beim Auftritt so vieles lernen, dass ich es schon jetzt nicht hätte missen wollen!
Wäre ich GL würde ich auch keinem Schüler abraten. Eventuell nur falsche Erwartungen in die richtigen Bahnen lenken. Jeder kann von solchen Erfahrungen profitieren. Es können schließlich auch immer nur einige wenige echte Gewinner sein, aber ich gehe auf jeden Fall als Gewinnerin nach Hause (wenn auch nicht im herkömmlichen Sinn!).
In genau in einer Woche (auf die Minute genau!!!) singe ich gerade vor der Jury. Uuuuuuuuuhhhhh....
Leechen


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 16:48 
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Liebe Leechen, zunächst einmal gratuliere ich dir zu deinem Musikgeschmack ! :dafür: Ich habe bei der gemeinsamen Auswahl von Vortragsstücken noch nie Probleme mit meinen Leuten gehabt. Habe ich sie sanft in eine mir vorschwebende Richtung gedrängt, waren sie allesamt einverstanden, weil wir immer wieder über die zu bewältigende Literatur sprechen. Hin und wieder ziehe ich vorsichtig die Bremse an, weil die Jury natürlich nach dem jeweiligen Coach zu fragen pflegt... :schlaumeier: Ciao. Gioachino


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BeitragVerfasst: 05.02.2006, 19:45 
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gioachino hat geschrieben:
Liebe Leechen, zunächst einmal gratuliere ich dir zu deinem Musikgeschmack ! :dafür:

Lieber Gioachino, danke, aber jeder hat eben einen anderen Geschmack. Das finde ich auch ganz gut so. Was wäre die Welt sonst eintönig, wenn jeder nur den guten Brahms lieben würde... Nein, nein. Es liebe die Vielfalt!
gioachino hat geschrieben:
Ich habe bei der gemeinsamen Auswahl von Vortragsstücken noch nie Probleme mit meinen Leuten gehabt. Habe ich sie sanft in eine mir vorschwebende Richtung gedrängt, waren sie allesamt einverstanden, weil wir immer wieder über die zu bewältigende Literatur sprechen. Hin und wieder ziehe ich vorsichtig die Bremse an, weil die Jury natürlich nach dem jeweiligen Coach zu fragen pflegt... :schlaumeier: Ciao. Gioachino

Das ist wahrscheinlich auch die Regel. Doch weil ich mit meiner Vorbereitung sehr früh angefangen habe, konnte ich monatelang Sachen ausprobieren bis ich mich Ende November endgültig anmelden musste. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht (Cantilene könnte gleich mehrere Lieder davon singen... :hearts: ). Dass ich das Loewe-Lied letztlich ausgewechselt habe, lag daran, dass ich es vorher bereits in drei Konzerten ausprobieren konnte. Es war ein technisch sehr (na, ich will mal sagen:) exaktes Stück, das keinen Ausrutscher erlaubte. Mein Pianist hat außerdem gemeint, dass in dem Stück inhaltlich nichts drin sei - höchstens ein Biologieaufsatz ("Liebes leichtes, luftges Ding, Schmetterling..."), wohingegen er über "Von ewiger Liebe" eine ganze Dissertation schreiben könnte. Mal schauen, wie das alles am nächsten Sonntag klappt. Bin echt gespannt!

Und auch wenn ich dort bei der Jury mit Pauken und Trompeten durchfalle, nehme ich alles auf meine Kappe und gebe keinem GL die Schuld.;-)
Leechen


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BeitragVerfasst: 06.02.2006, 00:35 
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Hallo

auch ich würde keinem G.lehrer blind vertrauen oder nur weil er mein G.lehrer ist vor ihm niederknien und alles hinnehmen. Wie schon gesagt wurde, auch er/sie ist nur ein Mensch und für mich sind sie keine Halbgötter.

