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 Betreff des Beitrags: Disziplin
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 19:46 
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Hallo,

Ist Disziplin in eurem Chor wichtig oder wird es eher locker gehandhabt?

Wo ist der Unterschied zwischen einem Chor und einem Gesangverein?

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 20:05 
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Gegen ein bisschen Blödeln während der Chorprobe habe ich nichts - allerdings ändert sich das schnell, wenn es ausartet und mehr Unfug getrieben als effektiv geprobt wird. Ich bin sehr dafür, dass man beim Proben wirklich was weiterbringt und konzentriert arbeitet. Natürlich muss es nicht immer ganz ernst zugehen, aber prinzipiell hat man vor oder nach der Probe noch genügend Zeit zum Scherzen.
Ich sehe zwischen Chor und Gesangsverein überhaupt keinen Unterschied. Mein "Stammchor" ist zwar ein Verein, nennt sich aber nicht Gesangsverein, sondern Singkreis, und sieht sich ganz einfach als Chor :mrgreen: Wenn du an einen leistungsmäßigen Unterschied denkst, würde ich den nicht an Vereins- oder anderen Strukturen festmachen. Ich kenne Vereine, die sehr engagiert sind und ein hohes Leistungsniveau aufweisen, genauso wie nicht vereinsmäßig organisierte Chöre, die grottenschlecht sind. Und dasselbe umgekehrt. Es ist ganz einfach eine Frage der Mitglieder und - ganz wichtig - der Persönlichkeit und Kompetenz des Chorleiters. Es hat mich z.B. schon oft erstaunt, was ein überragender Chorleiter alles aus einem überalterten, nicht mit bestem Stimmmaterial gesegneten Chor herausholen kann. Andererseits gibt es auch viele Chorsänger, die viel mehr könnten, aber eben einfach nicht entsprechend gefordert und angeleitet werden.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.04.2006, 20:31 
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Das mit dem Unterschied zwischen Chor und Gesangsverein sehe ich ähnlich wie Fliu. Bei uns sind ausser Kirchen- und Schulchören fast alle als Verein strukturiert, eventuell sind sonst noch einige Projektchöre. Die Qualität ist weitgehend vom Chorleiter abhängig.

Disziplin ist bei uns auch ein wunder Punkt. Bei 120 Leuten geht es nicht ohne, aber ständig kommt jemand zu spät, oder geht früher, und das Geschwätz bringt sogar unsern sehr geduldigen Chef hin und wieder in Rage. Anfänglich kamen Apelle an die Disziplin immer vom Präsidenten, aber das nützt wenig. Erst als unser Maestro zum ersten Mal explodiert ist :n21: :ruhe: wurde es besser: die Leute waren sehr betreten. Warum nur meint jeder zweite Chorsänger, eine missglückte Phrase kommentieren zu müssen? :n140:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.04.2006, 23:17 
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lucicare hat geschrieben:
Warum nur meint jeder zweite Chorsänger, eine missglückte Phrase kommentieren zu müssen? :n140:


Tja, das habe ich mich in meiner langjährigen Chorphase auch immer wieder mal gefragt. Oder, noch besser, warum gibt es MitsängerInnen, die meinen, dauernd den Nachbarn (oder InhaberInnen weiter tragender Stimmen) auf tatsächliche und vermeintliche Fehler hinweisen zu müssen? :n125:

Diese Phänomene gibt es leider durchgängig, egal, ob der Chor leistungs- oder spassorientiert ist (gehäufter sogar in ersterer Variante).
Ansonsten hat die Probendisziplin schon ziemlich damit zu tun, was der Chor vorhat. In meinem letzten, dem Frauenchor, gelten harte Regel zu Anwesenheit usw., aber die treten ja auch in Wettbewerben an und machen CD - Aufnahmen mit dem BR. Wo die geselligkeit mehr hervortritt, läuft das natürlich auch anders.
Es erhebt sich somit immer die Frage, was auf einen selbst passt und das macht die Chorsuche und Kontinuität, dabei zu bleiben, manchmal so schwierig.
grüße,
dola


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 Betreff des Beitrags: Re: Disziplin
BeitragVerfasst: 23.04.2006, 00:19 
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musikavokale hat geschrieben:
Ist Disziplin in eurem Chor wichtig oder wird es eher locker gehandhabt?


