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 Betreff des Beitrags: Frust
BeitragVerfasst: 03.12.2006, 21:39 
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Hallo Ihr Lieben,

ich muss mich mal ausheulen, weil ich ziemlich frustriert bin. Gestern in der Chorprobe musste ich allein vor versammelter Mannschaft einen technischen Fehler korrigieren, was mir in der Aufregung natürlich überhaupt nicht gelang. In einer absteigenden Linie, schönste Mittellage, eigentlich absolut meine Sahnelage, war ich wohl immer zu tief. Meine Stimme war aus welchen Gründen auch immer nicht gut gemischt, beim Abstieg habe ich dann wohl zu viel Bruststimme beigemischt und wurde dann prompt zu tief. Ich muss dazu sagen, dass die betreffende Phrase in der momentanen Besetzung nur von 3 Sängerinnen (gestern waren wir gar nur zu zweit) gesungen wird - das heißt also, man ist schon recht exponiert, da es zudem in dem Fall auch die führende Stimme ist. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die gewünschte Mischung und auch Sauberkeit hinzukriegen, bin ich dann in die reine Randstimme gegangen, war dann sauber - habe aber für meine Begriffe völlig körperlos im pianissimo gesäuselt, was der betreffenden Stelle im Stück m.E. auch nicht gerecht wird. Nach diesem für meine Ohren "Gesäusel" meinte der Chorleiter, na bitte, geht doch. :sad:

Soll ich jetzt also lieber nur noch säuseln, nach dem Motto, Sauberkeit vor Klang? Das kann's ja irgendwie auch nicht sein. Ich weiß, dass ich noch ganz viel zu tun habe, um auf allen Vokalen in allen Lagen ein vernünftiges piano hinzugekommen, das trotzdem noch Kern und Körper hat. Daran arbeite ich natürlich permanent, aber manchmal geht's eben leider gar nicht. Heute habe ich die Phrase noch mal geübt und mich dabei auch aufgenommen. Und festgestellt, dass ich in zwei Fassungen um einen Viertelton gestiegen bin :d_neinnein: Eine piano-Fassung habe ich auch versucht, die war am Anfang von der Intonation und vom Klang her gar nicht so schlecht, die betreffende Stelle war aber dann wieder zu zögerlich, fast ängstlich, und somit für meine Ohren nicht brauchbar.

Im Chor ist es halt doppelt schwierig: man muss den Vorstellungen des Chorleiters genügen, sich an den Gesamtklang anpassen, darf nicht rauszuhören sein, gleichzeitig hat man aber seine eigene Klangvorstellung im Kopf. Wenn man dann die Mitsängerin, mit der man sich mischen soll, kaum hört, hat man natürlich noch ein weiteres Problem. Wenn ich meine eigene Lautstärke soweit reduziere, dass ich sie höre, bin ich eben wieder beim Säuseln - und das befriedigt mich nicht wirklich :sad:

Frustrierte Grüße,

Orphenica


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BeitragVerfasst: 03.12.2006, 22:46 
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Hallo Orphenica,

da kommen wir wieder auf das alte Thema zu sprechen, Ausbildung und Chor. Ich habe keine Ahnung welche Sänger dort singen, gehe mal davon aus, daß sie keine Ausbildung haben, oder nicht dabei sind.

Als Gesangschüler ist es immer schwer sich anzupassen, wenn man sich zurückhalten muss, geht das irgendwann nicht mehr. Was nützt es dir, wenn du säuselnd singst und du deine Stimme nicht wieder erkennst.

Wenn du unsauber mit deiner vollen Stimme singst ist das für mich ein Zeichen, dass du irgenwo einen Hemmschuh hast und deshalb die Stütze flöten geht. Vielleicht sagt dir irgend etwas in deinem Inneren, du musst dich anpassen, also nicht so singen wie du es lernst, damit du nicht so auffällst. Eine Barriere, die in deinem Unterbewußtsein stattfindet.

Ich denke mal, du bist nicht in dem Chor um nur zu säuseln....

