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 Betreff des Beitrags: Die Atmung
BeitragVerfasst: 12.04.2008, 12:27 
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Stimmbildung im Chor von Claudia Rübben-Laux, Chordirektorin FDB, Dozentin für
Stimmbildung und Mitglied des Musikausschusses des Sängerbundes NRW, Sopranistin.

Diese Beitragsserie ist entnommen aus "Chor live", Fachzeitschrift für das Singen, Chor Verband NRW


Über die Atmung (Teil 1) Ohne Atmung - keine Stimme

Die Atmung dient dem Gasaustausch in der Lunge. Sauerstoff wird aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben. Wird längere Zeit nicht geatmet entsteht Sauerstoffmangel im Blut. Der Blutkreislauf funkt
SOS an das Atemzentrum im Hirnstamm, das dann den Impuls zur nächsten Einatmung gibt. Der Muskel, der den Atemvorgang steuert, ist das Zwerchfell (Erklärung s.r.u.). Sängerinnen und Sänger sollten sich immer der sogenannten Zwerchfell-Flankenatmung bedienen, weil diese Tiefatmung den
größten Atemgewinn erzielt und auch unter gesundheitlichem Aspekt zu empfehlen ist.

Die Hochatmung, bei der die Schultern hochgezogen werden, ist ungesund und uneffektiv. Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell. Der Brustraum wird dadurch vergrößert, der Bauchraum verkleinert. Die Schultern bewegen sich dabei kaum. Die Bauchdecke wird von den Organen im Bauchraum nach außen gedrückt, so dass der Bauch während des Einatmens nach vorne kommt. Man hat dabei das Gefühl, als weite sich die gesamte Körpermitte. Auch unter den letzten Rippen soll eine Weitung spürbar werden, wobei auch die Wirbelsäule etwas nach außen nachgibt. Die Lunge macht diese Erweiterung des Brustraumes passiv mit, dehnt sich aus und saugt Luft an. Die Einatmung sollte lautlos geschehen! Atme unsichtbar und unhörbar, dann atmest Du richtig! Diese etwas vereinfacht

formulierte Regel sollte jeder beherzigen. Beim Ausatmen strömt die verbrauchte Luft aus der Lunge heraus. Das Zwerchfell entspannt sich und die Bauchorgane gehen wieder in ihre Ausgangslage zurück. Wichtig ist, dass der obere Teil des Brustkastens dabei unverändert bleibt. Das Brustbein sollte nicht abwärts sinken. Auch die Schultern bewegen sich nicht. Der dritte Abschnitt der Atmung ist die Ruhephase, in der das Zwerchfell quasi wieder Kraft sammelt für die nächste Einatmung. Lässt man ihm diese Zeit nicht, kommt es mit der Zeit zu Verkrampfungen, die eine normale Atmung unmöglich machen.

Abschließend sei noch der Begriff "Zwerchfell" geklärt: Das Zwerchfell ist der für die Atmung wichtigste Muskel. Die Muskelsehnenplatte liegt quer (=zwerch, althochdt. "thwerh" =quer) im Körper und trennt Brustund Bauchraum voneinander. Das Zwerchfell hat zwei Kuppeln, ist vorne an den drei untersten Rippen befestigt und hat eine Verankerung am Rücken. Dort reicht es bis zum vierten Lendenwirbel hinunter.

Über die Atmung (Teil 2) Durch richtige Haltung zu richtiger Atmung

Die richtige Atmung wird erst durch die richtige Haltung ermöglicht, denn die Form der Wirbelsäule bestimmt die Stellung des
Brustkorbs und beeinflußt die Arbeit des Zwerchfells. Gute Atmung ist nicht nur zum Singen wichtig, sondern trägt in hohem Maße zur Gesunderhaltung bei. So hat die Atmung, wenn sie denn richtig funktioniert, einen heilsamen Einfluß auf die Herzkranzgefäße ebenso, wie auf die Bauchorgane (wegen der Massage durch die Zwerchfellbewegungen) und die Nerven.
Je besser die Atmung abläuft, desto mehr wird das Herz entlastet! Die Atmung kann aber nur richtig ablaufen, wenn wir großen Wert auf unsere KörperhaltungKörperhaltung legen. Das gilt beim Singen natürlich sowohl für die Haltung beim Stehen, als auch beim Sitzen.

Beim Stehen stellen sie sich bewußt auf beide Fußsohlen und stellen sich vor, sie balancierten ein Gefäß mit Wasser auf dem Kopf. Das bewirkt eine gerade Körperhaltung. Ganz nebenbei wird auch noch ihre Ausstrahlung verbessert, denn ein
Mensch, der gerade, vielleicht etwas majestätisch, auf der Bühne steht, wirkt überzeugend und selbstbewußt. Achten sie beim Stehen darauf, daß die Füße etwa hüftbreit auseinanderstehen und die Knie nicht steif sind, sondern entspannt und
elastisch, so daß sie jederzeit in den Knien federn könnten. Beim Sitzen sollten sie immer darauf achten, daß sie auf der Stuhlkante sitzen und der Rücken nicht an der Stuhllehne anliegt. Sitzen sie auf ihren "Sitzhöckern"! Die Fußsohlen sollte auch hier, wie beim Stehen, hüftbreit auseinander auf dem Boden stehen, so daß sie jederzeit aus dieser Sitzposition aufstehen könnten.

