Aktuelle Zeit: 21.10.2019, 07:07

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 41 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 18.02.2011, 19:26 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
Lieber Musencusmuc,

da muss ich als Chorsänger Dir ganz entschieden widersprechen! :n28:

Zunächst zitiere ich Musika: "Viele Laienchöre, besonders die Kirchenchöre sind oft überfordert mit Literatur wie große Messen, ja sogar Oratorien, sie gehen oft bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus."

Hier geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern darum, was mit Laienchören STIMMLICH und musikalisch überhaupt machbar ist.

Rein musikalisch kann man einen Chor allein dadurch, dass man allmählich immer schwierigere Stücke singen lässt, schon so weit bringen dass er große Messen und Oratorien oder sogar die aktuell diskutierte Psalmensymphonie von Strawinsky singen kann. Die Frage ist nur, WIE singen es stimmlich völlig ungeschulte Chorsänger. Ich habe mehrfach erlebt dass Chorsänger Stimmprobleme bekommen haben, und wie viele Chorsänger sind insbesondere nach den Konzerten, wo sie

a) in einem größeren Raum mit einer vom Probenraum erheblich abweichenden Aktustik und
b) gegen ein mehr oder weniger großes Orchester und/oder gegen eine Orgel

ansingen müssen, stockheiser. Also sind die lieben Leutchen stimmlich eindeutig total überfordert.

Zum Chor als Gemeinschaft möchte ich auch noch etwas schreiben:

Ich habe die Erfahrung gemacht dass gerade in denjenigen Chören die viel moderne Stücke singen, recht wenig menschliche Gemeinschaft besteht. Ob es an der Unharmonik dieser Musik liegt oder daran dass bei solcher Musik die Proberei doch in eine ziemliche Kämpferei ausartet? Singen, auch und gerade Chorsingen, ist Seelenfutter und soll SPASS machen. Das dachte ich zumindest bisher. Ich musste jedoch bei einem Chor erleben, dass, je mehr moderne Stücke gesungen wurden (und je höher die stimmlichen Ansprüche wurden), die menschliche Gemeinschaft immer schlechter wurde.

So lange ich noch keinen Gesangsunterricht hatte, habe ich völlig bedenkenlos und ohne "Diskussionen" alles mitgesungen was uns der Chorleiter so angeboten hat. Aber inzwischen bin ich da wesentlich kritischer geworden. "Messias" und "Weihnachtsoratorium" beispielsweise würde ich mittlerweile nicht mehr singen und einen Großteil der Bach-Kantaten ebenso wenig.

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.02.2011, 10:00 
Benutzeravatar
Liebe Kontraalt!

Was meinst Du denn mit "Du bist kritischer geworden"?

Du kannst doch nicht in einem Chor singen und sagen "Aber dies und jenes singe ich nicht"?!

Das war es ja, was ich sagen wollte!

Gruß und Kuss, der musencus


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.02.2011, 12:39 
Benutzeravatar
Hallo musencusmuc,

warum sollte man alles mit sich machen lassen wenn man ohne Bezahlung als Hobby in einem Chor singt?
Warum soll man sich dann zum Gemeinwohl des Chores stimmlich überfordern lassen?
Ich habe das getan und habe meine Lehre draus gezogen!
Ich werde nie wieder Sachen singen die meine Stimme nicht vertragen, denn ich möchte nicht wieder einen kompletten Stimmverlust erleben!
Muß ich mich wieder durch Cortison, Sprechverbot und Logopädie quälen damit ich überhaubt wieder Sprechen lerne? Ich denke nicht!
Also ist meine Konsequenz dass ich nicht mehr im Sopran aushelfe, weil ich keiner bin. Ich werde nicht mehr im Tenor aushelfen.
Ich bin zwar auch kein wirklicher Alt, aber in der Stimme schade ich mir nicht, es sei denn es wird zum Wohle des Soprans mal wieder ein Stück nach unten Transponiert, weil sie angeblich nicht so hoch kommen. Dann sage ich aber auch deutlich dass es mir zu tief ist. Das Angebot in den Sopran zu gehen schlage ich wieder aus und halte meine Klappe bei dem Stück.
Und 5 Min später singen sie ein anderes Stück dass ne ganze Ecke höher geht als wärs ein Kinderlied? Aber das ist ein anderes Thema.