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 04.12.2006, 00:09 
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hallo,

ich kann mich da musika weitestgehend anschließen. wenn du allein und im unterricht immer sauber intonierst, wird es wohl daran liegen, daß du im chor nicht so singst wie allein. ansonsten könnte es auch daran liegen, daß du vielleicht nicht immer ganz in der richtigen mischung singst.

bei meinen "solo-schülern" sehe ich es nicht gern, wenn sie im chor singen, es sei denn, sie sind schon rel. weit und singen in einem kammerchor o.ä., in dem die sänger alle eine ausbildung haben.

ansonsten gibt es meist das problem, daß sie sich im chor "zurücknehmen" müssen und dabei dinge machen, die für die stimme bzw. die verbesserung ihrer technik nicht gut sind.

die bemerkung des chorleiters kenne ich aus anderem anlaß.
ich hatte damals in einem ganz kleinen chor angefangen und vorher nie gesungen, noch nicht mal, wenn ich allein war.
dadurch konnte ich keine hohen töne singen und die begannen für mich (wie für viele erwachsene anfänger, die vorher nie gesungen haben) in den ersten wochen schon beim c2.
also hab ich beim ersten cis2 einfach den mund gehalten und erst den nächsten ton wieder gesungen, was dem sehr anspruchsvollen und pingeligen chorleiter überhaupt nicht gefiel. er sagte es so drastisch, daß ich dann allein (an einem platz, wo es keiner hören konnte) alles mögliche versucht hab, um diesen ton irgendwie zu singen.
für meine ohren klang es nur geschrieen, aber als ich das in der nächsten chorprobe so gemacht habe, sagte der chorleiter auch nur: na also, es geht doch. da bekam ich den ersten hauch einer ahnung, daß die töne für die zuhörer anders klingen, als man sie selbst beim singen hört. (ich hab allerdings trotzdem bei der nächsten probe eine aufnahme gemacht, weil ich es nicht glauben konnte, daß sich DAS für die zuhörer nicht gräßlich anhört.)

was sagt denn dein gl zu dem problem?

liebe grüße
kaja


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BeitragVerfasst: 04.12.2006, 01:02 
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Danke erst mal für eure Antworten ;-)

@musika: es handelt sich um einen Kammerchor, momentan in Minibesetzung, 16 SängerInnen, von denen viele Unterricht hatten oder haben (aber eben auch nicht alle). Ich habe sonst eigentlich nie das Gefühl gehabt, mich besonders zurücknehmen zu müssen, deshalb hat mich das Lob des Chorleiters für die Säuselfassung doch sehr irritiert. Denn andererseits sagt er gerade uns im Alt oft, wir sollen mal ordentlich zufassen und nicht so zaghaft singen. Dann kommt von den Kolleginnen oft "aber da steht doch piano", und er sagt dann, ja, leise, aber trotzdem intensiv. Genauso soll es sein, finde ich.

Diese Brüchigkeit in der Stimme, wie ich es gestern hatte, hatte ich heute beim privaten Üben überhaupt nicht; ich kenne das aber von mir, wenn ich nicht gut eingesungen bin, das könnte gestern der Grund gewesen sein. Ich hatte keine Zeit gehabt, mich selber einzusingen, und dann bin ich halt darauf angewiesen, was der Chorleiter mir anbietet. Meistens ist das gut, manchmal aber nicht, und gestern war das so ein Fall. Wenn ich ohne Lockerung des Körpers, ohne meine geliebten glissandi oder Zwerchfellübungen gleich Stimmsitzübungen auf m, n, ng machen soll, merke ich schon gleich, wie mir die Kehle zugeht. Aber ich kann natürlich nicht vom Chorleiter verlangen, dass er weiß, was ICH brauche.

@Kaja: ich bin noch nicht soweit, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit sauber intoniere. Es passiert immer mal wieder, dass ein Vokal nicht richtig sitzt oder eben, wie musika auch sagte, die Stütze nicht richtig funktioniert. Im Prinzip weiß ich, wie es geht (also zumindest annähernd...), aber in der Praxis geht's eben doch oft daneben, und sei es, weil irgendwelche lästigen Konsonanten im Weg sind :roll: .