Hallo,

für mich ist eine gewisse Disziplin im Chor sehr wichtig, denn ich möchte dort singen, vorankommen und in der zur Verfügung stehenden Zeit ein möglichst gutes Ergebnis erreichen.

In den Chören, in denen ich singe, wird generell wenig geschwätzt, aber einen neckischen Kommentar ab und an gibt's schon, und das ist gut so. Aber die Geselligkeit findet außerhalb der Probenzeit statt.

Was mich richtig aufregt, das sind Unpünktlichkeit und unregelmäßige Probenteilnahme, verbundenmit schlechter Vorbereitung.
Diese machen mir in einem der Chöre wirklich zu schaffen. Erstens fühle ich, der mir das pünktliche Erscheinen durchaus auch Mühe bereitet, mich persönlich veralbert, und zweitens hemmt es den Fortschritt erheblich. Da würde ich mir etwas mehr Konsequenz seitens der Leitung wünschen. Leider hören die Vorträge über die Phänome immer diejenigen, die da sind...

Gruß v. Emmy


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 Betreff des Beitrags: Re: Disziplin
BeitragVerfasst: 23.04.2006, 10:36 
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musikavokale hat geschrieben:

Wo ist der Unterschied zwischen einem Chor und einem Gesangverein?

Liebe Grüsse


Ich habe da meine ganz persönliche Interpretation :
Gesangsverein = Singen und Geselligkeit haben dengleichen Stellenwert. Jede(r) die/der Lust zum Mitmachen hat, wird aufgenommen. Je nach Ausbildung und engagement des Chorleiters/der Chorleiterin ist die Disziplin mehr oder weniger ausgeprägt und das Ergebnis dementsprechend.
Ich mache manchmal Stimmbildung in einem kleinen Kirchenchor, den ich in diesem Fall zu den "Gesangsvereinen" zählen würde. Während des Einsingens ging eine Sopranistin zu den Altinnen hinüber und - verkauft ihr eine Packung Eier. Für den Chorleiter war das anscheinend normal, - aber sie machen das jetzt nur noch, wenn ich nicht da bin.

Chor = die Betonung liegt hier auf dem Singen. Man nimmt an Wettbewerben teil, es gibt Aufnahmekriterien, usw.
Das heißt nicht, dass man sich nicht zu geselligen Dingen trifft, z.B. nach einem Konzert oder mal ein Grillfest, aber im Vordergrund steht eindeutig die Gesangs-Arbeit.

Liebe Grüße
Uralt


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 23.04.2006, 11:38 
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Hallo

Uralt hat es schön erklärt, so sehe ich das auch. Chöre sind meist auch in Vereine zusammengefasst, aus verschiedenen Gründen, die auch mit dem Finanzamt zusammenhängen.
Für mich ist ein Gesangverein ein geselliger "Haufen", der in erster Linie das Zusammensein in fröhlicher Runde prägt, ein Bierchen unter dem Stuhl und nebenbei auch noch singt. So ist es in vielen Gesangvereinen. Das Singen hat nicht die Priorität wie ein Chor, der vom Chorleiter angefangen, ganz andere Ziele hat. Der Chorleiter hat oft eine andere Ausbildung, er kann ein Orchester leiten und Stimmbildung machen. Viele Gesangsvereine Chorleiter meinen dies zwar auch zu können, aber es ist auch oft dementsprechend.
Disziplin ist ein wichtiger Aspekt, der in einem "Chor" ein unbedingtes MUSS ist, da sonst ein Arbeiten unmöglich ist. Unaufmerksamkeit, Schwatzen, Zuspätkommen, dauerndes Fehlen aber dann trotzdem Konzert mitsingen, ist in einem guten Chor nicht erwünscht. In einem Gesangsverein ist jeder Chorleiter froh, wenn alle im Konzert mit dabei sind, auch wenn viele Proben versäumt wurden. Die Literatur ist eh fast immer die selbe.
Es mag von Verein zu Verein oder Chor zu Chor auch da Unterschiede geben, aber größtenteils ist es so, wie ich selber ständig erlebe.