Punkt ist: Wenn ich mich entscheide mit einem Fallschirm aus nem Flugzeug zu springen kalkuliere ich das Verletzungsrisiko ein.
Singe ich als Hobby in einem Chor sollte ein Chorleiter es hinkriegen Material singen zu lassen wo keine stimmliche Absturzgefahr besteht.

Und das hat nichts damit zu tun, dass ich keinen Sinn für das Gemeinwohl habe.
Sondern damit, wie Kontraalt schon schrieb, ein Hobby Spaß machen sollte.
Ich würd auch nicht aus dem oben genanntem Flugzeug springen weil ich vor Höhenangst sterben würde. Also Spaßfaktor Null.

Und woher soll der Chorleiter wissen dass er seinen Chor überfordert wenn er keine Rückmeldung kriegt?
Nicht jeder Chorleiter hat ein so tolles Gehör und eine tolle Ausbildung. Das ist nun mal Realität in unseren Chören.

So. Jetzt mal´n Kaffee.


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.02.2011, 18:37 
Offline
Schaut öfter vorbei
Schaut öfter vorbei

Registriert: 24.12.2009, 21:47
Beiträge: 108
Vorname: Hilde
Nachname: Maurer
Als ehemalige Chorsängerin (5 Jahre) hatte ich dann genug vomChorsingen da ich durch den Sologesangsunterricht immer mehr das technisch schlechte Singen hörte und meine eigene Technik die eh mühsamgenug zum Lernen war immer wieder gestört wurde. zuletzt sang ich nur mehr 6 Wochenvor der Aufführung mit. Heute 15 Jahre später erlebe ich es wieder bei unserem Sologesangsabend ist in einer VHS auch immer ein Chor von einer anderen VHS dabei. Besonders die Höhen sind ganz fürchterlich. Obwohl die Chorleiterin ausgebildete Sängerin und Gesangslehrerin ist. dürfte sich da nichts ändern .Es gibt auch für die Chorsänger extra Stimmbildung durch diese Lehrerin.(unsere GL und die vom Chor sind befreundet deshalb diese Kombination)Früher dachte ich immer daß ich irgendwann ab 70 wieder in einen Chor gehen würde aber jetzt nicht mehr und wenn ich 100 werde.Wie angenehm zu hören ist da eine Choraufnahme von Profisänger-die höreich mir sehr gerne an.
Hilde45


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.02.2011, 19:17 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
Liebe Mis Skorbut, Du sprichst/schreibst mir aus dem Herzen!!! :n110:

Lieber Musencusmuc,

doch, man KANN in einem Chor auch unter gewissen Vorbehalten mitsingen, andere Leute machen das auch - natürlich nach Absprache mit dem Chorleiter. Es gibt auch Leute die nur an den Proben teilnehmen, bei den Aufführungen jedoch nicht mitsingen. Normalerweise "geht" so etwas ja auch nicht.

Ich habe sogar schon erlebt dass bei einem Stück der halbe Chor gestreikt hat. Mit Musik hatte das wirklich nichts mehr zu tun, und so etwas in einer Kirche aufzuführen, das fanden viele von uns völlig unmöglich. Es fing schon damit an dass der Sopran gleich zu Beginn auf dem hohen b mehrere "A-A"-Schreie von sich geben musste, und auch sonst war das ganze Stück ein einziges Geschrei und Geplärre. :n139:

Auch der Chorleiter sollte die Gemeinschaft des Chores nicht überstrapazieren und den Appell an den "Gemeinschaftssinn" nicht für seine eigenen künstlerischen Eitelkeiten missbrauchen, erst recht nicht zum Schaden der Stimmen seiner Sänger, die er ja braucht um jegliches Stück überhaupt aufführen zu können. Und die in meinem vorherigen Beitrag genannten Stücke können die Stimme wirklich erheblich ruinieren wenn man sie einfach "irgendwie" ohne jegliche Gesangstechnik singt.