Warum ist man denn dann genau bei dem Lehrer der einen unterrichtet?! Man hat doch Vertrauen in sie und was eine Zusammenarbeit mit dem Lehrer bedeutet brauch ich wohl hier nicht zu schreiben. Habe aber auch schon geschrieben, daß ich nichts singen würde wo ich nicht dahinter stehen kann, wo ich mich unwohl oder unsicher fühle. Es ist doch eine Literaturauswahl mit dem G.lehrer und nicht eine Literaturauswahl des G.lehrers. Ist das bei euch nicht so?

Es gibt Literatur die für mich ausgewählt wird, die speziell für eine bestimmte Sache ausgewählt wurde an welcher wir gerade in Übungen arbeiten. Klar sind das dann nicht unbedingt große Arien und für einen Wettbewerb nicht geeignet. Da rede ich auch nicht rein und studiere das Lied auch ein. Ist es aber so, daß ich ein Konzert mitgestallte und Literatur auswählen muß, dann ist es so, daß div. Arien o.ä. in die engere Wahl gezogen werden und dann wird entschieden.

Redet ihr eigentlich mit eurem Lehrer darüber warum er die Arie, die euch am Herzen liegt, ablehnt. Er hat doch sicherlich seine Gründe. Musikgeschmack mal abgesehen, wohin das führt und was es mit dem Vertrauen macht sieht man ja an Leechen.

Klar kann man auch seinen eigenen Kopf durchsetzen und seine Literaturauswahl vorsingen und wenn es schief geht.........klar kann man dann keinem G.lehrer die Schuld geben, wäre ja totaler Schwachsinn!! Nur muß man das haben? Ich nicht!

Klar kann es auch gut gehen und auch wenn man nicht in die nächste Runde kommt oder gar gewinnt. Jeder Auftritt bringt einen weiter und man lernt daraus. Für mich steht aber fest, daß ich dieses innere Gefühl mir nicht noch aufladen möchte, daß ich etwas gegen meine G.lehrer mache. Wo bleibt da das Vertrauen!!!!! hmmm und wie kommt man dann damit zurecht, daß ja auch der G.lehrer seinen Namen hergibt, denn der wird sicherlich hinterfragt. Ich könnte das nicht mit meinem Gewissen ausmachen. Na ja jeder Jeck ist anders, sagen die Kölner, und das ist auch gut so..............

Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 06.02.2006, 08:14 
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Liebe Chero,
ich hätte im Moment auch kein gutes Gefühl, wenn ich gegen den Rat meiner Lehrerin etwas zu so einer wichtigen Sache wie einem Wettbewerb singen würde.
Aber es gab auch Zeiten, da hatte ich KEIN gutes Gefühl, als ich MIT dem Rat meiner Lehrerin Sachen gesungen habe.
Natürlich vertraut man seinem Lehrer erstmal, ganz egal, als wie unfähig er/sie sich vielleciht nach Jahren herausstellt.
Das ist ja gerade die Gefahr!!! Man vertraut, weil man annimmt: das wird schon in Ordnung sein, denn er/sie muss es ja wissen.
Das er es eben nicht wusste, weiss man selbst in dem Moment nicht. Und komische Gefühle im Bauch kann man leicht mit Selbstzweifel, Lampenfieber und was für ängsten auch immer abtun.
Ich glaube, man braucht als Schüler einen SEHR guten und gesunden Instinkt und vor allem hinreichend Erfahrung, um wirklich zu erkennen, ob der GL zu einem selbst passt und sein Urteil seriös und vertrauenswürdig ist. Die Leute können so nett und liebenswürdig sein, wie sie wollen, das verdunkelt oft sogar noch den Blick, weil man sie eben persönlich so mag.
Meine erste Lehrerin ist inzwischen eine gute Freundin von mir,denn sie ist der grosszügigste und wunderbarste Mensch, den man sich nur vorstellen kann und musikalisch hoch bewandert. Als Lehrerin war sie für mich aber technisch nicht geeignet und anbetungswürdigerweise hat sie mir auch selbst gesagt, es sei Zeit, zu einem anderen Lehrer zu gehen.....
Leider gibt es aber auch genug Schüler, die immer noch unterbewusst denken, singen lernen muss mit Leiden und Schmerzen verbunden sein und sich deshalb von unfähigen Lehrern ausbeuten lassen, in der Hoffnung/dem Glauben, das sei normal.Bei gesang.de habe ich innerhalb eines Jahres genug von solchen Fällen gelesen.
Ich habe hier sogar einen Fall erlebt, da ging es bis zum sexuellen Missbrauch.

