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BeitragVerfasst: 20.11.2011, 16:14 
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Diese Frage beschäftigt mich seit Beginn meines GU ( Amateur)vor 20Jahren und div.GLnoch immer.Neben den Korrepetitionskursen gehe ich dzt.zu zwei GL -die Technik ist gleich- aber die Art des Unterrichtes total anders.Die jüngere GL (25)ist locker lustig keinerlei Leistungsdruck-trotzdem habe ich erst bei ihr den Triller gelernt (erst vor 2 Monaten).Die ältere GL hat noch nie imGU gelacht(6Jahre Unterricht)Jetzt vor dem Gesangsabend ist sie besonders streng(angeblich zu allen Schülern)Sie verlangt daß alle in jeder Lage schön singen-auch von mir(bin schon ziemlich reif aber froh noch im hohen Koloratursopran singen zu können.Sie ist nicht zufrieden mit dem was sie mir beigebracht hat(Ich wäre zufrieden) und je´tzt muß ich Mittellage üben was mir garnicht liegt.Es ist mir ein Graus aber sie gibt nicht nach- ansonsten müssen wir uns trennen sagt sie.Auch daß sie gleicht die Geduld verliert- bei einerStelle die ganz schwer war - jetzt werde ich bald verrückt.Zum Schluß der Stunde gingen alle schweren Stellen-aber ich war frustriert .So einen Leistungsdruck habe ich noch nie erlebt.Eine Kollegin die auch in den Korr.Kurs geht geht auch zu den beiden GLS ist sehr zufrieden(ist aber Anfängerin).Wäre interessiert welche Erfahrung die anderen Amateure haben bzw.ob auch ein Leistungsdruck da ist.Mir ist klar daß Berufssänger eine harte Ausbildung hinter sich haben. Aber bei Amateuren die nur in div.VHS singen ?


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BeitragVerfasst: 20.11.2011, 16:17 
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Ich sing auch nur hobbymäßig und eins kann ich dir sagen, ich hab nichts gegen etwas Strenge - aber so ein Leistungsdruck ist weit übertrieben und das wichtigste ist - wenn es dir nicht passt, dann sollte sie längstens deine GL gewesen sein...

Meine Gesangslehrerinnen waren alle nicht überaus streng, aber auch nich wahnsinnig locker - es darf schon mal gelacht und geplaudert werden, aber alle führten schnell wieder zum Thema Singen zurück und so find ichs am besten - sonst hab ich ja nichts von der Stunde.

Wie gesagt, wichtig ist nur dass du dich wohl fühlst... ob streng oder nicht...


Lg Lily


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BeitragVerfasst: 20.11.2011, 17:23 
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Ich kann mich an meine erste Lehrerin erinnern, sie war sehr negativ, äffte mich oft nach, lobte nie, brachte mich oft zum Weinen. Oft dachte ich "warum tue ich mir das an, warum gehe ich zu ihr.." ich war irgendwie abhängig, keine Ahnung, hatte nie den Mut woanders hinzugehen. Ich hatte das Gefühl nicht viel zu lernen, sie war sehr auf Atmung fixiert und machte mich damit oft kirre. Außerdem meinte sie ich sei ein Sopran, sang aber alles vom Mezzosopran bis Sopran, lyrisches und dramatisches Fach, ich fühlte mich nie wohl.
Nach einigen Jahren wagte ich den Schritt und wechselte zu einer anderen Lehrerin, die mich dann zur Mezzosopranistin ausbildetet. Sie war genau das Gegenteil und lobte und feuerte mich an, sie sprühte vor Temperament und holte mich aus der Reserve. Jetzt hatte ich das, was ich immer vermisst hatte.

Bevor ich den Wechsel machte, sang ich an der Oper in Aachen vor...ich habe darüber geschrieben.

Die Technik der ersten Lehrerin war nicht falsch, sonst hätte ich niemals das Vorsingen geschafft, doch ich war in der falsche Stimme und war froh, richtig gelandet zu sein.

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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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BeitragVerfasst: 20.11.2011, 20:05 
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Liebe Hilde,

so eine Lehrerin wie Du habe ich zum Glück noch nicht erlebt, wobei man bei einigen schon ein dickeres Fell mitbringen musste. Und ich finde, es gibt Grenzen - Strenge schön und gut, aber es sollte nicht auf Kosten des Selbstwertgefühls des Schülers gehen. Was Musika schreibt, dass man sozusagen von einem Lehrer abhängig ist und lange nicht die Kraft oder den Mut hat, zu wechseln, kann ich aber auch nachvollziehen. Irgendwo baut man ja doch eine Beziehung auf.....

