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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 00:02 
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Ich singe in einem eigentlich recht guten Vokalensemble, aber uneigentlich ist unser Chef ständig unzufrieden mit uns, weil er nach spätestens zwei Proben meint, er möchte keine Töne mehr proben, sondern am Ausdruck feilen. Es läuft bei uns so, dass wir die Noten i.d.R. ein paar Wochen vor der ersten Probe des jeweils neuen Programms bekommen, oft gibt es eine Proben CD, und es wird erwartet, dass wir die Stücke dann bereits so gut können, dass wir sofort tutti loslegen können, vielleicht ein paar schwierige Stellen noch mal gesondert durchgehen, und dann soll das Stück stehen. In der Praxis sieht es aber so aus, dass doch wesentlich mehr klein klein geübt werden muss, als es unserem Chorleiter lieb ist. Zum Teil ist das Problem auch hausgemacht, denn wenn er genauer ansagen würde, was in der jeweiligen Probe dran kommt, könnte man sich gezielter vorbereiten.

Dennoch merke ich bei mir, dass ich selbst bei Stücken, die ich intensiv vorbereitet habe, bei der Tutti-Probe dann doch hier und da ins Schleudern gerate, Einsätze verpasse oder nicht den richtigen Ton finde etc. etc. :d_neinnein: Deshalb meine Frage: wie kann man die häusliche Vorbereitung vielleicht effizienter gestalten, so dass man das Stück wirklich sicher beherrscht? Wie macht ihr anderen (Laien)Chorsänger das? Wie macht ihr Profis das, wenn ihr Ensemblestücke zu singen habt, die ihr aber erst in der Generalprobe mit den anderen Ensemblemitgliedern zum ersten Mal singt? Wie bereitet ihr euch auf so was vor? :?:

Freue mich auf eure Antworten.

Liebe Grüße,
Orphenica


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 01:04 
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Hallo, Orphenica,
es ist ziemlich normal, dass man bei einem neuen Stück, speziell für einen Chor, trotz Eigenstudium erstmal einige Male danebenlangt. Das liegt daran, dass die Gesamtvorstellung von der Musik zwangsläufig fehlt, wenn man zuerst nur die eigene Stimme im Ohr hat. Du hast dann plötzlich ganz andere Klänge um dich herum und das kann ggf. am Anfang irritieren, bis man den Gesamteindruck intus hat. Es hilft sicherlich, zusätzlich in eine Aufnahme reinzuhören (hierzu rate ich allerdings nur für den Eindruck, weniger zum Einstudieren selbst), wenn du nicht selbst so gut Klavier spielen kannst, um dir alle (vier) Stimmen vorzuspielen. Ich muss zugeben, dass ich, als ich noch im Chor war, sehr wenig Eigenstudium betrieben habe, weil ich eben ohne den Gesamteindruck nur wenig davon hatte. Die meisten Stellen gehen im Chor eh besser gemeinsam. Die Einstellung eures Chorleiters kommt mir schon ein wenig arg rigide vor. Ich bin auch der Meinung, dass man eine solche Anforderung nur an einen Profichor stellen kann (z. B. arbeitet der BR -Rundfunkchor so), in dem die eigene Einstudierung natürlich Vorraussetzung ist, aber die Leute auch einen Zeitrahmen dafür haben, denn die Gesamtstunden der angesetzten Chorproben (Arbeitszeit) entspricht bei weitem nicht einer Ganztags - Büro- oder sonstigen Arbeitnehmerbeschäftigung, sodass, ähnlich wie bei Lehrern, Eigenleistung außerhalb der Anwesenheiten erwartet wird. Ich schließe aus deiner Schilderung, dass ihr ein ambitioniertes Amateur - Ensemble seid, und da dürfte es m.E. vielen ziemlich schwerfallen, sich Zeit für private Partiturvorbereitung nehmen zu können. Das dürfte wohl der Grund sein, warum ihr trotzdem mehr Noten üben müsst, als euer Boss sich das vorstellt.
Bei Solistenensembles ist natürlich mehr Alleinarbeit gefragt, weil du ja für eine ganze Stimme allein verantwortlich bist. Es kommt darauf an, wie viel Zeit man hat/sich lässt, um sich zu treffen. Wenn es eilt und schwere Stellen nicht schnell genug ins Hirn gehen, muss ich eben die Korrepetitorin bemühen.
Liebe grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 13:30 
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Danke, Dola, für deine Antwort. Du bestätigst vieles, was ich auch meine. Ja, wir sind ein ambitioniertes Laienensemble, und mir kommt es auch manchmal überambitioniert vor. Wenn man sich ständig "schuldig" fühlen muss, weil man nicht genug geübt hat, ist das auf Dauer schon anstrengend. Der Chorleiter hat z.B. letztens während der Gesamtprobe einzelne Doppel-Quartette rausgenommen und Teile einer doppelchörigen Messe geprobt. So war jede Stimme solistisch besetzt, und er wollte damit überprüfen, wie weit wir jeweils mit dem Notenstudium sind. Dass er so proben wollte, hatte er ein paar Tage vor der Probe angekündigt, hatte aber nicht die Stücke genannt, die dran kommen sollten. Letztlich kamen Teile aus der Messe dran, die ich im Gesamtchor noch nie gesungen hatte! Einige andere Sänger schon, denn das Stück wurde im Chor schon erarbeitet und aufgeführt, aber vor meiner Zeit. Dementsprechend gab es natürlich Lücken, im Großen und Ganzen habe ich mich aber - glaube ich - ganz gut geschlagen. Gefeilt wurde dann auch intensiv an Intonation und Vokalsitz, insgesamt eine sehr gute Sache, nachdem man einmal das Gefühl, in einer Prüfung zu sitzen, abgelegt hatte :roll: . Während der Proben wird er auch eigentlich selten sauer und fängt an zu schimpfen, wie das viele andere Chorleiter machen. Aus Einzelgesprächen weiß ich aber, dass er insgesamt sehr unzufrieden ist und schneller voran kommen will. Und er wird in seiner Meinung von einigen Chorsängern unterstützt, die selber sehr gut und sicher vom Blatt singen und die Stücke ein für allemal können, wenn sie sie sich einmal angeschaut haben. Aber so gut sind eben nicht alle (inkl. meiner selbst ;-) ).

