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 Betreff des Beitrags: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 14.04.2009, 21:09 
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Hallo,
ich möchte mal den Thread "Körperliche Berührung im Unterricht" als Ausgangspunkt verwenden, um provozierend zu fragen: Wie sieht es denn dann auf der Bühne, im Stück aus ? Wie geht man da mit körperlicher Nähe um, wenn es einen bereits im Unterricht vor körperlicher Annäherung "gegraust hat". Was erleben wir denn auf der Bühne, auf der Leinwand ? Haben wir da "Handschlagreichweite" ?
Oder, ist es etwas anderes, wenn ich mich in einer Rolle befinde oder wenn ich als Lernender mit dem/der GU quasi als natürliche Person arbeite ?

Ich bin da recht offen, im Unterricht, wie auf der Bühne.

LG rugero


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 14.04.2009, 22:41 
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Hallo, Rugero,

interessantes Thema. ich sehe das genauso wie du und ergänze, dass es bei szenischen Bühnenspiel gar nicht ohne Berühren geht. Man stellt schließlich menschliche Interaktionen mit hoher Affektivität dar.
Wer z. B. den letzten Workshop mit den Szeneneinstudierungen mitgemacht hat, weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man singenderweise zusammen eine Handlung unter Dejans fachkundiger Regieanleitung darbringt. Nach meinem Empfinden hat z. B. eine darzustellende Rangelei wenig mit einer echten zu tun. Es besteht weder ein Wutgefühl gegen den anderen noch kann man sich wirklich kloppen. Man zeigt nur Fragmente des Ablaufs, die für den Zuschauer den Kampf so simulieren, dass er echt aussieht.

Das funktioniert nur durch stark kopfgesteuertes Agieren mit Körperspannung. Das läßt es nicht zu, den anderen bei der Umarmung als Person, die er ist, zu spüren, sondern nur überzeugend zu zeigen, dass die Figur die andere umarmt. Gefühle wie bei privaten Freundschaftsberührungen oder gar erotische Gefühle kommen das überhaupt nicht auf. Die Energie, die sich überträgt, ist durch die Anspannung des Spielens zu spüren oder es ist - vielleicht - die Energie der Opernfigur.

In Opernstudios etc. lernt man, damit umzugehen.

LG
dola


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 14.04.2009, 23:07 
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Hallo dola,
ich möchte noch ergänzen.
Würde man an Gefühl, Emotion oder Erotik zu viel einbringen oder erwarten,
so wäre man selbst schnell verbraucht und würde sich verzehren an all den tollen Verführungen, denen man im Bühnenalltag erlegen wäre.
Die andere Version, man muß auch mit emotionalen Abwendungen kämpfen, um seine Rolle zu realisieren, nicht alle Partner sind zum verlieben.
Plakativ gesprochen, es gibt erotische und nicht erotische Partner, gut Aussehende und weniger gut Ausehende, Faszinierende und Langweiler.
Sie alle aber sind rollenspezifische Charaktere, die man je nach Szene akzeptieren muß oder nicht. Das ganze Leben spielt sich auf der Bühne ab, Lachen und Weinen, Berührung und Distanz.

LG rugero


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 08:47 
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Hallo rugero und dola,

das ist ja sehr interessant was ich da lese: Man steigt also auf der Bühne quasi aus seinem eigenen Körper aus und ist nur die Figur die man darzustellen hat, habe ich das richtig verstanden? Ein für mich völlig neuer Aspekt den ich bisher überhaupt nicht kannte (obwohl an unserer Schule Theater gespielt wurde, die Teilnahme daran war für alle Schüler verpflichtend!)