Mit meiner GL habe ich jetzt über das gestrige Erlebnis natürlich noch nicht sprechen können, werde ich aber natürlich tun. In der letzten Stunde hatte ich aber eine andere Chorstelle mit ihr besprochen und geübt, wo es um eine piano Stelle in etwas höherer Lage ging. Sie hat eine super Vorübung mit mir gemacht, und dann ging das wunderbar, mein Chorleiter hätte seine Freude gehabt :oops: .

Ach ja, ist schon ein Kreuz manchmal. Aber merkwürdig, wie sehr mich das heute noch den ganzen Tag beschäftigt hat. Es handelt sich ja durchaus um ein technisches Problem, das ich kenne und an dem ich arbeite. Aber die Tatsache, dass ich das da so vorführen musste, hat mich doch etwas aus der Bahn geworfen. Das überrascht mich dann doch.

Bonne nuit,

Orphenica
:hearts:


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BeitragVerfasst: 04.12.2006, 08:31 
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Liebe Orphenica, ich kann dein Problem gut nachvollziehen!
Mein Chor ist ähnlich strukturiert wie Deiner (anspruchsvoller Kammerchor) nur deutlich grösser und ich habe einen Leiter mit absolutem Gehör, der bei Unsauberkeit auch schonmal jeden einzeln singen lässt oder zwei/drei in der Gruppe zusammen. Andererseits will er auch oft einen eher zarten Klang und dann komme ich wie Du in die Bredoille.
Ich sehe das aber für mich eher positiv. Das ist DIE Gelegenheit sauber singen zu üben und die sTütze zu trainieren-unter relativ geschützten Bedingungen, denn ganz allein singt man da ja nun sehr selten.
Ich fluche manchmal auch über mich selbst, aber da ich ohnehin nicht fliehen kann,versuche ichdas Beste draus zu machen und es als Schule fürs Sängerleben zu sehen!
Solange der Leiter musikalisch und sängersich gut geschult ist(meiner singt auch selbst) und man notfalls mit ihm reden kann, denke ich , ist das kein unlösbares Problem!
Lieben Gruss
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 04.12.2006, 20:33 
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Freunde, Römer, Detonierer! ;-)
beim Chorgesang kommt es eben nicht darauf an, wer im einzelnen mitsingt. Es möge der CHORklang gut sein und das heißt natürlich und in JEDEM Falle, die INTONATION ist das Maß aller Dinge! Ich kenne die Problematik, die durch und mit Solisten im chor entsteht. Die Lösung ist aber immer ein Besinnen auf das ENSEMBLE und ein Unterordnen der eigenen Befindlichkeiten. Alles andere verdient weder den Namen Chor, noch den Namen Ensemble!
Gruß und Kuss, der chorklingende musencus
ps Ich will um gottes Willen niemanden angreifen, bevor ich wieder falsch verstanden werde! Solisten im Chor sind halt einfach problematisch.


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BeitragVerfasst: 04.12.2006, 20:50 
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Orphenica, ich hab mir das jetzt nochmal genau durchgelesen und komme zu dem Schluss, dass der Chorleiter die Säuselfassung nur wegen der richtigen Intonation bevorzugt hat. Zumindest verstehe ich das so. Denn in Chören gilt ganz eindeutig Sauberkeit vor (Solisten-)Klang, wie du es formuliert hast. Stell dir mal vor, du hättest einen Chor zu leiten - wären dir da nicht auch die reinen Akkorde wichtiger? Ein voller Klang ergibt sich schon durch die Anzahl der Personen in gewissem Maße, da können bei den Einzelstimmen durchaus Abstriche gemacht werden. Nicht umsonst kann jemand, der als Solist gar nicht geeignet ist, ein toller Chorsänger sein.
Wie du schon gesagt hast, ist dein Chorleiter ja gar nicht prinzipiell für Säuseln. Er ist eben einfach nur für richtige Intonation. Ich würde also an deiner Stelle an den kritischen Stellen säuseln, um den Chorklang nicht zu gefährden, und diese dann zuhause ungesäuselt üben. Wo du auch ohne Säuseln die Töne triffst, gibt es ja kein Problem.


