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BeitragVerfasst: 27.02.2009, 16:03 
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Liebe ForianerInnen,

immer wieder wird in verschiedenen Gesangsthreads die aktuelle "Szene" mit den Altvordern vor so ca. 50 - 70 Jahren, aber auch schon vor z. B. 30 Jahren verglichen.

Da ist von der Unverwechselbarkeit der "alten" Stimmen die Rede, von den Veränderungen der Tontechnik, den früheren Marketing, anderen Ansprüchen der Rezeption, weniger Verschleiß durch mehr Geduld der Managements gegenüber den Entwicklungen der Sänger, langfristigeren Karrieren, neuen Bühnenanforderungen und sogar einer geringeren Quantität der Sänger überhaupt die Rede.

Die Thematik ist schon in mehreren Foren diskutiert worden, aber das sollte nicht hindern, dies auch hier zu tun, denn völlig zu Ende geht der Gesprächsbedarf hierzu nie.

Viele große Namen haben wir im Gedächtnis, aber größtenteils sind diese Sängerpersönlichkeiten entweder nicht mehr unter uns oder nicht mehr aktiv. Langzeitkarrieren wie etwa die von Montserrat Caballe, Placido Domingo u. a. laufen absehbar aus und auch Edita Gruberova und Dolora Zajic z. B. werden irgendwann auch ein Karriereende setzen trotz ihrer noch erstaunlichen Leistungsfähigkeit.

In der Folgegeneration fehlen diese Dauerpräsenzen fast gänzlich (nun ja, Ewa Podles schafft das noch), und das muss einen Grund haben. Die Karrieren flackern auf und dauern nur kurz. Eine nicht ganz unwesentliche Entwicklung, zumal die Oper Rollen vorgibt, die einen langen stimmlichen Aufbau brauchen. Wer macht das noch und wie? Ist mit 40 Schicht im Schacht, weil man lieber jung und niedlich aussehen als eine reife Stimme haben muss?

Welchen Einfluss haben Regiekonzepte und Medien, wie funktioniert dieses Geschäft? Was lieben viele von uns an den alten Stars und Aufnahmen (zähle mich durchaus zu dieser Liebhabergruppe)?

Das ist zunächst mein Eingangsbeitrag und lade zu einer regen Diskussion ein.

Grüße

dola


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BeitragVerfasst: 27.02.2009, 16:48 
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Ich denke, der heutige Medienrummel, ob Fernsehen, Internet, Presse macht heute die "Stars", sie putschen sie hoch und wenn sie genug haben, rücken die anderen vor, die auf der Warteliste stehen. Dazu kommen viele Sänger aus dem Ausland, mit guter Ausbildung und bescheidenen Ansprüchen. Wenn man sich mal die Besetzung einer Oper irgendwo ein einem Haus ansieht, so sind die wenigsten Sänger aus deutschen Landen.

Früher gab es das nicht, es waren zwar auch Ausländer da, doch in der Minderzahl. Es standen an den Hochschulen keine Studenten Schlange, die auf einen Studienplatz hofften, es gab genug.

Die Sängerschar war übersichtlicher als heute und qualitativ sicherlich nicht besser als die heutige Generation, doch es ging alles ruhiger zu, ohne viel Medienrummel und Paparazzi.

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BeitragVerfasst: 27.02.2009, 17:22 
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PO(P)KULTUR!
Alle Arten von Kunst, Praesidentschaft (bei aller Sympathie fuer den "Neuen" ueberm Teich, aber das war schon eher hysterischer Effektpopunrealistischrummel) und auch der Operngesang leiden unter dieser Kurzzeitaction. Knall! Sex! und NATUERLICH schnell Geld!
das ist ein globales Problem
Aber im Vertrauen darauf, dass sich Gier immer irgendwann raecht (auch EGOgier gehoert da dazu), kann ich trotzdem gut schlafen :n117:
Die ersten Folgen sah man ja vor Kurzem an der MET :fidel
Macht wer bei der Vernichtung seiner Selbst nicht mit, wird er gleich von irgendeiner huebschen Schmolllippe nachbesetzt, die oft die Not irgendeines Heimatlandes im Ruecken hat und sicher nicht lange ueberlegt, welche Rolle wann und wie, weil jetzt sofort muss die Chance ergriffen werden, wenn man in Mitteleu aufgewachsen ist, hat man nicht diese enorme Panik. Hatte man zumindest nicht :verdacht