Ein Chor ist nur so gut wie sein Chorleiter und das gilt auch für Disziplin.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 23.04.2006, 14:31 
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dola hat geschrieben:
Oder, noch besser, warum gibt es MitsängerInnen, die meinen, dauernd den Nachbarn (oder InhaberInnen weiter tragender Stimmen) auf tatsächliche und vermeintliche Fehler hinweisen zu müssen? :n125:

Diese Phänomene gibt es leider durchgängig, egal, ob der Chor leistungs- oder spassorientiert ist (gehäufter sogar in ersterer Variante).
grüße,
dola


Hallo Dola,
das mit dem Korrigieren finde ich aber nicht generell verwerflich. Kommt immer ein bisschen darauf an, was korrigiert wird und in welchem Ton. Wenn z.B. eine neue Mitsängerin oder eine, die bei der letzten Probe nicht da war, natürlich noch nicht wissen kann, welche Dynamik wir an einer bestimmten Stelle mit dem Chorleiter abgesprochen habe, dann mache ich sie darauf aufmerksam - das ist aber allgemein akzeptiert und auch gewünscht. Oder - beliebtes Thema - wo sprechen wir das "t" ab :schlaumeier: ...
Nervig hingegen fand ich da mal den Kommentar eines Mitsängers (Tenor!), der bei laufender Probe meinte, mir des längeren und breiteren erklären zu müssen, an welcher Stelle in der Phrase ich die Intonation verliere und zu tief sänge. Ich habe später zu Hause festgestellt, dass er sogar recht hatte, aber in dem Moment fand ich es einfach unpassend und eben die Probe störend, denn gleichzeitig erklärte der Chorleiter etwas, was wir beide dann natürlich verpasst hatten. Überhaupt kann ich schlecht Kommentare von Chorkollegen vertragen, die sich auf eher gesangstechnische Dinge beziehen (das würde ich nur von jemandem akzeptieren, der selber perfekt singt) - sowas würde ich nie von mir geben, ich finde, dafür sind andere zuständig.
Allgemein zum Thema Disziplin: je anspruchsvoller der Chor, um so wichtiger ist Disziplin, wozu ich auf Pünktlichkeit rechne. Dennoch ist mir auch ein freundschaftliches Klima wichtig, so ein Zickengehabe und ständiges Gelästere darüber wie mies xy singt, finde ich unerträglich. :d_neinnein:

Gruß,
Orphenica


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BeitragVerfasst: 23.04.2006, 15:11 
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Zitat:
Unaufmerksamkeit, Schwatzen, Zuspätkommen, dauerndes Fehlen aber dann trotzdem Konzert mitsingen, ist in einem guten Chor nicht erwünscht.

Das finde ich auch sehr unpassend. Kommt aber leider doch vor, erst vor Kurzem in unserem Singkreis. Eine Sängerin, die man kaum jemals bei den Proben sieht, sang beim Konzert mit, war dann wieder wochenlang verschwunden und nun singt der Chor das Begräbnis für ihren verstorbenen Schwiegervater. Sonst finde ich das ja eine schöne Sitte, aber unter diesen Umständen wars einfach nur unverschämt.
Zitat:
Überhaupt kann ich schlecht Kommentare von Chorkollegen vertragen, die sich auf eher gesangstechnische Dinge beziehen (das würde ich nur von jemandem akzeptieren, der selber perfekt singt)

Damit habe ich auch ein Problem.
Fliu und ich mussten für das letzte Konzert zu zweit die Sopran-Solostimme von "Pie Jesu" einüben. Gegen Schluss kommt ein as2 mit Fermate drauf, das für uns zwar zu erreichen ist, aber nicht unbedingt jedes Mal superschön und leicht - wir sind ja keine Profis. Nach einer Probe kam dann eine Altistin zu uns und machte uns darauf aufmerksam, dass dieses as2 etwas zu tief war und ob wir das nicht vielleicht etwas höher intonieren könnten. :schlaumeier: Wäre die Kritik vom Chorleiter gekommen - ok, kein Problem. Aber diese Altistin singt selbst nicht besonders gut (milde ausgedrückt - ein paar Proben vorher konnte sie nicht einmal einen Ton nachsingen, den das Klavier vorspielte), und ein as2 würde sie nie im Leben zustande bringen (mit ihrem jetzigen Können). Da wusste ich nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte. Fliu und ich haben halt nett genickt und es zur Kenntnis genommen, aber innerlich hab ich mich ganz schön geärgert :sad:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 23.04.2006, 15:51 
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Hallo Kiwi,
im Prinzip ist es doch nicht schlecht, wenn die Altistin euch bittet, den Ton etwas höher zu nehmen, auch wenn sie ihn selbst nicht singen kann. Ihr seid doch ein relativ kleines Ensemble und wollte doch MITEINANDER etwas erreichen. Und auch wenn sie selbst den Ton "nicht zustande bringt" kann sie doch hören, oder ?
In meinen Augen habt ihr richtig reagiert, ja sagen und bei nächster Gelegenheit prüfen ob was dran ist.