Nochmal zurück zur Frage, wie Profi-Chorsänger sich vorbereiten: macht ihr das grundsätzlich mit Korrepetitor oder gibt es auch unter Profis Unterschiede in der Hinsicht, dass die einen sich auch ohne Korrep. recht gut und schnell in den Gesamtklang hineindenken können und bei den Tutti-Proben dementsprechend sicher ihre Stimme halten können - und andere, die da mehr Schwierigkeiten haben? Ich habe auch mal gehört, dass es in Profichören sog. Ansingproben gibt, in denen das gesamte Programm einmal durchgesungen wird, damit alle einen Eindruck haben, und damit gehen dann alle erst mal wieder ins Einzelstudium, um dann in ein paar Proben alles zusammenzusetzen und am Ausdruck zu feilen.

Mal abgesehen von der Situation in meinem Chor bin ich ja für mich selber recht ambitioniert und möchte zu gerne irgendwann mal gut genug sein, um in einem solistisch oder höchstens pro Stimme zweifach besetzten Ensemble zu singen. Aber da hätte ich momentan u.a. noch die Sorge, einfach nicht schnell genug zu sein, was das Notenlernen und -beherrschen angeht. Gibt es dafür spezielle Techniken - vielleicht unter Zuhilfenahme von Harmonielehre und Gehörschulung?

Liebe Grüße,
Orphenica


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 13:54 
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Orphenica hat geschrieben:
Wenn man sich ständig "schuldig" fühlen muss, weil man nicht genug geübt hat, ist das auf Dauer schon anstrengend. Der Chorleiter hat z.B. letztens während der Gesamtprobe einzelne Doppel-Quartette rausgenommen und Teile einer doppelchörigen Messe geprobt. So war jede Stimme solistisch besetzt, und er wollte damit überprüfen, wie weit wir jeweils mit dem Notenstudium sind.

________________________
Gefeilt wurde dann auch intensiv an Intonation und Vokalsitz, insgesamt eine sehr gute Sache, nachdem man einmal das Gefühl, in einer Prüfung zu sitzen, abgelegt hatte :roll: . Während der Proben wird er auch eigentlich selten sauer und fängt an zu schimpfen, wie das viele andere Chorleiter machen. Aus Einzelgesprächen weiß ich aber, dass er insgesamt sehr unzufrieden ist und schneller voran kommen will.



