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 Betreff des Beitrags: Deformierungen beim Singen
BeitragVerfasst: 07.05.2006, 16:20 
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Liebe Schüler und Lehrer und weder noch :lol: ,
im Thread zur h-moll messe habe ich erzählt, dass ich in Amsterdam in einer sehr renommierten Aufführung eine Solistin erlebt habe, die beim Singen sehr extreme Gesichts-und Kôrperverzerrungen produziert hat.
Ich habe dazu mehrere Fragen:
Woher kommt sowas?
Was kann man dagegen tun?
Inwieweit stört es euch , jemanden singen zusehen, der den Koloraturen körperlich nachsteigt, den Kopf schief hält, herumhüpft, wenns nach oben geht usw.? Mich selbst hat das leider SEHR gestört in diesem Fall. :sad:
Habt ihr selbst erfahrung an euch oder schülern gemacht?
Ich selbst habe z.B; eine Asymmetrie des Mundes, die anfangs ganz extrem war und allmählich besser geworden ist, aber immer noch vorhanden. Ich weiss nicht, was die Verbesserung bewirkt hat und wie das ganz beseitigt werden kann.
Meine Lehrerin sagt, es gebe viele Sänger mit Asymmetrien, das sei nicht so tragisch und ginge oft von selbst weg, wenn man keine Hilfsstütze mehr brauche.
Viele Fragen.....
Liebe Grüsse
Canti :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.05.2006, 19:25 
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hallo cantilene,

bei meinen anfängern, die ja fast alle vorher nicht gesungen haben, sehe ich sowas oft. bei etwas höheren tönen geht der kopf hoch, bei tiefen runter, dazu wird im rhythmus der musik (bei unmusikalischen auch unrhythmisch) mit dem kopf gewackelt usw. usw.
vor dem spiegel singen hilft da nicht, da würden sie sich nur verkrampfen, um den kopf etc. ruhigzuhalten.

beim erlernen einer vernünftigen stimmtechnik verschwinden diese äußeren bewegungen nach und nach und werden durch die für eine gute stimmführung nötigen inneren bewegungen ersetzt.

durch gezielte stimmübungen (keine tonleitern rauf-runter, sondern vor allem funktionelle übungen und spezielle technik-übungen) sind die fleißigen schüler schon nach wenigen monaten soweit, daß sie beim singen aufrecht, aber entspannt ruhig auf der bühne stehen (da haben sie meist das erste klassensingen). und wenn sie dann lange genug gelernt haben stillzustehen ( ) , müssen sie lernen, sich beim singen zu bewegen. aber natürlich nicht diese unschönen ersatz- und falschen hilfsbewegungen, sondern die zur u-musik (die von fast allen schülern zusätzlich zu klassik und oper gesungen wird) passenden bewegungen.

vor dem spiegel zu üben ist manchmal ganz gut, um festzustellen, ob das was man spürt auch tatsächlich so ist. manche denken anfangs, der kopf wäre still, aber er wackelt doch oder sie meinen, sie stehen gerade, aber sie sehen aus wie ein fragezeichen . aber ohne das erlernen einer guten technik bringt der spiegel kein wirklich gutes ergebnis, es wird höchstens eine sichtbare fehlfunktion durch eine weniger sichtbare ersetzt.

liebe grüße
kaja

ps.
mich stört es auch sehr, wenn sängerInnen solche fehlfunktionen zeigen. meist singen sie dann auch nicht sehr lange gut (wenn überhaupt).
bei einigen, deren stimme vorzeitig an qualität verloren hat, kann man auf älteren aufnahmen entsprechendes beobachten (z.b. callas und carreras, der auch vor seiner krankheit schon deutliche stimmprobleme hatte).

von abwarten halte ich nichts, weil auf die art z.b. auch bei kindern mit sprachfehlern oft der zeitpunkt verpaßt wird, wo sie spielerisch ganz leicht und schnell behoben werden können. und über längere zeit eintrainierte fehlhaltungen etc. sind oft schwer wieder zu beseitigen, wenn man das gleich macht geht es einfacher und schneller.


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BeitragVerfasst: 08.05.2006, 21:59 
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Liebe Cantilene!

Mich stört extremes Grimassenschneiden auch ganz extrem!
Ich weiß von einer Lehrerin, die ihre Schüler extra dazu anhält, beim Singen die Zähne zu zeigen. Eine wunderschöne Stimme kenne ich, de so zerstört wurde.
Bei anderen höre ich, dass man sich an die Frau selbst immer wegen ihres "Pferdesbisses" (ungern :d_neinnein: ) erinnert.

Ich habe auch schon oft gehört, dass Lehrer berichten, dass Schüler extreme Verspannungen im Kiefer haben. Da suchen sie dann wohl Stütze, wenn sie ander keine finden.

Aber auch wenn es nicht nach übersteigerter Methodik aussieht, noch nach mangelnder Stütze, so stört es mich doch auch bei Leuten wie Cecilia Bartoli. Die höre ich sehr gerne, aber angucken kann ich sie nicht.


Beim "Nach-vorne-Kommen" bin ich nihct ganz so empfindlich. Das könnte man ja noch als Intensität werten...

Gegen meine anfängliche Schiefstellung des Mundes hat mir zusätzlich zu der richtigen Stütze das bewusste Lockern der Kiefer-und Kaumuskulatur geholfen. Wenn Du Gelegenheit hast, könntest Du mal bei einem Logopäden gezielt danach fragen oder auch ei entsprechednes Buch kaufen (das geht auch gut "nach schriftlicher Anleitung").


