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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 14:21 
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Diese Frage richtet sich sowohl an Chorsänger/innen) als auch Chorleiter/innen. Was versprecht/ erhofft ihr euch generell von Stimmbildung im Chor, was soll damit erreicht werden, welche Erfahrungen habt ihr gemacht und welche Vorgehensweise (z. B. Einzelstimmbildung vs. Gruppenstimmbildung) fandet ihr am effektivsten?

Liebe Grüße

Octaviane

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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 17:55 
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Hallo!

Ich bin keine Chorleiterin,aber ich war 9 Monate Mitglied lang im Chor im nahegelegenen Dorf als Sopranistin.
Da gab es keine Stimmbildung,keine Übungen,ein bisschen Einsingen,mehr nicht.
Meine Nachbarin / Sopran/,hat wo ich gerade gekommen bin ,eine OP - Stimmbänder - das war für Sie OK,aber Sie war 6 Monate abwesend und ich habe Sie in der Zeit vertreten.
Ich habe bemerkt,dass es bei vielen Tenören - krachzte,auf der Höhe haben Sie "gewürgt".
Die Frauen haben nur auf "Maske" gesungen.
Keiner hat gesagt,dass man mit Stütze von Zwerchfell singen sollte,sonst machen Sie selber Ihre Stimme kaputt.
Repertoire war sehr bescheiden,nur einmal war Haydns Messe,sonst nur Lieder,wie : "Die Papagei frisst ...harte Eier",oder Lieder im Pfälzer Diallekt,oder "Ein kleiner grüner Kaktus",hola,li,holadrio...
Ich habe gebeten um ein mehr anspruchvolleres Repertoire,das hat keinen interessiert,das war eigentlich ein Amüsierverein mit Festen,Schnäpsen und einmal im Jahr gemeinsamer Ausflug.
Nur 2 mal gab ein Konzert /von Raiffeisen Bank gesponsert mit Weihnachtsliedern / und zum Himmefahrt - Haydns Messe gesungen mit Orchester
im Dahn in der Muschel - da kam ich auf meine Kosten - ich durfte Solo Sopranpartien singen,was wieder Dirrigenten Ehefrau nicht gefallen hat und Sie mich nachher ermahnt hat - "Maria,nehm Dich zurück".
Warum ?
Ich wurde gemobbt und habe dann gekündigt.
Also ich will im keinem Chor mehr singen,da bin ich fehl am Platz.
Es tut mir leid,wenn ich Deine Frage nicht genügend beantwortet habe.
Was Stimmbildung,Technik betrifft,gab es die im unserem Chor nicht.
LG von mariella :n110: big_gruebel


Zuletzt geändert von mariella am 18.01.2012, 00:17, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 17:56 
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Liebe Octaviane,

ich war sehr viel als Stimmbildnerin in Chören unterwegs und die Chöre haben viel gelernt. Mit dem ganzen Chor zu arbeiten, ist nicht sehr sinnvoll, ich habe entweder Gruppen von höchsten 6 Stimmen gehabt, so dass man auch noch auf den Einzelnen eingehen konnte, oder einzeln.

An erster Stelle war die Atmung. Wenn man so einen singen Chor beobachtet, so fällt einem oft auf wie manche Sänger atmen, die Schultern werden hochgezogen, der Kopf geht bei hohen Tönen mit in die Höhe.

Richtiges Sitzen spielt auch eine große Rolle, die richtige Haltung beim Singen, aufrecht und nicht zusammengesunken.

Tonfolgen erreichen einen homogenen Klang, ausgeglichen und nicht von einzelnen Stimmen dominierend.

Saubere Töne, ob in der Höhe oder in der Mittellage, kann man gut in den Gruppen korrigieren, wenn jemand unsaber singt, könnte man ihn im Einzelunterricht zwischen nehmen.

Oft hört man ein Drücken auf die Stimme, ob gewollt oder nicht, manche Sänger meinen der Chor könne nicht ohne sie und dann müsse man sie auch raushören.

Wichtig ist auch der Wechsel zwischen piano und forte zu üben.

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BeitragVerfasst: 16.01.2012, 23:09 
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Hallo Octaviane!