Seit ich aber bei meinem jetzigen Lehrer Unterricht habe, sehe ich erst, was wirklich konstruktiver Unterricht ist. Er kritisiert natürlich auch, aber sachlich und so, dass man sich nie angegriffen oder verletzt fühlt. Bei früheren Lehrern gab es doch hin und wieder mal Zeiten, wo ich mit einem etwas mulmigen Gefühl zum Unterricht gegangen bin, auch wenn es mir im Großen und Ganzen Spaß gemacht hat. Jetzt aber warte ich quasi schon immer ungeduldig auf die nächste Stunde ... und ich persönlich finde, dass man in einer solchen Umgebung auch eher Fortschritte macht... andere mögen bei einem strengen Lehrer eher aufblühen, ich denke, dass hängt immer auch von der eigenen Persönlichkeit ab.

Liebe Grüße

Octaviane

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„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
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"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 00:17 
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halllo.

die erste Frage, die ich mir gestellt habe, lautete: warum gehst du zu 2 unterschiedlichen Gesangslehrerinnen?

Und was genau sind deine Erwartungen an die Ältere? Wenn ihr jetzt schon 6 Jahre zusammen arbeitet ist vielleicht einfach die Luft raus. Möglicherweise hat sie dir einfach 95% von dem beigebracht, was sie zu leisten im Stande ist. Vielleicht ist sie so streng, weil ihr die Ideen ausgehen und sie sich darüber vielleicht auch selbst Ärgert.

das würde auch erklären, warum eine Anfängerin mit ihr gut klar kommt.

Rede mit ihr. Was kann sie dir noch beibringen, was du auch lernen willst. was sind eure perspektiven? und bis zu welchem Grad bist du bereit Frustration zu ertragen, wenn du auf ein konkretes Ziel hinsteuerst.
vielleicht müssst ihr eure Basis ändern und ja, vielleicht müsst ihr euch auch trennen.

aber so wie jetzt ist der Zustand ja fast untragbar.

ich drück dir die Daumen, dass du für dich die richtigen Entscheidungen treffen kannst.

_________________
Gruß
Mama2009


Zuletzt geändert von Mama2009 am 21.11.2011, 12:07, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 10:00 
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Mir ist noch was eingefallen. Ich hatte mal eine Lehrerin, die immer strenger wurde, je begabter der Schüler war. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie einfach nicht verstehen konnte, warum beispielsweise irgendein hoher Ton überhaupt nicht klappen wollte, wo einem doch sonst (fast) alles andere so leicht zu fallen schien. Da konnte sie dann sehr ungeduldig werden.

Octaviane

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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 11:10 
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Hallo Hilde,

streng klingt immer bei mir nach "Erziehung" und nach veralteten Methoden der Lehrer......im Umgang mit Erwachsenen -egal, was sei lernen wollen- ist diese Strenge nicht angebracht.

Ich war lange in der Erwachsenen (Aus)-Bildung Tätig und erlebte so manche Sitautaion, in der Teinehmer vor bestimmten Lehrertypen Angst entwickelten, so sehr , dass sogar gestandenen Frauen und Männer heulten...weil diese soooo streng waren -oder besser gesagt : autoritär.

Sicher gibt es Leute, denen macht das scheinbar nichts ausmacht und die denken sich, dass diese Zeit mit solchen Lehrern auch mal zu Ende ist - bauen sich zum Selbstschutz ein Bollwerk für die Seele auf...meiner Meinung nach ist dies aber keine gute Grundlage zum entspannten und produtivem Lernen.

Auch m Gesangsunterreicht sollte es enspannt zu gehen, eine klare Linie für den Lernenden erkennbar sein und der Unterricht soll immer motivierend gestaltet sein. Natürlich sollte ein Lehrer den Schüler immer auch kritisieren, korrigieren usw...aber immer konstruktiv und freundlich wohlwollend. "Lockerheit" von beiden Seiten wäre sowoeso immer angebracht.

Einen Unterschied würde ich hier bei den Lernenden (Amateuer oder Profi) nicht machen.....Lernen funktioniert nur, wenn man viele positive Erfahrungen sammeln kann und dazu gehört die Fähigkeit eines Lehrers, den Lernenden bei seinem Ziel indivieduell und stets wertschätzend zu begleiten.

Ich benutze den Ausdruck "Schüler" auch nur ungern im Zusammenhang mit Erwachsenen.

Ich dürfte niemals das Gefühl haben, dass ich als ein "unmündiger" Schüler behandelt zu werden,... dann hätte ich keine erwachsenengerechte Basis zum "Singenlernen"

Die Persönlichkeitsstruktueren sind ja bei jedem Lehrer anders, sollten aber nicht zum NAchteil des Lernenden ausgelebt werden.....wie solche Menschen mit solchen Merkmalen, wie Du sie beschreibst, privat mit ihren Mitmenschen umgehen, ist ihnen zu überlassen, sobald sie aber mit "Abhängigen" sprich Lernenden zu tun haben, sollten sie die Grundlagen der Erwachsenenbildung beherrschen....

