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 Betreff des Beitrags: Musiker auf der Grenze
BeitragVerfasst: 25.01.2016, 14:41 
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Ich möchte hier mal einen Beitrag aus der Sicht unseres Pianisten Gerhard Schroth einstellen, der unsere Sänger jahrelang in Konzerten und Workshops begleitet hat.

Musiker auf der Grenze
Sie leben nicht davon, doch sie leisten Beachtliches


Zwischen den professionellen Musikern und den Liebhabern hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Zwischengruppe herausgebildet, die weder in die eine noch in die andere Gruppe passt. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt nicht von dieser Tätigkeit, aber sie musizieren auf einem Niveau, das oftmals an das von Berufsmusikern heranreicht, so hoch auch der Anspruch ist, der an letztere gestellt wird. Dies lässt sich im Bereich der (Kammer-)Chöre wie auch in vergleichbaren Instrumentalensembles beobachten. Oft ist die Grenze nur schwer auszumachen, wie mehrfach ein Frankfurter Wettbewerb für Laienmusiker ergab: Ist eine Sängerin mit klassischer Ausbildung als Laie einzustufen, nur weil sie mittlerweile Ehefrau und Mutter wurde und nur sporadisch auftritt?

Wie auch immer, entscheidend ist die Lebensqualität, die der aktive Umgang mit Musik für einen Erwachsenen bringen kann, umso leichter, wenn nicht die Existenz von der erfolgreichen Aufführung abhängt. Wie viele haben sich in ihrer Jugend gewünscht, ein Instrument zu spielen, oft taucht dieser Wunsch wieder auf, wenn eigene Kinder problemlos eine derartige Möglichkeit erhalten, manchmal ohne sie recht zu würdigen. Eine andere Situation tritt ein, wenn das Ausscheiden aus dem Beruf plötzlich Freiräume öffnet; ein Aspekt, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Eine lange Tradition hat die Pflege in Chören, vom ländlichen Gesangverein bis zum Oratorienchor; hier bietet das Kollektiv dem Einzelnen Schutz und Deckung. Anders sieht dies beim Sologesang aus, hier geht es nicht ohne eine langjährige systematische Schulung. Doch dann taucht das nächste Problem auf: Wo finden sich angemessene Auftrittsmöglichkeiten? Gewiss bieten sich Gelegenheiten im kirchlichen Rahmen, bei Chorkonzerten oder literarischen Veranstaltungen. Doch verlangt dies ein Netzwerk an Kontakten, wenn die Auftritte nicht allzu selten werden sollen. Hier sann eine ehemalige Sängerin auf Abhilfe. 13 Jahre ist es her, dass Erika Sommer einen lockeren Verbund von Sängern begründete, die sich regelmäßig zu Arbeitstagen oder Konzerten treffen. Die modernen Medien machen es möglich, dass man sich über große Entfernungen hinweg unter dem Motto „Bel-Voce Ensemble“ hinweg zu gemeinsamen Projekten vereinigt. Auszuräumen ist hier ein naheliegendes Missverständnis: der Begriff „Ensemble“ meint nicht einen Chor sondern eine Vereinigung von Solisten, die sich allenfalls gelegentlich zu Duetten oder größeren Ensembles zusammenfinden, in der Regel aber solistisch auftreten. In den vergangenen Jahren kamen eine stattliche Reihe erfolgreicher Veranstaltungen zusammen, wie Konzerte in vielen großen Städten und im Ausland oder Arbeitswochen/Workshops belegen. Darüber hinaus bietet das Ensemble seinen Mitgliedern vielfältige Unterstützung für Fragen zum Repertoire, zur Präsentation auf dem Podium oder auch bei der Vermittlung geeigneter Gesangspartner.

