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BeitragVerfasst: 23.02.2010, 12:33 
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Die Stimme im Alter, Teil 1
Die gute Nachricht zuerst:
Durch gezieltes Training lässt sich der Alterungsprozess der Stimme hinauszögern.
Und doch unterliegt auch die Stimme dem Alterungsprozess, der ihre Leistungsfähigkeit einschränkt. Physiologisch gesehen sind hierfür zwei Phänomene bedeutsam:
Das die Kehlkopfmuskulatur haltende Knorpelgerüst des Kehlkopfes verknöchert zunehmend und verliert dadurch an Elastizität. Zudem reduziert sich die Belastbarkeit und Flexibilität der Schleimhaut. Besonders die Schleimhaut auf den Stimmlippen muss für eine gute Stimmfunktion beweglich und robust sein.
Einschränkungen der stimmlichen Leistungsfähigkeit können bereits ab fünfzig Jahren deutlich in Erscheinung treten.
Welches sind typische Alterserscheinungen der Stimme?
- eingeschränkte Lungenfunktion wirkt sich auf Atemführung und Tonhaltedauer aus.
- Abschlaffen von Muskeln und Gewebe führt zu Intonationsschwierigkeiten.
- Veränderung des Gehörs führt ebenfalls zu Intonationsschwierigkeiten (sekundär).
- Nachlassende Spannfähigkeit der Stimmlippen führt zu Verlust der Höhe.
- Die Geläufigkeit der Stimme nimmt ab.
- Stimmumfang wird geringer.
- Dynamische Modulationsfähigkeit nimmt ab. Vor allem im Piano wird die
Lautstärkeregelung schwierig.
- Registerübergänge treten stärker hervor.
- Die Stimme wird schwächer, kraftloser, weniger belastbar, schneller müde, matter,
instabil, brüchig.
- Das Vibrato hat oftmals die Tendenz zum Tremolo.
A und O für die Gesunderhaltung der Stimme bis ins hohe Alter ist eine gute und richtige Atmung. Der Atem liefert der Stimme die Energie. Vom Luftstrom des Ausatmens werden im Kehlkopf die Stimmlippen zum Schwingen angeregt.
Mit dem Ein- und Ausatmen ist eine periodische An- und Abspannung verbunden.
Durch eine gute Atmung ermöglicht man es den Stimmlippen, optimal zu arbeiten.
Gut ist hier im Sinne von natürlich gemeint:
Die Luft strömt ein, dabei flachen sich die beiden Zwerchfellkuppeln ab. Dieses
Absenken des Zwerchfells bewirkt, dass sich die Bauchdecke nach vorne wölbt. Der
gerade Bauchmuskel entspannt sich.
Dadurch, dass sich die Lungenflügel mit Luft füllen, hebt sich der Brustkorb und
dehnt sich nach allen Seiten hin aus.

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BeitragVerfasst: 23.02.2010, 12:35 
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Die Stimme im Alter, Teil 2
Mit dem Ein- und Ausatmen ist eine periodische An- und Entspannung verbunden.
Experten diagnostizieren hier weitverbreitete Störungen, die sich natürlich auch auf die Stimme auswirken. Zwei Probleme stehen hier im Vordergrund: zum einen mangelnde Aktivität des Zwerchfells, zum anderen eine reduzierte Tiefe der Entspannungsphase. Häufig findet man bei Sängerinnen und Sängern eine Atmung, die Mediziner als „paradox“ bezeichnen: Beim Einatmen wird der Bauch eingezogen, beim Ausatmen kommt er wieder hervor. Dieses „Falschherum“ reduziert nicht nur die mögliche Stimmleistung, sondern auch den Sauerstoffaustausch der Atmung und behindert die Arbeit der Organe im Bauchraum. Wer der Stimme zuliebe seine Atmung verbessert, tut zugleich etwas für den ganzen Körper.
Der Atemvorgang läuft vorwiegend unbewußt ab, kann aber auch willentlich gesteuert werden. In vielen Mental- und Körpertechniken wird der Atem erfolgreich genutzt, um die Ebenen des Bewussten und des Unbewussten besser zu verbinden. Seine Bedeutung für die Stimme und ihre Entfaltung kann kaum überschätzt werden und so ist die Arbeit an der Atmung eine Lebensaufgabe, die jeder Sänger täglich, und seien es nur zehn Minuten, erfüllen sollte.
Was passiert, wenn wir atmen:
Bei der Einatmung strömt die Luft ein, wobei sich die beiden Zwerchfellkuppeln abflachen, das Zwerchfell senkt sich. Da durch wölbt sich der Bauch nach vorne, wobei sich der gerade Bauchmuskel entspannt.
Der Brustkorb dehnt sich nach allen Seiten hin aus, weil sich die Lungenflügel mit Luft füllen. Die Zwischenrippenmuskulatur ist bei der Dehnung aktiv.
Auch die Beckenbodenmuskulatur ist bei der Einatmung aktiv.
Bei der Ausatmung strömt die Luft aus, die Lungenflügel verlieren das Luftvolumen und das Zwerchfell steigt. Dadurch geht die Bauchdecke zurück, der gerade Bauchmuskel ist ebenso aktiv wie die Beckenbodenmuskulatur.
Wichtig für eine gute Atmung ist also, dass das Wechselspiel zwischen Zwerchfell (Einatmung)
und großer Bauchmuskel (Ausatmung) funktioniert. Auf Grund von sitzenden Tätigkeiten und über die Jahre erworbener falscher Haltung ist bei den meisten Menschen, leider auch bei Sängerinnen und Sängern, der gerade Bauchmuskel recht untrainiert. Daher bedienen sich viele der für das Singen völlig indiskutablen Hochatmung!
Wir werden also beim Singen unser Hauptaugenmerk zunächst auf das Training des geraden Bauchmuskels lenken, da wir mit der Ausatmung singen.
Gerade bei älteren Menschen werden wir sehr engagiert und konsequent die
Ausatmungsmuskulatur fit machen müssen, da viele von ihnen oft eine lasche, in sich zusammengesunkene Körperhaltung haben, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bewegungsarmut, die durch Autos, Computer und Maschinen, die das Leben erleichtern sollen, hervorgerufen wird.
Außerdem ist es wichtig, dass der ältere Mensch lernt, sich körperlich wahrzunehmen!