Damit komme ich auch zu Deiner Frage was ich unter "kritischer geworden" verstehe: Ich höre inzwischen sehr deutlich den Unterschied in der Ausgewogenheit zwischen stimmlicher Anforderung des Stückes und stimmlichem Können des Sängers, oder, wie Hilde45 schreibt, das technisch schlechte Singen. Ein Paradebeispiel hierfür, erst kürzlich wieder gehört: Der Eingangschor des "Magnificat" von J. S. Bach.

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

P.S. @ Hilde 45: Die "extra Stimmbildung" für die Chorsänger besteht wahrscheinlich aus 15, maximal 20 Minuten alle paar Wochen mal, das habe ich in einem Chor auch mal erlebt, so etwas bringt absolut nichts.

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 20.02.2011, 15:00 
Benutzeravatar
Ganz ehrlich: ich bedauere Euch aufrichtig, dass ihr in so schlechten Chören unter so schlechter LEitung singen müsst ...
Aber der mittlerweile so geschulte, interessierte und ausgebildete Chorsänger ist ja dann auch inder Lage, daraus Konsequenzen zu ziehen, bevor er sich - ausschließlich durch den schlechten Chorleiter bedingt - die Stimme versaut.
Gruß und Kuss, der musencus


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 20.02.2011, 19:02 
Benutzeravatar
Oh, vielen Dank für Dein Mitleid! big_krank
Ich glaube nicht, dass eine eigene Meinung und der Mut auch mal Nein zu sagen bedauernswert sind. Mir macht es Spaß im Chor zu singen. Aber eben weil man auch mal mitreden kann und auch mal sagen kann wo Schluß ist.
Und genauso kann man Vorschläge machen was man als nächstes singt. Ich glaube nicht, dass das in einem großem Chor geht.

Ich bin eben kein Lämmchen dass hinter der Herde her läuft. Und mit einem Chorleiter, der nicht beachtet was man sagt und vorschlägt käm ich nicht parat. :n165:

Und woher willst Du wissen wie gut oder schlecht mein Chor ist? Schon mal gehört? Wir mögen zwar nur 14 Mann sein und der Chor ist überaltet, aber mit Material dass auch für uns geeignet ist, klingen wir verdammt gut. Kann Dir gerne Aufnahmen schicken.
Wir sind eben ein Einheit weil jeder jede Stimme gut kennt und wir aufeinander hören. Zumindest meistens.

Außerdem haben wir durch die oben genannten Gegebenheiten einen sehr guten Zusammenhalt und Spaß miteinander. :n158:
Ich hab auch schon Meisterchöre kennengelernt, wo ich das Gefühl hatte dass jeder gegen jeden kämpft.
Und vom gemütlichem Beisammensein nach der Probe keine Spur.

Und für größere Konzerte laden wir Nachbarchöre ein. Da kann man dann auch mal mit 50 Mann eine größere Messe singen.
Wir haben viell. nicht das Geld für große Orchester, aber für ein Streichquartett mit Bläsern, Organist und Paukist langt es. Und eine Querflötistin kriegen wir umsonst. :fidel :n73:

Wie gesagt: es geht um Spaß!
Zwang und Hörigkeit muß ich in meinem Berufsleben mit zusammengebissenen Zähnen praktizieren- das brauch ich nicht in meiner Freizeit. 116


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.03.2011, 08:17 
Benutzeravatar
Hmmmm, also in unserem "großen Laienchor" (so etwa 150) können wir selbstverständlich auch Vorschläge machen, die dann vom Management diskutiert und entschieden werden. So kamen wir auch zu Walton's "Belshazzar's Feast", ein tolles Stück. Dafür müssen wir dann aber auch manchmal Kröten schlucken (sehr passendes Bild, wenn ich an die Psalmensinfonie denke). Und man kann selbstverständlich auch bestimmte Konzerte nicht mitsingen, muss aber trotzdem zu den Proben kommen bis etwa 1 Woche vor Konzert, wenn es dann nur noch um das eine Stück geht. Die Anwesenheitspflicht bei den Proben ist 80%.