Ich denke, frueher haben die Saenger tatsaechlich oefter Nein gesagt, ich glaube heute tun sie das seltener, oder taeuscht da was?
Verprassen!Verprassen! Das Leben ist ein Casino!
Die hamm wohl zuviel Hollywood gesehen wa...

Parisa Hiltonova


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BeitragVerfasst: 28.02.2009, 14:59 
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nicht mehr zu rettender
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Nachname: K.
Ich glaube, es gibt auch heute noch Sänger, die ihre Karriere langsam und stetig aufbauen und die aber vielleicht nicht so promoted werden, wie manch augenblickliche Stars und Sternchen, die aber dennoch lange Jahre auf den mehr oder weniger grossen Bühnen singen. Im Blickfeld sind aber natürlich eher jene Stars, die von einer Plattenfirma promoted werden, und natürlich ist das Ziel, möglichst viele Cds zu verkaufen - da lauft die PR offensichtlich nicht anders als in der Popmusik.

Prominentes Beispiel ist für mich im Moment Philippe Jaroussky, der gerade die Grenzen seines Repertoires erweitert und dessen CD "Opium" genauso beworben wird, als wäre es ein Duft oder ein neues Werk von Celine Dion.

Aber ich kenne auch einige Sänger, die zwar keine Weltstars sind, die aber regelmässig und seriös auf der Bühne stehen und eine gute Leistung bringen - und dies über Jahre hinweg. Das fällt uns aber nicht so sehr auf, weil sie eben "im Schatten" der ganz berühmten Kollegen stehen.

Liebe Grüsse von Casta

edit.... hab grade mal ein paar Tipp- und Grammatikirrtümer korrigiert.... :-)

_________________
La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


Zuletzt geändert von LaCastafiore am 28.02.2009, 17:05, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 28.02.2009, 16:53 
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Es gibt gottseidank Einige, da hast Du recht :n110:

Die Welt wird trotzdem immer mehr zum Casino :n66:

Alles zu schnell und zu laut :abgelehnt

Oder bin ich da jetzt zu sehr Omi? :verdacht

(Ja man sieht schon, der Smileyentzug macht sich bemerkbar :verdacht )
Ueberhaupt :verdacht :verdacht :verdacht

:n110: :n99: :n66: :sauf: :pfeif: :pfeif: :pfeif:
ana


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BeitragVerfasst: 31.05.2009, 13:10 
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Oberratgeber
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Registriert: 04.06.2008, 16:25
Beiträge: 612
Ein sehr interessantes Thema!

Zitat dola: "Da ist von der Unverwechselbarkeit der "alten" Stimmen die Rede, ... weniger Verschleiß durch mehr Geduld der Managements gegenüber den Entwicklungen der Sänger, langfristigeren Karrieren, ... zumal die Oper Rollen vorgibt, die einen langen stimmlichen Aufbau brauchen. Wer macht das noch und wie? Ist mit 40 Schicht im Schacht, weil man lieber jung und niedlich aussehen als eine reife Stimme haben muss? ... Welchen Einfluss haben Medien ...?"

Ich würde sagen, im Musikbetrieb spiegelt sich genau das wider was auch sonst in der Arbeitswelt geschieht. Man könnte es sogar als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen bezeichnen.