Liebe Grüße
Uralt


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BeitragVerfasst: 23.04.2006, 16:23 
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Hallo Uralt!
Nein, das hast du falsch verstanden. Das hat sich nicht in unserem kleinen Ensemble abgespielt, sondern im Singkreis (ca. 25 Sänger). Ich fand, sowas liegt im Aufgabenbereich des Chorleiters (und nicht in dem einer eher schlechten Sängerin). Er hatte aber nichts auszusetzen!


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BeitragVerfasst: 23.04.2006, 17:05 
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Hallo, kiwi,
sehe ich auch und absolut so. Noch dazu wenn ihr Solo singt. Dann ist es eh allein eure und des Chorleiters Verantwortlichkeit. Ihr habt ja nicht einmal den Chorklang beeinflußt.
Zum Erreichen des As2 als Altstimme habe ich gerade woanders was geschrieben, das kann hier natürlich nicht der Anspruch sein, aber ähnlich wie ihr finde ich eine solche Aktion nicht eben toll :schlaumeier: :schlaumeier:
natürlich hatte ich kein Problem damit, wenn eine Chornachbarin in aller Freundschaft mal kurz eine spezielle Absprache erläutert, die ich vielleicht nicht mitbekommen habe, aber gemeint ist hier was anderes. Es ging nämlich letztendlich bei manchen darum, zuweilen den stärkeren Stimmen einen rüberwachsen zu lassen und die Unmöglichkeit, hier mitzuhalten, mit latenter Fehlersuche (die natürlich auch gefunden werden) zu kompensieren.
Ich war hierbei weniger vornehm wie du, Orphenica. Es bedurfte zu direktem Anlass in zwei, drei Fällen einiger sehr deutlicher Worte, auch dahingehend, dass ich nicht gewillt bin, nur wegen der tragfähigen Stimme den Prellbock machen zu wollen und heraus kam bei gerade der hier "aktivsten" Kollegin eine Entschuldigung und ein Eingeständnis, dass man starke Stimmen halt mehr wahrnimmt, eine Sache, die ich ihr sehr hoch anrechne.
Aber es ist schon wahr: es ist ein grenzbereich, was akzeptabel ist und was nicht und ich denke, dass es meistens zu Klärung beiträgt, offen zu sagen, wo diese persönliche Grenze überschritten ist.
Liebe grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 23.04.2006, 18:30 
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Das Thema "Disziplin im Chor" hatten wir auch schon oft auf dem Tisch.

Mein Mann leitet seit einigen Jahren einen ehemals sehr traditionellen Männerchor (gegründet 1850), der bei seiner Chorleiterübernahme nur mehr aus 13 Sängern bestand (Durchschnittsalter 65+)und bei dem das Gesellige eindeutig Vorrang hatte. Das konnte man auch deutlich hören...

Jedenfalls sind es mittlerweile über 40 Sänger, mit einigen Männern unter 20 Jahren, einem immer besser werdenden Klang, ganz vielfältigem Repertoire und einigen Auszeichnungen. Das geht meiner Meinung nur mit Diszplin und auch Selbstdisziplin, denn das beinhaltet auch Respekt vor den Mitmenschen.

Dafür ist der Chorleiter (und das Chormanagement) verantwortlich, denn er bestimmt, was er den Sängern "durchgehen" lässt und wo die Grenze ist. Die Sänger vertrauen ihm, weil der Chor mit dem Konzept erfolgreich ist, und deshalb werden auch die Regeln eingehalten.
Diese Verhaltensregeln sind bei diversen Sitzungen aufgestellt, begründet und von der Mehrheit beschlossen worden - im Hinblick auf die Ziele, die die Sänger und der Chorleiter erreichen wollen.

Wenn z.B. immer ein oder mehrere Sänger zu spät kommen, haben sie gleich die Möglichkeit, vor dem Chor "solistisch aufzutreten", und das mit einer schwierigen Stelle.

Wenn jemand bei einer vorigen Probe gefehlt hat, erkundigt er sich, was Neues gemacht oder verändert wurde - und zwar vor der Probe.