Also erstmal hör sich das für mich schon fast nach Terror an - zumal er ja anscheinend einigen (wahrscheinlich ausgerechnet denen, die da etwas schneller sind?!) unter die Nase reibt, dass er unzufrieden ist, sonst aber Friede-Freude-Eierkuchen vorgaukelt.
Ich gratuliere, dass Du dennoch so gut durchgekommen bist! :n34:

Hingegen finde ich es klasse, dass Euer Chef sich auch um Stimmsitz u.ä. kümmert - das ist leider nicht selbstverständlich. Die meisten Chorleiter kümmern sich mal gerade um die Intonation (und selbst das nur "im Kollektiv").

Ich denke, dass es wichtig wäre, erstmal einen ersten Eindruck - ganz so wie Du es beschrieben hast - zu bekommen, bevor man sich ans Einzelstudium macht. Gerade wenn man kein Klavier oder wenig Fähigkeiten am selben besitzt, ist es wichtig, zu wissen, in welchem harmonischen Kontext die eigenen Töne erklingen. Sonst malt man sich was zu seiner Stimme aus und findet sich im Zusammensingen gar nicht mehr zurecht :lol:


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 16:19 
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Liebe Orphenica, das was Du da beschreibst, finde ich für einen Laien-Chor ganz schön happig und ich sage: Chapeau, Madame!
Dass Du das so gut mitmachst und diese Bedingungen akzeptieren kannst, zeigt schon sehr viel über Deine Musikalität, Disziplin und Fleiss! :hearts:
Ich singe selbst seit vielen Jahren in Ensembles und Chören und im Moment auch wieder in einem ambitionierten Chor, unter eher semi-professionellen Bedingungen aber SO streng geht es da auch nicht zu. Da werden schon auch die Einzelstimmen noch geprobt, oft gibt es sogar Proben, in denen alle Stimmen in getrennten Räumen beginnen und dann erst zusammensingen. :dafür:
Aber zu Deiner Frage der häuslichen Vorbereitung auf Situationen, in denen man nur wenig Probenzeit für ein Ensemble hat. Ich beschreibe Dir mal meine Methode, beziehe mich dabei aber weniger auf Chor-Arbeit sondern eher das Singen in solistisch oder klein besetztem Ensemble.
Zuerst lerne ich meine Stimme nach Noten, mit Klavier, allein für mich. D.H. ich spiele mir unklare Stellen vor, solange, bis ich sie kann. Wenn ich meine eigene Stimme zu kônnen glaube, nehme ich mir eine CD-Aufnahme des Stückes und versuche, meine Stimme da mitzusingen. Hier zeigen sich schon die Schwachpunkte, an denen ich noch arbeiten muss.
Wenn das Mitsingen dann soweit klappt, übe ich das Ganze einmal mit meinem Korrepetitor oder bitte meine Pianistin, mit der ich sonst arbeite, es zu spielen.
Der Korrep spielt auch die Einsätze der anderen Stimmen mit und dann sehe ich, ob es wirklich sitzt, auch ohne Cd oder eben noch nicht. Wenn nciht muss eben weiter gearbeitet werden.
Wichtig ist, dass man auch die anderen Stimmen grob beherrscht, zumindest die Einsätze weiss. Wenn es dann passiert, dass sich Deine Partner mal irren, dann bist du nicht sofort komplett aufgeschmissen, sonder n kannst irgendwie improvisieren. Ich habe schon Situationen erlebt, wo ich eine andere Stimme mitgesungen habe, weil ein Anderer seinen Einsatz nicht hatte-umgekehrt kann das genauso sein und würde mir dann sehr helfen.
In einem Ensemble versuche ich mich auch für die Anderen , soweit es geht, mitverantwortlichzu fühlen und bin froh, wenn es umgekehrt genauso ist. Soufflieren eingeschlossen.(Mir hat mal beim Finale der lustigen Witwe in französischer Sprache ein netter Bariton während des Singens souffliert, ohne ihn wäre ich textlich wahrscheinlich total baden gegangen) :oops: :love:
Man ist immer nur so gut wie die Partner sind,das darf man d bei allen Ensemblestücken nie vergessen. :d_neinnein:
Liebe Grüsse und weiter viel Erfolg und Freude, trotzdem!
Wenn ihr einen Chorrat habt, könnte man das Thema ja mal aufs Programm setzen, denn es gibt sicher noch andere, für die es nicht selbstverständlich ist, dass euer Leiter so anspruchsvolle Eigenarbeit voraussetzt. "Terror" finde ich zwar etwas übertrieben, aber diese Methode in einem Nicht-Profi-Chor, also wo die Leute einfach nicht soviel Zeit investieren KÖNNEN,ist schon überdenkenswert.
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 19:27 
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liebe Cantilene,