Natürlich liegt es auch an uns selber, wenn wir uns bestimmte Verhaltensweisen unserer Lehrer gefallen lassen, die uns nicht gut tun, und für die wir sogar noch Geld bezahlen...., sollten wir nicht jammern - ansonsten gibt auch auch noch andere Lehrer.

_________________
Liebe Grüße...und:

nur weiter, denn nur weiter ! - Mein treuer Wanderstab.

Manne


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 14:12 
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Hallo Hilde....da ich auch erst seit 4 Jahren wieder zum Singen gekommen bin und das ganze auch " nur " zum Spaß machen wollte, hatte ich eine Lehrerin, die mich erst mal wieder an meine Stimme geführt hat und bei der ich mit viel Spaß und Lachen einfach nur gesungen habe....
Nachdem ich aber gemerkt habe, daß ich eigentlich mehr wollte, habe ich gewechselt und bin jetzt sehr froh, da ich nun die Belcanto-Richtlinien vermittelt bekomme und das auf eine sehr angenehme Weise....
Klar, ich zögere auch manchmal und die Unnachgiebigkeit meiner Lehrerin kann schon sehr anstrengend sein, aber auch nur deswegen, Sie weiß das ich es besser kann....Also werde ich auch bei einigen Passagen so richtig " getrietzt ", aber im Nachhinein, wenn ich meine Aufnahme der Stunde abhöre, dann merke ich, Sie hatte recht...
Jetzt ist ja so, wir sind alle erwachsen und da ist es schon manchmal schwierig, eine Lehrer-Schüler-Situation abhaben zu können, insbesondere, wenn man als Schüler das Ganze als Hobby angedacht hat...
Ich denke es sollte einfach in einem offenen Gespräch geklärt werden, wie Du es siehst und was Du erwartest....Ein Unterricht sollte vor Allem konstruktiv sein, Spaß machen und es sollte ein spürbarer Fortschritt erzielt werden...Mit Strenge kommt man selten all zu weit, es hängt aber auch, wie schon bei den Vorrednern gesagt, von der Mentalität der einzelnen Personen ab....Ich könnte bei einem Lehrer, mit dem die Chemie nicht stimmt, oder auch nicht mehr stimmt, keine Stunden mehr nehmen ... :n31: .


Herzliche Grüße von Sorpresa

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" Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen." Meister Eckhart


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 16:00 
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Wie Mama2009 ist mir auch als erstes die Frage durch den Kopf geschossen, warum 2 GL?
Übst du mit den beiden jeweils andere Sachen?

Streng und streng sind ja auch nicht immer gleich.
Ich würde meinen GL nicht wirklich als streng bezeichnen, aber sehr konsequent in dem was er tut und von mir verlangt.
Und es hat sich im laufe der Zeit etwas geändert... also von dem Zeitpunkt an, als ich angefangen habe bis heute.
Meine gesanglichen Fähigkeiten haben sich geändert (GsD *zwinker*), sprich, ich weiß, dass ich durchaus mit Profisängern mithalten kann und mein
GL hat mir ab einem gewissen Zeitpunkt auch klipp und klar gesagt, dass, wenn ich in der Profi-Liga "mitspielen" will auch im Unterricht entsprechend behandelt
werde... d. h. nichts anderes, als dass er von mir auch eine entsprechende Unterrichtsvorbereitung erwartet.
Im Unterricht selber werde ich an dem Punkt, an dem ich mich an diesem Tag befinde (stimmlich) abgeholt und dann wird entsprechend gearbeitet... da kann es sein, dass mal mehr als die hälfte der Zeit für "Technik" drauf geht und ein anderes Mal alles Mögliche gesungen wird und es fast wie ein Konzert endet... aber immer darauf bedacht mir etwas mit auf den Weg zu geben, woran ich dann die nächste Zeit zu arbeiten habe.

Es gab auf jeden Fall auch Stunden, wo sowohl mein GL als aber auch ich an nervliche Grenzen kamen... da haben wir uns dann vllt. mal kurz gegenseitig angeranzt oder uns beide auf die Lippen gebissen und nichts gesagt, weil wir beide wussten, dass ist jetzt nur situationsbedingt... also einfach mal die Klappe halten, durchatmen und weiter machen.
Es gab auch schon mal Stunden, nach denen ich geheult habe, aber wenn ich mal ganz tief in mich gehe, hatte das nichts mit der "Strenge" meine GL zu tun, sondern eher mit dem "Ich ärgere mich über mich selber" !!! und solche Stunden sind vllt. 3 oder 4 mal in 10 Jahren vorgekommen...

