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 Betreff des Beitrags: Akustik
BeitragVerfasst: 06.11.2006, 14:54 
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Hallo,

welche Erfahrungen habt ihr in Kirchen mit Überakustik gemacht? Welche Literatur sollte man tunlichst vermeiden bei Überakustik?

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 06.11.2006, 19:18 
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- In Kirchen mit langem Nachhall kommt es vor, dass sich schnelle Stuecke, ich meine Koloratueren "nuff un nunner" ueberschlagen und der Nachklang vom 1. Ton noch durch die Kirche klingt wenn man schon beim 20. ist, die anderen 19 schwirren auch irgendwo herum.
- Organisten neigen in solchen Kirchen dazu, die Gemeindechoraele noch langsamer bzw. immer langsamer werdend zu spielen, da die Gemeinde nicht ausmachen kann, welcher Ton denn gerade "dran" ist. Und schleppt der Organist nicht, so gewiss die Gemeinde.
- Es haengt auch sehr vom Standort in der Kirche ab. Das Abnehmen von Toenen aus dem Orchester kann extrem schwierig werden, wenn man nicht dicht bei dem gerade tongebenden Instrument steht.

Solche Kirchen haben aber auch Vorteile: die kleinste pipsigste Kirchenmaus klingt dort wie Pavaroti..... :n86:

Robin


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BeitragVerfasst: 06.11.2006, 19:33 
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Eins vorweg: Seid ihr sicher, dass das Thema explizit unter "Chor" gehört?

Naja, das hatten wir im Ensemble ja zuweilen und ich stimme zu, dass speziell Aufnahmen der Soli der leichteren Stimmen am besten und klarsten klangen und am schaurigsten die der großen Soli - Ensembles.

Was man da vermeiden sollte, sind natürlich Verdi´sche Schlacht-, Triumpf-, und Hexengesänge, aber das gehört ja sowieso nicht in die Kirche. :grin: :pfeif:

Andererseits macht es Sinn, die Tempi zu verzögern, damit Nachhall und neuer Ton fein säuberlich getrennt bleiben.

Angenehm ist wiederum, dass es auch mit "halbem" Stimmband trägt. Das macht entspannter.

LG,
dola


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BeitragVerfasst: 06.11.2006, 20:32 
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Wir haben am di und mi das Requiem und das Te Deum in zwei verschiedenen Kirchen gesungen. Die Erste hatte so extrem viel Hall, dass ich nur mich gehört habe (das auch noch schlecht) und das Kommunizieren zwischen den vier Stimmen + Orchester wirklich sehr schwer gefallen ist, weil man einfach nichts gehört hat. Ich habe den Sopran nicht gehört und konnte mich nur auf mich selbst und die Sängerinnen direkt neben mir verlassen. Die zweite Kirche war neuer und mit bedeutend weniger Hall, so dass dieses Konzert viel besser gelungen war - ich konnte wenigstens den Sopran hören, aber eigentlich auch die anderen Stimmen und das Orchester.
Mir persönlich fällt es sehr schwer mit so einem starken Hall zu singen, weil ich unbedingt meine Stimme und meine Eigene hören muss!

LG Leila


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BeitragVerfasst: 08.11.2006, 01:57 
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Hm, unter "Chor" können ja eigentlich nur die Dirigenten und Chorleiter angesprochen sein, denn sie bestimmen, was in welcher Akustik wie machbar ist.... Unser Stamm-Konzertlokal ist ein gotisches Münster mit entsprechend langem Nachhall, das setzt IMHO Grenzen bei den Tempi von Fugen, Koloraturstücken, usw - an die sich nicht jeder Dirigent hält. Ich habe mich auch schon oft geärgert, dass differenzierte Details verloren gingen. Andererseits ist es unbestreitbar, dass auch scharfe flache Stimmeinsätze im Sopran und Tenor wunderbar gerundet werden, also der Wohlklang auf Kosten der Präzision gewinnt. Interessant sind daher auch unsere von einem Tonstudio erstellten Live-Mitschnitte, bei denen sowohl Direktklang wie Akustik eingefangen werden.

Als mittlerweile sehr erfahrene Chorsängerin muss ich sagen, dass ich mich immer noch jedes Jahr neu an die Akustik gewöhnen muss, obwohl das über Körpergefühl und Sichtkontakt viel schneller geht als damals, als ich fast nur " übers Ohr" gesungen habe. Auch als Zuhörerin bin ich im Münster die ersten Minuten immer sehr irritiert, bis ich mich darauf eingestellt habe. Danach ist es wunderschön. Der Konzertsaal des hiesigen Symphonieorchesters (in dem auch unser Chor gelegentlich singt) ist ganz anders in der Akustik, kristallklar und unbarmherzig gegenüber Intonationsschwächen oder flacher Tongebung. In der halligen Kirche wird Dramatik über massiven Stimm- oder Klangeinsatz eher abgeschwächt. Was hingegen hervorragend zum Tragen kommt (das bemerke ich bei den Soli immer wieder) ist Dramatik über Zurücknahme, Differenzierung und Textdeutlichkeit. Auch im Chor- und Orchestertutti geht nichts über ein intensives Pianissimo eines mächtigen Klangkörpers, da kann man oft Stecknadeln fallen hören. Dieser Effekt ist in einem neutraleren Saal oft schwerer zu erreichen. Gesangstechnisch/musikalisch fällt mir auf, dass in halligen Kirchen die dynamische und rhythmische Präzision besser sein muss um durchzukommen, die rein klanglichen Aspekte aber eher geschönt werden.


Gruss
lucicare :Sonne


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BeitragVerfasst: 08.11.2006, 14:04 
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Hallo Lucicare,

habe das Thema eigentlich nicht für Chor eröffnet, obwohl es ihn auch betrifft.