Angesichts derartiger eindeutiger Erfolge ist es erstaunlich, dass diese einzigartige Initiative noch immer nicht die Förderung erfährt, die sie zweifellos verdient. Was die Leiterin fast täglich an Zeit und Energie aufwendet, um die einzelnen Veranstaltungen zu organisieren, geeignete Räumlichkeiten und Instrumente, Dozenten und Teilnehmer zu finden, lässt sich ohnedies nicht in Euro und Cent aufrechnen. Hätte sie das Gleiche in einem städtischen Rahmen geleistet, so wäre sie längst mit dem Kulturpreis oder der Ehrenbürgerschaft ihrer Gemeinde ausgezeichnet worden. Doch über viele Hunderte von Kilometern verpufft die Wirkung. Es gibt so viele Kulturförderungen. Doch wer schlägt sie für eine Maßnahme vor? Viele Mitglieder sind dankbar für die Möglichkeit, in attraktivem Rahmen aufzutreten. Aber sie können (und wollen?) nichts dazu beitragen, dass dieses Angebot bekannter wird. Bisher spielt sich alles in einer verkehrten Welt ab. Schließlich darf es nicht heißen „Was kostet es, wenn wir hier auftreten?“ sondern „Was ist es Ihnen wert, wenn wir in Ihr Haus ein attraktives Konzert bringen?) Erst vor kurzem gestaltete das Ensemble ein ansprechendes Konzert in einer oberbayrischen Kirche - als Benefizkonzert! Wer aber sammelt für die Kosten des Ensembles: die Reisespesen, den Pianisten usw.?

Quelle:Gerhard Schroth

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musica
bel-voce-gesangssolisten







Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Musiker auf der Grenze
BeitragVerfasst: 27.01.2016, 12:10 
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 Betreff des Beitrags: Re: Musiker auf der Grenze
BeitragVerfasst: 28.01.2016, 21:10 
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Von dem Titel habe ich zwar etwas anderen Inhalt erwartet - nicht desto trotz kann ich jedes Wort von Gerhard zustimmen. Wir sind zwischen den beiden Welten, wir leisten Beachtliches auch, wenn unser technisches Niveau nie die eines Berufssängers erreichen kann. Auch die Übung, die Berufssänger durch tägliche Training in Kürze erreichen, dauert uns mehrerere Jahre, je nach dem, wie viel Zeit und Geld wir in unsere Ausbildung investieren. Wenn man mich nach meiner Hobby fragt, sage ich Tanzen, Lesen oder Bergwandern aber niemals Singen. Singen ist für mich mehr als Hobby - es ist eine Leidenschaft, der mich in Balance hält, mehr als alle meine Hobbies zusammen. Ich kann mein Leben nicht ohne Singen vorstellen. Ohne Singen gibt es nur noch Leere. Und das wirklich Interessante ist, von Berufsmusikern hört man solche Aussagen eher selten: für denen ist Singen, Musizieren ein Job. So wie für mich mein Büro-Arbeit. Sie müssen oft Parties einstudieren, die sie nicht mögen. Ich darf mein Repertoir auswählen, Arien lernen, die mir gefallen, mich in Genres ausprobieren, auf die ich Lust habe. Und das ist nur ein Aspekt.
Auf jeden Fall genieße ich, dass ich kein Berufssängerin bin.

_________________
It's the possibility of having a dream come true that makes life interesting. (Paulo Coelho, The Alchimist)


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 Betreff des Beitrags: Re: Musiker auf der Grenze
BeitragVerfasst: 10.03.2017, 22:54 
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Diesen Artikel möchte ich nochmal hervorheben, er passt ganz gut zu einigen aktuellen Beiträgen.

Ich möchte hier mal einen Beitrag aus der Sicht unseres Pianisten Gerhard Schroth einstellen, der unsere Sänger jahrelang in Konzerten und Workshops begleitet hat.

Musiker auf der Grenze
Sie leben nicht davon, doch sie leisten Beachtliches


Zwischen den professionellen Musikern und den Liebhabern hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Zwischengruppe herausgebildet, die weder in die eine noch in die andere Gruppe passt. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt nicht von dieser Tätigkeit, aber sie musizieren auf einem Niveau, das oftmals an das von Berufsmusikern heranreicht, so hoch auch der Anspruch ist, der an letztere gestellt wird. Dies lässt sich im Bereich der (Kammer-)Chöre wie auch in vergleichbaren Instrumentalensembles beobachten. Oft ist die Grenze nur schwer auszumachen, wie mehrfach ein Frankfurter Wettbewerb für Laienmusiker ergab: Ist eine Sängerin mit klassischer Ausbildung als Laie einzustufen, nur weil sie mittlerweile Ehefrau und Mutter wurde und nur sporadisch auftritt?