Zur genannten Unverwechselbarkeit der "alten" Stimmen ließe sich z. B. die Parallele aufstellen dass damals vielleicht auch die gesamte Persönlichkeit eines Menschen nicht so sehr in ein vorgegebenes Raster passen musste. Dola hat Recht: Wie viele Stimmen habe ich schon gehört die sich kaum voneinander unterscheiden ließen. Ich bin mir absolut sicher dass es da einen Zusammenhang gibt.

Weniger Verschleiß durch mehr Geduld gegenüber den Entwicklungen der Sänger - Entwicklungen brauchen eben Zeit, viel Zeit! In der Arbeitswelt ist es aber so: Was man einmal gezeigt bekam, das muss man dann auch können. Man soll funktionieren wie eine Maschine. Und das gilt offenbar auch für Sänger. Im heutigen Maschinen- und Computer-Zeitalter ist das Gefühl für die naturgegebenen Abläufe weitgehend verloren gegangen. Tatsächlich gibt es ja bei einer Maschine keinerlei Aufbau im Sinne eines schrittweisen Erlernens was sie tun soll; sie funktioniert sofort sobald sie einmal richtig zusammen gebaut und programmiert worden ist.

Man könnte dieses Thema sehr weit spannen, auch vor dem Hintergrund der von Dola erwähnten, völlig abstrusen Altersgrenze von 40 Jahren und dass ja stetiger "Nachschub" an jung und niedlich Aussehenden besteht. Auch hier: Genau das gleiche wie sonst überall im Arbeitsleben.

Da kommt man auch zu der Frage: Welchen Wert hat der einzelne Mensch überhaupt wenn er nur nach seiner "Rendite" (in diesem Falle z. B. nach den Verkaufszahlen seiner CDs) gemessen wird? Welchen Wert hat der einzelne Mensch wenn argumentiert wird, es stehen ja genügend andere hinter ihm auf der Matte?

Zum Einfluss der Medien: Sie sind nun mal durch ihre hohe Verbreitung in sehr hohem Maße meinungsbildend. Was man irgendwo gelesen hat, darüber muss man schon nicht mehr selber nachdenken, das ist eben so. Dann wird da eben ein Paul Potts oder Peter Hofmann oder Jonas Kaufmann als ein wer weiß wie toller Sänger beschrieben, und alle glauben das.

Wie ein Sänger überhaupt in die Medien kommt - und warum andere Sänger die viel besser sind nie dort auftauchen - nun, dazu fällt mir im Moment auch (noch) keine Antwort ein.

Nachdenkliche Grüße,
AK-Kontraalt

_________________
Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt,
weckt in uns ein Unvergängliches.

(Friedrich Hebbel)


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BeitragVerfasst: 02.06.2009, 11:00 
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Oberratgeber
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Beiträge: 666
Zitat:
Wie ein Sänger überhaupt in die Medien kommt - und warum andere Sänger die viel besser sind nie dort auftauchen - nun, dazu fällt mir im Moment auch (noch) keine Antwort ein.


Das ist weder auf Sänger beschränkt, noch auf deren Präsenz in den Medien. Das ist eine universelle Erkenntnis, daß Leistung für sich alleine nicht hinreichend ist. Es gehört auch das ganz banale Glück dazu, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein, UND dann die Fähigkeit zu haben, diesen Umstand auch ausnutzen zu können.



Zitat:
Zum Einfluss der Medien: Sie sind nun mal durch ihre hohe Verbreitung in sehr hohem Maße meinungsbildend. Was man irgendwo gelesen hat, darüber muss man schon nicht mehr selber nachdenken, das ist eben so.