Ich bin seit neuestem auch in einem A-Capella-Chor, den ich seit einigen Jahren kenne. Dieser Frauenchor besteht aus 12 Frauen, die alle Stimmlagen abdecken (SABT). Seit etwa 1 1/2 Jahren nimmt dieser Chor bei meinem GL auch Unterricht in Stimmbildung und zwar einmal Stimmlagen-Einzelunterricht und dann einmal im Monat als Gesamtchor. Ich persönlich habe einen enormen Fortschritt des Chores festgestellt. Denn in diesen Unterrichtsstunden wird sowohl auf die Haltung, Atmung und Technik, etc. geachtet.
Ich finde die Einzelstimmbildungsstunden sehr wichtig, aber auch dann die Stunden als Gesamtchor (als Einheit) sinnvoll, denn dort wird das Gelernte als Gesamtchor angewendet und ausprobiert.

LG Hopsidrolli99

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BeitragVerfasst: 17.01.2012, 16:32 
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Hallo Octaviane,

da ich ja auch aktiv in einem gemischten Chor singe, kann ich hierzu gerne mal etwas sagen.
Wir haben das Glück seit 2008 eine Chorleiter zu haben der sehr großen Wert auf Stimmbildung legt und von den drei Stunden Chorprobe am Abend insgesamt eine halbe dafür verwendet. Er wählt die Übungen auch immer für das jeweilige Liedgut aus, das in dieser Probe gesungen werden soll. Der Chor hat sich in dieser Zeit (seit 2008) immens verbessert, sowohl beim Klang als auch bei der Artikulation. Ich selbst bin durch ihn angeregt worden Gesangstunden zu nehmen, wodurch sich eine kleine Kettenreaktion ereignet hat; das nämlich ein drittel des Chores mittlerweile ebenfalls Gesangunterricht nimmt. Das wirkt sich natürlich extrem vorteilhaft auf den Chorklang aus, da die SängerInnen dadurch natürlich eher wissen, wie sie die Übungen besser umsetzen können. Mein Fazit: Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ohne stimmbildnerische Übungen zu singen.

Liebe Grüße

Ludwig van


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BeitragVerfasst: 17.01.2012, 18:12 
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Liebe Hopsidrolli,

wie, Ihr habt auch Bassistinnen in Euren Reihen ( S A B T ) ?

Ciao. Ein verwirrter Ospite big_gruebel


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BeitragVerfasst: 18.01.2012, 03:39 
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Meiner Meinung nach ist Stimmbildung ist ein Muss für jeden Chor, der von sich sagen will er sei gut. Ich war in meinem Leben schon in mehreren Chören und am meisten Spass hats mir gemacht, wenn auf gute Stimmgebung bei den einzelnen Sängerinnen und Sängern geachtet wurde.....leider ist es aber nicht Standard und es gibt immer noch "faule" Chorleiter...

Wahrscheinlich sind die "Jungen" Chorleiter heute auch besser ausgebildet und sehen in ihrer Arbeit mehr die Verantwortung einen Chor stimmlich zu optimieren - gut finde ich es, wenn sie es selber machen bzw. von qualifizierten Leuten....hauptsache es wird gemacht! Workshops o.ä. sind immer ein Bereicherung und sollten unbedingt angeboten werden....

Meine Erfahrungen sind speziell in dem Festpielchor, in dem ich mitsinge: der musik. Leiter und auch der Korrep. nehmen sich am Anfang der Proben die nötige Zeit und korrigieren auch während der Proben. Die Stimmen werden einzeln als auch im Zusammenklang trainiert und ich erlebe das als sehr effektiv.


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BeitragVerfasst: 18.01.2012, 18:40 
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Der Kirchenchor, in dem ich singe, hat seit einigen Jahren unregelmäßig Stimmbildung.
In Kleingruppen (3-4) vor der Chorprobe und je eine komplette Stimme parallel zur Chorprobe.
Wir sind ca. 45 Personen, die regelmäßig kommen. Dazu gehören neben Abiturienten auch Mittachziger, also eine äußerst gemischte Gruppe.
Augenmerk liegt sowohl auf der Artikulation - ganz wichtig: gemeinsame Aussprache harter Konsonanten, damit es nicht "klappert", als auch das Klangbild, z. B. damit nicht "gequetscht" wird.
Die Orchestermitglieder, die ein-zwei Mal im Jahr mit uns zusammen auftreten, haben inzwischen bemerkt, dass unser Chor viel feiner klingt. ;-)
So hat sich unsere Chorleiterin auch getraut, den gesamten Messias ins Programm zu nehmen.
Weihnachten haben wir ein paar Auszüge gesungen und die sind sehr gut angekommen.