Mein GL überschüttet mich auch nicht mit Lob etc., was ich aber durchaus als angenehm empfinde, weil, wenn er dann mal "vor Freude explodiert", dann weiß ich, wie gut ich in dem Moment war...

Ich gehe nie (außer die erwähnten Ausnahmen) frustriert aus den Stunden, mein GL achtet sogar darauf, dass, wenn etwas nicht so 100%ig geklappt hat, wir zum Schluß noch etwas machen, was ich in meinem Kopf dann sozusagen als Positiv abspeichern kann...

Also alles in allem... finde ich einen strengeren Unterricht auch für Amateure gut und richtig... allerdings sollte es nicht soweit kommen, dass jemand so frustiert nach Hause geht und derartiger Leistungsdruck aufkommt...


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 18:44 
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Hallo Hilde,

nein, so etwas kenne ich auch nicht. Anspruchsvolle Lehrer: ja. Welche, die penibel auf einem Krümel rumreiten: ja - auch solange, bis ich als Perfektionistin schon mal dachte: meine Güte, ich mache das doch nur zum Spaß ... - aber es war richtig, konsequent zu sein und es wurde nie mit Strenge gearbeitet. Ich war auch nie frustriert, weil mein Lehrer zu hart war, sondern - wenn überhaupt - weil meine Stimme nicht das gemacht hat, was wir wollten; aber das ist ja auch etwas anderes.

Ob es nun richtig ist, Dich mit der Mittellage zu "quälen" kann ich nicht beurteilen. Wenn das für die GL aber ein zentraler Punkt ist, kann ich die Aussage nachvollziehen, dass es für sie ein entweder oder ist. Hat sie Dir mal erklärt, warum sie das für Dich für so wichtig hält? Wenn das Verständnis dafür da ist, übt es sich ja trotz Abneigung leichter. Ich denke, man sollte in solchen zentralen Punkten schon übereinstimmen - wenn es nicht passt, sollte man sich trennen. Ich suche mir ja meinen Lehrer ja auch genau danach aus, dass er mir das beibringt, was mich weiterbringt - und das auf eine Art und Weise, die für mich geeignet ist. Sonst könnte ich ja irgendeinen nehmen ...

Kannst Du nicht nur Stunden bei der GL nehmen, bei der Du so viel Freude hast? Für mich käme nur diese eine GL in Frage - mit der Art und Intensität von Strenge könnte ich (beim Singen) nicht umgehen und halte sie für destruktiv.

Viele Grüße

Raupe

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"Musik ist die Kurzschrift des Gefühls."

(Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi)


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BeitragVerfasst: 21.11.2011, 22:33 
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Raupe hat geschrieben:

Ob es nun richtig ist, Dich mit der Mittellage zu "quälen" kann ich nicht beurteilen. Wenn das für die GL aber ein zentraler Punkt ist, kann ich die Aussage nachvollziehen, dass es für sie ein entweder oder ist. Hat sie Dir mal erklärt, warum sie das für Dich für so wichtig hält? Wenn das Verständnis dafür da ist, übt es sich ja trotz Abneigung leichter.



Darauf wollte ich auch hinaus. Die Frage ist nämlich, ob es etwas mit der Berufsethik eines Gesangslehrers zutun hat, also sprich, dass es für die Lehrerin unvertretbar ist, dass ein Teil der STimme weniger ausgebildet wird als der Rest und somit ein auf die dauer ungesundes Ungleichgewicht der Register entsteht oder ob es hier tatsächlich etwas ist, was gegen die persönlichen Gesangsfähigkeiten geht. Mich hat auch mal ein dramatischer Bariton die Tiefe forcieren lassen, weil er meinte, meine Stimme "wachse" dadurch, was allerdings nichts als übermäßiger Kraftaufwand war und mich Jahre gekostet hat, das wieder abzutrainieren. Es gibt aber auch Gesangsschüler, die ein festes Ideal und eine genaue Vorstellung von ihrer Stimme haben und dadurch resistent gegen die gutgemeinten Ratschläge ihrer Gesangslehrer sind und da spreche ich auch wieder aus Erfahrung, denn ich habe mich eine Zeit lang auch schwer damit getan, auf den Lehrer und nicht auf mein eigenes Gefühl zu achten (und schließlich hatte ich technische Mängel also war es unmöglich, dass mein Gefühl "unfehlbar" war), so dass meine Hochschul-Lehrerin mich abgeben wollte! Der Satz "sonst müssen sich unsere Wege trennen" hätte durchaus von ihr kommen können, aber nicht, weil sie so autoritär war, sondern weil ich zu dem Zeitpunkt einfach zu versteift auf eine gewisse Technik war, die ich ja gewohnt war, so dass sie genauso die Wand hätte unterrichten können. Versteh mich bitte nicht falsch, ich will dir das in keinem FAlle anhängen, Hilde, ich wollte nur genau verstehen, was genau der Konfliktpunkt war. ISt mit "zu viel Mittellage" eine zu massige, ungesunde Verwendung dieser gemeint oder allgemein "ich habe kein Lust, Mittellage zu singen, weil ich ein hoher Koloratursopran bin?" Weil dieses Argument würde eher für ein Vernachlässigen bestimmter Gesangsmuskeln sprechen und das kann doch auf die Dauer zu schäden führen, oder gibt es tatsächlich Stimmen, die wirklich nur in Extremen trainieren müssen ohne dass es dadurch zu Unausgeglichenheiten in den Registern kommt? Im Grunde sind doch die Muskeln ähnlich aufgebaut von allen Stimmen, egal ob hoch oder tief, dramatisch oder lyrisch? Also mir tut es sogar gut, Mittellage zu trainieren, meine Höhe wurde dadurch eher besser, nicht auszudenken, wenn ich nur in der 3 gestrichenen LAge üben müsste *g*, da wäre ich ziemlch bald abgesungen oder würde nur piepsen.