Wir sind keine Lämmer, die hinter der Herde herlaufen, sondern wir sind die Herde. Das ist doch eines der Prinzipien in der Ensemblemusik, dass alle dem Dirigenten folgen, oder? Chorsingen ist für mich keine basisdemokratische Veranstaltung, sondern steht im Dienst der Musik!

Bei uns wird grundsätzlich erwartet, dass jeder einzelne an jedem Stück so gut arbeitet, wie er oder sie kann. Dazu gehört dann eben auch, dass man zuhause übt und die Noten, Dynamik und Tempi lernt. Wer unvorbereitet kommt, wird böse angeschaut und, bei "Wiederholungstätern", auch angesprochen. Ganz ehrlich gesagt, finde ich, das ist der einzige Weg um eine vernünftige Qualität zu erreichen.

Geselliges Beisammensein findet bei uns kulturbedingt nicht statt. Am Anfang habe ich das sehr vermisst, andererseits gehen die Proben zweimal die Woche bis halb elf, und dann noch weggehen wäre mir auch zu spät. Inzwischen sehe ich meinen Chor auch eher als einmalige (für mich kostenlose!) Möglichkeit, mit einem Profiorchester tolle, große Werke aufzuführen, und mich musikalisch weiter zu entwicklen. Darin besteht für mich der Spaß.

Kommt doch immer darauf an, welches Ziel der einzelne mit dem Chorsingen verbindet.

Letzten Samstag haben wir Fauré' Requiem gesungen, das ja nun wirklich einfach ist, und dennoch war ich nachher geschlaucht. Was ich sagen will: auch (gerade?) einfache Stücke können einen Chor doch glänzen lassen, da muss man sich ja nicht gleich an die ganz schweren Brocken rantrauen. Aber "Professionalität" in der Vorbereitung ist mir persönlich wichtig.

Mir macht beides Spaß, (vermeintlich) einfach und technisch anspruchsvoll.


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.03.2011, 08:29 
Benutzeravatar
Und noch was zum Thema stimmlicher Überforderung: Ohne die Basics des Gesangs geht es einfach nicht. Mir hat der Gesangsunterricht sehr geholfen. Ich fände es auch gut, jeden Laienchor mal auf ein Wochenende zum Thema "gesundes Singen" zu schicken. Damit ließen sich sicher viele Probleme lösen.


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 07.03.2011, 13:17 
Benutzeravatar
Danke Singapur!!
;-)


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 27.04.2011, 09:46 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
Ein Chor, in dem ich früher mal mitgesungen habe, ist inzwischen so weit dass die Sopran-Solistin alle Töne des Chor-Soprans ab dem f2 aufwärts mitsingen muss, weil die Damen die den Sopran singen es alleine nicht mehr schaffen...

AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 27.04.2011, 09:52 
Benutzeravatar
Woran liegts? Überalterung? Zu wenig stimmschonendes Singen ("kaputtgesungen")? Mangelnde Stimmbildung allgemein?
In den meisten Chören die ich kenne geht alles ab g2 tatsächlich nicht mehr 100% leicht von der Stimme, aber bis h2 kommt der Großteil des Soprans dann irgendwie doch noch ;)


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 08:51 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
"...kommt der Großteil des Soprans dann irgendwie doch noch."

Genau das ist es, dieses IRGENDWIE. In Laienchören wird eben IRGENDWIE gesungen. Seien es hohe Töne die man IRGENDWIE kriegen muss, seien es Haltetöne die man IRGENDWIE produzieren muss (naja, im Chor kann man während eines solchen Tones ja beliebig nachatmen, wirklich einen Halteton singen kann nämlich niemand!!!), seien es Koloraturen die man IRGENDWIE hinbekommen muss, seien es Tonsprünge die IRGENDWIE, nämlich meist mit einem ziemlichen "Krachen" fabriziert werden, sei es schon die Art und Weise überhaupt mit einem Ton einzusetzen, auch das macht man in solchen Chören IRGENDWIE. Ehrlich gesagt, mag ich inzwischen wirklich keine Laienchöre mehr hören. Es tut einfach nur noch weh. haushalt__005.gif

AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 09:09 
Benutzeravatar
Ich glaube wir haben unterschiedliche Vorstellungen von "Laienchor". Da ist das Niveau ja auch breit gefächert. Ich meinte schon Laienchöre mit einem gewissen Niveau - da gehen die hohen Töne zwar nicht so locker-flockig wie bei ausgebildeten Sängern, aber die Töne sind da und auch schön (natürlich nicht so schön wie die einer ausgebildeten Sopranistin, aber halt "gefällig"). In der Stimmbildung wird ja idR auch an den hohen Tönen gearbeitet, damit sie nicht schrill oder eng klingen. Für einen Chorsopran, der keinen oder noch nicht lange GU nimmt, IST alles ab g2 einfach "hoch" und muss erarbeitet werden. In guter Stimmbildung wird der Stimmbildner darauf achten, dass diese Arbeit nicht nur im Hals, sondern im ganzen Körper (Atemsäule, Haltung, ...) geleistet wird.

Das Nachatmen finde ich nicht so schlimm, solange es nicht überhand nimmt. Bei einem großen Chor hört man es als Zuhörer für gewöhnlich nicht, wenn einige Leute nachatmen. In einem Kammerchor mit 15 Leuten kann das schon ganz anders aussehen.


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 30.04.2011, 22:44 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
Liebe Lux,

im weitesten Sinne ist jeder Chor ein "Laienchor" der nicht aus professionellen Sängern besteht, aber so meine ich es nicht. Ich meine Leute die etwas irgendwie tun ohne je eine Anleitung dazu bekommen zu haben. Man könnte auch "Dilettanten" dazu sagen, das beschreibt den Sachverhalt wie ihn Musika eingangs beschrieben hat vielleicht genauer.

"In guter Stimmbildung wird der Stimmbildner darauf achten, dass diese Arbeit nicht nur im Hals, sondern im ganzen Körper (Atemsäule, Haltung, ...) geleistet wird."

Solch einen Stimmbildner haben die genannten Chöre aber nicht. Das Einsingen das die Chorleiter zu Beginn einer jeden "Singstunde" selbst durchführen hat mit Stimmbildung überhaupt nichts zu tun. Ich habe jahrzehntelang in diversen Chören, hauptsächlich in Kirchenchören gesungen und NIE etwas davon gehört, wie man stimmschonend singt und wie der Ton denn sonst gebildet wird, wenn nicht im Hals. Blöde Frage, wo soll der Ton denn sonst herkommen, schließlich sind DORT der Kehlkopf und die Stimmlippen, folglich gibt es ohne Hals GAR KEINEN Ton sondern einfach nur Luft?! :grübel

Laienchöre mit einem gewissen Niveau, von denen Du schreibst, verlangen für die Aufnahme ein Vorsingen, da kommen völlig ungeschulte Stimmen oder solche mit irgend welchen Mängeln erst gar nicht rein. Da würde ich dann auch nicht mehr von Laien sprechen sondern von Amateuren.

Viele Grüße,
AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 06.05.2011, 11:40 
Offline
Oberratgeber
Oberratgeber

Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 612
Und nochmal etwas zu meinem "Lieblings-Feindthema":

Habe ich Euch schon von demjenigen Chorleiter berichtet, der meinte, die Bach'sche h-moll-Messe in 2 Monaten einstudieren zu "müssen"?

Die allermeisten aus diesem Chor hatten dieses Werk noch NIE gesungen. Also besorgte der Chorleiter allen, die wollten, eine Lern-CD zum Einstudieren. Aber die Lernstimme auf dieser CD ist für weniger versierte Chorsänger an vielen Stellen einfach zu schnell. Sprich, die Einstudierung geriet schnell und schlampig, und die Aufführung wurde dann auch nicht so toll. Jedenfalls weigerte sich der Chorleiter hinterher, den Chorsängern eine Aufnahme davon zukommen zu lassen, obwohl sie sonst IMMER eine bekamen, auch wenn die Aufführung ebenfalls nicht perfekt gewesen war.

Also auch hier wieder: Chorleiter, denn sie wissen nicht was sie tun...

AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 22.05.2011, 14:20 
Offline
Moderatorenanwärter
Moderatorenanwärter
Benutzeravatar

Registriert: 27.01.2006, 00:14
Beiträge: 1356
Wohnort: Wiesbaden *31.01.
Vorname: F.
Nachname: L.
Da habe ich aus akutem Anlass ein Gegenbeispiel

Und zwar haben wir gerade die (Chor-)Soli in Mozarts Spatzenmesse gesungen und auch den Chor - eine kleine Kantorei aus Laiensängern - in den Tuttistellen unterstützt.
Es war sehr interessant ,die Entwicklung von der GP bis zur heutigen Aufführung zu sehen. Gab es in der Probe anfangs doch noch gehörige intonatorische Unsicherheiten (was auch der Tatsache geschuldet war, dass die instrumentale Unterstützung fehlte und sich der Chor natürlich auch an uns "Solisten" gewöhnen musste und umgekehrt), so lief die Messe heute während des Gottesdienstes doch ziemlich gut ab. Man "kannte"sich nun, wir Solisten wussten, dass wir quasi als "Stimmgruppenführer" agieren mussten, so dass auch der Chor Sicherheit gewann.

Was die Kantorin angeht, so habe ich sehr wohl das Gefühl, dass sie weiß, was sie tut und ihren Chor sehr realistisch einschätzt. Soweit ich das sehe, ist ihr Anliegen, die Kirchemusik in dieser Gemeinde zu protegieren und dann nimmt sie eben in Kauf, dass es gesanglich nicht so klingt wie bei Rundfunkchor XY und dass eben mal ein paar Einsätze klappern.
Nun ist die Spatzenmesse überschaubar und stimmlich auch von Laien zu bewältigen. (Hat allerdings auch so ihre rhythmischen Tücken)
Ich habe mich nach dem Gottesdienst dann mit einer älteren Dame aus dem Sopran unterhalten und sie meinte, dass sie es toll findet, dass die Kantorin immer mal wieder etwas anspruchsvollere Stücke ins Repertoire nimmt und "sowas aus uns herauskitzelt". Und ist das nicht auch schon irgendwo "lobenswert"? Dass es jemand schafft, Laien diese Werke nahezubringen und ihnen Freude daran zu vermitteln? Mir hat es zumindest sehr viel Freude bereitet, hier mitwirken zu können und ich freue mich schon auf nächste Woche.

LG

Octaviane

_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 22.05.2011, 19:33 
Benutzeravatar
Danke Octaviane! ;-)


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 01.12.2012, 16:53 
Offline
junges Mitglied
junges Mitglied