Da kommt mir nun noch ein anderer Gedanke: Auf der Bühne hat man ja mit Menschen zu tun die man persönlich gar nicht näher kennt (es sei denn man ist mit seinen Bühnenpartnern schon öfter zusammen aufgetreten). Ich könnte mir denken dass es Fremden gegenüber leichter fällt aus seiner eigenen Haut heraus zu schlüpfen und die pure Figur darzustellen. :n90: Im Unterricht sind aber sowohl Lehrer als auch Schüler genau derjenige Mensch der sie sonst auch sind - mitsamt "friesischem Erbe" (Zitat Octaviane) oder "Bevorzugung der Handschlagreichweite" (Zitat Chris). :n28:

Viele Grüße
AK-Kontraalt

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Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 09:21 
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Ich gehöre "eigentlich" auch zu den Menschen, die eher distanziert sind, mal abgesehen vom Begrüßungs-und Abschieds-bussi-bussi. Das ist mein saarländisches Erbe, das hat nix damit zu tun, in welcher Beziehung man/frau zu der Person steht.

Im Theater-Chor aber dann mußte ich einiges dazulernen. Angefangen von einfachen Liebesszenen bis zu hihi halbnacktem Gruppenkuscheln auf der Bühne, bis zu Prügelszenen, Volksaufständen oder ganz einfach ganz eng zusammenstehen im Klumpen ( ich hoffe, dass es diesem Regisseur jetzt in den Ohren klingelt, es war schrecklich). Aber es gibt auch hinter der Bühne Situationen, in denen man mit 20 KollegInnen auf 2 Quadratmeter auf den Auftritt wartet. Da bleiben Berührungen nicht aus, das gehört nach 2 Proben zum selbstverständlichen Ablauf.

Und natürlich das alles mit fremden Menschen, von denen man/frau die einen mehr und die anderen weniger mag. Mein Glück : bis jetzt habe ich es immer hingekriegt, mit den "Richtigen" zusammen zu sein und ich hoffe, dass das so bleibt. Aber ich merke schon, dass ich da viel weniger Hemmungen habe als am Anfang. Es ist ja nicht "echt". Mit der Zeit werden diese Dinge zur Selbstverständlichkeit.

Für die Solisten ist das auch nicht ganz einfach, wenn sie sich mögen, kein Problem, aber wir hatten schonmal Hauptdarsteller, die sich während der Proben so verkracht haben, dass die Liebesszenen eine echte Anstrengung waren, aber : es sind Profis, die müssen das können.

Liebe Grüße
Uralt

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Sing und finde gut, was du machst. ( D. B.)


Zuletzt geändert von Uralt am 15.04.2009, 16:12, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 11:14 
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Hallöchen,

ja, das ist in der Tat ein sehr interessantes Thema. Und auch ich sehe natürlich ein - auch wenn ich vielleicht zu den etwas distanzierteren Menschen gehöre - , dass es auf der Bühne ohne Berührung nicht geht.

Gehört man nun zu diesen distanzierteren Menschen, ist es natürlich oft nicht einfach, diese "natürliche" Hemmschwelle erstmal zu überwinden, man ist sich ja vielleicht auch nicht so sicher, wie das Gegenüber dazu steht, berührt zu werden. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass ein einfühlsamer und guter Regisseur, wie ich ihn in Dejan auf den letzten beiden Belcanto-Workshops erlebt habe, einem helfen kann, diese Schwellenängste abzubauen.

Und selbstverständlich gibt es eine Trennung zwischen der Privatperson Octaviane und der Octaviane, die eine bestimmte Rolle auf der Bühne spielt, auch wenn die Privatperson da natürlich mit reinspielt, ich maße mir ja nicht an, eine professionelle Schauspielerin zu sein. Denn auch wenn viele Partien in Teilen ihres Charakters mit Teilen meiner Persönlichkeit übereinstimmen (oder ich sie gut nachvollziehen kann), so gibt es immer auch Aspekte, die sich vielleicht doch unterscheiden. Ganz plakativ wird das ja im Bereich der Hosenrolle, wo man als Frau u. U. eine Liebeszene mit einer anderen Frau darstellen muss - ohne dass dies irgendwelche Rückschlüsse auf die sexuellen Präferezen im "richtigen" Leben zulässt.

Und letztendlich gibt uns der (Opern-)Gesang ja auch mal die Möglichkeit, Personen und deren Charakterzüge darzustellen, die wir im richtigen Leben eben nicht sind. Und vielleicht entdeckt auch das schüchterne Mädchen dann irgendwann, dass tief in ihr doch die dominante Zicke steckt :lol :verdacht

Liebe Grüße

Octaviane

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 15:00 
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Hm.