Für mich steht die Eigenverantwortung trotz allen nötigen Vertrauens an erster Stelle. Liebe Chero, du fragst, wie wir Literatur auswählen: meine Literatur wähle ich selbst zu den Gelegenheiten, bei denen ich sie aufführen werde,passend aus. Erstmal suche ich das, was MIR gefällt. Dann frage ich meine Lehrerin, was sie davon hält und ob das technisch ok für mich ist und auch ob sie noch weitere Ideen hat.
Sie sagt dann ihre Meinung dazu und ich frage zusätzlich noch meinen sehr kompetenten Korrepetitor.
Wenn meine Lehrerin bei einem Stück Bedenken hat, ist das sehr ernst zu nehmen und sie erklärt mir auch warum.
Manchmal habe ich aber auch bei Stücken Bedenken, die sie für machbar hält und mir vorschlâgt, das war z.B bei Rusalka der Fall.
In beiden Fällen probieren wir es aus und sehen dann weiter.
Die letzte Entscheidung fälle ich grundsätzlich selbst.
Es ist ein grosses Geschenk, wenn man einen Lehrer hat, dem man voll vertrauen kann, aber Vorsicht ist auch dann geboten,denn niemand ist je unfehlbar.
Ich finde es SEHR sinnvoll, mindestens noch ein zweites Urteil einzuholen, wenn Zweifel bestehn oder irgendwas im Bauch grummelt.
Bei Wettbewerben gelten aber tatsächlich besondere Bedingungen und da sollte man auch Leute zu Rate ziehen, die bereits an solchen teilgenommen haben oder in Juries sassen.
Man kann ein STück natürlich nur dann gut "verkaufen",wenn es wirklich sitzt, aber angesichts einer riesigen Konkurrenz sollte man auch ein GEWISSES Risiko in Kauf nehmen. Nach dem Motto:Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Ich kann Leechens Entscheidung da bestens nachvollziehen. Wenn man eine von 50 Despinas, Zerlinas oder Susannas(was in keinster Weise eine Abwertung ist, ich liebe diese Arien sehr) ist, ist es viel schwieriger, die Jury zu überzeugen und sich abzuheben, als wenn man auch ein bisschen Mut zeigt.
Meine Lehrerin hat mir dringend geraten, ein bekanntes und ein unbekanntes Stück zu singen und soviele Facetten meiner Stimme wie möglich zu zeigen.
Aber ob es klappt oder nicht-ICH stehe da und singe und käme natürlich auch niemals auf die Idee, IHR die Schuld für was auch immer zu geben.
Wir würden darüber reden und hinterfragen, das ist klar, aus jeder Erfahrung kann man viel lernen.
Liebe Grüsse :hearts:


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BeitragVerfasst: 27.03.2007, 10:48 
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musika hat geschrieben:

die Schüler schätzen sich oft selber zu hoch ein und wenn sie sich dann noch selber die Literatur aussuchen, kann es ein Reinfall geben.



Hallo ihr,

ich wollte diesen Thread noch einmal ganz kurz aufnehmen, weil ich Musikas Meinung erst kürzlich wieder bestätigt sah und zwar bei einem Schüler meines Gesangslehrers, ein junger Tenor mit einer schönen Stimme (größer lyrisch). Es ging hier zwar nicht um einen Wettbewerb, sondern um ein Vorsingen beim Opern-/Rundfunkchor, was ja nochmal bedeutend heikler ist, denn wenn man das vergeigt, war es das erst einmal.