Es dauert zwar einige Zeit, bis es einem ganzen Chor angemerkt wird, aber es lohnt sich bestimmt!

Herzliche Grüße
Sabine


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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 00:03 
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Hallo Ospite!

Wir haben Frauen bei uns, die den Bass-und Tenorpart übernehmen. Ich bin da nicht so firm, aber was läßt Dich darüber verwirrt sein ??

LG Martina big_gruebel

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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 01:18 
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Liebe Martina,

dass es Tenor singende Damen gibt, ist mir klar - aber Bass ? Ich vermute, die Damen singen dessen Tessitura in oktavierter Version ?!

Ciao. Ospite big_good night


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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 07:15 
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Hallo ospite !

Du hast voll und ganz recht. Ich entschuldige mich für die falsche Ausdrucksweise :oops: .

LG Martina big_engel

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BeitragVerfasst: 19.01.2012, 11:38 
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Zitat:
Ich habe gebeten um ein mehr anspruchvolleres Repertoire,das hat keinen interessiert,das war eigentlich ein Amüsierverein mit Festen,Schnäpsen und einmal im Jahr gemeinsamer Ausflug.
Das ist der Unterschied zwischen einem Chor und einem Gesangsverein. In letzterem findet man das Glas Bier unter dem Stuhl…

Zitat:
Wichtig ist auch der Wechsel zwischen piano und forte zu üben.

Ja!!! Das fällt häufig unter den Tisch…

Einzelstimmbildung oder Kleingruppen sind fraglos effektiver als Stimmbildung im großen Chor. Nur das scheitert in den meisten Chören an den Kosten, sofern das nicht der Chorleiter oder jemand aus dem Chor übernehmen kann oder will. Nichtsdestoweniger ist auch die Stimmbildung im plenum nicht umsonst. Auch da lassen sich ein paar Grundprinzipien vermitteln, es fehlt halt die Möglichkeit, das Ganze nachhaltig zu festigen und es gibt m.E. keine Rückmeldung, ob’s auch richtig angekommen ist. Theoretisch läßt sich da vieles im Rahmen des Einsingens anbringen. Die Praxis ist da halt extrem heterogen: Ich habe schon alles erlebt, von 50 Prozent der Probenzeit durch professionelle GL in Kleingruppen bis zu absolut unzureichendem Pseudo-Einsingen. Und dann gibt es immer noch jene Chorsänger und- sängerinnen, die meinen, das bräuchte es alles nicht, und sie würden lieber in dieser Zeit „singen“- was soll auch der Quatsch mit der Atmung und der Haltung… Nun ja.

Gemeinsames Absprechen, und so lange aushalten, wie es der Dirigent vorgibt und nicht länger (auch so kommt man zum Solo…) und Staccato Staccato singen und nicht Nonlegato und nicht meinen, man müßte den Chor übertönen, und nicht alles in einheitlichem Mezzoforte-Brei singen und was der Unarten mehr sind, finde ich, ist in der Probe an der konkreten Stelle besser aufgehoben als in der Stimmbildung. Letzteres würde ja wieder eine Transferleistung voraussetzen…

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Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 12:47 
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Vielen Dank schon mal für eure Antworten, die mir schon ein ganz gutes Bild vermitteln (und darum ging es mir ja in erster Linie). In diesem Fall soll es tatsächlich um Stimmbildung zusätzlich zur bzw. neben der Chorprobe gehen, in der die Sänger und Sängerinnen lernen sollen, wie sie besser und ökonomischer mit ihrer Stimme umgehen, was in erster Linie wohl Grundlagenarbeit bedeuten wird. Die musikalisch-chorische Arbeit wird nach wie vor hauptsächlich in den Händen der Chorleiterin liegen.

Trotzdem möchte ich meine Frage vielleicht noch etwas konkretisieren. Wenn ich das richtig gelesen habe, findet Stimmbildung in euren Chören ja zumeist in Kleingruppen statt (z. B. nach Stimmgruppen getrennt). In diesem Fall aber wurde die tatsächliche Einzelstimmbildung befürwortet. Wo liegen da für euch die konkreten Vor- und Nachteile?