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BeitragVerfasst: 05.12.2006, 00:09 
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Hallo!

Ich kenne das Problem, mit einer solistisch ausgebildeten Stimme im Chor zu singen, nur zu gut. Das funktioniert nur, wenn
a) der Rest des Chores auch eine entsprechende Ausbildung hat (diese Lösung hatte ich in meinem vorherigen Chor)
oder
b) man einfach ein wenig "runterdreht" (die Lösung versuche ich momentan).
Lösung b geht aber meiner Ansicht nach nur, wenn die Stimme nicht darunter leidet - also erst mit fortgeschrittener Ausbildung. Ob das dann noch Spaß macht, ist allerdings eine andere Frage.

Allerdings verstehe ich nicht, warum die "schlechte" Intonation mit der solistisch ausgebildeten Stimme zusammen hängen soll. Oder habe ich das falsch verstanden in den letzten posts?

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 05.12.2006, 00:52 
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Hallo Ihr Lieben,

ich danke euch für eure Meinungen und Stellungnahmen.

Ich verstehe mich schon immer noch in erster Linie als Chorsängerin, und nicht als Solistin im Chor. Soweit bin ich in meiner Gesangsausbildung einfach noch nicht, dass ich das von mir behaupten könnte.

Genau wie Mezzo verstehe ich allerdings auch nicht, warum man als Solist mit ausgebildeter Stimme unsauberer singen sollte als ein Chorsänger. Allerdings, wenn ich mal drüber nachdenke, sind es in unserem Ensemble z.T. wirklich die SängerInnen ohne Unterricht, aber mit jahrelanger Chorerfahrung und eher kleinerer, "gerader" Stimme, die glockenklar und sauber singen. Eine Kollegin aus dem Sopran mit größerer Stimme und ziemlich viel Vibrato (und Gesangsunterricht!) wird auch ständig gemaßregelt (sie solle diesen und jenen Ton mal so oder so versuchen, damit sie nicht "tremoliert" - m.E. ist das aber keineswegs ein Tremolo, sondern ein eben für diesen Chor recht großes Vibrato :d_neinnein: ). Wenn sie dann aufgefordert wird, ihr Vibrato abzustellen, finde ich das noch mal eine Kategorie härter als bei mir. Spätestens da wäre für mich der Ofen aus, ganz ehrlich.

Als Chorsänger hat man sich in den Gesamtklang einzufügen, das sehe ich auch so, sonst darf man eben nicht im Chor singen. Aber manchmal artet das in meiner Stimmgruppe eben auch aus, dass sich eben keine hervorwagt, die eine die andere an Lautstärke eher noch zu unterbieten sucht, was dann einen (für mich!) unbefriedigenden Kleinmädchenklang ergibt. (Ich übertreibe jetzt, so schlimm ist es auch wieder nicht, aber die Tendenz geht manchmal dahin). Und den will der Chorleiter ja eigentlich auch nicht haben. Also gebe ich hin und wieder etwas mehr, in der Hoffnung, dass die anderen mitziehen. Wenn ich dabei dann schlecht intoniere, ist das natürlich nicht akzeptabel, das ist schon klar.

Ich habe das Ganze inzwischen auch schon soweit verdaut - nicht zuletzt dank meines Ausheulens hier und eurer Kommentare :love: . Ich war zum einen schockiert, dass ich diese eigentlich recht einfache (und zudem wunderschöne) Phrase nicht so hinbekam wie es verlangt wurde, zum anderen dachte ich "oh Schreck, er akzeptiert meine Stimme nicht" und ich werde jetzt zum Säuseln verurteilt, dann kann ich ja gleich zu Hause bleiben :sad: . Aber ganz so schlimm wird es wohl nicht sein. Morgen muss meine GL da noch mal ran, und dann sehen wir weiter...

