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 Betreff des Beitrags: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 12.04.2008, 12:35 
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Stimmbildung im Chor von Claudia Rübben-Laux, Chordirektorin FDB, Dozentin für
Stimmbildung und Mitglied des Musikausschusses des Sängerbundes NRW, Sopranistin.

Diese Beitragsserie ist entnommen aus "Chor live", Fachzeitschrift für das Singen, Chor Verband NRW
Das Gesangsinstrument
1. Der Kehlkopf
Die menschliche Stimme entsteht durch ein kompliziertes Zusammenwirken verschiedener Organtätigkeiten; ein "Stimmorgan" im eigentlichen Sinne, wie z.B. das Auge ein "Sehorgan" ist, gibt es nicht. In einem übertragenen Sinne hat man den Kehlkopf jedoch Stimmorgan genannt. Die primäre und ursprüngliche Funktion des Kehlkopfes ist es, zu verhindern, dass Speisebrei in die unteren Luftwege überfließt, denn in entwicklungsgeschichtlicher Betrachtung sind sämtliche für die Lautgebung, das Sprechen und das Singen benutzte Organe nicht von vornherein für diesen Zweck angelegt worden. Der Kehlkopf gehört zum Atemtrakt. Sein Skelett setzt sich aus einem beweglichen Knorpelgerüst zusammen ( Schildknorpel, Ringknorpel, zwei Stellknorpel), in das die Stimmlippen eingebettet sind. Nach oben hin wird der Kehlkopf beim Schlucken durchden Kehldeckel verschlossen, begrenzt also die Luftröhre . Er wird durch Bänder gehalten, durch Muskeln bewegt und ist im ganzen in Fortsetzung der Luftröhrenschleimhaut mit einer gleichen Schleimhaut ausgekleidet. Der Kehlkopf ist am Zungenbein aufgehängt und in ein kompliziertes System meist paariger Muskeln eingespannt, den sog. Einhängemechanismus. Diese Muskeln können den Kehlkopf nach oben und unten bewegen (Heber und Senker), aber auch vorwärts und rückwärts. Die Kehle sinkt beim Gähnen und bei der Ausatmung, bei der Einatmung und beim Schlucken steigt sie. Bei ungeübten Stimmen steigt die Kehle auch bei hohen Tönen und den verschiedenen Vokalen (besonders beim i).

Jede Bewegung des Kehlkopfes verändert das Ansatzrohr und beeinflußt dadurch das Klangprodukt. Darum ist es so wichtig, dass die Kehle beim Singen möglichst ruhig bleibt und tiefgestellt. Am besten erreicht man dies durch ein zwangloses Weitegefühl, wie es sich bei der Vorstellung des Erstauntseins einstellt. Die ruhige Kehle wird durch die Ruhe des Brustbeins und des oberen Brustkorbs unterstützt und ist natürlich abhängig von einer ruhigen und richtigen Atemführung.Übungen zu Ruhigstellung der Kehle:

1. Übungen, die die Wirbelsäule strecken und so den Brustkorb ruhig hochstellen und zu einer richtigen Kopfhaltung führen
2. Übungen zur ruhigen Atemführung
3.Weiten des Ansatzrohres (z.B. Erstauntsein, )
4. Vokalarbeit vom u aus angehen und die Weite auch auf die anderen Vokale übertragen.

Die Stimmlippen
Die Stimmlippen sind verantwortlich für das Geschrei eines Babys, für die fast unbezahlbaren Töne eines Luciano Pavarotti
aber auch für alle Laute, die wir als Chorsänger und Chorsängerin produzieren.Auch das, was wir Sprache nennen, verdanken wir diesem schwingenden Muskelund Bindegewebe. Wenn Sie den Artikel bis hierher laut gelesen haben, hat in Ihrem Hals ein kleines Wunder stattgefunden. Bewirkt haben dieses Wunder die Stimmlippen, die in Ihrem Kehlkopf arbeiten.

Die Stimmlippen bestehen zu einem Drittel´aus Muskel- und Bindegewebe und zu einem Drittel im vorderen Teil aus
elastischem Bindegewebe, den Stimmbändern. Bei jedem Atemzug öffnen sich die Stimmlippen, und die Stimmritze (Glottis)
wird sichtbar. Bei der Tonbildung, ob nun gesprochen oder gesungen, bewegen sich die Stimmlippen aufeinander zu und die
Stimmritze schließt sich. Je enger dieStimmlippen zusammenrücken, um so besser wird der Stimmbandschluss, um so größer wird der Tonkern eines Klanges. Die Länge der Stimmlippen und die Weite der Stimmritze hängen von der Tonhöhe ab. Bei tiefen Tönen sind die Stimmlippen wenig gespannt, mit steigender Tonhöhe strecken sich die Stimmlippen und spannen sich stärker an. Das beansprucht die Muskeln besonders. In der Pubertät verändern sich die Stimmlippen, sie werden länger und dicker. Dadurch ändert sich der Ton. Die Stimme von Jungen sinkt um etwa eine Oktave, die von Mädchen um eine Terz. Schließen die Stimmlippen nicht, so ist dies an einer Überluftung des Tones zu hören. Der Klang hat keinen festen Tonkern und klingt überhaucht. Wichtig ist, die Ursache dieses Mangels festzustellen und die Stimme zu therapieren, um größere Schäden im Stimmapparat zu vermeiden, denn die Überluftung bewirkt eine dauernde Reizung der Stimmlippen.