der "Terror" war ja nur der erste Eindruck, der durch die Andeutung von Schuldgefühlverursachung geweckt werden konnte.
Da sich der Leiter aber doch immerhin in Einzel- bzw. Kleingruppenarbeit um die Ausgestaltung und eben auch die Technik kümmert, könnte man auf die Idee kommen, dass er vorher mit einem Chor gearbeitet hat, der die Möglichkeit zum professionellen Einstudieren hatte.

Toll, wenn orphenicas Chor das trotzdem schafft.
Ansprechen würde ich aber dennoch, dass er vielleicht immer ein bis zwei Termine mehr einplanen soll, als er sich wünscht. Ich glaube, dann kommt ihr ganz gut hin ;-)

Tipp:
Vielleicht könnt Ihr Euch alle zwei Wochen an einem Extratermin in Euren Stimmen treffen und intern üben. Damit hättet Ihr gegenseitige Unterstützung und Ihr könnt dann auch mal in die anderen Stimmen schlüpfen.
So lernt Ihr Eure leichter kennen und festigt sie, indem Ihr wisst, was drumherum geschieht (siehe Cantilenes Beitrag). :dafür:


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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 19:48 
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hallo,

in den chören, in denen ich früher gesungen habe, gab es meist eine aufnahmeprüfung (allerdings sehr einfach) und es wurde auch nicht vorausgesetzt, daß man die stücke alleine zuhause übt. aber da die bereits im repertoire befindlichen lieder, oratorien, kantaten usw. vor konzerten nicht so lange geprobt wurden wie neue, mußte man es doch zuhause üben, wenn man beim konzert mitmachen wollte.

liebe grüße
kaja


Zuletzt geändert von kaja am 26.07.2009, 22:17, insgesamt 3-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 12.03.2006, 19:51 
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Jetzt habe ich schon zum 2. Mal vergessen:

Gehörbildung!
Das ist wirklcih wichtig, wenn Du schnell lernen und auch noch vom Blatt singen willst.
Wenn Du genaue Vorstellung vom kommenden Ton hast, bist Du auch weniger auf die anderen Stimmen angewiesen.
Im Grunde genommen liegt darin die Lösung, weil ja wohl ein Chorwechsel nicht gewünscht wird, oder!?

lieben Gruß,

Lieschen


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BeitragVerfasst: 13.03.2006, 00:03 
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Hallo Ihr Lieben,
herzlichen Dank für die vielen Berichte und Tipps.
Vielleicht noch mal kurz zu unserem Chor und seinem Leiter: "Terror" ist in der Tat übertrieben, ich würde mal sagen, er macht Druck - und ich bin halt auch eine von denen, die sich Druck machen lässt und immer meint, ich müsse alles noch viel besser und schneller können... vermutlich bin ich die einzige, die solche "Schuldgefühle" hat, die meisten sagen sich wahrscheinlich, was soll's, dann ist er halt sauer :roll: . Aber ich habe mich in der Tat schon hin und wieder gefragt, ob ich das so eigentlich möchte. Jetzt in der laufenden Phase werde ich sicher nicht aussteigen, das ist nicht meine Art, aber wenn sich manche Dinge nicht grundlegend ändern, überlege ich wirklich, ob ich mir was anderes suche.

Ich übe meinen Part auch mit Klavier bzw. Keyboard, spiele mir dann auch mal eine andere Stimme rein oder die Einsätze der anderen Stimmen, aber ein doppelchöriges Werk kriege ich natürlich nicht komplett hin auf dem Klavier. :d_neinnein: Üben mit Korrep. wäre natürlich ideal, aber die Zeit und das Geld würde ich auch nur für ein Soloensemble investieren.