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BeitragVerfasst: 12.05.2006, 08:40 
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Liebe Lieschen, ich habe noch gar nicht für deine nette Antwort gedankt! :hearts:
Weiss auch nicht, warum ich manche Sachen hier erst Tage später finde.... :oops:
Zum Logopäden möchte ich eigentlich nicht deswegen gehen, dasfinde ichdoch arg aufwändig. aber was für ein Buch gibt es denn , wo man selbst nach Anleitung da arbeiten kann?
Ich habe meine Qi-Gong Lehrerin mal gefragt, die war früher Logopädin und hat mir auch gesagt, dass ich besonders mit der Gescihtshälfte arbeiten soll in den Qi Giong übungen, die weniger aktiv ist.
Assyetrien scheinen aber insgesamt sehr häufig zu sein und haben evtl auch etwas mit den beiden Gehirnhälften zu tun?
Was machen denn die Gesangs-Lehrer hier bei ihren Schülern, wenn die mit deutlichen Deformierungen singen?
Zum Beispiel bei Gesichts-Asymmetrien?
Lieben Gruss
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 12.05.2006, 09:15 
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Also zu den GLs:
Ich habe alles schon erlebt: Von "Du musst mal auf Deinen Mund achten." über "-" (Schweigen oder Unfähigkeit, das zu erkennen) bis "So. - Du machst eine Ausweichbewegung. Stell Dich mal vor den Spiegel und guck Dir das an! Wenn Du gut stützt und den Kiefer locker lässt, bekommst Du das weg."
Letzteres war der Fall. Allerdings hat sie mir erst die Stütze beigebracht, bevor sie mich auf die Schiefstellung aufmerksam machte. Das war genau richtig, weil das sonst auch sehr verunsichern kann (dann denkt man dauernd daran, wie man denn wohl gerade aussieht :oops: ). Durch die Unterstützung von Körper und Atem war das Proble dnn schon verringert.
Die bewusste Lockerung hat dann ihr Übriges beigetragen.

Ich gucke mal nach Literatur.
Du kannst ber schonmal:
- Töne kauen (durch alle Lagen. Dadurch wird die Mundstellung als "Hilfsmittel" ausgeschaltet.)
- stumm und sehr offen Gähnen
- eine angenehme Übung/einen genehmen Ton singen und den Unterkiefer einfach mal währenddessen bewegen (ungefähr so wie es die älteren Herrschaften tun, wenn sie ihr Gebiss zurecht rücken)
- "mam" oder "nang" ganz bewusst, langsam und konzentriert mit entspannter senkrechter Öffnung des Unterkiefers sprechen (später vielleicht auch mal zu singen versuchen?)

Ich würde das alles erstmal OHNE Spiegel versuchen und Dich auf Dein Gespür verlassen (schließlich hast Du beim Konzert auch keinen Spiegel, und erschrecken musst Du dann auch nicht so ;-) ) und dann z.B. letztere Übung mal vor dem Spiegel.

In Deinem Fall (weil Du schon lange und offenbar sicher singst) versuche mal, mit Schmoll- bzw. Knutschmund längere Texte zu sprechen oder an diese Mundstellung zu denken, wenn Du singst. (Dabei ergibt sich eigtl. immer ein recht symmetrisches Bild und die Muskulatur hat keine Chance, auszuweichen.)

Ich brauche Dir ja nicht zu sagen, dass alles immer in einem verträglichen zeitlichen und körperlichen Rahmen bleiben muss (also nicht den Kiefer aushaken!!!). Das schreibe ich aber nochmal explizit, damit nicht jemand anderes das liest und sich nächste Woche beschwert, er habe die Übungen extra 6 Std. täglich gemacht und alles sei viel schlimmer als vorher :d_neinnein:
Bewegungen dürfen immer nur so groß sein, dass weder andere Muskeln mit Verkrampfung, noch mit Schmerzen reagieren. Das ist mir persönlich aber noch nie passiert.

Liebe cantilene,
auch wenn Du vielleicht jetzt antworten möchest, dass Deine Asymmetrie nicht am Unter- sondern am Oberkiefer oder an beidem liegt, dann sei zuversichtlich: Meist handelt es sich wirklich um "Ausweichbewegungen", Kompensation oder "Angst-Festhalten". Wenn Du obiges ausführst, wird es Dir auf jeden Fall auch für Schiefstellungen "oberhalb" helfen.

Grüßchen,
Lieschen


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.05.2006, 10:37 
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Oweia, Lieschen, Du hast ja wirklich eine Menge Erfahrung damit! Danke vielmals, werde deine Tipps mal probieren. Bist Du eigentlich selbst auch schon Lehrerin?
(So lange singe ich noch gar nicht, aber eben SEHR viel)
Es ist auch wirklich seit zwei Jahren besser geworden und ich hoffe und glaube, dass das an der besseren Technik liegt.
Meine Lehrerin meint, ich solle Geduld haben und lässt mich KEINE Extra-übungen dafür machen.
Lieben Gruss
Canti :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.05.2006, 13:23 
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cantilene hat geschrieben:
Es ist auch wirklich seit zwei Jahren besser geworden und ich hoffe und glaube, dass das an der besseren Technik liegt.
Meine Lehrerin meint, ich solle Geduld haben und lässt mich KEINE Extra-übungen dafür machen.
Lieben Gruss
Canti :hearts:


Wenn sie das nicht möchte, solltest Du vielleicht wirklich abwarten. Es lohnt sich nicht, dafür Ärger mit einer teuren Lehrerin in Kauf zu nehmen, wenn diese wirklich bereits ein Augenmerk darauf legt. (Würde sie es ignorieren, wäre das etwas anderes.)
Wenn sie es bloß nicht in den Unterricht einbauen möchte, dann kannst Du damit nichts falsch machen. Was ich Dir oben beschrieb ist kein Eingriff in generelle Gesangstechnik (wenngleich es langfristig schon Einfluss darauf nimmt), sondern begleitet sie und löst Automatismen.


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