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 Betreff des Beitrags: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 10.06.2009, 16:52 
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das betrifft jetzt wohl eher die Männer....

Bach, Weihnachtsoratorium Teil 1, Nr 8 "Großer Herr und starker König" wird üblicherweise gerne etwas flotter im Tempo genommen. Von der Melodieführung (Trompete!) ist das auch in Ordnung.

Aber - der Text ist doch eher kontemplativer Natur:

Großer Herr und starker König,
liebster Heiland, oh wie wenig
achtest du der Erden Pracht!

Der die ganze Welt erhält,
der ihre Zier und Pracht erschaffen
muß auf harten Krippen schlafen!

wäre da ein etwas gemäßigteres Tempo nicht eher angemessen..?

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 10.06.2009, 22:15 
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Lieber Pestoso,

dumme Fragen gibt es ja bekanntlich nicht, und auch wenn Du die Antwort auf Deine Frage sicherlich schon weißt :n110: , will ich nichtsdestotrotz ein paar Gedankenfetzen dazu schreiben.
Ich kann in dem Text keine Spur von Kontemplation entdecken. Im Gegenteil...handelt es sich doch hierbei eher um eine Anklage und um Wut. Der Heiland muß in einer Futterkrippe und auf Stroh schlafen. Auch die Wortwahl ist sehr "direkt" gewählt. "Achtest", "Pracht", "Krippe" ,"harten".... das sind keine Worte, die einen in seelige Anbetung und Meditation versinken lassen. Insofern passt das zügige Tempo und die Trompete perfekt.

LG Silje

_________________
...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -
--------------------------- -----------------------------

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 Betreff des Beitrags: Re: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 13.06.2009, 15:15 
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- auch wenn meine Musikalischen Kenntnisse eher begrenzt sind (singen macht mir einfach Spass);
big_lala
Musik / singen hat ja sehr viel mit Emotionen zu tun (DAS habe ich ja doch verinnerlicht) - und genau wie Silje verspüre ich hier eine gewisse Aufregung, ja gar Wut, dass der Heiland so "unbequem" hausen muss.
Es wird damals nicht viel anders gewesen sein wie heute; wer sich aufregt spricht, resp. singt, schneller (und härter) - in so fern sehe ich ein "flottes" Tempo als angebracht an - um diese Stimmung über zu bringen......
big_give5


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 14.06.2009, 22:29 
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.....Ich habe hierzu verschiedene Interpretationen angehört.... das Tempo ist im zweiten Teil immer etwas "schneller" und die Unterscheidung, die man auch erkennt (hört) gefällt mir dann am besten.

Ob irgendwie Wut dabi ist?..... hmmmmm kann ich nicht erkennen...ich sehe es eher als Traurig an, dass ein Kind so auf die Welt kommen muss........ :n66: :n66: :n66:

Mit meiner GL studiere ich das vom Grundsatzt her auch so ein........

....PS ....Dumm finde ich diese Frage überhaupt nicht :n66:


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 15.06.2009, 11:16 
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Registriert: 17.10.2008, 16:24
Beiträge: 650
Hmm…Wut? Das ist ein interessanter Aspekt.

Ich habe eine ganze Weile darüber nachgedacht, aber ich tu mich schwer, mich dieser Sichtweise anzuschließen.

Wut über was? Daß sich ein allmächtiger Gott, der "große Herr und starke König" dieses ärmliche Ambiente für seine Menschwerdung ausgesucht hat? Er hätte es ja auch anders machen können! Für mich drückt diese Arie eher das Erstaunen eben darüber aus: daß er trotz seiner Macht ("der die ganze Welt erhält…") "der Erden (d.h. der Menschen) Pracht" so mißachtet und die "harten Krippen" vorgezogen hat. In diesem Sinne verstehe ich auch die Nummer 7 davor, den vom Baßrezitativ unterbrochene Sopran-Choral:

Er ist auf Erden kommen arm
Wer kann die Liebe recht erhöhn,
die unser Heiland für uns hegt

daß er unser sich erbarm
ja, wer vermag es einzusehen,
wie ihn der Menschen Leid bewegt.

uns in dem Himmel mache reich
Des Höchsten Sohn kommt in die Welt,
weil ihm ihr Heil so wohl gefällt:

und seinen lieben Engeln gleich.
So will er selbst als Mensch geboren werden.
Kyrieleis

(kursiv: Rezitativ, Rest: Frauen) "So will er selbst als Mensch geboren werden"! Ich sehe da (Nr.7 und 8) den Sänger quasi an der Krippe stehen und sich wundern. (das meinte ich mit "kontemplativ"). Die Frauen geben ihm eigentlich schon die Antwort. Aber er kann es immer noch nicht fassen und sinniert in der Nr. 8 weiter...

Ich glaube auch nicht, daß die Musik hier eine "wütende" Interpretation wirklich stützt. (Wut in der Musik klingt bei Bach eher wie die Nr. 27b in der MaPa "Sind Blitze, sind Donner… ") Ich höre in der Begleitung aber fanfarenartige Trompete als Symbol für Herrschaft und Königtum - durchaus auch als Kontrast zum Text. (Oder vielleicht: die Trompete/das Orchester weiß es besser..?) Zugegeben: die Synkopen verleiten schon sehr dazu, es flotter zu nehmen, zumal wir ja alle mit Rhythm & Blues aufgewachsen sind und die Versuchung tatsächlich groß ist, es "rocken" zu lassen. Wobei ich persönlich davon überzeugt bin, daß diese Synkopen "nur" ein geniales Stilmittel sind, um zu verhindern, daß die Begleitung zum Marsch wird…

Aber Ihr habt mir mit Euren Antworten sehr geholfen... :-)

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und noch 'ne dumme Frage...
BeitragVerfasst: 19.06.2009, 19:45 
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Interessant ist auch die Erkenntnis in deinem letzten Satz, TMPestoso, dass die Synkopen ein Stilmittel sind, damit das Ganze kein Marsch wird!

Wünsche geruhsamen Sonntag, big_schaukelstuhl
und angenehme Spaziergänge mit dem :hund , falls vorhanden,

vox clara


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