Lg, Olympia

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BeitragVerfasst: 22.11.2011, 11:12 
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Zitat:
[...]oder gibt es tatsächlich Stimmen, die wirklich nur in Extremen trainieren müssen ohne dass es dadurch zu Unausgeglichenheiten in den Registern kommt?


Das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht. Dass der Lehrer verlangt, dass man in allen Lagen schön singt, ist ja an und für sich auch nicht verkehrt, ganz im Gegenteil. Auch ein Koloratursopran singt nicht nur in stratosphärischen Höhen ... überhaupt, und das wurde hier schon häufiger gesagt, ist eine gut geschulte Mittellage für alle Stimmen die beste Basis, von der aus man die Höhe und Tiefe entwickeln kann. Und das Ziel sollte doch eine in allen Lagen ausgeglichene Stimme sein, denn das ist, wie Olympia ganz richtig sagt, wichtig für die Gesundheit der gesamten Stimme.

Ich für meinen Teil hätte mir gewünscht, dass meine ersten Lehrer auch mal die Dinge mit mir geübt hätten, die mir von Natur aus nicht in den Schoß fallen (in meinem Fall die Koloratur - uns verbindet eine Art Hassliebe big_aergern ) ... denn ich habe nie so recht eingesehen, warum ich Dinge, die im Prinzip jede Stimme, egal ob lyrisch oder dramatisch, leicht oder schwer bis zu einem gewissen Grad beherrschen sollte, nicht können soll (muss), nur weil ich (angeblich) dieser oder jener Stimmtyp bin.

Die Frage ist aber natürlich, wie das Ganze vermittelt wird und es ist mE nicht hilfreich, den Schüler etwas üben zu lassen, das für sie oder ihn erst einmal unangenehm ist und nicht zu sagen, warum man das tut und warum es wichtig ist. Wie Raupe schon sagte - wenn ich weiß, warum ich etwas machen soll, übe ich auch unliebsame Dinge lieber. Vielleicht liegt vieles also wirklich an mangelnder Kommunikation. Kannst Du Deiner GL denn Fragen stellen und beantwortet sie sie bereitwillig oder geht sie da eher in die Defensive?

Viele Grüße

Octaviane

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BeitragVerfasst: 22.11.2011, 19:43 
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Vielen Dankfür die interessanten Stellungnahmen.möchte sie beantworten so gutes geht.

In Wiengibt es wenig VHS mit Gesangskursedieauch einen Gesangsabendmachen(höchstens 10 Lehrer)
2 GL hatteichoftin den vergangen Jahren-findeesinteressanter.
Ältere GL hatanfangs gesagt ich hätte Potential-vielleicht ist sie enttäuscht( habe pro Jahr nur ca-10 Gesangsstunden)Grundlage der Erwachsenenbildung wäregut-GL ist im Kurs überlaufen-hat schon zuviele Kursteilnehmer.
Sie wäre fachlich sehr gut.Nach 14 JahrenGU erst bei ihr Fortschritte in der Technik
Mittellage istderGL (erst jetzt wegen Ges.Abend)wichtig.man könne damit bis zum Tod singen sagtsie.
Leider kann die junge liebe GL fast garnicht Klavierspielen.lernt erst jetzt auf der Hochschule.
Ältere GL hat eine sehr hohe Berufsethik.Sie unterrichtet alle gleich egal ob15 oder60 Jahre alt ( sagt sie) Alle müssen Fortschritte machen
Von meiner Stimme habe ich keine bes.Vorstellung-mir war garnicht bewußt daß die Mittellage zuwenig gestützt ist.Wollte eigentlich nur noch viele schöne Koloraturarien singen
Konfliktpunkt war das Lied für den Ges,Abend- ich träume von Grothe- Mittellage Übergangstöne zuwenig gestütz zu laut-weil das sehr lang nicht besser wurde in der Stunde wurde GL fuchtig.Ich sagte dann daß es für mich immer schwerer wird statt leichter.Sie -dann müssen wir uns trennen wenn es ihnen zu schwer ist.
Mir macht das Üben der Mittellage eigentlich nichts aus nur daß sie so zornig ungeduldig wird ,habe ich noch nie erlebt in den 6 Jahren.
Vielleicht frage ich sie warum sie nicht zufrieden ist-ich möchte wirklich gernauf Erwachsenenniveau bleiben.,
Werde mir noch viel überlegen mit Hilfe von Euren Antworten.
Vielen Dank
Hilde45