Wie habt Ihr eigentlich früher Fangen etc. gespielt? (falls Ihr zu der Generation gehört, die das noch gespielt hat) Das ging ja auch nicht ohne körperliche Berührung. No risk - no fun: Seid Ihr da abseits gestanden? Jungs, habt Ihr Euch als Kinder nie geprügelt? (Ich kann mich erinnern, daß das erst so mit 10 Jahren aufgehört hat, als es angefangen hat, weh zu tun...) Und Mädels: Wie haltet Ihr das mit dem Tanzen? Diskomässig auf doppeltem Armabstand? Oder vielleicht doch lieber Standard oder Latin mit Anfassen? Gar vielleicht Wiener Walzer oder Tango..? Stört es Euch, daß Männer meist nicht tanzen wollen? Oder seid Ihr von der Sorte, die sich von ihrem Tanzpartner wie ein Stock über das Parkett schieben läßt? Kennt Ihr das Spiel, bei dem man sich eng im Haufen zusammenstellt, dann die Hände in den Haufen streckt, irgendzwei andere Hände ergreift, und dann versucht, das Knäuel zu entwirren, ohne die Hände loszulassen?


Es ist ein Spiel...


Kein Grund zum Verkrampfen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 15:11 
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Nur ..... als Kind hab ich auch nicht darüber nachgedacht, was ich beim Singen tue - da war das auch viel einfacher. ;-) Als Erwachsener ist man da doch häufiger gewissen Zwängen (auch wenn diese nur zu oft selbst gemacht sind) unterworfen.

Jaja - die Jugend - sie kehrt nicht mehr zurück.

Im Übrigen stand ich auch als Kind schon nicht auf "Gruppenkuscheln" haushalt__005.gif Tanzen (Standard und Latein) mochte/mag ich aber trotzdem. Und geprügelt hab ich mich (wenn auch sehr selten) auch mal - obwohl ich ein Mädchen bin :n31:

Das waren nun aber genug Schwänke aus meiner Jugendzeit ...

Altkluge Grüße von

Octaviane

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 16:40 
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Also....als Kind hat man ja nie über die Tatsache nachgedacht, dass man jemanden(Junge oder Mädchen) beim Fangen oder sonstigen Spielen berührt. Da war das normal. Im Teenageralter wollte man schon eher gezielt anfassen und angefasst werden, also nur von den Typen, auf die man stand..(so wars bei mir zumindest.. :n110: ) Insofern hat mir Tanzen in der Disco oder Tanzstunde auch nur mit den Jungs Spass gemacht, die ich gut fand....
Heutzutage , im fortgeschrittenen Alter :kaffee :fidel , muß einfach die Stimmung da sein und die "Schwingungen" müssen stimmen... dann tanz ich auch mit Quasimodo... :n110: . Und ich würde nicht in jede zufällige oder bewußte Berührung gleich die große Liebe oder Anmache reininterpretieren.

Und. ..ja,Pestoso, mich stört es, dass Männer nicht so gerne tanzen (zu welcher Sorte gehörst Du ?? ) und ich frag mich manchmal ,warum das so ist. Versagensangst ? Scheu vor körperlicher Nähe ?? 2 Mal getanzt ist schon halb geheiratet ??? ...Keine Ahnung..
Und, um noch mal auf den Anfang zu kommen. Meine Gesangslehrerinnen haben mich immer gefragt, ob es ok ist, wenn sie mich anfassen, um etwas zu kontrollieren oder um etwas zu erklären. Ich hatte also immer die Möglichkeit, nein zu sagen, wenn mir etwas "zu eng" wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 15.04.2009, 17:21 
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Zitat:
zu welcher Sorte gehörst Du ??


wenn ich mein Phlegma mal überwunden hab - den ganzen Abend bis zur physischen Erschöpfung... :pfeif:

Zitat:
frag mich manchmal ,warum das so ist.