Da ich keine anderen Foren überdecken wollte, habe ich es hier unter Chor reingestellt.

Natürlich ist es für Solisten besonders wichtig.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 08.11.2006, 21:48 
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Zu dem Thema kann ich als Zuhörer, Chormitglied und Solistin was sagen :lol:

Als Zuhörer war mein "Schockerlebnis" Bachs H-Moll-Messe im Mainzer Dom - die Hölle. Man wurde von einem Klangteppich überrollt, der nur noch schwer als Bachsche Komposition zu erkennen war.
Ich denke, es ist für Dirigenten wirklich sehr schwer, die richtige Balance in solchen Räumen zu finden. Schnell geht nicht, weil sich dann der Klang überschlägt, langsam wird vielleicht schnell langweilig. Ich denke, ein guter Dirigent kann in allen Räumen das Beste aus Stücken herausholen. Ich durfte z.B. eine Johannes-Passion in eine solch halligen Kirche erleben, die trotz zurückgenommenem Tempo irrsinnig spannend war.

Als Chormitglied habe ich festgestellt, dass Räume mit viel Nachhall zwingend eine aufmerksames Verfolgen des Dirigenten erfordern (nein, das ist nicht für alle Chorsänger selbstverständlich) und man am besten die Ohren ausschaltet, um eben nicht auf den Klang im Raum zu achten.

Als Solistin liebe ich solche Räume, da man wunderbare Effekte mit lang nachklingenden Räumen erzielen kann. "Es ist vollbracht" ist wie geschaffen für einen langen Nachhall und den Vivace-Teil kann man dann auch etwas gemütlicher angehen ( ;-) ).

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 26.11.2006, 16:35 
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Hier eine Erfahrung von heute taufrisch:
unser Vokalensemble hat heute morgen eine Messe zum Andenken an General de Gaulle gesungen, in seiner Taufkirche in Lille.
Sehr gut bezahlt, da nimmt man einiges in Kauf.
Aber das war echt der Hammer: zum einen handelte es sich um eine hochptriotische Veranstaltung. Vor dem Altar ein Riesenphoto de Gaulles, mit Unmengen Trikolorefahnen überall in der Kirche. Ein militärischer Aufmarsch fahnenschwenkender Veteranen, die dann am ende noch das Partisanenlied zum Besten gaben, in dem es auch eine Zeile gibt , die das fliessende Blut der Feinde(sprich uns Deutscher) beschwört: in der Kirche!!!
Ich habe meine Chorkollegen gefragt, ob ich durch die Sakristei fliehen solle, aber sie haben geschworen, niemandem meine Identität zu verraten, ausserdem sei ich als legitime Gattin eines echten Enfant de la patrie vor dem Schlimmsten geschützt ..... ;-)
Dann die Akustik: die Kirche war SEHR lang, die Orgel ganz hinten oben und wir standen im Chorraum vorne, der wiederum recht weit von der Gemeinde entfernt war.
Beim Gloria von Vivaldi war die Orgel mindestens einen halben Takt hinter uns, man hat sich NULL verständigen können. gottseidank ist unser Chef ein äusserst musikalischer und cleverer Mensch und hat uns dann gebremst-es klang für uns Sänger SEHR seltsam, aber kam wohl bei den Leuten richtgi an.
Dann: kompletter Stromausfall, während wir gerade das wunderbare Cantique von Fauré inbrünstigst sangen. Keine Orgel mehr, kein Licht , nix. :roll:
Unser Chef hat einfach weiter dirigiert und es lief dann a capella, er hat uns sogar die Pausen , wo eigentlcih Orgel spielen sollte, gesummt.
Dann sollte "Jesu bleibet meine Freude" kommen,(wo ich den Franzosen so gerne mal wieder richtig gezeigt hätte, dass ein echter deutscher Komponist auc heine Fahne verdient hat!) aber das ging nun absolut nciht ohne Instrument, so haben wir aus dem Stehgreif a capella "Alter Trinità beata" gemacht, was wir eh auswendig können, weil wir das ganz oft zum Auftakt bei Konzerten singen, während wir uns von hinten kommen vorne im Chorraum aufstellen.
Das Halleluja von Händel haben wir dann frech a capella gemacht, echten militärischen Applaus bekommen und sind nur ieinen Viertelton(laut Chef!) abgesackt!
Mit solchen Umständen als Chor zu überleben: das hârtet wirklich ab!
Patriotische Grüsse mit scharz-rot-goldener Flagge von Canti! :hearts: :n87:


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BeitragVerfasst: 27.11.2006, 20:13 
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Gratuliere, Canti, da muss man ja echt Nerven wie Stahlseile haben ;-)
Ja, das mit der Akustik ist immer so eine Sache. Wir haben mit unserem Ensemble bei der diesjährigen Langen Nacht der Museen in einer Kirche gesungen, die von der Akustik her SEHR gewöhnungsbedürftig war. Wir waren bei der Generalprobe erstmal total irritiert. Der Hall war extrem stark und "langsam", und wir hatten das Gefühl, uns gegenseitig überhaupt nicht zu hören. Wir haben dann mit verschiedenen Aufstellungen herumexperimentiert, aber nichts half. Ein paar recht schnelle Stücke haben wir halt gestrichen, weil das total verwaschen geklungen hätte, aber wir hatten eh noch genügend andere vorbereitet. Allerdings hatten wir uns bis zum Auftritt dann halbwegs an die Akustik gewöhnt, sodass es trotzdem super lief. Aber ein Schock wars erstmal schon ;-)
Musika, warum sollten solche Probleme für Solisten wichtiger sein als für Chorsänger?


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