Wie auch immer, entscheidend ist die Lebensqualität, die der aktive Umgang mit Musik für einen Erwachsenen bringen kann, umso leichter, wenn nicht die Existenz von der erfolgreichen Aufführung abhängt. Wie viele haben sich in ihrer Jugend gewünscht, ein Instrument zu spielen, oft taucht dieser Wunsch wieder auf, wenn eigene Kinder problemlos eine derartige Möglichkeit erhalten, manchmal ohne sie recht zu würdigen. Eine andere Situation tritt ein, wenn das Ausscheiden aus dem Beruf plötzlich Freiräume öffnet; ein Aspekt, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Eine lange Tradition hat die Pflege in Chören, vom ländlichen Gesangverein bis zum Oratorienchor; hier bietet das Kollektiv dem Einzelnen Schutz und Deckung. Anders sieht dies beim Sologesang aus, hier geht es nicht ohne eine langjährige systematische Schulung. Doch dann taucht das nächste Problem auf: Wo finden sich angemessene Auftrittsmöglichkeiten? Gewiss bieten sich Gelegenheiten im kirchlichen Rahmen, bei Chorkonzerten oder literarischen Veranstaltungen. Doch verlangt dies ein Netzwerk an Kontakten, wenn die Auftritte nicht allzu selten werden sollen. Hier sann eine ehemalige Sängerin auf Abhilfe. 13 Jahre ist es her, dass Erika Sommer einen lockeren Verbund von Sängern begründete, die sich regelmäßig zu Arbeitstagen oder Konzerten treffen. Die modernen Medien machen es möglich, dass man sich über große Entfernungen hinweg unter dem Motto „Bel-Voce Ensemble“ hinweg zu gemeinsamen Projekten vereinigt. Auszuräumen ist hier ein naheliegendes Missverständnis: der Begriff „Ensemble“ meint nicht einen Chor sondern eine Vereinigung von Solisten, die sich allenfalls gelegentlich zu Duetten oder größeren Ensembles zusammenfinden, in der Regel aber solistisch auftreten. In den vergangenen Jahren kamen eine stattliche Reihe erfolgreicher Veranstaltungen zusammen, wie Konzerte in vielen großen Städten und im Ausland oder Arbeitswochen/Workshops belegen. Darüber hinaus bietet das Ensemble seinen Mitgliedern vielfältige Unterstützung für Fragen zum Repertoire, zur Präsentation auf dem Podium oder auch bei der Vermittlung geeigneter Gesangspartner.

Angesichts derartiger eindeutiger Erfolge ist es erstaunlich, dass diese einzigartige Initiative noch immer nicht die Förderung erfährt, die sie zweifellos verdient. Was die Leiterin fast täglich an Zeit und Energie aufwendet, um die einzelnen Veranstaltungen zu organisieren, geeignete Räumlichkeiten und Instrumente, Dozenten und Teilnehmer zu finden, lässt sich ohnedies nicht in Euro und Cent aufrechnen. Hätte sie das Gleiche in einem städtischen Rahmen geleistet, so wäre sie längst mit dem Kulturpreis oder der Ehrenbürgerschaft ihrer Gemeinde ausgezeichnet worden. Doch über viele Hunderte von Kilometern verpufft die Wirkung. Es gibt so viele Kulturförderungen. Doch wer schlägt sie für eine Maßnahme vor? Viele Mitglieder sind dankbar für die Möglichkeit, in attraktivem Rahmen aufzutreten. Aber sie können (und wollen?) nichts dazu beitragen, dass dieses Angebot bekannter wird. Bisher spielt sich alles in einer verkehrten Welt ab. Schließlich darf es nicht heißen „Was kostet es, wenn wir hier auftreten?“ sondern „Was ist es Ihnen wert, wenn wir in Ihr Haus ein attraktives Konzert bringen?) Erst vor kurzem gestaltete das Ensemble ein ansprechendes Konzert in einer oberbayrischen Kirche - als Benefizkonzert! Wer aber sammelt für die Kosten des Ensembles: die Reisespesen, den Pianisten usw.?

Quelle:Gerhard Schroth

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