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BeitragVerfasst: 22.11.2011, 20:08 
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Liebe Hilde,

ich finde, in Deinem Fall hat mal wieder (wie so oft bei GLs) die pädagogische Fähigkeit Deiner GL versagt. ! Anstatt dass sie sich Möglichkeiten ausdenkt, um Dir die Technik auf andere Art und Weise näher zu bringen, verschließt sie sich und schiebt Dir indirekt den schwarzen Peter zu. Sowas gefällt mir gar nicht.

Ein Gesangslehrer/-Pädagoge ist dazu da, den Schüler/Studenten auf seinem Weg individuell zu führen, zu fördern und anzuleiten. Und gerade an solchen kritischen Punkten, wo der Schüler meint, dass er es nicht packt, und sich wie vor einem unüberwindbaren Berg fühlt, sollte der GL erst mal für Entspannung sorgen und dann, gemessen an dem Können und der Persönlichkeit des Schülers, einen Weg finden und Möglichkeiten aufzeigen, die zum Weitermachen animieren und einen Fortschritt erhoffen lassen.

Vielleicht solltest Du überlegen, ob diese GL noch richtig für Dich ist. Aber vielleicht hatte sie nur einen schlechten Tag und ihre Äußerung war übereilt. Das kann ich nicht beurteilen. Du kennst sie besser.

Lg Silje

_________________
...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -
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BeitragVerfasst: 23.11.2011, 10:24 
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Liebe Hilde,

vielen Dank für die Konkretisierung, besonders was die "Mittellage" betrifft. (Dass man selber nicht unbedingt merkt, dass man etwas nicht ganz richtig macht, wie z. B. zu wenig Stütze, ist ja ganz normal. Dafür hat man ja Lehrer, die einen - wohlwollend - darauf hinweisen.)

Ich schließe mich Silje hier an. Hier hat Deine Lehrerin in meinen Augen eindeutig unangemessen reagiert und es an pädagogischem Geschick mangeln lassen. Ob das nun ein Einzelfall war oder eher der Normalfall kannst Du am besten sagen.

LG

Octaviane

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BeitragVerfasst: 24.11.2011, 13:21 
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Das sieht natürlich schon ganz anders aus, klar, das ein Lehrer auch nur ein Mensch ist und auch mal einen schlechten Tag haben kann, aber es ist wirklich nicht gerade professionell wenn man mit Unterrichts-Abbruch droht, weil der Schüler sich mit irgendetwas unwohl fühlt! Das macht die Sache ja erst Recht kompliziert und man will ja gerade die Natürlichkeit und Lockerheit in die Stimme bringen und nicht noch durch psycho-Druck das Belastende forcieren. Ich denke gerade an meine heutige Gesangsstunde, wo ich auch mehr Körper in die Stimme bringen sollte. Neuerdings (oder schon vllt auch früher) drücke ich die Zunge auf den Kehlkopf und mache den Hals eng, das kommt, sagt die Stimmtrainern, durch fehlenden Unterbau, ich sei zu fest. Wenn die jetzt meine Temperamentsausbrüche ("Das geht normalerweise!... Es fühlt sich jetzt viel schwerer an, was mach ich falsch, Hilfe ich verliere am Ende noch meine Höhe!") mit "ok, dann musst du halt gehn" kommentiert hätte- ich wäre vllt wieder für ein paar Wochen nicht bei Stimme... bei mir geht das ziemlich schnell auf die Psyche und an dieser Stelle muss ich sagen: Hilde, das ist toll, dass du unter diesen Bedingungen noch die technisch schwierigen Koloraturen locker bewältigtst, wenn die Lehrerin derart unpädagogisch vorgeht! Das hätt ich nicht gebracht, mir hätte das im wahrsten Sinne des Wortes den Hals zugeschnürrt und ab c3 wär nix mehr gegangen (Körper + offener Kiefer adé).
Ich fang dann immer gleich wieder an zu zweifeln ob ich wirklich ein hoher Sopran bin und dann kann ichs eh vergessen, ich singe nämlich nicht mit meinen Stimmbändern sondern mit meiner Psyche *lol*.