Bier darf sehr wohl unter dem Sessel stehen und auch getrunken werden, aber Nachschub gibt´s nur in der Pause. :n8: :sauf:

Diese Männer, unter denen noch immer einige über 80 Jahre sind, gehen brav zur Stimmbildung und singen alle Konzerte mit Stücken in verschiedenen Sprachen auswendig, obwohl einige nicht mal Englisch in der Schule hatten. Kürzlich sangen sie die gesamte Chorpartie im "Fidelio"!!

Das Gesellige findet natürlich auch statt - und wie!! Aber eben nicht während der Probenzeit.
Und was sehr wichtig ist: alle arbeiten hochmotiviert und begeistert an den Projekten.

Mit diszipliniertem Proben kommt man einfach viel weiter und das schätze ich selber auch bei den Chorleitern, mit denen ich schon geprobt habe. Alles Andere langweilt mich. :_schlaf:

Natürlich haben Gesangsvereine auch ihre Berechtigung, und es kann und soll ja nicht nur Profichöre geben. Man sollte nur als Sänger, aber auch als Chorleiter seine Wünsche und Ziele definieren und wissen, was man will. :schlaumeier:

Liebe Grüße! :razz:
Canteva


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BeitragVerfasst: 23.04.2006, 19:31 
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Hallo,

genau wegen dieser Disziplinfrage bin ich nach vielen Jahren aus einem Chor ausgetreten. Zu Beginn war mir das wirkliche singen noch nicht soooo wichtig, da muß ich zugeben, daß auch ich gerne geschwätzt hatte aber damals war ich 14 oder so.

Irgendwann wurde ich gefragt ob ich nicht auch in einem anderen Chor mitsingen wollte. hmm ich wollte und genau bei denen ging es disziplinierter zu, das Niveau war aber auch um Stufen höher. Auf einmal bekam ich einmal monatlich eine Chorstimmbildung und vor jeder Probe war einsingen angesagt und Probewochenende für die Literatur des nahe anstehenden Konzertes. Als wir dann auch noch mit dem Chor ein kompettes verlängertes Wochenende weggefahren sind und von morgens bis Abends die Musik und der Gesang im Mittelpunkt stand, da war es um mich geschehen.

Immer mehr merkte ich das dieser andere Chor in dem ich schon soooo lange gesungen hatte nicht mehr mein Leben war. Was interessiert mich mit welcher Farbe von welcher Fima sich die aus der ersten Reihe im Alt die Haare getönt hat oder ob die Bluse von der in der dritten Reihe neu oder noch aus dem Vorvorjahr stammt. Als dann auch immer und immer wieder Listen rumgereicht wurden auf denen man sich eintragen soll, welchen Kuchen man zum Sommerfest backt, ob man mit Partner kommt oder alleine, an welchem Tag wann wann im Kirmesstand das Bier zapfen will u.ä. da platze mir der Kragen. Klar mußten diese Listen immer mit der Nachbarin besprochen werden und klar haben die dann auch nicht mitbekommen was da vorne gerade gesagt wurde und schwups war mal wieder ein Patzer da und eine Moralpredigt für uns alle fällig. Es gibt noch soooviele Beispiele wo ich den Unterschied zwischen Gesangsverein und Chor sagen könnte.

Klar kann ein G.verein auch die Qualtität eines Chores haben und umgekehrt. Für mich steht jedoch der Begriff für Verein im gesangl. Bereich für Kameradschaft die im Vordergrund steht und man trifft sich halt zum singen davor. Was ich aber dann nicht verstehe ist, daß sich solche Vereine dann beschweren, wenn andere ernsthaft und diszipliniert probende Chöre mehr Zuspruch und höheres Niveau haben. Von nichts kommt halt auch nichts.

Ach so und je größer der Chor ist umso wichtiger ist es Disziplin zu haben. Stellt euch mal vor ein 100 Sänger/innen starker Chor oder noch größer, kommt wie eine Horde Menschen auf die Bühne oder auch in der Probe, ahhhh der arme Chorleiter. Wehe da quatscht mal einer, der steckt doch alle an und dann ist es vorbei.


Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 26.04.2006, 22:43 
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chero hat geschrieben:

Ach so und je größer der Chor ist umso wichtiger ist es Disziplin zu haben. Stellt euch mal vor ein 100 Sänger/innen starker Chor oder noch größer, kommt wie eine Horde Menschen auf die Bühne oder auch in der Probe, ahhhh der arme Chorleiter. Wehe da quatscht mal einer, der steckt doch alle an und dann ist es vorbei.