Mein GL hat dem jungen Mann dann auch tunlichst davon abgeraten, meinte, er sei noch nicht weit genug, solle doch erst einmal sein Examen fertig machen und sich dann auf die Vorbereitung zum Vorsingen konzentrieren.

Besagter Tenor schlug aber alle Warnungen in den Wind, sang mittlerweile bei 2 Berufschören vor und scheiterte.

Da sieht man es mal wieder, dass auch ihr armen Gesangslehrer mit uns Schülern oft arg gebeutelt seid :kuss:

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 27.03.2007, 11:01 
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Jaja, die Einschätzung des eigenen Könnens, können ganz schön nach hinten losgehen.

Wenn ich so höre was Schüler bei Konzerten singen, die mal gerade einige Stunden haben, kann ich nur den Kopf schütteln. Es kommt ja vieles bei einem Konzert hinzu, Lampenfieber und Unsicherheit, Unerfahrenheit, wie gehe ich damit um, wenn ich den Text vergessen oder sonst was. Das muss ein Lehrer mit einkalkulieren und er darf den Schüler nicht mit überfordeter Literatur auf die Bühne stellen.

Wenn ein Schüler sich selber Literatur aussucht, ist es an dem Lehrer zu sagen, ob sie richtig ist oder nicht.
Aber auch Lehrer sehen das leider nicht immer und überfordern ihre Schüler mit Literatur in der Öffentlichkeit zu singen.
:d_neinnein: Das Resultat hört man dann im Konzert.

Lieber kleine Brötchen backen und sie gut backen, als große, die dann nicht zu verdauen sind.

LG

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BeitragVerfasst: 27.03.2007, 11:30 
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Liebe Musika,

den wenigsten Menschen, die sich in das "Abenteuer Gesang" einlassen, ist ja bewusst, welch langer "Prozess" auf sie zukommt. Ich lerne jetzt seit über 10 Jahren "singen" - mal mit grösseren, mal mit kleineren Fortschritten belohnt - und ich länger ich lerne, desto mehr wird mir bewusst, wieviel ich noch zu lernen habe.

Zu Beginn der Ausbildung ist man einfach unbedachter, auch leichtsinniger mit dem Instrument - und im laufe der Jahre hat man eben auch schon viele schlechte Erfahrungen gemacht (und hoffentlich daraus gelernt).

Zu Beginn wollte ich immer zeigen, was ich "schon" kann - inzwischen ist mein Ziel eher nicht zu zeigen, was ich noch nicht kann. So ändert sich im laufe der Jahre der Blickwinkel.

Bei Wettbewerben höre ich häufig (sofern man zuhören darf) Anfänger die viel schwierigere Arien singen, als diejenigen, die in ihrer Ausbildung schon fortgeschrittener sind. Oft denke ich, die armen Juroren, und ich hatte kürzlich Gelegenheit, mich mit einer mir bekannten Lehrerin darüber auszutauschen. Sie bestätigte, dass besonders in den kleinen Niveaus die "Hammerteile" präsentiert werden, im laufe der Jahre, werden die Menschen bescheidener.

Liebe Grüsse von Casta

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La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 27.03.2007, 11:39 
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In diesem Fall war die Literatur wohl gut ausgewählt und der Schüler (ich hab ihn einmal gehört) auch kein Anfänger mehr, aber um vor der Jury bei einem Vorsingen für einen Berufschor zu bestehen, fehlen eben noch die Feinheiten. Aber wenn der gute Mann nach zweimaligem Scheitern und trotz der Warnungen des GLs dennoch gleich zum nächsten Vorsingen will, kann man wohl auch nichts mehr machen. Manche Menschen haben eben ein gesundes Selbstbewusstsein.

Und ein Problem ist wohl auch, wenn man sich hinstellt, als wäre man wer weiß wie toll und dann nicht die Töne bringt, die das Auftreten erwarten lässt.
Man soll sich ja nicht unter Wert verkaufen, aber ein wenig Demuth tut manchmal auch ganz gut.