Einzelstimmproben finde ich eine gute Sache, machen wir auch z.T., ist aber leider immer ein Terminproblem. Sowas müsste eigentlich von vorne herein im Probenplan vorgesehen sein, dann würde das auch klappen. Also, eine sinnvolle Vorbereitung sowohl alleine zu Hause als auch in der Stimmgruppe als auch mit allen zum reinen Töne üben, bevor man an die musikalische Arbeit geht. Wir haben seit letztem Jahr auch eine Stimmbildnerin, die in solche Vorarbeiten ja einbezogen werden könnte. (Stimmt, das hatten wir letztes Jahr eigentlich auch schon mal beschlossen, daraus ist aber wieder nix geworden :d_neinnein: ). Während ich das hier so schreibe, merke ich, dass unser Chorleiter, statt ewig unzufrieden mit uns zu sein, sich vielleicht mal fragen müsste, wie er von sich aus die Probenphasen einfach auch effizienter gestalten könnte. Es ist ja im Grunde wie in allen pädagogischen Situationen: wenn der Schüler nicht das leistet, was man sich als Lehrer vorgestellt hat, muss sich der Lehrer auch mal überlegen, was er selber an seiner Methodik ändern könnte, bevor man den Schüler als faul bezichtigt. (Habe meine Email an ihn im Kopf schon fast fertig ;-) )

Ja, und last but not least: Gehörbildung - dachte ich mir, Lieschen, dass ich da über kurz oder lang nicht drum herum komme. Habe auch immer schon mal nach entsprechenden Kursen geguckt, bin aber noch nicht richtig fündig geworden. Ich habe mal eine Probestunde mitgemacht bei einem pädagogisch völlig unfähigen Menschen, da bin ich dann natürlich nicht geblieben...

Zum Schluss noch eins: es beruhigt mich, dass ihr diesen Druck für ein Laienensemble auch für ungewöhnlich haltet. :razz:

Liebe Grüße,
Orphenica


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BeitragVerfasst: 13.03.2006, 23:35 
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In den meisten Chören, wo ich singe, geht mir die Probenarbeit eher viel zu langsam voran. Das liegt eben daran, dass viele dabei sind, die nicht mal eine Terz o.ä. vom Blatt singen können - die anderen langweilen sich dann halt. Aber es gibt Schlimmeres ;)
"Mein" Ensemble besteht zwar auch aus Laien, aber das meiste probieren wir trotzdem gleich vom Blatt (außer, es handelt sich um ungewöhnliche Harmonien, kniffligen Rhythmus o.ä.). Ich finde, dass so der Lerneffekt am größten ist. Bei ein paar Leuten, die erst seit kurzem dabei sind, merkt man auch, wie schnell sich das Blattsingen durch dieses "Drauflossingen" verbessert. Eine Stimme alleine wird nur dann vorgespielt, wenn es anders wirklich nicht geht. Bei uns ist das meistens der Alt, ab und zu der Bass, aber Sopran und Tenor gehen so gut wie immer vom Blatt. Schwierigere Stellen spielt man sich dann noch am Klavier vor, aber im Großen und Ganzen bevorzuge ich doch "learning by doing" - ich denke, Blattsingen lernt man nur durch Blattsingen.
Für Gehörbildung musst du nicht unbedingt eine Kurs machen, da kann man auch durchaus alleine einiges erreichen. Z.B. sich Intervalle am Klavier vorspielen, nachsingen, einprägen; dann ohne vorspielen Intervalle singen und am Klavier kontrollieren usw... Rhythmusübungen sind natürlich auch hilfreich. Im anderen Forum wurde oft das Gehörbildungsprogramm "Earmaster" empfohlen, das ist sicher auch keine schlechte Idee.


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BeitragVerfasst: 14.03.2006, 08:33 
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Dazu fällt mir ganz spontan ein. Als ich von in der Jungenkantorei war (lang, lang ist's her), hatten wir auch so einen Drill-Sergeant als Chorleiter. Wobei man sagen muss, der Chor ist SEHR gut (auch heute noch, obwohl - oder vielleicht WEIL ;-) - ich nicht mehr mitsinge) und heimst einen Preis nach dem anderen ein. Zu unseren Spitzenzeiten waren wir um die 50 Leute, meist aber eher so 40.