das ist in einem bestimmten Alter einfach uncool. :n86:

Und das bleibt manchem. Viele haben sich mit 15 erfolgreich vor dem Tanzkurs gedrückt - Stichwort "uncool" - und können's dann später einfach nicht, außer doof von links nach rechts zu treten, als ob sie in die Hose gemacht hätten. Und dann kommt - na was wohl? Versagensangst! Man will sich doch vor den Mädels nicht blamieren. Schließlich sind wir doch Held in allen Lebenslagen! :n14:

Die haben einfach nicht begriffen, daß man gerade im Teenageralter mit Tanzen

1. bei den Mädels punkten kann und man (Mann!)
2. in diesem Alter nirgends so problemlos so nahe an die von fern bewunderte Weiblicheit rankommt. Außer im Chor.

Aber singen tun sie aus den gleichen Gründen nicht: können wir nicht - Versagensangst - uncool. :n110:

gewisse Ähnlichkeiten mit dem Fuchs und den sauren Trauben sind natürlich nur rein zufällig.... :n71:


T(e)M Pestoso

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 08:43 
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Ehrlich gesagt hab ich als Kind auch nicht drüber nachgedacht, ob ich da jetzt jemanden anfassen muß - und mit denen, die ich doof fand, hab ich sowieso nicht gespielt. Auch kein Fangen. So! ;-)
Prügeln... naja, ich bin ein Mädchen, die machen sowas nicht. *hüstel* Bzw. später beim Kampfsport (da machen sie es doch!) hat sich das Problem auch nicht gestellt, weil man vor der Berührung abstoppen mußte. Hab mich also irgendwie immer äußerst elegant um das "Problem" rumgedrückt... :n110:

Und was die Bühne angeht (auf der mich mich äußerst selten aufhalte, aber wurscht): da stimme ich den Vorrednern zu, daß man in dem Fall ja sozusagen nur teilweise man selbst ist, was die Sache möglicherweise erleichtert. Ginge mir jedenfalls so. Ich muß ja auch, extremes und in meinem Fall sehr unwahrscheinliches Beispiel, als Carmen keine Angst haben, daß mein Gegenüber mich real entleiben möchte. Hoffe ich jedenfalls... :pfeif:

LG
Chris

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 10:00 
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Zitat:
später beim Kampfsport (da machen sie es doch!) hat sich das Problem auch nicht gestellt, weil man vor der Berührung abstoppen mußte


ach? die fallen beim Judo von alleine um? :verdacht

Ich glaub' Ihr verinnerlicht da viel zu viel. das ist nur eine Einstellungssache. Was bedeutet es denn, daß man auf der Bühne nicht man selbst ist? Es ist ein Spiel! Wo ist das Problem, wenn der andere nicht gerade nach Zwiebeln, Zigaretten oder ungewaschen stinkt? Es gehört einfach dazu! Das ist was anderes, als ein Frotteur in der U-Bahn. Sogar beim Maibaum-Aufstellen kann man nicht vermeiden, daß man sich körperlich nahe kommt: So what?

Kein Mensch erwartet, daß die Pamina den Tamino in echt heiratet, und daß der Papageno der Papagena in real life ein Dutzend Kinder macht. Niemand erwartet, daß das, was auf der Bühne passiert, echt passiert (nicht mal beim Bajazzo, wo gespielt wird, daß das Spiel real wird). Beim Räuber und Schandi-Spiel sind die Gejagten ja schließlich auch keine echten Räuber. Aber die Berührung auf der Bühne ist trotzdem real, muss real sein, damit sie glaubwürdig bleibt. Wenn ich jemand ärgerlich von mir schubse, dann schubs ich ihn wirklich und tu nicht nur so und stop vorher ab...

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 10:09 
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Zitat:
ach? die fallen beim Judo von alleine um?