Aber nochmal zum Wettbewerbsthema und der Literaturauswahl. Die finde ich manchmal gar nicht so einfach und ich finde, dass man das eingehend mit dem Lehrer besprechen muss. Und auch Einwände geben sollte (ich traue mich das oft nicht, was irgendwo auch dämlich ist), wenn man sich mit der vorgeschlagenen Literatur nicht wohl fühlt.

Beim Frankfurter Wettbewerb im letzten Jahr hatte mir meine damalige GL "Lascia ch'io pianga" und "Gretchen am Spinnrade" vorgeschlagen. Das Gretchen war super, eines der Schubertlieder, die ich am liebsten singe. Aber mit Lascia ist das so eine Sache - es gibt Momente (meinte meine GL), da singe ich diese Arie so, dass alle vor Rührung in Tränen ausbrechen. Aber ich kann diese Momente eben nicht immer abrufen und dann wird die Arie schnell langweilig. Sprich, ich stand nicht ganz hinter der Arie (obwohl ich sie schon oft gesungen hatte) und das hat sich definitiv auf meine Darbietung ausgewirkt (ob ich mit einer anderen Arie weiter gekommen wäre, weiß ich nicht, aber es war definitiv ein Negativ-Faktor). Die Literaturauswahl war nicht volllkommen falsch, aber eben auch nicht vollkommen passend.

Ich hab mir also vorgenommen, sollte ich jemals noch einmal an sowas teilnehmen, nur Literatur zu singen, hinter der ich (unter Berücksichtigung der Erfahrung und Meinung meines Gls) auch selbst zu 150 % stehe. (Was meine Arienauswahl derzeit extrem einschränkt, aber egal)

LG

Octaviane


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 Betreff des Beitrags: Re: Schüler und Wettbewerbe
BeitragVerfasst: 27.03.2007, 12:57 
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cantilene hat geschrieben:
Wenn ihr Schüler habt, die bei Wettbewerben teilnehmen können oder wollen, wie verhaltet ihr euch da?
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Was ist mit Schülern, die teilnehmen wollen, von denen ihr aber annehmt, sie haben keine Chance? Lasst ihr sie unkommentiert trotzdem gehen oder ratet ihr ab?


Hallo,

ich erinnere mich, daß es in dem Vertrag mit meiner damaligen Klavierlehrerin eine Passage gab, in welcher stand, daß ich ohne Absprache mit meiner Lehrerin und deren Zustimmung nicht an Wettbewerben teilnehmen darf.

Ich finde schon, daß man als Lehrer verhindern muß, daß sich Schüler blamieren auf solchen Veranstaltungen, ebenso wichtig dürfte für viele Lehrer der Aspekt sein, daß sie durch Schüler auf solchen Veranstaltungen nicht blamiert werden möchten, und ich kann das gut verstehen!

Der Idealfall ist natürlich, sich mit seinem Lehrer zu beraten und im Einvernehmen zu entscheiden.

Aber was macht man z.B. mit Lehrern, die dermaßen auf Nummer sicher gehen, daß sie Schüler erst zu Wettbewerben schicken, wenn der Sieg garantiert ist, also nie?
Mit solchen, die nicht wollen, daß Schüler am XY-Wettbewerb teilnehmen, weil da auch die Schüler von AB mitmachen und in der Jury C sitzt?
Mit solchen, die ihren Schülern nur einreden, sie seien "noch nicht soweit", die ihre Schüler kleinhalten?
Mit solchen, die meinen, daß Wettbewerbe "prinzipiell nichts bringen", daß man sich lieber auf die wichtigen Dinge konzentrieren soll?

All so etwas gibt's ja - weit vor der Frage: was singe ich - und ich finde es schwierig, da den richtigen Weg zu finden.
Der mag mitunter am Lehrer vorbeiführen - mit allen Chancen und Risiken.

Gruß v. Emmy


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