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 Betreff des Beitrags: Der Schulmesiter in der Singstunde
BeitragVerfasst: 12.11.2011, 16:08 
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hat sich schon eingelebt
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Hallo zusammen- man lernt nie aus!

Gestern erfuhr ich, dass die bekannte Komische Kantate DER SCHULMEISTER nicht von Telemann geschaffen wurde, sondern von Christopf Ludwig Fehre.

Da ich ich mich musikalisch mit dem Stück in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigste und auch schon 2 mal aufgeführt habe, waren diese Informationen für mich sehr interessant und nun auch etwas erklärlicher in Bezug auf die Texte der Rezitaive....
big_denken big_denken big_denken

Ich lieb diese Kantate und habe immer viel Spass dabei! big_ok

Hier der Text, der miich zu dieser Information führte:

Artikel von Pfarrer Burkhard Nitzsche, Ev. - Luth. Kirchgemeinde Zehren, Dörschnitz - Striegnitz
Unsere Schulzeit ist einer der wenigen Lebensabschnitte, die uns während unseres ganzen Lebens nicht loslassen. Es ist eine Zeit, die uns prägt wie kaum eine andere, eine Zeit, an die man sich immer wieder mit gemischten Gefühlen, doch auch freudig zurückerinnert, eine Zeit, die von neuen Erfahrungen, Grenzüberschreitungen, Experimenten, Gratwanderungen, Streichen und Schabernack geprägt ist. Es ist die Zeit, in der sich unsere Lehrer stellvertretend für Staat und Volk darum bemühen, uns die Dinge mit auf den Weg zu geben, die wir brauchen, um im Leben zu bestehen oder von denen sie meinen, dass wir sie bräuchten. Doch nachher erinnert man sich, im kleinen ebenso wie im großen Kreise, meist viel weniger an die vermittelten Inhalte als an die Art und Weise, wie sie vermittelt wurden: So mancher versteht es weitaus besser, das seltsame Lispeln des Lehrers, als er versuchte, den unmotivierten Schülern die binomischen Formeln beizubringen, nachzuahmen, als diese Formeln anzuwenden, denn der Lehrer steht seit jeher inmitten des Blickfelds seiner Schüler und der Öffentlichkeit, er bewegt sich damit unablässig auf einem Präsentierteller, nahezu schutzlos mit all seinen Macken und Schwächen der gnadenlosen und spitzfindigen Kritik seiner Schüler ausgeliefert. Doch dies ist nicht erst der Fall, seit die Pisa-Studie Eltern wie Lehrer in Angst und Schrecken versetzte, auch weitaus früher beobachteten Schüler ihre Lehrer schon mit Argusaugen, entging ihnen keine Macke, kein noch so kleiner Versprecher. Da hat es gut, wer über sich selbst lachen kann, und nur der vermag sich zu bewähren, denn wer vor den eigenen Fehlern nicht die Augen verschließt, kann am Ende mit Anderen befreit darüber lachen.

So geschieht es auch in einer Kantate, die den Schulalltag im 18.Jahrhundert unter die Lupe und aufs Korn nimmt: - Der Schulmeister in der Singschule -. Diese erzählt auf amüsante Weise von den Mühen und Nöten eines Musiklehrers und seiner Schüler.

Der Schulmeister ist von seiner Wichtigkeit ausgesprochen überzeugt und traut seinen Schülern nur wenig zu. Sie müssen sich die Meinung ihres Lehrers zu einem Streit in der Musiktheorie anhören, von dem sie nichts oder nur wenig wissen können, all seine Launen ertragen und schließlich gar seiner Präsentation als Gesangskünstler beiwohnen. Dabei verhaspelt der Schulmeister sich jedoch und verliert mehrfach den Faden - schuld daran sind natürlich: die Schüler. Wenn die Schüler beim nächsten Übungsstück, einer Fuge, den Einsatz nicht finden, so liegt auch das nicht am Lehrer, sondern an den „ochsenmäßig dummen“ Kindern. Diese wünschen mit einem Spottvers die großen Klassiker Aristoteles, Plato und Euripides in unerreichbare Tiefen hinab. Beim letzten Gesangstück des Schulmeisters „Wer die Musik nicht liebt und ehret, wer diese Kunst nicht gerne höret, der ist und bleibt ein Asinus (Esel)“, stellt sich nunmehr die Frage: Wer ist eigentlich der Esel, von dem der Schulmeister singt?

Die Kantate - Der Schulmeister in der Singstunde - wird daher gern anlässlich von Jubiläen aufgeführt, wenn ein humorvolles Musikstück zum Thema Schule gesucht wird. Während der letzten 150 Jahre ist diese Kantate dabei stets keinem Geringeren als Georg Philipp Telemann (1681–1767) zugeschrieben worden. Der Leipziger Musikprofessor Hans-Joachim Schultze, langjähriger Direktor des Leipziger Bach-Archivs, entdeckte jedoch 1995, dass in den ältesten Musikkatalogen des Verlages Breitkopf aus den Jahren 1768 und 1770 für diese Kantate ein ganz anderer Komponist genannt wird: Christoph Ludwig Fehre. Dieser wurde am 18.2.1718 in Zehren geboren, wo sein Vater Christian Fehre Pfarrer war. Christoph Ludwig Fehre war Schüler an der Dresdner Annenschule und von 1730 an am Dresdner Hof tätig, wo er offenbar dem Hofkapellmeister Pantaleon Hebenstreit unterstellt war, ehe er 1746 Inspektor und Lehrer der Kapellknaben in Dresden wurde. Im Jahre 1754 wurde Fehre Substitut und 1757 bis 1772 Organist an der Annenkirche in Dresden. Christoph Ludwig Fehre hat etwa zwanzig geistliche Kantaten komponiert, von denen allerdings nur drei überliefert sind. Erwähnenswert ist darüber hinaus auch sein Passionsoratorium „Sammlet euch, getreue Seelen“. Im Dresdner Musikleben des 18.Jahrhunderts hat der Zehrener Pfarrerssohn Fehre jedoch wohl eher im Schatten bedeutender Musiker wie Jan Dismas Zelenka, Johann Adolf Hasses, Gottfried August Homilius und Johann Gottlieb Naumanns gestanden. Der Umstand, dass eine so gelungene und traditionsreiche Musik nach zweihundert Jahren nicht mehr dem berühmten Telemann, sondern einem gänzlich unbekannten Zehrener zugeschrieben wird, war es uns wert, eine Aufführung der „Schulmeisterkantante“ am Geburtsort Fehres, Zehren, anzustreben und umzusetzen. Dies ist uns mithilfe des kleinen und großen Chores des Werner-Heisenberg-Gymnasiums Riesa und des Streichorchesters der Musikschule des Landkreises Meißen gelungen. Die Ausführenden werden ausschließlich Schüler sein, auch der Part des Schulmeisters wird von einem Schüler übernommen werden. Im Rahmen der Aufführung wird noch weitere Musik dieser Zeit erklingen und einiges zum Leben dieses berühmten Sohn Zehrens zu erfahren sein und mancher mag sich an seine Schulzeit erinnern.

_________________
Liebe Grüße...und:

nur weiter, denn nur weiter ! - Mein treuer Wanderstab.

Manne


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