Ein (offensichtlicher) Vorteil der Einzelstimmbildung ist z. B, dass individuell auf jeden Sänger/jede Sängerin eingegangen werden kann und Dinge geklärt werden können, die in der Gruppenstimmbildung evtl. untergehen. Ein Nachteil ist evtl., dass Menschen, die ausschließlich das Chorsingen gewohnt sind, sich genieren könnten, alleine zu singen, so dass erst einmal Zeit aufgewendet werden muss, diese Hemmungen abzubauen.

Wie sind eure Erfahrungen hier und welche weiteren Vor- und Nachteile fallen euch noch ein?

Liebe Grüße

Octaviane

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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 13:02 
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Hallo TM Pestoso!

Gestern habe ich neuen PC bekommen und musste mich wieder bei belcanto anmelden,habe auch Frage in Deinem Thread beantwortet und heute sehe... ich keine.
Also, wieder "ab ovo" - "Totus tuus" - "Ganz dein" war Motto und Spruch von Papst Johannes Paul II.
Seit Miracel in Medjugorje ,/jetztiges Jugoslavien/ wo Gottes Mutter gläubigen erschien ist,beginnt neue Evangelisation - in der katholischen Kirche - durch Maria zum Jesus.
Poln. Komponist - Mikolaj Henryk Gorecki hat "Totus tuus op.60" komponiert zusammen mit in Hollywod Oskar Winner - Musikfilmkomponisten Wojciech Killar.
Mehr weiss ich nicht.
LG mariella big_bye


Zuletzt geändert von mariella am 20.01.2012, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 13:42 
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Zitat:
Ein (offensichtlicher) Vorteil der Einzelstimmbildung ist z. B, dass individuell auf jeden Sänger/jede Sängerin eingegangen werden kann und Dinge geklärt werden können, die in der Gruppenstimmbildung evtl. untergehen. Ein Nachteil ist evtl., dass Menschen, die ausschließlich das Chorsingen gewohnt sind, sich genieren könnten, alleine zu singen, so dass erst einmal Zeit aufgewendet werden muss, diese Hemmungen abzubauen.

Wie sind eure Erfahrungen hier und welche weiteren Vor- und Nachteile fallen euch noch ein?


Hallo octaviane,

ich habe in Gruppen-, Einzel- und Gesamtchor Stimmbildung gemacht und kann aus Erfahrung sagen, dass natürlich Einzelstimmbildung am besten ist, jedoch läßt das die Zeit meist nicht zu, je nachdem wie groß der Chor ist. Im Internat hatte ich Gruppen mit 5 Mädchen. Habe sie mir aber innerhalb der Gruppe sie einzeln vorgenommen, was tatsächlich am Anfang schwer war, sie mussten aus ihrem Schneckenhaus raus. Mit Geduld und Geschick sangen sie sich frei und ich hörte dann: "kann ich noch mal...." In Chören war es unterschiedlich, eine freiwillige Angelegenheit, die anfangs nicht gut besucht wurde. Nach und nach sprach es sich rum, es war gut und die Sänger lernten viel über sich und die Stimme. Allerdings gibt es auch da, besonders die Männer, die das nicht für nötig hielten.

Also, wenn nicht einzeln, in kleinen Gruppen kann man sich auf die einzelnen Sänger besser konzentrieren, man kann auch schon mal "Hand anlegen", prüfen, korrigieren und oft sind die Sänger erstaunt was in ihnen schlummert.

Und, es ist tatsächlich so, wenn in kleinen Gruppen eine kräftige Stimme sich nicht anpassen kann, kann sie es im Gesamtchor erst recht nicht. Sich in der Gruppe einzuordnen, zu fügen, auf sich selber und auf den Nachbar zu hören, muss erst mal erlernt werden, oftmals merken es die Sänger nicht wenn sie losplärren und sind erstaunt, wenn sie sich auf einmal selber hören.