Wir sind so ein Chor, und Disziplin bei Konzerten ist nochmal was anderes, weil es eben auch nach aussen wirkt. Egal ob grosser oder kleiner Chor, wenn ich so einen ungeordneten Haufen irgendwie aufs Podium trudeln sehe, habe ich bereits ein ungutes Gefühl. Wenn dann noch einige Choristinnen ihren Bekannten im Publikum zuwinken folgt selten ein berauschendes Konzert. Wir haben einen Oberfeldwebel, der den Aufmarsch organisiert und koordiniert, und das wird an der Generalprobe auch geübt.

Übrigens habe ich bemerkt, dass auch unser im stetigen Aufstieg begriffene Sinfonieorchester bei Konzerten neuerdings einen geordneten Einzug pflegt.... :mrgreen: :dafür:


Gruss
lucicare sonne


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BeitragVerfasst: 27.04.2006, 08:59 
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lucicare hat geschrieben:
Wir haben einen Oberfeldwebel, der den Aufmarsch organisiert und koordiniert


Wir auch. "Maaa - ppen rrrrrrrrechts!".
Wir sind zwar nur 20 Leute, aber dann wirkt es ganz anders, wenn man koordiniert auftritt.
Je nach Örtlichkeit gibt es regelrechte Choreographien bzw. Marschordnungen für Auf- und Abmarsch.

Gruß v. Emmy


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.04.2006, 10:41 
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Hallo,

Disziplin ist das Aushängeschild eines guten Chores, ob er groß oder klein ist. Mein Mann war in einem Männerchor von 180 Sängern, ich selber in einem Frauenchor von 150 Sängerinnen. Die Disziplin war schon fast übertrieben. Ein Zuspätkommen wurde sofort vom Professor getadelt , denn die Konzentration ist zum Teufel, jeder schaut zur Tür um den Zuspätkommenden anzusehen, automatisch.
Schwatzen, zu viel in die Noten schauen, nach links und rechts schauen wrde ebenfalls getadelt. Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, meine Nachbarin schaute wohl nach rechts in meine Richtung, Professor: Frau XY, auch wenn sie neben Frau "musika" sitzen, schauen sie doch bitte nach vorne....
Auftreten bei Konzerten wurde genau vorher geprobt, genau so wie das Aufstellen auf der Bühne. Er stellte sich die Sänger so wie er es vom Klangbild brauchte ohne Rücksicht auf die sonst übliche Sitzordnung. Er füllte Lücken aus und sortiere so, dass alle ihn sehen konnten. Der Auftritt mit der "Masse" lief in Zweierformation, jeder wußte hinter wem er dran ist und es ging reibungslos. In Kirchen trat man durch den Mittelgang und es verging eine Zeit, bis alle vorne waren.
Ich habe mal als Solistin ein großes Werk mit beiden Chören und Orchester gesungen. Es waren über 300 Sänger. Ich stand vorne und schaute mich um. Ich bekam einen Schreck als ich die Menge sah, davor das Orchester. Bei mir dachte ich, lieber Professor, ich kann verstehen dass hier Disziplin sein muß, wenn jeder nun mit dem anderen redet, ist das einfach unmöglich.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.04.2006, 11:26 
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Hallo,

ja wie schon erwähnt finde ich eine Disziplin äußerst wichtig. Gerade wo wir das Thema "Auf- und Abmarsch" haben ist mir noch etwas eingefallen.

Ich kenne einige Chöre, die genau wegen diesem ungepflegten Aufmarsch, der nie klappt, im eigenen Konzert immer nur mit geschlossenem Vorhang auftreten. Für den Konzertbesucher ist es natürlich ein tolles Bild, wenn der Vorhang aufgeht und die "Meute" schon toll und präsent da steht. Na ja, ich für meinen Teil muß immer schmunzeln, denn ich weiß ja warum dies so gemacht wird.