Wir hatten einmal die Woche Chorprobe, einmal die Woche Einzelstimmprobe (also Sopran, Alt, Tenor und Bass getrennt, jede Stimme war an einem anderen Tag dran) und nach Bedarf sogar Stimmbildung für JEDEN EINZELNEN SÄNGER. Vor Konzerten dann Extraproben. War ein strammes Programm, und manchmal hatten wir echt nichts zu lachen.

Da war es auch so: Wenn es mal klapperte oder irgendwas schief klang, hörte er natürlich, in welcher Stimme das Problem lag. Meistens war es der Alt *grins* Also: "Alt separat, bitte!" Dann lief er währenddessen an uns vorbei und spitzte die Ohren. Diejenigen, die wussten, dass sie noch nicht sicher waren, haben dann meist simuliert, damit es nicht auffällt. Aber der Schweinehund wusste das natürlich auch, also: "Einzeln vorsingen!" Da hatte jeder Schiss vor, und rückblickend muss ich sagen, dass ich es pädagogisch betrachtet einen Hammer und furchtbar finde. Der ist aber selbst in einem Knaben-Internatschor in Greifswald gedrillt worden, wahrscheinlich haben die da noch den Rohrstock ausgepackt oder was weiß ich.

Jedenfalls hat jeder von uns das zu Hause geübt, deswegen haben wir uns in den Chorproben dann nicht so extrem mit "Tönesuchen" aufgehalten. Daher war der Chor auch so gut und hat, obwohl von 6 bis 30 alle Altersklassen dabei waren, einen sehr hohen Standard gehabt. Die Kleineren haben's meist mit ihren Eltern geübt. Wo das nicht ging, haben das manchmal die Stimmführer (das war im Alt I leider ich *grummel*) das übernommen und nochmal zusätzliche Arbeit gehabt. Aber eigentlich hat es mir sogar Spaß gemacht, wenn ich ganz ehrlich bin. Ich konnte nie besonders gut vom Blatt singen, auch heute noch nicht, obwohl ich es ja lernen musste (bin dafür aber einfach zu faul, ich geb's offen zu, bin dafür auch an der Uni noch verhauen worden), ich habe die Sachen meist am Klavier erarbeitet, Stück für Stück. Vieles ging mit der Zeit dann aber leichter, weil man vieles eben doch automatisiert.

Der Chorqualität hat's aber gut getan, und in aller Regel hat sich keiner getraut, schlecht vorbereitet in die Probe zu kommen. Nur blieb der Spaß manchmal etwas auf der Strecke, dem konnten nur so Besessene wie ich noch was abgewinnen, weil es eben wirklich musikalische Arbeit auf höchstem Niveau war. Ich war aber auch schon etwas älter (bin erst mit 19 da rein) und habe mir im Zweifelsfall auch nicht mehr sehr viel gefallen lassen. Was ich mich mit dem Typen gefetzt habe - au weia! Aber nach der Chorprobe haben wir dann immer ein Bier zusammen getrunken und drüber gelacht ;-)