Verboten: Beine übereinanderschlagen! Arme vor der Brust verschränken! Diese aktive Sitzhaltung sollten sie übrigens nur einnehmen während sie singen. Wird in der Chorprobe mit einer anderen Stimme gesungen, entspannen sie sich bewußt und wechseln sie in eine eher passive Sitzhaltung. Wenn sie mit Notenblatt singen, halten sie es so, daß der Kopf in seiner natürlichen Position bleiben kann. Sie sollten den Kopf weder heben noch senken müssen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Atmung
BeitragVerfasst: 12.04.2008, 12:32 
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Atemübungen zu Hause
Allgemeines


Wenn möglich sollte die Einatmung durch die Nase geschehen, da dies wegen der Erwärmung und Filterung der Luft gesünder ist. Leider braucht die Atmung durch die Nase beim Singen zu viel Zeit, so dass es beim Singen oft nötig ist, durch Mund und Nase gleichzeitig zu atmen. Atmen sollte weder hörbar noch sichtbar sein. Die folgenden Übungen sollen im Stehen ausgeführt werden, weil so die Körpermitte besser zu aktivieren ist.

Übung 1 ( dem Atem nachspüren)
Hände am unteren Brustkorb anlegen. Die Hände gehen beim Einatmen und beim Ausatmen weich mit. Spüren Sie, wie derAtem weitet (Einatmung) und zusammenzieht (Ausatmung)

Übung 2Hände in die Taille legen und nachspüren, wie sich bei tiefer Einatmung die Flanken (Seiten) dehnen. Bei der Ausatmung gehen die Flanken wieder in die Ausgangslage zurück.

Übung 3 (Aktivierung der gesamten Atemmuskulatur)
Den Atem möglichst schnell und kraftvoll durch den Mund ausblasen. Dabei sollte die Kehle weit geöffnet sein (gähnen),die
Mundöffnung dem O angenähert und die Lippen ein wenig vorgewölbt sein. Nach dem Ausblasen warten, bis ganz von selbst Lufthunger entsteht und der Atem von selbst einfließt. Diese Einströmen des Atems ist ein passiver Vorgang.
Mehrmals wiederholen!

Übung 4 (ruhige Atemführung)
Möglichst durch die Nase einatmen, dann die Luft mit leichtem, gleichmäßigem Blasen abgeben, wie beim Kühlen einer Suppe oder beim Anblasen eines Windrades. Wichtig ist, dass der Atem sehr gleichmäßig fließt und der Brustkasten hochgestellt bleibt, nicht in sich zusammenfällt. Mehrmals wiederholen!

Übung 5 (Tiefführen des Atems)
Stellen Sie sich vor, auf Ihrem Handrücken befindet sich ein ungemein gut duftendes Parfum. Schnuppern Sie daran. Mit der
anderen Hand kontrollieren Sie, wie sich Ihre Flanken weiten. Die Luft fließt tief in die Körpermitte hinein. Mehrmals wiederholen!

Übung 6(Intensivierung der Zwerchfellarbeit)
Blasen Sie die Luft kräftig aus, halten Sie dann mit einem Finger ein Nasenloch zu und lassen Sie durch das andere Nasenloch die Atemluft einfließen. So spüren Sie die Saugbewegung des Zwerchfells sehr stark, weil es sich viel mehr anstrengen muß, um die gleiche Luftmenge einzuholen.
Blasen Sie dann die Luft wieder aus und wechseln Sie das Nasenloch.

Übung 7 (Weitung der Resonanzräume)

Atmen Sie kräftig aus, warten Sie bis der Atem von selbst wieder einfließt und spüren Sie dabei bewußt ein Gefühl der Weite, imOberkörper, im Hals und im Kopf.Die Vorstellung des Staunens ist
hierbei recht hilfreich.

Übung 8 (Training des Atemreflexes)
Sprechen Sie ß- sch- ß-sch ...........und spannen Sie nach jedem Laut kurz ab. Diese Übung sollten Sie auch mit t- t- t- machen. Bleiben Sie dabei ganz locker und geben Sie die Impulse von der Körpermitte her. Bei jeder Abspannung fließt ganz von selbst etwas Atemluft ein, was Sie aber nicht spüren. Die Übung muß lange fortgesetzt werden können, ohne daß ein Gefühl von Atemknappheit
auftritt. Als nächsten Schritt sollten Sie diese Übung dynamisch schattieren. Fangen Sie piano an, crescendieren Sie dann die Laute und gehen Sie wieder in's piano zurück. Achten Sie darauf, daß die Kraft von der Körpermitte her kommt und nicht durch übertriebenen Druck auf die Kehle.

Übung 9 (ruhige Atemführung)
Atmen Sie zunächst kräftig aus und warten Sie bis der Atem von selbst einfließt. Danach lassen Sie die Luft auf s (oder sch, f, w) ruhig fließen (ausatmen). Achten Sie dabei auf die Ruhe der Atemführung. Der Laut sollte nicht flackern. Die Kehle muß dabei völlig frei und entspannt sein. Der Laut und die Luft werden von der Körpermitte her gesteuert (gestützt). Achten Sie darauf, daß die Körpermitte lange breit bleibt.

Übung 10
Auf einem stimmlosen s, sch oder f den Atem fließen lassen und dabei ein Lied rhythmisieren. Dabei darf die Kehle nicht belastet werden, die Rhythmisierung muß vom Zwerchfell ausgehen.

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