Wenn der Aufmarsch schön flüssig, diszipliniert etc funktioniert ist es schon etwas schönes für das Auge des Publikums. Vor kurzem habe ich jedoch auch einen Chor "aufmaschieren" gesehen. Es war wirklich für mich ein militärischer Trill, es war nicht flüssig und hmm ich sag es mal geschmeidig. Bevor mich jemand falsch versteht, also es war so, daß es zwei Podeste gab und die hintere Reihe komplett aufmaschiert ist und erst wie diese Reihe komplett auf dem Podest gestanden hatte, da durften sie mit zwei Stufenbewältigungen auf ihren Platz, dann kam die nächste Reihe, gleiches Spiel und dann erst die erste Reihe. Durch dieses präzise einmaschieren, abwarten bis Reihe komplett da steht und dann gleichzeitig die Stufe hochsteigen,war es für mein Auge sehr hart. Für mich fehlte nur noch Augen rechts! wenn sie auf die Bühne betreten.......
In anderen Bereichen, wie Gardemarsch bei den Gardetänzen etc. da ist dieses militärische klar und stört mich nicht, denn danach geht es genauso militärisch auch vom Takt her weiter..... im Gesang ist es was anderes, zumindest für mich.

Ich mag es lieber wenn es diszipliniert mit präzisen Vorgaben zugeht aber nicht dieses zackzack. Linkszweidreivier...... Reihe komplett gleichzeitig mit rechtem Fuß die Stufe hoch und gerade stehen.Nö nö nö. Es gibt so ein Zwischending zwischen Militärdrill und wir rasen auf die Bühne und suchen mal wo wir rumstehen können.

Liebe Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags: Re:
BeitragVerfasst: 05.01.2009, 12:17 
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Ratgeber
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Registriert: 04.06.2008, 17:25
Beiträge: 591
Zitat von dola: "Warum gibt es MitsängerInnen, die meinen, dauernd den Nachbarn ... auf tatsächliche und vermeintliche Fehler hinweisen zu müssen?"

Zum Beispiel deshalb, weil viele Leute einfach irgend etwas vor sich hinsingen und sich überhaupt nicht dafür interessieren ob das was sie da singen auch so in den Noten steht. Oft hören sie es schlichtweg auch nicht dass sie selbst etwas anderes singen als die anderen aus der selben Stimmgruppe.

Ein weiterer Grund: Der vorne stehende Chorleiter hört nur den "groben" Gesamtklang. Ich wundere mich immer wieder über Chorleiter die Dinge welche ich selbst als mitten im Chor sitzender deutlich wahrnehme scheinbar überhaupt nicht bemerken, dementsprechend eben auch nicht korrigieren.

Eine Chorleiterin erzählte mir mal von einem diesbezüglichen Aha-Erlebnis: Unser Chor probte zusammen mit einem anderen Chor unter dessen Chorleiter. Sie sang derweil bei uns mit und staunte Bauklötzer wie viel innerhalb einer Stimmgruppe falsch gesungen wird, was ihr aber "vorne" noch nie aufgefallen sei.

Wenn Sänger sich untereinander korrigieren, dann wird das bei uns so gehandhabt dass sie dies LEISE tun während eine andere Stimmgruppe probt.

Derartige "interne" Korrekturen unter Nachbarsängern machen auch insofern einen Sinn als dass es einfach die gesamte Einstudierung eines Stückes sehr erschwert wenn Fehler nicht alsbald korrigiert sondern einfach so hingenommen werden (und je länger sie hingenommen werden desto schwieriger wird die Korrektur, allseits bekannt).

Mir ist ein Fall bekannt, dass eine Chorstimme sehr viel sicherer wurde als jemand dazu kam der sich nicht gescheut hat seine Singnachbarn "intern" zu korrigieren. Seither ist auch der Probenbesuch innerhalb dieser Stimmgruppe regelmäßiger... :n110: :verdacht

Viele Grüße
AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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 Betreff des Beitrags: Re: Disziplin
BeitragVerfasst: 05.01.2009, 12:52 
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Hallo ak kontraalt

Dein Beitrag und auch die schon etwas älteren Beiträge finde ich sehr brauchbar auch in einer Situation als "Projektmitglied" in einem nachbarörtlichen KiChor.....

ich überlege jetzt mal, wie ich in Zukunft mit der Situation umgehen werde, denn ich habe leider ein "kleines" Fiasko miterleben müssen, als die ersten 3 Chöre des Messias an Wehnachten fast ganz in die Hose gingen...das hat mir sehr leid getan, der ChLeiter und eineige Chormitglieder waren sehr enttäuscht .....es ist aber immer schwierig, so als Gast Probleme in Sachen Disziplin anzusprechen....denn da haperts meiner Meinung nach am meisten.


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