Registriert: 28.11.2012, 19:05
Beiträge: 28
Vorname: Badewannen
Nachname: Callas
Obwohl neu hier, möchte ich jetzt doch mal eine Brandrede für die Laienchöre halten, nicht zuletzt deshalb, weil ich selber ja ausschließlich in Laienchöre singe (singen kann).
Ja, wir verheben uns manchmal.
Ja, wir wissen gelegentlich wirklich nicht was wir tun, das habe ich selber vor kurzem bei der „Missa Solemnis“ von Beethoven erlebt.
Nein, wir singen nicht so gut wie der Monteverdi Choir.
Aber wir tun es mit Freude, mit Begeisterung und mit ganzem Herzblut und jeder gibt sein Bestes, wie immer das im Einzelfall auch aussehen mag. Aus einem anderen Grund als aus tiefer Liebe zur Musik geht man nicht nach einem langen Arbeitstag direkt vom Büro und ohne Abendessen in die Chorprobe oder verbringt seine Wochenenden im Probenraum wie es bei mir und bei vielen Amateursängern die ich kenne der Fall ist. Natürlich wird unsere Höhe davon nicht strahlender, die Tiefe nicht voller und die Intonation nicht sauberer, aber wir geben unser Bestes.
Es stimmt schon: manchmal hat man auch einen stimmlichen Preis zu zahlen, ich war nach der Missa Solemnis ziemlich erledigt und habe eine Woche lange keinen Ton gesungen, weil ich während der Konzerte und Proben doch weit über meine Grenzen gehen musste und ich fürchte, so ganz habe ich mich immer noch nicht davon erholt :n111: . Man darf sich völlig zu Recht fragen, ob das sein muß. Aber es wird ja keiner gezwungen mitzumachen, in allen Chören die ich kenne hat man jederzeit die Möglichkeit sich aus musikalischen oder anderen Gründen aus einem Projekt rauszuziehen und niemand nimmt es einem übel. Mir war es die Erfahrung wert, dieses seltsame, erstaunliche Werk wenigstens einmal im Leben zu singen und jetzt will und werde ich es ganz sicher nie wieder tun. Nach einer gewissen Zeit (und ein oder zwei bösen Erfahrungen die ich auch machen musste) weiß man auch als Laiensänger, wie weit man gehen kann, ohne sich wirklich zu schaden.
Und selbst wenn es mal ganz dicke kommt und man sich dann doch übernommen hat: was ist die Freude, das Mozart-Requiem singen zu dürfen gegen ein paar Stunden Heiserkeit danach? Wir müssen ja zum Glück nicht von unserer Stimme leben.
Im Übrigen sind es die Amateurchöre, die dafür sorgen dass es in der Provinz überhaupt noch Kultur und Konzerte gibt: wer nicht in den großen Städten wohnt, hat sonst kaum die Möglichkeit die Bach-Passionen, das Brahms-Requiem oder die „Schöpfung“ im Konzert und nicht immer nur von der Konserve zu hören, Kantoren und Chorleiter leisten mit ihrer Arbeit einen wirklich wichtigen Beitrag zur Kultur, und da ist es m. E. dann auch nicht so schlimm, wenn die eine oder andere Bach-Fuge wirklich mal ein bisschen vergeigt wird. Ich habe auch schon Profisänger grandios scheitern sehen...
Alle Chorleiter die ich kenne bemühen sich wirklich, ihre Choristen auch stimmlich unter ihre Fittiche zu nehmen, gute Stimmbildung anzubieten und gute Gesangslehrer zu empfehlen wenn der Wunsch danach laut wird.
Singen ist doch das schönste Hobby der Welt und man sollte es auch denen gönnen, die eben nicht zu den ganz begabten gehören, sondern sich manchmal tatsächlich einfach nur „irgendwie“ durchschlagen, aber das mit ganzem Herzen.
Wie was das noch?
„Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.“

In diesem Zusammenhang hier mal der Link zu einem ganz wunderbaren Artikel zu diesem Thema:
Klick
(Ich hoffe, Links sind okay? Wenn nicht, bitte löschen)

_________________
People may say I can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing.
(Florence Foster Jenkins)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 10.12.2012, 00:53 
Offline
Moderatorenanwärter
Moderatorenanwärter
Benutzeravatar

Registriert: 27.01.2006, 00:14
Beiträge: 1356
Wohnort: Wiesbaden *31.01.
Vorname: F.
Nachname: L.
In diesem Sinne habe ich mir heute in der rheinländischen Provinz ein sehr schönes, von einem Laienchor mitgestaltetes, Weihnachsoratorium angehört. Sicher waren nicht alle Einsätze perfekt (aber sind sie das bei den Profis immer big_gruebel ), aber man hat gemerkt, wie viel Freude die Sänger und Sängerinnen dabei hatten Bachs großes Werk aufzuführen und insgesamt war es durchaus eine gute Leistung.
Einziger Wermutstropfen war bei einem ansonsten soliden Solistenquartett (bei der die Sopranistin besonders positiv herausstach) leider die "Altistin", die ich persönlich am schwächsten fand. Und das, wo sie doch drei so schöne Arien zu singen hat .... Aber insgesamt hat es mir gut gefallen und ich finde es toll, dass so etwas auf die Beine gestellt wurde. big_applaus

Gute Nacht big_good night

Vitellia

_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"When you have that perfect match between voice, personality, repertoire and style, art happens" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 41 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

Was singt ihr denn Weihnachten so....
Forum: Allgemeines
Autor: musica
Antworten: 5

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron




Hosted by iphpbb3.com

Impressum | Datenschutz