Aber du sagst ja, du hast 2 GL, wenn du mit der jüngeren besser klar kommst und die die gleiche Technik machen, warum gehst du dann nicht einfach nur noch zu der jüngeren, wo du dich wohler fühlst? Durch die harmonsiche Atmosphäre lernst du wahrscheinlcih eh viel mehr als unter übermäßigem psycho Stress mit Leistungsdruck. Und wenn du nicht allzu oft Stunden nehmen kannst, nimm die Stunden auf (Mp3 oder MD-Recorder kann ich empfehlen!) dann kannst du dir die Übungen und Kommentare immer wieder anhören und so besser eigenständig üben und musst nicht unbedingt so häufig zum GL, vor allem weil du schon so lange singst und sicher eine gewisse Selbstständigkeit hast. Manchmal gibt einem sogar ein guter Korrepetitor mehr als ein Lehrer, weil das Fundament durch die Klavierbegleitung einen zusätzlich stützt und man dann erst richtig frei singt (vllt Typsache, bei mir ist es oft so), schwächere Mittellage würde ja ggf. auch für Verspannungen sprechen, also nutze Situationen, die den Körper frei macht und entspannt :-)

Lg, Olympia

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Mein erster Lehrer war eher einer von der lockeren Sorte, was mir als damaligem Angsthasen zunächst auch sehr entgegen kam. Er erzählte zwischendurch immer mal wieder irgend welche Anekdoten, viele davon hatten mit dem Singen zwar überhaupt nichts zu tun, führten aber immer zu dem wahrscheinlich beabsichtigten Zweck, meine "Schlagzahl" wieder etwas herunter zu fahren, so dass ich danach wieder entspannter weiter singen konnte.

Eines Tages übten wir SEHR gründlich an einer Arie und ohne die üblichen Zwischendurch-Ablenkungen. Da meinte er dann, ich solle entschuldigen dass er heute so streng zu mir sei, aber an diesem Stück könne man sehr viel arbeiten, und ich habe ein so überragendes Gedächtnis, mir könne man das alles sagen. Ich könne ja nachher, wenn ich wieder nach (Ort) zurück laufe, meine Wut auslaufen. Daraufhin sagte ich zu ihm, dass ich von den vorhandenen Schneeresten Schneebälle bauen und diese in Gedanken so richtig mit Schmackes auf ihn werfen werde. Schallendes Lachen war seine Antwort und sogleich die Bemerkung, ihm gefalle der Gedanke dass ich Schneebälle auf ihn werfe.

Nach dem Lehrerwechsel erlebte ich einen wesentlich strengeren und vor allem konzentrierteren Unterricht. Diese Lehrerin "verschwendete" keine einzige Minute mit Zwischendurch-Ablenkungen. Sie sagte nur etwas zu den Übungen bzw. zum jeweiligen Stück. Vor allem achtete sie viel mehr auf das was ich beim Singen tat und korrigierte auch viel mehr, und zwar so dass ich prompt Erfolgserlebnisse hatte. Auf diese Weise lernte ich bei ihr in zwei Stunden Dinge die ich bei meinem ersten Lehrer in zwei JAHREN nicht gelernt hatte. Da war ich natürlich total happy und dachte, jetzt wird das endlich mal was vernünftiges. :n171:

Aber so ging es nicht weiter. Denn diese Lehrerin verstand überhaupt nicht, warum ich etwas, was ich gerade eben "zufällig" mal gekonnt habe, gleich darauf beim nächsten Versuch nicht mehr konnte. Und wie oft sagte sie mir "Sie können das!", obwohl es überhaupt nicht geklappt hat. Dann kamen die Vorträge, dass ich es tatsächlich nicht könne wenn ich selber Zweifel daran habe, ich solle mehr Vertrauen zu meinem Körper und zu meiner Stimme haben, "es ist alles da!" und der Körper mache das schon wenn ich ihn nur machen lasse. Ja ja ja ja ja...

Den weiteren Verlauf des Unterrichtes will ich hier nicht weiter beschreiben. Statt dessen zitiere ich an dieser Stelle Silje, weil ihre Aussage so treffend ist:

"...und gerade an solchen kritischen Punkten, wo der Schüler meint, dass er es nicht packt, und sich wie vor einem unüberwindbaren Berg fühlt, sollte der GL erst mal für Entspannung sorgen und dann, gemessen an dem Können und der Persönlichkeit des Schülers, einen Weg finden und Möglichkeiten aufzeigen, die zum Weitermachen animieren und einen Fortschritt erhoffen lassen."