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BeitragVerfasst: 23.02.2010, 12:38 
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Die Stimme im Alter, Teil 3
Um die Stimme bis ins hohe Alter fit zu halten, ist es zunächst wichtig, die Atmung zu trainieren. Ziel ist hier eine unverkrampfte Zwerchfell-Flankenatmung.
Da wir ja leider unser Zwerchfell nicht spüren können, ist es, meiner Meinung nach,
besser, von Bauch-Flanken-Atmung zu sprechen. Alle Arbeit an der Atmung sollte
eine Arbeit bzw. ein Training des geraden Bauchmuskels sein, denn dieser Muskel
ist für eine dosierte, kontrollierte Ausatmung und somit für die „Sängerstütze“ von
größter Bedeutung! Ich persönlich mag diesen Begriff der „Stütze“ übrigens nicht, da er beim sängerischen Laien fast immer zu ungewollten Verkrampfungen führt!

Der gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) verläuft zu beiden Seiten der Mittellinie des Bauches. Er ist bis zu 40cm lang, 7cm breit und kann bis zu einem Zentimeter dick werden. Der Muskel weist 3–4 sehnige Querleisten auf, die den Bauchmuskel in einzelne Abschnitte aufteilen. Er steht immer im Wechselspiel mit dem Zwerchfell, denn das Zwerchfell ist aktiv bei der Einatmung und der gerade
Bauchmuskel wird bei der Ausatmung aktiviert. Das Zwerchfell erschlafft bei der
Ausatmung während der gerade Bauchmuskel bewirkt, dass es wieder in seinen
kuppelförmigen Ausgangszustand zurückversetzt werden kann.

Grundsätzlich sollte das Einatmen immer bis tief in den Bauch erfolgen, so dass sich die Rippenbögen zur Seite, nach vorn und nach hinten öffnen. Beim Ausatmen hilft zudem die Vorstellung, den Bauchnabel so tief wie es geht nach innen zu ziehen und den Beckenboden anzuspannen.

Leider ist heutzutage bei vielen, auch jungen Menschen der gerade Bauchmuskel
in einem desolaten Zustand, hervorgerufen durch zu vieles und falsches Sitzen und durch zu wenig Bewegung. Im Alter schlaffen zudem die Muskeln ab und bilden sich zurück. Deshalb ist es wichtig, etwas gegen die Verkümmerung der Muskulatur zu tun, indem wir zunächst das Gefühl für den geraden Bauchmuskel wecken und ihn dann trainieren. Damit einher geht das Training der Beckenbodenmuskulatur und die Kräftigung der Zwischenrippenmuskulatur.

Je besser die allgemeine Kondition eines Körpers ist, desto leichter wird die Stimmqualität zu verbessern sein und so ist es gerade für ältere Menschen unerläßlich, etwas für ihren Körper zu tun, wie z. B. Nordic Walking, Gymnastik, Pilates oder auch ein ausgedehnter Waldspaziergang zwei bis dreimal pro Woche!
Ziel unserer Atemübungen muss es also sein, unsere Atemmuskulatur (Zwerchfell-
Einatmung versus Gerader Bauchmuskel-Ausatmung) elastisch und geschmeidig
zu machen!

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BeitragVerfasst: 24.02.2010, 16:20 
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Hallo Musika
Sehr interessant -und für mich von großem Interesse. Wenn ich das alles laienhaft richtig verstanden habe, kann man wohl vom Alter, alt sein, aber von der Stimme noch jung. Das lässt hoffen. Ich habe ein permanente Bachmuskelschwäche, eine Schambeinentzündung und einen nicht operablen Zwerchfellbruch, die sehr schmerzhaft sind. Meine Krankengynastin hat mir auch eine spezielle Atmung empfohlen. Gleichzeitig in vier Etappen einatmen und je Atemzug nach unten bis zum Schambein gehen und dann unter Zischlaut ausatmen. Ich machte das natürlich hauptsächlich um die Schmerzen weg bekommen. Und werde analog einmal versuchen, ob diesen Methode bei mir zusätzlich hilft?
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 24.02.2010, 18:25 
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Hallo Musika

Bin schon weit über das genannte Alter und habemeine Koloraturstimme noch erhalten. durch verschiedene Maßnahmen die aber eigentlich meinen Gelenken dienen.Östrogentherapie fürdie Gelenke hilft auch der Rachenschleimhaut- Knorpelspritzen hilft auch dem Knorpel im Kehlkopf-Muskeltraining für Wirbelsäule hilft auch derStütze. das alles würde ich nicht für das Singen machen nur für meine Gelenke. Aber es hat für das Singen positive Wirkungen. Natürlich mache ich mir Gedanken was ist wenn sichdie Stimme senkt zB v. f3 auf f 2-es fehlt aber die Breite vom Mezzosopran. meine Amateurkolleginnen die noch älter sind haben da schon Probleme auch wegen der Literatur.Meine Gl meint wenn manimmer trainiert hält sich auch die Stimme und Höhe . Aber das glaube ich nicht.Die Erfahrung von älteren Amateursängerinnen würde mich sehr interessieren. Sänger haben es da viele besser - wir hatten zwei 80Jährige Männer
die noch gut bei Stimme waren.


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