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


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BeitragVerfasst: 05.12.2006, 15:52 
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Aber dass Solisten unsauberer singen, hat doch niemand gesagt :?: Er wollte einfach nur, dass du sauber singst. Wie du das erreichst, ist für ihn ja unerheblich. Wenn du den Ton getroffen und trotzdem nicht gesäuselt hättest, wäre das für ihn sicher völlig in Ordnung gewesen, nehme ich an (nach deinen Ausführungen). Wenn jemand ohne Ausbildung unsauber singt, beanstandet er das doch sicher auch. Wobei es natürlich sein kann, dass es bei ausgebildeten Stimmen einfach mehr auffällt, weil sie im Allgemeinen "lauter" sind.
Trotzdem kenne auch ich das Phänomen, das du beschrieben hast: Ohne "solistische Technik" intoniere ich in 99,999% der Fälle richtig, also wenn ich "gerade", wie du schreibst, im Chor singe. Singe ich dagegen eher solistisch, gibt es manchmal durchaus Probleme mit der Intonation.


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BeitragVerfasst: 05.12.2006, 21:43 
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musencusmuc hat geschrieben:
Es möge der CHORklang gut sein und das heißt natürlich und in JEDEM Falle, die INTONATION ist das Maß aller Dinge! Ich kenne die Problematik, die durch und mit Solisten im chor entsteht.


Hallo Fliu,
diese Aussage ließ vermuten, dass Solisten im Chor ein Intonationsproblem darstellen. Und so allgemein kann man das sicherlich nicht stehen lassen.

Musencus, wie hast du das denn eigentlich genau gemeint? Dass Solisten vielleicht manchmal meinen, im Ensemble ihr eigenes Ding machen zu können und damit aus dem Ensembleklang herausfallen - ob angenehm oder unangenehm spielt dabei ja erst mal keine Rolle - das ist ja das eine. Aber warum sollten sie generell für mangelhafte Intonation verantwortlich sein? Das leuchtet mir nicht ein.

Gruß,
Orphenica


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 01:40 
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Na, das erscheint mir auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Klar gibt es eine "übliche Problematik" mit ausgebildeten Sängern in Chören - aber da gehts dann eher um das zu starke Hervortreten "großer" Stimmen o.ä., nicht um die Intonation.


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 17:10 
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Liebe orphenica!
Genaugenommen sollte man das trennen. Das eine ist das Prolem mit Solisten im Chor, das andere das mit der Intonation. KANN zusammen hängen, muss aber nicht.
tatsächlich halten sich aber viele Solisten für intonationssicherer, als sie tatsächlich sind. Besonders dann, wenn sie "verhinderte" Solisten sind.
Das Vibrato im Chor ist eh ein Thema für sich!
Gruß und Kuss, der intonationsfetischist musencus


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BeitragVerfasst: 06.12.2006, 21:17 
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Hallo,

Orphenica hat geschrieben:
Eine Kollegin aus dem Sopran mit größerer Stimme und ziemlich viel Vibrato (und Gesangsunterricht!) wird auch ständig gemaßregelt (sie solle diesen und jenen Ton mal so oder so versuchen, damit sie nicht "tremoliert" - m.E. ist das aber keineswegs ein Tremolo, sondern ein eben für diesen Chor recht großes Vibrato :d_neinnein: ). Wenn sie dann aufgefordert wird, ihr Vibrato abzustellen, finde ich das noch mal eine Kategorie härter als bei mir. Spätestens da wäre für mich der Ofen aus, ganz ehrlich.


Genau an diesem Punkt war bei mir der Ofen aus.... :pfeif:

@musencus:

Intonationsprobleme und solistische Stimme sind zwei völlig verschiedene Baustellen, wie du richtig bemerkst. ich will dies aber dahingehend fortführen, dass es eben nicht auszuschließen ist, dass eine Solistenstimme, die im Chor an die "Kastrationsgrenze" geht im Bemühen, sich den chorischen Zielen anzupassen - eine selbstverstänliche Anforderung an ALLE ChorsängerInnen - alle stimmlichen Probleme wiederaufleben lässt wie Fehlintonationen, Steckenbleiben in Phrasen usw., die im Sologesang und Unterricht überwunden sind. Wenn es so weit gekommen ist, hilft nach meiner ganz persönlichen Meinung nur noch die Notbremse.