Keine Ahnung - aber beim Shotokan-Karate ist richtiges "Treffen" verboten. ;-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 11:14 
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Zitat:
Prügeln... naja, ich bin ein Mädchen, die machen sowas nicht. *hüstel*


Tun sie nicht? Na gut - ich habe mich natürlich auch immer nur gewehrt *räusper* So wie meine Mama als junges Mädchen - die hat dann aber die Jungs mit dem Regenschirm verdroschen, wenn die ihr an die Wäsche wollten.

Hmmm, sollte ich jetzt lieber sagen, dass Gewalt in meiner Familie durchaus verpönt ist .... :pfeif:

Lieber TM Pestoso,

Natürlich ist das Einstellungssache. Aber bei Dir klingt das alles so einfach (was es im Prinzip ja auch ist). "Ändert einfach eure Einstellung, dann läuft das schon". Das ist sicher richtig, nur ändert sich eine Einstellung nunmal nicht so einfach. Schließlich sind die meisten von uns erwachsene Menschen mit gewachsenen Persönlichkeiten und Erfahrungen und (ich wiederhole es), keine Schauspiel-Vollprofis.

(Es klingt für mich ein wenig wie die so beliebte Aussage von Ärzten: "Sie müssen Stress vermeiden" - Haha - würd ich ja, wenn ich könnte)

Manchen Menschen macht es nicht aus, wenn ihnen andere ("Fremde") nahe kommen oder sie berühren , andere fühlen sich mit einem gewissen Mindestabstand weitaus wohler. (Was nicht heißt, dass man generell nicht angefasst werden mag - das wäre dann ja auch schon bedenklich). Dass man diesen Mindestabstand auf der Bühne natürlich nicht immer einhalten kann, soll es glaubwürdig sein, ist klar - Letztere müssen dann aber aufgrund ihrer Persönlichkeit mehr daran arbeiten, diese Hemmungen zu überwinden. Was auch wieder sehr spannend sein kann.


LG

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 14:42 
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Die Frage ist doch, WARUM haben manche Menschen Scheu vor Körperkontakt?

Wir reden ja nicht vom normalen Leben. Erstens ist es dort ritualisiert. Deswegen muß da auch keiner darüber nachdenken, wie groß der Abstand sein muß und daß man seinen Chef zur Bergüßung in der Regel nicht abknutscht. Wegen dieser Ritualisierung fühlt sich in real life auch jeder mehr oder weniger unbehaglich, wenn ein anderer diesen Abstand nicht wahrt. Das geht mir genauso. Und zweitens ist im richtigen Leben ja nicht von der Hand zu weisen, daß der enge - unerwünschte - Kontakt zu unerwünschten Übergriffen führt. Denn dort ist das echt! Und vielleicht hat ja der/die eine oder andere da schon mal schlechte Erfahrungen gemacht...

Es ist aber nicht das normale Leben: Keiner will was von einem. Klar: es gibt immer Idioten. Aber das hat an dieser Stelle zumindest keine Folgen.

Nochmal Einstellung: Man könnte es ja auch genießen, daß keiner was von einem will...

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 16.04.2009, 15:33 
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..nun, irgendwie geht den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens das Bedürfnis nach Berührung und Körperkontakt anscheinend verloren.. Aber lebensnotwendig ist Berührung und Körperkontakt auf jeden Fall. Erinnern wir uns an die grausamen Versuche unter dem Alten Fritz, der Babys und Kleinkinder ohne jeglichen physischen Kontakt und ohne ein gutes Wort aufwachsen ließ. Die Babys starben und die Kleinkinder entwickelten Psychosen.
Wenn man also diese Phasen glücklich hinter sich gebracht hat, was passiert dann mit einem ? Als Teenager ist man ja noch vollkommen in der "Knuddelphase"; das beobachte ich zumindest bei den heutigen Jugendlichen, die meistens nur im Knäuel anzutreffen sind und sich ständig gegenseitig im Haar wuscheln, Händchen halten, Bussis geben usw... Und dann ? Ich denke, es ist nicht ganz klar, wodurch sich das Bedürfnis oder eben die Abneigung nach viel Nähe und Körperkontakt entwickeln. Ist es die strenge Mutter, die einem die Kindheit "versaut" hat und man nun ein Nachholbedürfnis hat oder gerade umgekehrt ? (strenge Mutter und nun will man niemanden an sich ranlassen).
Eine meiner Freundinnen kann gar nicht genug von ihrem Mann geknuddelt und in den Arm genommen werden. Da fallen dann auch diese Kosenamen wie "Mausi" und "Schatzi". usw...
Ich hingegen kann es, um es mit Pestosos Worten zu sagen, auch genießen, dass keiner was von mir will...:) , habe durchaus eine schöne Kindheit und Jugend gehabt und bin ohne nennenswerte traumatische Erlebnisse durch mein bisheriges Leben gegangen.
Nähe ist schön, aber zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und auf die richtige Art. Umarmungen und Berührungen verteile ich sicherlich nicht inflationär und möchte diese auch nicht auf diese Weise entgegengebracht bekommen. Und abgesehen davon können Worte auch Balsam für die Seele sein..