Nachteile.....? Habe keine erfahren. big_lala

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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 14:10 
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Hallo Octaviane,

natürlich erreicht man mit Einzelstimmbildung mehr als in einer größeren Gruppe. Ich kann aber in meinem konkreten Fall berichten, das unser Chorleiter ein sehr feinsinniger Mensch ist, der auch in der Gruppe in der Lage ist, gezielt die/den Sängerin/Sänger anzusprechen und dementsprechend zu korrigieren (zugegeben, das ist ein Glücksfall). Was das genieren anbetrifft: Das mag am Anfang vielleicht der Fall sein, aber wenn die SängerInnen merken "Huch, es lacht mich ja niemand aus.", verlieren sie sehr schnell ihre Scheu, bei einer Übung z.B. ein merkwürdiges Gesicht zu machen oder Töne zu produzieren, die erst mal nicht so klingen, wie man es sich vorstellt. Ich denke es kommt sehr viel auf den/die ChorleiterIn an, welchen Anspruch/Vorstellung er/sie vom Chorklang hat. Wie schon mal gesagt: Ich könnte mir nicht mehr vorstellen unter einem gewissen Anspruch (der mit der Zeit stetig steigt) zu singen. Und wenn das Ergebnis bei einem Auftritt/Konzert stimmt und das Publikum das honoriert, merkt der Chor das sich die Übungen gelohnt haben und schon hat man wieder ein bißchen weniger Scheu sich zum "Affen" zu machen.


@ T M Pestoso
Zitat: Das ist der Unterschied zwischen einem Chor und einem Gesangsverein. In letzterem findet man das Glas Bier unter dem Stuhl…

Ich bin zufälligerweise auch 1. Vorsitzender eines Gesangvereins, bestehend aus drei Chören: ein Männerchor, ein Frauenchor und eben jener, schon mal erwähnte gemischte Chor. Ich kann Deine Aussage nur bedingt teilen. Bei unserem Männerchor kann ich das bestätigen, bei unserem Frauenchor habe ich das so noch nicht gesehen. Und bei unserem gemischten Chor feiern wir höchstens nach unserer - dreistündigen, hochkonzentrierten - Probe mal einen Geburtstag mit einem Glas Sekt. Vielleicht ist das ein Einzelfall; das kann ich nicht beurteilen. Aber das gibt es auch in einem Gesangverein. Aber die Wahrscheinlichkeit liegt sehr hoch, das es in vielen Männerchören so ist, wie Du es beschrieben hast.

Herzliche Grüße

Ludwig van


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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 16:07 
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hallo, Ludwig van
ich hatte eigentlich gehofft, man könnte das Augenzwinkern zwischen den Zeilen lesen....

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BeitragVerfasst: 20.01.2012, 21:15 
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Ups, dann bin ich wohl noch nicht so geübt in der Forum-Diskussion. Sorry!

Ludwig van


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BeitragVerfasst: 20.09.2012, 15:44 
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Hallo zusammen,

vielleicht mal aus Chorleiterperspektive:

Ahja, ich sollte mich vielleicht erst vorstellen, bin ja neu hier!
Ich habe Schulmusik, Klavier und Gesangspädagogik studiert und bin gerade dabei meinen Master in Chorleitung/Dirigieren abzuschließen.
Ich singe selbst von Zeit zu Zeit in Profichören als Aushilfe (RIAS, Kammerchor Stuttgart, SWR etc.)

Ich habe die zugegebenermaßen etwas kompromisslose doch wohlüberlegte und erlebte Position, dass Menschen, die nicht eine profunde Kenntnis der Stimmphysiologie besitzen, niemals und unter keinen Umständen mit singenden Menschen arbeiten dürfen!! Im Profibereich mag es noch verzeichlich sein, wenn jemand die z.B. Frieder Bernius da etwas dilletiert, denn die Sängerinnen und Sänger wissen, wie ihre Stimme funktioniert, aber im Laienbereich (der 99,999 Prozent der Chormusikszene stellt) kann dies Katastrophale Folgen haben, von Disfunktionen bis zum Verlust der Sing und Sprechstimme führen!

Wenn Chorleiter schon keine großen Sängerinnen und Sänger sind, dann sollten sie zumindest genaue Kenntnisse der Anatonomie und Funktionsweise der an der Tonproduktion beteiligten Muskeln haben, die Zusammenhänge kennen und funktional hören können. Ich habe oft genug grausame Dinge in meiner Sänger- und Chorleiterkarriere erlebt und schon gesehen und gehört wie viele gute Stimmen kaputt gemacht wurden.