Das Fortschreiten der Ausbildung kann sicher häufig die Choreingliederung erleichtern, aber in manchen Fällen auch genau das Gegenteil bewirken. Wie sich das bei dir entwickeln wird, liebe Orphenica, ist von hier aus betrachtet ergebnisoffen. Du selbst und deine GL habt da für euch möglicherweise schon mehr Klarheit. Sicher bin ich mir bei dem, was du schilderst, allerdings, dass es mit der veränderten Stimmentwicklung in Bezug auf die Chormitwirkung zu tun hat, inclusive des damit verbundenen Frustes. Ob auf Dauer Chor oder nicht oder anderer Chor bleibt eine ganz individuell zu treffende Entscheidung, wo man nur anraten kann, die Entscheidung unter der Priorität der Stimmgesundheit zu fällen.

Liebe Grüße,

dola


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BeitragVerfasst: 07.12.2006, 01:01 
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Hallo Dola,

ja stimmt, was du sagst. Wenn man noch mitten in der Ausbildung ist, im Chor dann aber aufgefordert wird, sich dem Stimmklang, dem Tempo, der Dynamik, die der Chorleiter fordert, anzupassen, dann fällt man oft in alte Gesangsmuster zurück. Beim Versuch, so piano zu singen, wie es der Chorleiter will, fängt meine Stimme oft an zu "wackeln". Ich müsste dann eigentlich etwas mehr geben, darf aber nicht.

Inzwischen hatte ich wieder eine Gesangsstunde, und wir haben uns fast die ganze Stunde nur diesem Thema gewidmet! Ich sang die Phrase erst mal ganz normal - so wie ich sie vor der Einzel-Vorsingerei im Chor auch immer gesungen hatte - und sie konnte keine Unsauberkeit feststellen! Was nicht heißt, dass ich bei der Probe auch richtig intoniert hätte - ich bin schon ziemlich sicher, dass der Chorleiter ein sehr gutes Gehör hat, und beim Vorsingen vor versammelter Mannschaft habe ich ja auch förmlich gemerkt, wie meine Stimme "bröckelte" und dadurch auch die Intonation unsauber wurde.

Ich habe meiner Lehrerin dann auch noch die "Säuselfassung" vorgesungen, und sie meinte nur, das sei zwar sauber, aber doch eben ein bisschen dünne, und sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass der CL das nun so haben wollte. Bei noch weiterem Ausprobieren haben wir dann festgestellt (was aber nichts neues ist), dass der Vokal A gerade in der Mittellage gerne mal zu weit nach hinten rutscht und damit leicht zu tief wird. Daran muss ich natürlich weiterhin arbeiten.

Die betreffende Phrase braucht einfach ein wenig Schwung, und wenn der fehlt, weil ich mich nicht traue durchzusingen, eben damit man mich nicht zu doll raushört, dann vertrockne ich, gehe von der Stütze weg, und die Töne werden zu tief - oder ich säusele halt ohne Stütze, dann singe ich sauber, aber dann kann ich auch zu Hause bleiben :d_neinnein:

Bisher stand es für mich nie zur Debatte, aus Gründen der stimmlichen Entwicklung im Chor aufzuhören. Das Problem gab es einfach gar nicht. Aber je kleiner wir besetzt sind, um so größer ist natürlich die Gefahr, dass man mich raushört und dass ich dann eben zurückgepfiffen werde. Aus terminlichen Gründen muss ich demnächst sowieso mal pausieren, mal sehen, wie mir das bekommt...

Liebe Grüße,

Orphenica
:hearts:


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BeitragVerfasst: 26.12.2006, 22:49 
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Hallo zusammen

Ich bin ganz neu hier, habe dieses Forum per Zufall gefunden ("Belt" mit Google gesucht :lol: ).
Jetzt habe ich mich ein bisschen durchgewühlt und bin unendlich erleichtert, dass ich hier viele Leute gefunden habe, die mein Problem verstehen... nämlich mit ausgebildeter Stimme in einem Chor zu singen.