Lg Silje

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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 20.04.2009, 08:30 
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Freunde, Römer, Landsleute!
Auf der BÜhne bleibt einem doch gar nix anderes übrig, als auf Tuchfühlung zu gehen?!
Wir hatten im Ensemble weiland einen gräßlichen Menschen, der im Kopf einige Windungen verkehrt verschaltet hatte und außerdem nicht wusste, dass man Wasser auch zum Waschen benutzen kann. Spaß war das keiner, wenn man mit dem auf der Bühne zu tun hatte, aber das Stück hats verlangt, also haben wir auch mit diesem "Umgang gehabt". Die Frauen, die mit dem Liebesszenen spielen mussten haben mir noch mehr leid getan, als wir Männer, die aber auch schgon gestraft waren, wenn sie in der Nähe dieser fränkischen stinkmorchel singen mussten.
Da steht die Profession einfach drüber - wenn auch schwer!
Gruß und Kuss, der musencus


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 21.04.2009, 00:20 
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Hallo musencusmuc,
schön wieder von dir zu hören und klar zu spüren, dass man mit seinen Einschätzungen nicht gar so falsch liegt.

LG rugero


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 21.04.2009, 08:41 
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Liebe Sissy! Lieber rugero (Du Fleißiger!)!
Was nun den "normalen" Umgang angeht, wenn man nicht auf der Bühne steht, so glaube ich, dass es einfach zwei Hälften gibt (suchen wir mal nach dem Gen ... grins). Die einen, die Nähe wollen, die anderen, die sie nicht wollen. Und dann natürlich noch alle Zwischendinger, die wollen und nicht können oder dürfen, und die, die nicht wollen, aber müssen, oder so. Ob das wirklich soviel mit Prägung und Kindheit und der vielleicht gestrengen Mutter zu tun, wage ich zu beweifeln. Als vernunftbegabte Menschen sind wir aber dennoch in der Lage, uns unabhängig von der eigenen Präferenz auf die Vorlieben des Gegenübers einzustellen und entsprechend darauf zu reagieren. Nur eben auf der BÜhne ned, weil da an der einen oder anderen Stelle die Berührung einfach dazu gehört, um ein authentisches Spiel möglich zu machen.
Gruß und Kuss, der kuschelige musencus


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 Betreff des Beitrags: Re: Körperliche Berührung
BeitragVerfasst: 23.04.2009, 17:00 
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Ein höchst interessantes Thema! - Danke an den Themenstarter!

Ich denke, dass die Dinge korrekterweise und aus Sicherheitsgründen ein Mal zwischen Gesangsschüler und Gesangslehrer geklärt werden sollten. - Insbesondere dann, wenn das Verhältnis verschiedengeschlechtlich ist. - Hier haben wir es nämlich nicht mit einem Spiel zu tun, sondern mit der Realität.
Ansonsten stimme ich Tempestoso voll zu, wenn er sagt, dass die Oper doch nur ein Spiel ist. - Die vollständige Entkleidung dürfte auf der Opernbühne wohl eher nicht vorkommen. - Oder etwa doch? - Sie würde ich nicht akzeptieren! haushalt__005.gif

Musikalische Grüße,

vox clara :92


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