Durch eine stärkere Sekretbildung muss man sich öfter Räuspern, was der Stimme auf Dauer großen Schaden zufügt. Wenn
Übungen für einen guten Stimmbandschluss keine Besserung bringen, sollte ein guter Stimmarzt oder Logopäde aufgesucht
werden. Bei fehlendem Stimmbandschluss
ist meistens das Zwerchfell zu wenig trainiert, deshalb machen Sie zunächst Übungen für einen guten Atemreflex:

1. ss, sch, ss, sch.......hintereinander sprechen mit kurzem Abspannen hinter jedem Laut. Dabei locker sein und federnde
Impulse von der Körpermitte her geben. Die Übung muss lange fortgesetzt werden können, ohne dass man in Luftnot gerät,
weil bei jedem Abspannen reflektorischAtemluft einfließt.
2. T, t, t, ................sprechen, dabei gilt dasselbe wir bei Übung 1.
3. Alle Übungen mit leichtem Staccato auf verschiedenen Vokalen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 12:24 
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Vielen Dank für die sehr wertvollen und höchst interessanten Beiträge, auch in den anderen Abteilungen, verehrte musika! -

Insieme per la grande musica!

vox clara :luftballon


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 12:36 
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Hallo vox clara,

die Serie der Beiträge wird fortgesetzt, immer vierteljählich. Ich finde sie auch sehr gut, da es sich auch mit meiner Praxis im Unterricht deckt. Kein Wunder, die Autorin ist eine liebe Kollegin von mir, die mir das "rollende R" beigebracht hat. Wir haben viele schöne Konzerte zusammen gesungen.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 12:52 
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Hallo,

ich habe mir bis jetzt noch nicht die Zeit gegönnt alle interessanten Beiträge durchzulesen, aber ich werde sie mir ausdrucken.

Was ich bis jetzt gelesen habe hat sich aber sehr mit Musikas bzw. den Aussagen/Technik meiner GL gedeckt. Ich finde es sehr interessant und nun schriftlich festgehalten ist es noch besser zum nachlesen....

Ohh und es kommen immer noch weitere Beiträge, welch ein Service!!


Liebe Grüsse
Chero


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 14:41 
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Hallo,

wer interessiert ist, dem schicke ich gerne die bisher eingetragenen Beiträge als pdf Datei.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 14:44 
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Aha! - Das rollende "R"! - Wie ist es möglich, ein rollendes "R" nicht aussprechen zu können? - Ich weiß, dass diese Frage nicht zu beantworten ist. - Kein Problem für mich, als Tochter eines Italieners! - Für Sänger unerlässlich, aussprechen zu können. -

Cantiamo insieme!

vox clara :hund


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 15:42 
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Liebe musika, auch ich möchte für die interessanten Beiträge danken. So etwas finde ich ganz toll. Ich habe sie mir alle ausgedruckt.
Grüße dalila


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 18:30 
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vox clara hat geschrieben:
Aha! - Das rollende "R"! - Wie ist es möglich, ein rollendes "R" nicht aussprechen zu können?
vox clara :hund



Hallo,

du weißt ich komme aus dem Saarland und dort wird das "R" nicht, bis auf einen kleinen saarl. Bereich (Schmelz), gerollt. Es viel mir sehr schwer und ich konnte es auch absolut nicht. Ich mußte es mit viel viel Übung und noch mehr Geduld erlernen und üben.

Dann kam der Zeitpunkt, wo ich es konnte aber mich im Gesang nicht anzuwenden traute. Es klang komisch für mich und ich fühlte mich unwohl. Heute ist es so, daß ich beim Gesang mir wirklich klar machen muß und auch üben muß das "R" zu rollen. Es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit für mich, komisch aber wahr.

Ja ja so kann es einem gehen, der nicht mit einem gerollten "R" in der Wiege groß geworden ist. Ach so ich habe es durch "der Pedinz von Pedeusen gelernt" zu erst langsam und dann immer schnellen, irgendwann kommt dann "der Prinz von Preusen" raus. :n171:


Viele Grüsse
Chero


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Gesangsinstrument
BeitragVerfasst: 13.04.2008, 20:05 
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Dieser Beitrag ist von Joachim geschrieben, ich musste ihn dort, wo er ihn reingestellt hat, rausnehmen.


Hallo Musika,
ein sehr beachtlicher Beitrag über Kastraten. Wie du ja weißt, beschäftigen mich die Kastraten auch sehr. Du kennst ja meine Geschichte vom Kastraten Valentino.
Es war ein verhängnisvoller, fataler Irrtum der Kath. Kirche, die dazu führte, dass junge Burschen, meistens aus armen Familien kastriert und verstümmelt wurden, um Gesangsmaschinen zu züchten.
Die Kirche hat nämlich, den Brief von Paulus an die Korinther, das Frauen in der Kirche zu schweigen haben: "Mulier tacetat in ecclesia!", als generelles Schweigeverbot der Frauen ausgelegt. Paulus meinte aber nur, das die Frauen als Prediger in der Kirche schweigen sollen.
Die hohen Frauenstimmen hätten somit weiter von Frauen gesungen werden dürfen! Du hast richtig erwähnt, dass die Kastration bis ins 19. Jahrhundert, mit verheerenden weiter ging.
Nur wenige erreichten den sängerrischen Olymp, eines Farinelli, Consoli, Ceccarelli, Rauzzini um nur einige zu nennen.
Das ganze geschah ja auch geheim, und so ist eine sehr große Dunkelziffer zu beklagen!
Viele Grüße
Joachim

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