Ich habe jahrelang mich selber in Frage gestellt und bin beinahe verzweifelt, da ich einerseits gerne regelmässig in einem Chor singen würde - nebst meinen Gesangsstunden selbstverständlich - , aber mir dies von Jahr zu Jahr schwerer fällt.
Unterdessen habe ich aufgehört, einen Chor zu suchen, in den ich "reinpassen" würde.
In früheren Jahren, als meine Stimme noch nicht so weit ausgebildet war wie heute, konnte ich mich viel besser in einem Chor "unter die Klanghaube" eingliedern. Damals nutzte ich tatsächlich die Chorstunden für meine eigene Gesangsentwicklung.
Seit ein paar Jahren jedoch, genauer gesagt, seit meine Stimme langsam gereift ist und stabil geworden ist, litt ich nur noch am Gesäusel im Chor, da ich in jeder Probe meine Stimme gewaltsam runterschrauben musste. Ich habe einen ziemlich schweren, lyrischen Sopran, der einfach in keinen Chor passt :sad:
Das hat mit Piano nichts zu tun, auch mein Piano hörte man deutlich aus dem Chor heraus.
Ich sang zuerst in einem kleinen Chor, was eine Katastrophe war, da ich dort nur säuseln konnte, suchte mir anschliessend einen grösseren Chor, jedoch mit demselben Ergebnis.
Seit einem Jahr habe ich nun aufgegeben, beginne wieder neu mit Gesangsstunden (nur zu meinem eigenen Vergnügen) und habe den Chorgesang zu meinem Bedauern definitiv an den Nagel gehängt.
Die einzige Lösung wäre wahrscheinlich ein halb-professioneller Chor, ein Theater-Chor vielleicht, für den mir dann aber wieder die Zeit fehlt.

War meine Entscheidung richtig oder hat jemand vielleicht die Lösung gefunden, wie man Chor und ausgebildete Stimme unter einen Hut bringt?

Liebe Grüsse,
Romilda


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BeitragVerfasst: 27.12.2006, 00:32 
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Hallo Romilda,

erst mal herzlich willkommen hier im Forum und frohe Weihnachten noch nachträglich. :welcome:

Zum Thema ausgebildete (oder noch in Ausbildung befindliche) Stimme und Chorsingen gab es schon etliche Diskussionen. Letztendlich muss wohl jeder für sich selbst herausfinden, was für ihn/sie am besten ist. Eine Quintessenz aus den verschiedenen Diskussionen kann man aber ziehen: je schwerer die Stimme, um so schwieriger ist die Integration in einen Chor, denn - wie du ja auch von dir berichtest - die Stimme ist immer rauszuhören, was in Chören natürlich verpönt ist. Eine leichte Stimme hingegen wird sich auch nach Ausbildung noch gut integrieren können. Insofern kann man einfach nicht generell sagen, ausgebildete Stimmen könnten nicht in Chören singen.

Ich selber habe keine "schwere" Stimme (wüsste aber auch nicht, woran man das messen sollte). Aber anscheinend wohl doch etwas voluminöser als meine Mitstreiterinnen im Alt. In der tieferen Mittellage, wo die meisten nur noch sehr schwach klingen, habe ich im Laufe des letzten Jahres recht viel Power entwickelt, die ich aber im Chor meist nicht rauslassen darf. Und wenn ich mich dann zurückhalten will, kommt es eben zu Problemen wie oben beschrieben.

Ich denke, du hast dich richtig entschieden, denn wenn das Chorsingen einfach keinen Spaß mehr macht, weil du dich ständig zurückhalten muss und vielleicht sogar deiner Stimme schadest, dann bringt das einfach nichts. Was mich betrifft, so bin ich noch nicht so ganz entschieden, ob ich aufhören sollte oder nicht. Da ich das jetzt jahrelang leidenschaftlich gemacht habe, sagt man nicht mal einfach so tschüss, das war's. Mal sehen, ich kann ja mal berichten, wenn es soweit ist... ;-)

Liebe Grüße,

Orphenica


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.12.2006, 11:47 
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Hallo Romilda,
ja, das Thema ist eigentlich immer aktuell. Viele Gesanglehrer möchten nicht dass ihre Schüler im Chor singen und das ist auch berechtigt. Je weiter die Entwicklung der Stimme fortschreitet, desto schwerer ist es im Chor sich "unterzuordnen". Automatisch schraubt man zurück und das ist es eben, was der Stimme schaden kann. Ich glaube jeder, der schon vor der Ausbildung in einem Chor gesungen hat wird früher oder später von selber merken, dass er nicht mehr chorfähig ist. Ich habe auch jahrelang in einem Chor von 150 Frauen gesungen und habe mich immer in die letzte Reihe verzogen, weil ich dachte, dann könnte ich etwas lauter singen, war aber falsch. Eine ausgebildete Stimme trägt auch im Piano mehr, als eine laute unausgebildete Stimme.