Doch was tun, wenn der Schüler vor besagtem unüberwindbaren Berg steht und der Lehrer sagt, man solle keinen Berg daraus machen? Was tun, wenn der Lehrer das Können des Schülers völlig anders einschätzt als wie es offenkundig vorhanden ist? Alle paar Monate, sobald die ersten richtig dicken Probleme auftauchen den Lehrer zu wechseln kann ja nicht die Lösung sein, zumal dann jeder neue Lehrer wieder bei fast null anfangen würde und man überhaupt nicht weiter käme.

Also, im Zweifelsfall lieber einen lockereren Unterrichtsstil, auch wenn der Lehrer "Potential" zu erkennen glaubt und dem Schüler "sehr viel" zutraut. Strenge nur dann wenn der Schüler nicht so recht mitarbeitet, seine Hausaufgaben nicht macht und völlig unvorbereitet zur Stunde kommt, aber nicht wenn es "nur" darum geht, den Schüler zu (weiteren) Fortschritten führen zu wollen und schon gar nicht wenn es nicht darum geht, den Schüler auf Aufnahmeprüfungen oder auf ein Vorsingen für ein Engagement vorzubereiten.

Abschließend noch bemerkt: Es macht ja auch einen Unterschied ob jemand mit 20 oder mit 40 Jahren mit dem Unterricht anfängt, der jüngere ist noch nicht so vorgeprägt von vorherigen Singerfahrungen, muss nicht so viel "umlernen" und tut sich einfach viel leichter. Als älterer Schüler mag man sich einfach auch nicht mehr so streng behandeln lassen. Vielleicht sollte das bei den Tagungen des Bundesverbandes Deutscher Gesangspädagogen auch mal gründlicher angesprochen werden...

AK-Kontraalt

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Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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BeitragVerfasst: 26.11.2011, 00:24 
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Amateure nehmen ja aus höchst unterschiedlichen Gründen Gesangunterricht. Unter denen, die ich betreue, sind einige mit durchaus ambitionierten Zielen, die auf öffentliche, bezahlte Auftritte abzielen.
Andere möchten einfach mehr über die Kunst des Singens wissen und am eigenen Leib erfahren, was natürlich im weiteren Verlauf der Ausbildung auch zu höheren, anfänglich überhaupt nicht angestebten Zielen führen mag. Eine gewisse Strenge ist dann vonnöten, wenn der Einsatz, die Disziplin, der Fleiß offenbar nicht mit den sängerischen Visionen übereinstimmen. In siebzehn Jahren Unterrichtstätigkeit habe ich trotzdem nie erlebt, dass jemals eine Stunde in ernster, gedrückter Stimmung verging.
Stets gab es irgend einen Anlass zu gemeinsamem Gelächter. Und nie werde ich das Credo meiner Lehrerin vergessen, ein Credo, das ich noch heute beherzige : Unterrichte immer so, dass Dein Gegenüber am Ende der Stunde " tanzend " den Raum verlässt, und zwar besonders dann, wenn es schleppenden Schrittes herein gekommen ist !

Ciao. Ospite big_lala


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BeitragVerfasst: 26.11.2011, 00:40 
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ospite hat geschrieben:
Unterrichte immer so, dass Dein Gegenüber am Ende der Stunde " tanzend " den Raum verlässt, und zwar besonders dann, wenn es schleppenden Schrittes herein gekommen ist !

Ciao. Ospite big_lala


Mein Gegenüber war meine erste Gesanglehrerin, die schleppenden Schrittes herein kam,..... kommste heute nicht, kommste morgen......(vielleicht) ohne Motivation, was sollte ich als Schülerin von ihr annehmen? Sie war träge, machte nie da weiter wo sie beim letzten Mal aufgehört hatte...Querbeet....doch ihr zum Trutz, aus mir ist doch was geworden, doch das war der Verdiest der zweiten Lehrerin. Der Grund jedoch war da und der war nicht verkehrt.

Sie war ein schlechtes Vorbild und in meinen Jahrzehnten des Unterrichtens habe ich nichts von ihr so weitergegeben, im Gegenteil, ich war immer gut gelaunt, motiviert und habe meine Schüler freudig unterrichtet, sie angefeuert und ein Späßchen war immer dabei.

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Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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BeitragVerfasst: 26.11.2011, 13:39 
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ospite hat geschrieben:
Unterrichte immer so, dass Dein Gegenüber am Ende der Stunde " tanzend " den Raum verlässt, und zwar besonders dann, wenn es schleppenden Schrittes herein gekommen ist !

Ciao. Ospite big_lala



na das ist aber ein schöner Leitsatz......dies zu erleben wünsche ich allen GS hier im Forum!

Schönes Wochenende!

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Liebe Grüße...und:

nur weiter, denn nur weiter ! - Mein treuer Wanderstab.

Manne


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