Daher gilt für Stimmbildung im Chor: Wenn du keine Ahnung hast, DANN LASS ES! Vergiss es!

Beispiel: Ein namentlich nicht näher bestimmter Chorleiter in meinem Arbeitsumfeld. Ein sehr ambitionierter junger Mann, hochmotiviert, super Organist, keine Ahnung von Stimme. Will mit seinem neugegründeten Kammerchor super schwere Literatur singen: Messias von Händel.
Nach 8 Wochen kommen einige Sänger von ihm in meine Chorprobe, total heiser, verzweifelt, wissen nicht was sie tun sollen, fragen nach Rat. Ich forsche nach, frage nach, gehe nach Absprache mit ihm in die Probe und höre und schaue zu. Was ist passiert?

Er hat dem Chor seine Lieblingsaufnahme mitgebracht, ein englischer Chor, sehr große Stimmen, laut, voll, nicht schön, aber beeindruckend.
Da er sich selbst auf die Vorstellung konditioniert hat will er Mit seinen 20 Männlein und Weiblein diesen Sound ebenfalls. Da er keine Ahnung hat wieso es nicht so klingt, wie auf der Aufnahme, löst er alle seine Probleme auf die gleiche Art und Weise: Die Leute sollen mehr singen, das heißt in seiner Definition - lauter! Alles, auch in der Passagio-Lage und drüber hinaus.
Da er keinen Anweisungen gibt, wie das bewerkstelligt werden soll, helfen die Sänger sich irgendwie selber.
Ergebnis ist: Extreme Kompression, Verkrampfungen im Bereich der Kehlsenker, Überbelastung der Stimmbänder durch extremen Luftdruck, extreme Abnutzungserscheinnungen der Ränder und mangelnder Stimmschluss bei einigen Sängerinnen und Sängern schon noch 6 Proben.

Nachdem ich diese Damen und Herren schonend und geduldig in meinen Chor intergriert habe, läuft die Stimme nun nach 6 Monaten einigermaßen.
Der Kollege verbreitet weiter seinen Unsinn und backt jetzt noch größere Brötchen - Brahmsrequiem mit nun 30 Mann! Der absolute Wahnsinnn...
Ahja, das Konzert war übrigens ein fürchterliches Geschreie, dabei waren die Einzelnen im Chor gar nicht schlecht, einige kenne ich ziemlich gut, aus meiner Zeit als Leiter des ansässigen Oratorienchores.

Fazit des Story: Immer das hinterfragen was der Chorleiter macht, immer selbst überprüfen: Tut mir das gut? Wie fühlt es sich an? Weniger nach dem Ohr, als nach der Empfindung gehen. Vorher informieren oder rumfragen: Woher kommt der Chorleiter? Hat er Ahnung von Stimme?

Man würde niemandem eine Stradivari in die Hand drücken, der nicht weiß wie das Instrument funktioniert. Mit seiner eigenen Stimme ist man nicht so wählerisch... komisch eigentlich oder? ;)


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BeitragVerfasst: 14.01.2017, 16:04 
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Hopsidrolli99 hat geschrieben:
Hallo Octaviane!

Ich bin seit neuestem auch in einem A-Capella-Chor, den ich seit einigen Jahren kenne. Dieser Frauenchor besteht aus 12 Frauen, die alle Stimmlagen abdecken (SABT). Seit etwa 1 1/2 Jahren nimmt dieser Chor bei meinem GL auch Unterricht in Stimmbildung und zwar einmal Stimmlagen-Einzelunterricht und dann einmal im Monat als Gesamtchor. Ich persönlich habe einen enormen Fortschritt des Chores festgestellt. Denn in diesen Unterrichtsstunden wird sowohl auf die Haltung, Atmung und Technik, etc. geachtet.
Ich finde die Einzelstimmbildungsstunden sehr wichtig, aber auch dann die Stunden als Gesamtchor (als Einheit) sinnvoll, denn dort wird das Gelernte als Gesamtchor angewendet und ausprobiert.

LG Hopsidrolli99



Die 12 FRAUEN decken ALLE Stimmlagen ab? Also auch den Tenor und Baß in Originallage? Das wär en Kontraaltistinnen.


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