Ich habe meinen Schülern immer nahe gelegt nicht mehr im Chor zu singen.
Vielleicht suchst du dir einen Halbprofichor, der auch anspruchsvoller von der Literatur her ist, versuche es auch im Extrachor der Oper. Es gibt sicherlich Chöre, in der sich deine Stimme wohlfühlt.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 27.12.2006, 13:24 
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Hallo,

bei einem Weihnachtskonzert habe ich vor ein paar Tagen, nachdem ich nun 3 Jahre nicht mehr in dem Chor mitsingen, meinen "alten" Chor wieder gehört.

Damals verließ ich den Chor aus div. Gründen aber der ausschlagge-bende war der G.unterricht. Ich wußte nicht mehr was ich machen sollte, denn hatte ich mich in den Chorstrudel treiben lassen dann vergaß ich die Technik, hörte mich natürlich nicht und das war nicht förderlich für den G.unterricht. Konzentrierte ich mich auf meine Stimme, dann passte sie nicht mehr in den Chorklang und ich fiel immer wieder auf. Das wollte ich einfach nicht und so gab es eine Zeit in welcher ich mich immer angepasst hatte. Ich sang im Chor wie es dort gewünscht wurde und im G.unterricht wie ich es gelernt hatte. Irgendwann fühlte ich mich zwischen zwei Stühle und als ich dann nicht mehr wußte wer ich wirklich war, da mußte eine Entscheidung her. Ich verließ den Chor.....

Klar war es schwer in der Kirchenbank zu sitzen und nicht mitsingen zu dürfen, erst recht bei Liedern die ich noch aus meiner Zeit her kannte. Irgendwann trauerte ich innerlich auch der Gemeinschaft nach, die tollen Proben, die Feiern die schönen Chorwochenden und den Chorreisen. Ja es war schon Wehmut dabei, aber als ich den Chor nach sooo langer Zeit hörte, merkte ich wohl daß sie sich stark verbessert haben, aber ich merkte auch, daß ich damals die richtige Entscheidung für mich getroffen hatte. Es war wohl nicht die einfachste aber mit Sicherheit die richtige Entscheidung.


Liebe Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.12.2006, 14:35 
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Hallo Romilda,
wie Du siehst, ist Dein Problem den meisten hier bekannt.

Ich hatte lange Jahre das Glück, dass ich in einem Ensemble singen konnte, in dem Gesangsunterricht Pflicht war. Nach meinem Umzug nach Berlin musste ich mir was Neues suchen, auch um nicht aus der Übung zu kommen. Ich bin nach einigen erfolglosen (weil "säuselnden") Versuchen im Extrachor der Staatsoper gelandet. Dort fühle ich mich sehr wohl und der Chorleiter hat mich noch nie "gebremst" (nur mal den restlichen Damen im Alt geraten nicht zu versuchen mit mir "mitzuhalten" ;-) ). Die Proben werden lange vorher festgelegt so dass ich es mir neben meinem recht zeitaufwändigen Beruf gut einrichten kann.

Ich verstehe es durchaus wenn GLs ihren Schülern raten, nicht im Chor zu singen, allerdings habe ich musikalisch dort sehr viel gelernt und möchte es auch nicht missen. Ich kann mich also musikas Rat nur anschließen - mach Dich weiter auf die Suche nach einem für Dich passenden Ensemble. Da sollte doch was zu finden sein!

Vielleicht solltest Du auch mal versuchen Dich bei großen deutschen Konzertchören vorzustellen. Die suchen immer mal Aushilfen und arbeiten ausschließlich projektweise.

LG
mezzo


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