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BeitragVerfasst: 14.03.2006, 10:47 
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Ich bin grundsätzlich auch der Meinung: von nichts kommt nichts und wer etwas musikalisch anspruchsvolles erreichen will, muss auch etwas dafür investieren. Trotzdem würde ich immer zu bedenken geben, dass es sich um NICHT PROFESSIONELLE Sängerhandelt und die k£ônnen nicht soviel Zeit investieren, weil sie eben meistens noch voll berufstätig sind.
Der Chorleiter ist natürlich auf ein môglichst hohes Niveau erpicht, er heimst die Lorbeeren ein und ist normalerweise der Einzige, der auch bezahlt wird(neben dem Pianisten): SEIN Interesse ist also automatisch anders ausgerichtet. das darf man in einem "gedrillten" Amateur-Chor wie bei Orphenica auch nicht vergessen!
Wenn da nur Besessene(Epo :love: ) mitsingen, ok, aber wenn es Mitglieder gibt, die sich überfordert fühlen und unzufrieden sind, sollte das unbegingt thematisiert werden. Alle rauswerfen kann er ja wohl schlecht, muss sich also im Zweifelsfall eine bessere, motivierendere Strategie einfallen lassen.
Mit Kindern und Jugendlichen kann man auch nochmal anders"umspringen" als mit erwachsenen, denke ich(auch wenn man mit Dir, liebe Epo, natürlich gottseidank gar nicht "umspringen" kann ;-) ).
Lieben Gruss Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 14.03.2006, 23:28 
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Epo, deine Chorgeschichte ist ja auch nicht schlecht ;-) Aber den Rohrstock hat unser Meister dann doch noch nicht rausgeholt, überhaupt ist er ein ganz sanfter Typ, meine Beschreibung mag da etwas irre führend gewesen sein. Das mit den Einzel-Quartett Proben hat er auch zum ersten Mal gemacht, und letztendlich war es eine total intensive Probe.
Und, Cantilene, er macht das ehrenamtlich! Zwar ist der Chor schon auch wichtig für ihn, auch für seine eigene berufliche Karriere, aber dennoch opfert er, genau wie wir Sänger, seine knapp bemessene Freizeit. Und da sagt er natürlich, er möchte seine Zeit nicht mit Töne üben vertun. Aber, wie ich oben schon geschrieben habe, ich denke, er kommt nicht drumherum, sich Gedanken zu machen, wie er die Probenphasen insgesamt effizienter gestalten kann, so dass wir die Chance bekommen, seinen Ansprüchen auch zu genügen. Es kann ja auch nicht sein, dass in einem Laienchor alle einen Korrepetitor brauchen, um sich die Chorliteratur draufzuschaufeln.

Liebe Grüße,
Orphenica
:hearts:


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BeitragVerfasst: 15.03.2006, 00:29 
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Hallo, Epo:
Jungenkantorei? Warst du da das einzige Mädchen oder sowas?
Ich bin zwar auch der Meinung, dass die Chorarbeit mit Jugendlichen einer gewissen Konsequenz bedarf, um Ordentliches dabei rumkommen zu lassen, aber Drill - Seargents sind zwar in amerikanischen Militätparodien unabdingbar, aber für Chöre doch irgendwie fehl am Platze, und das nicht nur da. Mit solchen Methoden ist schon so manchem die Lust am Singen lebenslang vergällt worden, und das ist traurig. Als Erwachsener kann man gehen, wenn es einem zu bunt wird, oder eben herumstreiten, aber ich finde es ziemlich daneben, Kinder, die das vielleicht auch trotz viel Mühe stimmlich gar nicht können, aber sich halt im Chor singen trauen, einzeln zwecks Bloßstellung vor versammelter Mannschaft singen zu lassen. Die sind doch solchen Dingen eher hilflos ausgeliefert. Wer sich aufführt wie auf dem Kasernenhof, dem fehlt doch meistens das Charisma, und das finde ich eine Eigenschaft, die Chorleitung zumindest erleichtert. Auch und gerade bei Jugendlichen. Als Beispiel, wie hochklassige Jugendchorarbeit ohne Drill (alerdings schon mit Arbeit und Disziplin) gehen kann, nenne ich der Mädchenchor Hannover, so wie ich ihn ausschnittsweise kennenlernen durfte. Ich war zwar nicht drin, aber im Rahmen einer gemeinsamen Konzertgestaltung habe wir für ein verlängertes Wochenende zwei der Mädchen beherbergt und uns natürlich über unsere Chöre unterhalten. Schleifermethoden waren da für mich nicht zu erkennen.
Das Gebilde Chor ist eh eine ziemlich authoritäre Angelegenheit und diesem Aspekt des Chorsingens weine ich auch kein Träne nach. Da braucht man nicht auch noch Drill. Wer es nicht mit vernünftigen Methoden drauf hat, die Leute bei der Stange zu halten, egal ob jugendliche oder Erwachsene, sollte es schlichtweg lassen.
Liebe grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 15.03.2006, 08:16 
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@ Dola:
Ups, wie peinlich! Ich meinte natürlich JUGENDkantorei.
Ich hoffe, das war jetzt keine Freud'sche Fehlleistung meinerseits, lässt ja tief blicken ;-)


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