Das ist korrekt. Das war aber auch schon früher so, und ist kein grundsätzlich neues Phänomen. Auch das "Genie" Einstein ist im Prinzip ebenso ein Produkt der (hier: amerikanischen) Medien (Heisenberg und Planck haben das moderne Weltbild mindestens ebenso genial geprägt, wie Einstein), wie etwa das von Mozart oder Bach. Nicht, daß diese drei nicht Hervorragendes geleistet hätten: Es geht darum, daß deren Leistung relativ zu anderen stärker betont wurde. Die Mozarts etwa im Vergleich zu Haydn, der als Komponist und Musiker sicher nicht hinter Mozart zurückstand, aber nicht einen Otto Jahn als Biographen hatte (http://www.zeno.org/Musik/M/Jahn,+Otto/W.A.+Mozart) , der den Mythos Mozart entscheidend geprägt hat. Gleiches gilt für Telemann im Vergleich zu Bach und der Biographie von Philipp Spitta (http://www.zeno.org/Musik/M/Spitta,+Phi ... stian+Bach)

Man muß da eben nicht mehr nachdenken. Man kann sich auf eine Autorität berufen. Und: Was viele glauben, kann nicht falsch sein. Wenn man allenthalben liest, daß Sänger XY oder Dirigent YX phantastisch wäre, dann kann das demnach nicht falsch sein. Meistens ist das noch nicht einmal Hype, es stimmt in der Regel sogar. Das kann natürlich auch böse nach hinten losgehen: Wenn z.B. Anna Netrebko allerorten wochenlang in fußballfeldgroßen Transparenten von Häuserwänden lächelt, dann weckt das Erwartungen, die zwangsläufig nicht mehr erfüllbar sind. Dementsprechend abwertend war die Kritik seinerzeit über ihre Traviata in Salzburg, OBWOHL sie gut gesungen war. Das bedeutet natürlich nicht, daß jemand, der nicht in den Medien ist, deswegen schlechter wäre. Aber so funktioniert halt Werbung.

Paul Potts ist ein Sonderfall, das fällt unter die Kategorie "Pop", und dort ist er ein Exot. Das ist aber nicht schlecht, das bringt vielleicht ein paar Leute zur Beschäftigung mit Oper und Klassik, die dem früher eher fern gestanden haben. Peter Hofmann WAR ein guter Sänger, er hat nur seine Stimme frühzeitig ruiniert, so wie Rolando Villazón. Gut: da kann man natürlich fragen, ob das tatsächlich gute Sänger waren, wenn die Stimme in die Brüche geht, und/oder ob der Medienrummel zur permanenten Überforderung geführt hat etc. Villazón sagt heute selber, daß er zu viel angenommen hat. Wenn man allerdings in dieser Weise den Stab über Hofmann und Villazón bricht, muß an ihn in gleicher weise auch über die Callas brechen…


Was die Unverwechselbarkeit von "alten" Stimmen betrifft: Jeder erkennt wohl einen Gottlob Frick, einen Hermann Prey oder einen Peter Schreier auf Anhieb. Ich tu mich schwer, die Stimmen von jüngeren Sängern heute zu unterscheiden. Ich glaube einfach, daß das der normierenden Eigenschaft von Tonträgern zuzuschreiben ist. Die Langspielplatte kam erst Ende der 50er Jahren auf den Markt (und war für damalige Verhältnisse sündteuer!), die HiFi-Norm wurde Anfang der 60er eingeführt. Diejenigen, die vor oder in den ersten 2 Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg ihre Ausbildung hatten, waren von dieser Entwicklung unbeeinflußt, die großen Vorbilder waren nicht ständig präsent und abrufbar. Heute bekommen in einem musikalischen Elternhaus schon die kleinen Kinder mit, wie Oper oder Gospel oder Rock klingt. Das führt zwangsweise dazu, daß sich ein gemeinsames, genrespezifisches "Klangideal" herausbildet, dem sich jeder verpflichtet fühlt. Damit fallen dann solche stimmlichen Eigenheiten, an denen man den Sänger erkennen kann, unter den Tisch. Davon abgesehen, würde sich heute jeder Sänger schwertun, wenn er einen so deutlichen Akzent hätte, wie Gottliob Frick.


genug für heute...

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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